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Kultur-Neustart: „Alles in der Schwebe“

Erschienen in: 
Starnberger Merkur
Die Kultur könnte wieder starten, wenn auch mit angezogener Handbremse. Bis auf Kino wird sich in Gauting allerdings so bald nicht bewegen auf den Bühnen. Inzwischen ist auch das Kleine Sommerfestival abgesagt.

Am gestrigen Montag hat die Gemeinde Gauting die coronabedingte Sperre des Bürger- und Kulturzentrums Bosco aufgehoben – nicht nur zur Freude von Theaterforum-Vorsitzendem Thomas Hilkert. Ob bereits verschobene Veranstaltungen, wie das Klassikkonzert mit dem Boulanger-Trio, im Juli stattfinden werden, sei „eher unwahrscheinlich“. Wegen Corona fällt heuer auch das „Kleine Sommerfestival“ in der Schlosspark-Remise flach, sagte der Vereinsvorsitzende Joachim Bender auf Anfrage.

Im Rahmen der Corona-Lockerungen der bayerischen Staatsregierung versucht sich der Gautinger Kulturbetrieb nach dem großen Lockdown am Neustart – allerdings mit angezogener Bremse. „Richtig losgeht‘s erst wieder im September“, sagt Hilkert. Denn nach den aktuellen Regeln dürfen derzeit maximal 50 Personen in den großen Bosco-Saal. Für ein Klassikkonzert sei das nicht rentabel. Deshalb hoffe das Theaterforum, das den Bosco-Betrieb managt, auf die Erlaubnis des Landratsamts, sodass wieder die üblichen 350 Personen im Saal zulässig sind.

Im Grunde sei die Sommersaison gelaufen. Bereits angekündigte Konzerte, Theater-Aufführungen und Kabaretts werden voraussichtlich nochmals verschoben – in Absprache mit den Veranstaltern. Abonnenten hätten zudem die Wahl, ob sie ihre bereits gekauften Karten zurückgeben oder aber „den nächsten Termin wahrnehmen“. Mehr Gautinger als erwartet hätten den Preis ihrer erworbenen Tickets dem Theaterforum gespendet: „Das hat uns sehr gefreut“, dankt Thomas Hilkert für die Solidarität. Weil gerade das Klassikpublikum „eher älter ist“ und zur Risikogruppe zähle, habe das Theaterforum auch angeboten, das Abo ruhen zu lassen – ohne dass die Abonnenten ihre angestammten Plätze verlieren. Doch derzeit sei wegen der Pandemie eben „alles in der Schwebe“.

Das Theaterforum-Team warte erst einmal ab, „wie die Regeln Ende August sein werden“. Bis heute sei der schon im Vorjahr um 15 Prozent gekürzte gemeindliche Kulturzuschuss (wir berichteten) für 2020 nicht eingegangen. „Ich hoffe nicht, dass der neue Gemeinderat weiter kürzt“, sagt Thomas Hilkert. Offiziell habe die Gemeinde die Bosco-Sperrung am gestrigen Montag aufgehoben. Vereine oder sonstige Veranstalter könnten den großen Saal für bis zu 50 Personen mieten.

„Bis vor ein paar Tagen hatten wir keine endgültige Genehmigungszusage vom Landratsamt“, sagt Joachim Bender, der Vorsitzende des Gautinger Fördervereins Schlosspark-Remise. Deshalb ist auch das diesjährige 12. „Kleine Sommerfestival“ des künstlerischen Leiters Florian Prey „schweren Herzens“ abgeblasen worden. Ohne Vorlauf sei das „zu viel Unsicherheit gewesen“. Doch viele der bereits gebuchten Künstler, wie die Gautinger Violin-Professorin Lena Neudauer, hätten sich bereit erklärt, beim Sommer-Festival 2021 wieder zu konzertieren. Aber auch Hochzeiten und Geburtstagsfeiern wie die des Altbürgermeisters Ekkehard Knobloch, die in der Remise gebucht waren, seien abgesagt worden.

Mit der Wiedereröffnung seines Gautinger Lokals „Tati“ ging Breitwand-Kinobetreiber Matthias Helwig Anfang des Monats an den Start. „Doch das hat sich nicht gelohnt“, sagt der Inhaber des Gautinger Kinos mit vier Sälen. Die Menschen seien durch Corona nach wie vor verunsichert. Mit Optimismus und dem Kult-Film „Alexis Sorbas“ unternimmt Helwig am Donnerstag, 18. Juni in Gauting einen Neustart. „Alexis Sorbas“ mit dem Sirtaki-Tanz von Mikis Theodorakis und Anthony Quinn sei nämlich ein „klares Statement“, dass „immer gute Laune bleibt“ – selbst wenn im Leben Manches schief läuft, sagt Matthias Helwig.
Christine Cless-Wesle, 16.06.2020