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Kultur in unruhigen Zeiten

Erschienen in: 
Süddeutsche Zeitung - Starnberg
Die Höhepunkte im reduzierten Herbstprogramm

Mit dem Eröffnungskonzert von Ecco di Lorenzo and his Innersouls ist vergangene Woche die neue Saison des Gautinger Theaterforums angebrochen. Im 26. Jahr des Bestehens dieser kulturellen Institution müssen die Veranstalter sparen: Weil die Gemeinde ihre Zuschüsse um 15 Prozent zurückfährt und die Saalmieten um zehn Prozent anhebt, ist man gezwungen, die Schauspielabende und "Vielklang"-Konzerte zu reduzieren. Auch das Literaturabo und der Literaturwettbewerb sind dem Rotstift zum Opfer gefallen.

Dessen ungeachtet könne man aber wieder ein sehr attraktives Programm präsentieren, finden die Theaterforum-Vorsitzenden Thomas Hilkert, Werner Gruban und Siegfried Bartel im Programmheft. Ihr Wunsch sei, als "kultureller Hafen in unruhigen und beunruhigenden Zeiten" den Verlockungen des Konsums Entschleunigung und Beschränkung auf das Wesentliche entgegenzusetzen. Passend dazu wird der Theologe und Kulturwissenschaftler Joachim Kunstmann am 24. November im Philosophischen Café erwartet. Er spricht zum weitläufigen Thema "Kultur": Sie bedürfe statt Hightech und sofortiger Befriedigung der geduldigen Pflege - was ja schon im lateinischen Begriff "cultura" als Bedeutung mit enthalten sei. Außerdem lädt der Professor aus Weingarten am 20. Oktober zum Philosophieren über "Fremdheit und Toleranz" ins Bosco ein.

Bis zur Weihnachtspause sind dort noch vier literarische Veranstaltungen vorgesehen: Am 23. Oktober präsentieren Cornelia Bernoulli und Mattias Friedrich ihr in Form einer Radioshow verpacktes Spiel "Theodor Fontane - Ein weites Feld". Die dreiteilige Reihe "Die Liebe höret nimmer auf" von und mit Gerd Holzheimer beginnt am 27. November, wenn es heißt: "Die Liebe ist ein seltsames Spiel". Und zweimal wird im Bosco Literatur und Musik angeboten: Am 8. Dezember spielen Brigitte Hobmeier und die Nouvelle Cousines ein - bereits ausverkauftes - Weihnachtsprogramm. Am 15. Dezember treten das Trio Gruberich mit Sprecherin Sabine Sauer zum "Bayerischen Advent" an.

In der Sparte Theater sind - neben der Stückentwicklung "Lulu" der Freien Bühne München am 9. November - noch zwei Gastspiele mit je zwei Vorstellungen übrig geblieben. Die stets begehrten Aufführungen des Münchner Metropoltheaters in dieser Woche sind längst ausverkauft. Für das Schauspiel Frankfurt mit "Abschied von den Eltern" nach Peter Weiß gibt es noch Restkarten für den 19. November. Ein Renner im Bosco sind oft auch die Kabarett-Abende: Für die beiden Auftritte von Hans Klaffl mit "Nachschlag! Eh ich es vergesse" am 5./6. Oktober sind jeweils noch wenige Restkarten vorhanden, Stefan Zinner (16. Oktober, "Raritäten") ist ausverkauft. Karten gibt es noch für Faltsch Wagoni ("Auf in den Kampf, Amore!", 28. September), Axel Pätz ("Realipätztheorie", 6. November), Severin Groebner ("Gut möglich", 14. November) und Chin Meyer ("Leben im Plus", 7. Dezember).

Im unverändert reichhaltigen und hochkarätigen Klassik-Programm sind bereits die Konzerte des Trios Kam-Porat und der Auftritt von Quatuor Modigliani mit Anneleen Lenaerts ausgebucht. Das jährliche Gastspiel des Ensemble Berlin am 29. September bietet wie gewohnt einen Querschnitt von der Klassik bis zur Moderne. Im Kontrast dazu spielt das Trio Karénine am 23. Oktober nur Klaviertrios von vier Zeitgenossen, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Paris Musikgeschichte schrieben. Dort fanden auch die drei jungen Musiker 2009 zusammen. Mit einigen Höhepunkten wartet auch die von Ludwig Seuss kuratierte Jazz-Serie auf: So wird am 17. Oktober Enders Room erwartet, das Klanglaboratorium des Weilheimer Saxofonisten Johannes Enders, der seit zehn Jahren in Leipzig als Professor tätig ist. Mit seinem Quintett, in dem auch Trompeter Bastian Stein und Vibraphonist Karl Ivar Refseth mitwirken, inszeniert er im Programm "Hihikomori" eine spannende Mixtur aus analoger Klang-Ästhetik und hypnotischem Elektro-Jazz. Zudem gastieren das Rick Hollander Quartet ("The best is yet to come", 21. November) und das Piano-Trio des Norwegers Oddgeir Berg ("In the end of the night", 5. Dezember).
Armin Greune, 24.09.2019