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Virus überschattet gute Bosco-Bilanz

Erschienen in: 
Starnberger Merkur
Vermietungen in 2019 wieder ansteigend

Wegen der Corona-Krise ist auch in Gauting der Kulturbetrieb derzeit komplett lahmgelegt. Von einer rosigen Vergangenheit mit insgesamt 210 Vermietungen im vergangenen Jahr berichtete Bosco-Leiterin Desirée Raff am Dienstagabend dem Gemeinderat. Mit 79 Prozent kulturellen, 23 Prozent privaten Nutzern und 18 Prozent gesellschaftlichen Veranstaltungen, zum Beispiel dem Seniorencafé der Gemeinde, sei das Bürger- und Kulturhaus gut ausgelastet gewesen.

Das von Hans-Georg Krause gegründete Theaterforum mit dem Vorsitzenden Thomas Hilkert habe eine Doppelfunktion, erklärte Raff zum Auftakt ihrer Präsentation. Zum einen kümmere sich das Theaterforum um den laufenden Betrieb im Bosco. Zum anderen sei der Verein selbst auch Veranstalter. Mit 107 Terminen sei der Verein wieder Hauptnutzer der Kulturstätte gewesen.

Die Vermietungszahlen des Bosco entwickelten sich nicht kontinuierlich, erläuterte Raff. Von 234 Verträgen im Jahr 2015 stieg die Zahl ein Jahr später auf 237, sank dann 2017 und 2018 auf 180 beziehungsweise 185 Vermietungen. Auch wegen der Zusatzveranstaltungen im Vorfeld der Kommunalwahl schnellte die Zahl der Vermietungen im vorigen Jahr dann wieder auf 210. Für die fünf ausgebuchten Musical-Aufführungen „Oliver!“ samt Proben hatte die Musikschule Gauting-Stockdorf das Bosco an 20 Tagen gebucht, nannte Raff ein weiteres Beispiel für das positive Ergebnis. Denn das Theaterforum hatte im vergangenen Jahr 25 Kulturevents weniger im Programm.

Weitere Höhepunkte im Bosco waren das Konzert der Kindersinfoniker mit Weltklasse-Geigerin Julia Fischer und die Theateraufführung „Lulu“ nach Frank Wedekind. Die Ausstellung „Erinnern und Vergessen“ des P-Seminars Kunst am Otto-von-Taube-Gymnasium, aber auch die Erstaufführung „Katzelmacher“ des von Schauspieler Sebastian Hofmüller und seiner Kollegin Lucie Mackert gegründeten Theaterjugendclubs „SpielLust“ stachen aus dem Programm 2019 heraus.

85 Kulturveranstaltungen des Theaterforums mit 17 111 Besuchern gingen im Bosco im Vorjahr über die Bühne. Die Gesamtzahl der Besucher blieb ähnlich wie im Jahr zuvor bei 25 873, erläuterte die Bosco-Leiterin. In Zusammenarbeit mit der Gautinger Insel hat das Bosco Sozialkarten à fünf Euro für bedürftige Gautinger neu eingeführt. Die Gemeinde Gauting konnte Mieteinnahmen in Höhe von 27 745 Euro netto verbuchen.

Wie sich das laufende Jahr entwickeln werde, sei entscheidend abhängig von den Auswirkungen der Coronavirus-Krise, sagte Desirée Raff. Das aktuell geschlossene Bürger- und Kulturhaus stehe vor einem „großen Fragezeichen.“ Jens Rindermann (Grüne) fragte deshalb nach, ob das Bosco unter den angekündigten 10-Milliarden-Schutzschirm der bayerischen Staatsregierung schlüpfen könne. Diese Soforthilfen, die seit gestern greifen sollen, gelten für Unternehmer, aber auch für Freiberufler wie Künstler, sagte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger mit Hinweis auf ihren aktuellen Wissensstand.

„Was heißt das für die Gemeinde, wenn der Bosco-Betrieb Monate lang eingestellt werden muss?“, fragte Dr. Benedikt Rüchardt (CSU). Für die Bevölkerung „wird das ganz schrecklich“, antwortete die Bürgermeisterin. Die Einschränkungen wegen des ausgerufenen Katastrophenfalls beinhalte die Sperrung der Spielplätze, reiche bis zur Schließung der Gemeindebücherei, von Geschäften, gestrichenen Kulturveranstaltungen und ausfallenden Vorstellungen im Gautinger Kino Breitwand. „Mal sehen, wie lange wir das durchhalten“, blickte Kössinger in eine ungewisse Zukunft.
Christine Cless-Wesle, 19.03.2020