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Presse

„Ronja, wo bist Du?“

Erschienen in:   Starnberger Merkur

Theaterjugendclub: Das Stück„Eisbachwelle“ zeigt junge Menschen auf der Suche.

Über das Bühnenbild flirrt bei der Inszenierung von Sebastian Hofmüller nur die Großaufnahme des tiefdunkel dahinfließenden Eisbachs. „Ronja, wo bist du?“ fragen sich zehn Jugendlichen vom Theaterjugendclub „Spiellust“ bei der Gautinger Aufführung der „Eisbachwelle“ von Florian Wacker im Bosco. Doch auf der Suche stellen ihre Freundinnen und Freunde fest, dass sie von Ronja nichts wissen. „Ronja Eisbach? Ronja Monopteros?“ Ratlos stehen sie bei der Premiere auf der Bosco-Bühne, denn sie kennen sich nur vom Surfen auf der berühmten Münchner Eisbachwelle mit der starken Unterströmung und ihrer symbolischen, verborgenen Kraft.

Im Theaterstück von Florian Wacker, das in der Münchner Schauburg vor zwei Jahren Premiere feierte, geht es um Heimat, Identität und Geflüchtete in München. Überzeugend schlüpfen die klar und deutlich artikulierenden Darsteller bei der Aufführung im Wechsel in die Hauptrollen von Ronja, Rafik und Paula. Jannis Hofmüller oder Theresa (genannt Marley) Krenn tragen in der Rolle von Rafik ein kariertes Hemd mit Cap. Und in der Rolle der Paula ziehen sich die Darstellerinnen einfach die rote Jacke über.

„Ich habe sie oft gesehen, aber sie hat nie mit uns gesprochen“, erzählt Surfer Rafik auf der Bühne. Denn die vermisste Ronja lebt ganz alleine irgendwo in München. Die Jugendlichen unterhalten sich über eine kranke Mutter, die ständig schläft, schlüpfen in die Rolle eines Vaters, Arzt aus dem Iran, und sprechen über „das Meer in uns“. Sie suchen Orientierung.

Sechs Wochen Ferien, „in Freiheit“ liegen in dem Stück vor ihnen. Doch Ronja bleibt verschwunden. Auf ihrer Suche treffen Paula und Rafik schließlich einen Taxifahrer vor der „Goldenen Bar“ beim Eisbach, zwei Polizisten, die ihre Ausweise kontrollieren, und eine Eisbach-Surferin. Doch niemand hat Ronja gesehen. Es heißt nur, dass ein Körper in der Eisbachwelle an der Tivoli-Brücke angeschwemmt wurde. „Ronja, wo bist du?“, fragen sich die Jugendlichen. Und „Papa, wo bist du?“ ruft Ronja verzweifelt im Schlussmonolog, denn: „Die Zeit ist aus den Fugen geraten.“

Mit begeistertem Beifall und Bravo dankte das Publikum den Jugendlichen Josefa Augustin, Laura Bachler, Madlen Bäumert, Elisa Bühler, Franziska Denzel, Sarah Gnadke, Mika Hähne, Jannis Hofmüller, Theresa Krenn und Jannik Wiegmann für eine mitreißende Aufführung. Mit Sabine Gruban als theaterpädagogische Betreuerin und zurückhaltendem Sound (Benjamin Hüttner) ist Regisseur und Schauspieler Sebastian Hofmüller mit seinen hoch motivierten Darstellern vom Theaterjugendclub wieder ein Bravourstück gelungen.

14.05.2024, Christine Cless-Wesle