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Mit Maske ins Museum

Erschienen in: 
Süddeutsche Zeitung - Starnberg
Das Buchheim Museum in Bernried empfängt von Dienstag an wieder Besucher, auch Ateliers und Kleinkunstbühnen bereiten ihre Öffnung vor. Konzertveranstalter im Fünfseenland müssen sich noch gedulden

Während sich Konzertveranstalter weiter ohne klare Perspektive sehen, geht durch die Kunstszene ein vorsichtiges Aufatmen: Von diesem Montag an dürfen Bayerns Museen und Galerien wieder ihre Türen öffnen. Auch im Fünfseenland sehen sich einige Einrichtungen und Kuratoren bereit, wieder kunstinteressierte Besucher zu empfangen – selbst wenn in letzter Minute noch allerhand Improvisation nötig sein wird, um die Hygienevorschriften zu erfüllen. Das Bernrieder Buchheim Museum empfängt sogar schon von diesem Dienstag an wieder Publikum. „Wir werden natürlich sämtliche Sicherheitsmaßnahmen wie etwa die Maskenpflicht befolgen“, sagt Museumssprecherin Sabine Bergmann.

Wie die Details aussehen sollen, werde noch abgestimmt, aber sie hoffe, dass man um die Sperrung einzelner Säle herumkomme. „Wir wollen uns daran orientieren, wie andere Museen vorgehen, die Prämissen des Deutschen Museumsbunds sind ein Leitfaden für uns.“ Der empfiehlt eine schrittweise Öffnung unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln: etwa durch Begrenzung und kluge Führung der Besucher, erweiterte Öffnungszeiten mit Zeitfenstern speziell für Risikogruppen, erhöhte Reinigungsintervalle und Schutzmaßnahmen fürs Personal. Führungen dürfen nur unter Einhaltung des Sicherheitsabstands stattfinden, Masken und Desinfektionsmittel müssen bereitstehen. Die für Ende März in Bernried vorgesehene Ausstellung mit Rahmen und Bildern der Brücke-Künstler sei leider ersatzlos ausgefallen, ein Nachholtermin ließe sich aus wirtschaftlichen Erwägungen nicht realisieren, sagt Bergmann. Aber immerhin könne man jetzt zur Wiedereröffnung mit neuen Halogenstrahlern im Expressionistensaal glänzen.

Weitere hochkarätige Kunstwerke werden vom kommenden Wochenende an in Dießen zu sehen sein. Das Fritz-Winter-Atelier lädt wieder zur im März unterbrochenen Ausstellung „ZEN 49 – Kreatives Vermächtnis der Künstlergruppe“ ein und ist bis 12. Juli samstags von 14 bis 18 sowie sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Galerist Michael Gausling zeigt mehr als 50 abstrakte Zeichnungen, Grafiken, Gemälde und Collagen der von Fritz Winter mitgegründeten Gruppe. Auch eine von Rupprecht Geiger bearbeitete Schieferscherbe und ein von Woty Werner gewebter Teppich finden sich unter den Exponaten, die 17 Künstler im Zeitraum von 1943 bis 2007 geschaffen haben. Bei der Präsentation im Atelierraum wandte Gausling die Petersburger Hängung an, die nicht nach Künstlern, Genre oder Technik ordnet, sondern allein dem ästhetischen Gesamteindruck folgt.

Wann auch das Gautinger Bosco der bildenden Kunst erneut ein Forum bietet, steht vorerst in den Sternen. Ob die für den 20. bis 29. Mai geplante Ausstellung mit Werken aus dem Nachlass von Hilde Thon stattfinden kann, sei noch nicht spruchreif, sagt Leiterin Désirée Raff: „Als Veranstaltungshaus sind wird behördlich gesperrt, da ist noch Vieles im Unklaren.“ Daher sei im Moment auch nicht abzusehen, ob das Abendprogramm wie vorgesehen am 19. Juni mit der musikalischen Dichterlesung von Gerd Baumann und Marcus H. Rosenmüller wieder aufgenommen werden kann.

Monika Rotter will nach dem derzeitigen Stand ihr Konzert- und Kleinkunstprogramm im Gilchinger Gasthof Widmann am 9. Juli mit einem Gastspiel von Gery Seidl fortsetzen. Die überörtliche Veranstaltungsreihe „Brotzeit & Spiele“ ist hingegen gleich bis Herbst ausgesetzt, am 11. September soll in der Starnberger Schlossberghalle zunächst der im März ausgefallene Auftritt von Martina Schwarzmann nachgeholt werden.

Ähnlich lang wird es wohl dauern, bis der Kulturbahnhof Starnberg wieder den Betrieb aufnimmt. Die Kuratorinnen der Ausstellungsreihe „nah-fern“ wollen vom 16. September an Zeichnungen und eine Installation von Monika Ortmann und Christoph Lammers unter dem Titel „Versponnen“ präsentieren. Vor allem aber freuen sich Katharina Kreye, Ulrike Prusseit und Ursula Steglich-Schaupp darauf, das Jubiläumsfest zur 50. Ausstellung nachzuholen: Zur eigentlich am 29. April vorgesehenen Feier haben sie eine Installation aus Zusendungen aller 140 bisher mitwirkenden Künstler vorbereitet. Sie soll nun zusammen mit einer Musikperformance am 25. November präsentiert werden. Um die Zeit bis zum Herbst zu überbrücken, bieten die drei Kuratorinnen der Stadt Starnberg ein interaktives Street Art-Projekt an, das aber erst mit dem Kulturamt abgestimmt werden muss.

Wenn jetzt am Dienstag das Buchheim Museum wieder Besucher empfängt, ist es dennoch nicht die erste Ausstellung, die nach dem Shutdown im Fünfseenland wieder öffnet. Der Pavillon der Arbeitsgemeinschaft Dießener Kunst ist bereits seit dem 1. Mai wieder zugänglich, weil die Marktgemeinde den Verkaufsraum „großzügig als Laden eingestuft hat“, sagt der ADK-Vorsitzende Wolfgang Lösche. Bis zu fünf Besucher dürfen gleichzeitig eintreten. Mit einer Verkaufs- und Ausstellungsfläche von gerade einmal 130 Quadratmetern kann sich der Pavillon am Dießener Dampfersteg freilich nicht mit einem Museum wie dem in Bernried messen.
Armin Greune, 11.05.2020