Presse

So, 02.02.2020
13.00 Uhr
Kinder
Musik

Magier im Anflug

Veranstaltung: 
Kind of magic – Harry Potter neu vertanzt
Künstler: 
SEA DANCE SCHOOL DIEßEN
Erschienen in: 
Süddeutsche Zeitung - Starnberg
60 Eleven der Sea Dance School aus Dießen tanzen im Gautinger Bosco eine Harry-Potter-Revue

Schon die erste Szene verzaubert die Zuschauer: Elf kleine Eulen tänzeln auf die dunkle Bühne im Bosco, winken mit den aufwendig gearbeiteten Flügelchen und bewegen sich flatternd durcheinander, um sich dann wieder in Zweierreihe zu formieren. Die elfte Eule, Hedwig, darf ihrem zukünftigen Herrn, Harry Potter, den Brief mit der Aufnahme für die Zaubererschule Hogwarts überbringen. Es ist der gelungene Auftakt zur Tanzperformance „Kind of Magic – Harry Potter neu vertanzt“ der Sea Dance School Ammersee am Sonntag im Gautinger Kulturhaus mit zwei ausverkauften Vorstellungen.

Das Stück lehnt sich an die gleichnamigen Jugendromane von J. K. Rowling an und setzt einen Teil der Abenteuer der jungen Zauberlehrlinge Harry Potter, Hermine Granger und Ron Weasley in Tanz um. Seit dem Frühsommer vergangenen Jahres hat die 22-jährige Tanzlehrerin Sabrina Kragler, die auch die Leiterin der Tanzschule ist, das Konzept ausgearbeitet. Es verbindet klassisches Ballett, Jazz-Dance und akrobatischen Tanz und gibt den Kindern und Jugendlichen Gelegenheit, sich vor großem Publikum zu zeigen und Selbstbewusstsein zu entwickeln. Beim Finale sind schließlich mehr als 60 Tänzer auf der Bühne, die Jüngste ist drei, die Älteste 72 Jahre alt. Unterstützt wurde Kragler in der künstlerischen Leitung von Franzi Wagner. Die Proben haben im September begonnen, zusätzlich zu den regulären Tanzstunden seien an jedem Wochenende, manchmal bis zu sieben Stunden Schritte einstudiert worden. Es sei eine Freude gewesen zu sehen, mit welchem Eifer ihre Schüler dabei waren und wie sie sich entwickelten, sagt sie in der Begrüßung.

Die Hauptrollen sind doppelt besetzt, Harry wird in der Vorstellung um 13 Uhr von Tobias Weber getanzt, um 17 Uhr ist es Julius Fischer, der dem angehenden Hexenmeister seine Beine leihen darf. Hermine Granger wird von Clea Schultze und Sarah Kirchner getanzt, für den rothaarigen Ron Weasley wurden die beiden Ballerinas Selina Hohloch und Johanna Spensberger ausgesucht. Lord Voldemort stellen Paula Eger und Mia Hoffmann dar. Damit sich die kleinen Zuschauer nicht fürchten, trägt der dunkle Magier keine gruselige Maske, sondern nur einen schwarzen Umhang. Die Musik basiert auf dem Soundtrack der Filmmusik von John Williams, gemischt mit modernen Popsongs von Stars wie Beyoncé, Zara Larsson, Michael Jackson, Justin Timberlake und, klar, auch Queen. Ein Erzähler führt in die Episoden ein. Nach den ersten fünf Minuten haben sich die jungen Tänzer die Bühne erobert. Ist Tobias Weber als Harry zunächst noch etwas zaghaft, so bekommt er mehr und mehr Selbstsicherheit und verschmilzt mit seinem Part. Mit Hermine und Ron wird er auch zu einem der Anführer auf der Bühne.

Die Häuser von Hogwarts unterscheiden sich im Tanzstück farblich. Die Elevinnen der verschiedenen Gruppen tragen entsprechende Krawatten. Haus Hufflepuff wird beispielsweise von den Mini-Jazzern im Alter von acht bis zehn Jahre bewohnt, in Griffindor ist es die Teenie-Jazz-Gruppe, Slytherin repräsentieren die Jugendlichen, die Jazz-Technik üben. Diese glänzen mit schwierigen Ballettschritten, Sprüngen und akrobatischen Fertigkeiten.

Danach ist es an der Zeit für die erste Flugstunde, alle Adepten schaffen sie reibungslos, die Szene endet in einem fantasievollen Besen-Reigen. Ein erster Höhepunkt ist das Pas de Deux von Hermine und Harry, gefolgt von der ersten Zauberstunde, an der auch Draco Malfoy teilnimmt.

Der zweite Teil startet wieder mit einer hinreißenden Szene. Als Hauselfen zeigen die Jüngsten aus der Pre-Ballett-Stunde – dabei die kleine Dreijährige – was sie in den vier vergangenen Monaten gelernt haben. Auf Spitzen trippelnd überreichen sie Hermine ein türkisfarbenes Tanzkleid für den feierlichen Schulball. Und schließlich treten Voldemort und seine dunklen Gehilfen auf, die in glänzend schwarzen Kapuzencapes zu Klängen aus den „Carmina Burana“ eine bedrohliche Stimmung verbreiten. Zum Finale im Glitzerregen zeigen alle ihre Freude an der außerordentlich gelungenen Vorstellung.
Blanche Mamer, 04.02.2020