Presse

Sa, 09.11.2019
19.00 Uhr
Schauspiel

Mit Charme und Wandlungsfähigkeit

Veranstaltung: 
LULU nach Frank Wedekind
Künstler: 
Freie Bühne München
Erschienen in: 
Süddeutsche Zeitung - Starnberg
Nach ihrem Kino-Coup klopfen das Fernsehen und renommierte Theater bei Schauspielerin Luisa Wöllisch aus Tutzing an

Es war ein regelrechter Hype, der im Frühjahr ausbrach, als Luisa Wöllisch aus Tutzing ihre erste Hauptrolle in einem Kinofilm bekam. Die 22-Jährige, die gerade ihre dreijährige Ausbildung an der Freien Bühne München absolviert hatte, war plötzlich neben deutschen Kino-Stars wie Tom Schilling und Jella Haase auf der Leinwand zu sehen. Das war etwas Besonderes. Noch dazu, weil Luisa Wöllisch das Down-Syndrom hat.

Angelica Fell, die die Freie Bühne als erstes inklusives Theater in Bayern zusammen mit Tochter Marie-Elise vor fünf Jahren gegründet hatte, ist unglaublich stolz. Mit Luisa Wöllisch ist gleich der ersten Absolventin mit einer kognitiven Beeinträchtigung der Sprung in die Film- und Theaterwelt gelungen. "Wir haben uns natürlich alle gefragt, wie es nach ,Goldfische' weitergeht", erzählt die Fernsehredakteurin. Wie sich zeigen sollte, nur positiv: Für das kommende Jahr haben gleich zwei renommierte Theater der Nachwuchsschauspielerin ein Engagement angeboten, das Kammertheater Karlsruhe und die Comödie Dresden. Die Intendanten beider Häuser hätten sich Wöllisch als "Lulu" in der aktuellen Produktion der Freien Bühnen München angeschaut. Sie hätten gleichsam keine Chance gehabt, wie Angelica Fell sagt, denn: "Luisas Charme verzaubert die Menschen." Auch im Fernsehen will die Tutzingerin das unter Beweis stellen. Im ZDF wird sie an der Seite von Simone Thomalla in der Herzkino-Serie "Frühling" zu sehen sein, in der ARD in einer Episode von "Um Himmels Willen". "Ihr Zuhause bleibt aber die Freie Bühne", betont Fell.

Sie selbst hat einen Sohn mit Down-Syndrom, Dennis Fell-Hernandez, 29, der ebenfalls an der Freien Bühne Theater spielt. Natürlich seien behinderte Schauspieler anders, sagt Fell. "Doch gerade das macht es spannend." Es entstehe eine ganz neue Theatersprache, die schlicht berühre - "und genau darum geht es doch im Theater". Luisas Beispiel zeige aber auch, wie wichtig eine fundierte Ausbildung ist. "Es heißt ja gerne, behinderte Menschen spielten nur sich selbst." Ein Vorurteil, das Luisas Wandlungsfähigkeit entkräftet. Obendrein brauche es zudem Talent, Fleiß und Disziplin. Fell erzählt von der Premierenfeier von "Goldfische", man habe an diesem Abend lange zusammen gefeiert. "Am nächsten Morgen um zehn war dann Training an der Schule. Und Luisa war pünktlich da." Die junge Frau habe viel Kraft und Durchhaltevermögen, lobt Fell.

Luisas Erfolg zeige, dass es funktioniere. Auch mit Down-Syndrom. Sie hat damit sich selbst gezeigt, wie viel sie kann. Und noch viel mehr: "Sie macht anderen so viel Mut, es auch zu probieren", sagt Fell. Am Sonntag, 10. November, wird Luisa Wöllisch mit dem "Grünen Wanninger", dem Kulturpreis der Grünen-Bezirkstagsfraktion, in der Starnberger Schlossberghalle ausgezeichnet. Am Abend zuvor spielt sie als "Lulu" im Bosco.

"Lulu" nach Frank Wedekind, Freitag, 8. November, 19 Uhr, im Stadttheater Weilheim und tags darauf 19 Uhr, im Bosco Gauting (Karten: 089/45238580).
Carolin Fries, 08.11.2019