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Presse

 

Oliver Hochkeppel

Erschienen in:   Süddeutsche Zeitung - Kultur
Veranstaltung:To The Earth

Trompeterin Laura Jurd mit "Dinosaur" im Gautinger Bosco

"Ich freue mich so, dass wir unser im Mai erschienenes neues Album jetzt erstmals live vorstellen können", sagte die Londoner Trompeterin Laura Jurd zur Begrüßung im Gautinger Bosco. "To The Earth" heißt das dritte Album ihres Quartetts Dinosaur, und es hätte zu normalen Zeiten sicher mindestens soviel Aufsehen erregt wie die beiden Vorgänger, für die es weltweit großes Lob und eine "Mercury Prize"-Nominierung gab. Es klingt "klassischer" und akustischer, was in Gauting ein Glück war, denn nach dem dritten Stück gab die Anlage den Geist auf, und die vier mussten fortan ohne Verstärkung, Keyboard und Elektronik spielen.

Was man sich fast öfter wünschen würde, trennt sich so doch die Spreu vom Weizen, und man merkt, wie gut einer wirklich ist. Jurd, ihr Pianist und Ehemann Elliot Galvin - der mit seinem eigenen Trio in Deutschland noch bekannter ist, seit er den Europäischen Nachwuchspreis in Burghausen gewann und regelmäßig bei den wichtigen Festivals und Clubs zu Gast ist -, Bassist Conor Chaplin und Schlagzeuger Corrie Dick bestanden die Nagelprobe mit Bravour. Eher selbstverständlich war, dass die vier auf alle improvisatorischen Einfälle reagieren und jede Nuance mitgestalten können: Alle um die 30, spielen die vier nun seit zehn Jahren, also ihr halbes Musikerleben, als Dinosaur zusammen.

Dass vor allem Jurd und Galvin zu den größten Talenten der europäischen Jazzszene gerechnet werden, liegt, wie man in Gauting hören konnte, vor allem an ihrer eigenen Sprache. Einer sehr britischen: Einerseits spielt Tradition eine große Rolle, etwa mit getragenen Themen fast wie von Britten oder Elgin und mit von Jurd gerne eingesetzten Dämpfer- oder Growl-Sounds des frühen Jazz. Andererseits schimmert stets ein spezieller Humor voller Ironie hindurch, etwa wenn eine volksliedartige Melodie in Einzeltöne zerlegt und neu zusammengesetzt wird. Nie herrscht außerdem Scheu, grelle Farben und Futuristisches einzusetzen. So bleibt es spannend von der ersten bis zur letzten Note, bei diesem neuen "Swinging London", das man gerne wieder öfter hier erleben würde.

08.10.2020, Oliver Hochkeppel