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„Streamen kein Ersatz für Live-Erlebnis“

Erschienen in:   Starnberger Merkur

Ein Mann und die Gautinger Kultur: Hans-Georg Krause feiert 70. Geburtstag

Hans-Georg Krause, mit dem Gautinger Klinge-Kultur-Preis geadelter Gründer des Theaterforums und engagierter Initiator des heute weit über Gauting hinaus strahlenden kulturellen Leuchtturms Bosco, feierte am Mittwoch einen runden Geburtstag. Passend zum 70. stellten wir dem bekennenden Theaterfan und pensionierten Lehrer sieben Fragen zu seiner Rolle in der wahrlich reichen Kulturszene Gautings.

Wie fühlen Sie sich denn an Ihrem 70. Geburtstag – noch aufgeschlossen für Neues?
Heute fühle ich mich nicht anders als gestern und vorgestern: Ich bin weiterhin an vielen Bereichen der Kultur interessiert.

Sie haben sich für Ihr großes Ziel – einen eigenen Kultursaal für Gauting – mit sichtbarem Erfolg eingesetzt. Wie ist Ihnen der steinige lange Weg vom „TheaterSpielRaum“ im Keller der Gautinger Hauptschule, wo Sie Lehrer waren, bis zum heutigen Leuchtturm Bosco eigentlich geglückt?
Zum einen waren viele Gespräche mit zahlreichen Kommunalpolitikern notwendig, zum anderen trug ein großes Team von Mitstreitern dazu bei und wahrscheinlich auch ein wenig Glück.

Gautings Kulturszene ist reich. Beim Programm im Bosco kann das von Ihnen gegründete Theaterforum also stets auf einen Fundus hochkarätiger Künstlerinnen und Künstler zurückgreifen, oder?
Tatsächlich ist Gautings Szene sehr vielfältig. Das haben wir in diversen Reihen abgebildet. Allerdings entwickeln die verschiedenen Spartenleiter auch den Ehrgeiz, Künstler aus der ganzen Welt einzuladen, die sonst nicht hier zu erleben wären. Diese Kombination aus „Heimat“ und „Welt“ macht unser Programm aus.

Was fehlt eigentlich Gautings Künstlerszene noch?
Der Theater- und Konzertsaal war einmal Utopie, jetzt ist er Realität. Meine heutige Utopie wäre ein mehrfach nutzbarer Raum – ich spreche absichtlich nicht vom Begriff Museum – der für unterschiedliche, abwechselnde Ausstellungen der Archäologen, von Bildhauern, für Objekte aus Hermann Geigers Unterbrunner Heimatmuseum und der von Schulen oder für andere zeitliche Projekte temporär genutzt werden könnte. Allerdings sehe ich momentan noch nicht den „Motor“ für solch eine Einrichtung.

Hätten Sie gedacht, dass sich im Corona-Lockdown eine so große Solidarität mit Musikern, Schauspielern am Ort entwickeln wird – wie „gauting.live“?
Corona hat für uns alle Erfahrungen gebracht, die wir bisher noch nicht machen mussten. Es ist allerdings schon interessant, dass gerade in Gauting als einzigem Ort im Landkreis die Energie für solch ein Projekt wie „gauting.live“ vorhanden ist.

Wie sehr haben Sie selbst unter dem Lockdown gelitten als großer Schauspielfan ohne Theaterluft?
Mir ging es nicht anders als allen anderen. Streamen ist kein Ersatz für das Live-Erlebnis.

Sie haben Ihr persönliches Werk, das von Ihnen vor über drei Jahrzehnten gegründete Theaterforum, aber auch das Bosco bereits in andere Hände gegeben – Letzteres in die Ihrer Tochter Amelie. Ist Ihnen das Loslassen denn schwergefallen?
Das Loslassen muss man genauso lernen, wie das Aufbauen. Und das Loslassen „übe“ ich gerade…

04.06.2021, Christine Cless-Wesle