Veranstaltungsinfo

So, 17.06.2018
20.00 Uhr
Klassik
Musik
20,00 / 15,00 / 5,00 €

Orchestervereinigung Gauting: 2. Sinfoniekonzert

Sommerkonzert im Rahmen der Kulturwoche Gauting
Das diesjährige Sommerkonzert beginnt mit einer romantischen Ouverture zum Märchen der schönen Melusine, die Felix Mendelssohn-Bartholdy 1833 komponierte. Ein besonderer Höhepunkt dieses Abends ist die Sinfonia concertante für 2 Violinen in h-Moll von Louis Spohr, neben Paganini der berühmteste Geiger seiner Zeit. Als Solisten werden Ingolf Turban und Anna Sophie Dauenhauer zu hören sein! Das Sinfoniekonzert endet mit einem Feuerwerk aus Rhythmik und Schwung mit der 7. Sinfonie in A-Dur von Ludwig van Beethoven. Der Komponist, der auch die Uraufführung im Jahre 1813 leitete, feierte mit dieser Sinfonie einen seiner größten Erfolge.

Programm:
MENDELSSOHN-BARTHOLDY Konzertouverture „Das Märchen von der schönen Melusine“ F-Dur, op. 32
SPOHR Sinfonia concertante für 2 Violinen und Orchester, Nr. 2 h-Moll, op. 88
BEETHOVEN Sinfonie Nr. 7 A-Dur, op. 92
 
Solisten Ingolf Turban, Anna Sophie Dauenhauer – Violinen
Leitung Dorian Keilhack
Veranstalter: 
Verein der Musikfreunde Gauting e.V.
Nach(t)kritik 
Es gibt nicht viele Werke dieser Gattung, die zudem nur auf den Zeitraum der Hochklassik beschränkt sind. Sinfonia concertante bezeichnet eine Komposition für ein konzertierendes Solistenensemble und Orchester. Für solche Raritäten ist der Geiger Ingolf Turban immer zu haben, zumal wenn er eine Schülerin als Duo-Partnerin für den solistischen Part mitbringen darf. Und eine musikalische Beziehung kann wohl kaum enger sein als die zwischen Student/in und Professor/in. Anna Sophie Dauenhauer und Turban zeigten sich denn auch im Zugriff absolut homogen und gaben hier ein Duo von überragender musikalischer Stimmigkeit im Sinne Louis Spohrs wie in der spieltechnischen Umsetzung.
Für die Orchestervereinigung Gauting war diese Sinfonia concertante h-Moll op. 88 von Spohr nicht gerade dankbar, war es doch über weite Strecken zur reinen Begleitung verdonnert, und dabei nicht selten auch noch reichlich fragmentiert, oft nur auf farblich markierende Stützharmonien beschränkt, was mit Dorian Keilhacks präzisem und ausdrucksorientiertem Dirigat auch absolut zuverlässig gelang. Die Schwierigkeit bestand vielmehr darin, dann auch mit klangsatter Einfühlsamkeit da zu sein, wenn das Orchester die Führung übernahm. Aber gerade durch die nötige Zurückhaltung schien das Orchester schnell ausgehungert und entwickelte in den Passagen sogleich begierig einen breiten, hell-dunkel changierenden Klangfluss. Dieses Kontrastprogramm fand sich vor allem im Andantino, dem langsamen Satz, deutlich exponiert. Die beiden Solisten mussten hier lange mit kammermusikalischen Qualitäten brillieren, bis auch sie mit temperamentvollem Schmiss saftig loslegen durften. Aber die energischen Rahmensätze mit ihrer scharfen Rhythmisierung und pointierter Konturierung gaben reichlich Möglichkeiten, lustvoll und musizierfreudig zuzupacken, vom Solistenduett gar mit virtuoser Verve.
Eine besondere Rolle spielte an diesem Abend der Spannungsaufbau, ging es doch um Werke, denen ein reiches Ausdrucksspektrum immanent ist und bisweilen weite Rücknahmen schon deutliche Löcher hätten entstehen lassen können. Aber die Orchestervereinigung Gauting bewies bereits in der Konzerteröffnung, dass sie über weite Entfernungen Zusammenhänge mühelos aufrechterhalten kann. Mit Mendelssohns Konzertouvertüre „Das Märchen von der schönen Melusine“ F-Dur op. 32 machte es Keilhack dem Orchester allerdings nicht leicht. Gleich mit den ersten Takten Atmosphäre in warmem Legendenton – man denke an „Sommernachtstraum“ – aufkommen zu lassen, war hier schon eine reife Leistung. Nachfolgend daraus auch die Erzählung von der Liebe der Nixe Melusine zum Menschen Raimund zu entwickeln und sie schließlich ins Unwirkliche entschwinden zu lassen, erst recht.
Der weite Bogen mit narrativem Auf und Ab und einer dramaturgischen Entwicklung lag zweifelsohne auch den drei Sätzen bei Spohr zugrunde, obgleich ohne programmatische Motivation. Hier konnte sich das Orchester vor allem aber auf Beethovens 7. Sinfonie A-Dur op. 92 glänzend vorbereiten. Von Anfang an geht es dort um wuchtiges Tutti-Donnern gegenüber stimmungsvoller Wärme der Rücknahmen. So zumindest mit weit gefächerter Dynamik im Vivace-Kopfsatz mit seinem heiteren Thema. Ein Kontrastprogramm, das Beethoven im dritten Satz (Presto) noch einmal Aufgriff: Den dramaturgischen Spannungsaufbau mit dem leichten, rhythmischen Thema zog das Orchester schlüssig bis zum letzten Ton, sodass auch die Schlusspointe präzise saß. Fesselnd geheimnisvoll in düsterer Leidenschaft überzeugte indes das Allegretto (2. Satz) mit seiner satten Verdichtung und dem geheimnisvollen Ausklang. Im Grunde löste sich dieser Spuk erst im Schlusssatz auf, den das Orchester konsequent bis zum Ende in voller Konzentration und präziser Diktion auszuspielen vermochte. Mit wildem Wirbel stieg es in den stark rhythmisieren Tanz ein, um sich fulminant in der Substanz zu steigern. Eine Entfesselung, die das Publikum mitriss – vor allem zum lang anhaltenden frenetischen Applaus.
Pressestimmen 
Das Sinfoniekonzert der Orchestervereinigung Gauting und die Solisten Ingolf Turban und Anna Sophie Dauenhauer nehmen die Zuhörer mit auf eine faszinierende musikalische Reise, die bis zum letzten Ton spannend bleibt.

Die gute Nachricht: Deutschland kann immer noch Fußball-Weltmeister werden. Die noch bessere Nachricht: In der Dichte der Liebhaberorchester ist es Deutschland höchstwahrscheinlich schon seit vielen Jahren. Alleine der 1924 gegründete Bundesverband Deutscher Liebhaberorchester zählt 838 Mitgliedsorchester. Mit der Gründung der Orchestervereinigung Gauting 1969 bekam die deutsche Musiklandschaft einen hartnäckigen Vertreter hinzu. Die Ausdauer lohnte sich.

Das Sinfoniekonzert unter Leitung des überaus erfolgreich am Pult agierenden Dorian Keilhack zeugte im Gautinger Bosco erneut von einer beachtlichen Steigerung des Klangkörpers sowohl in spieltechnischer wie musikalischer Hinsicht, obwohl das Programm so gar nicht nach Schongang aussah. Dass nach der Pause nach einem anstrengenden ersten Teil noch Beethovens siebte Sinfonie (A-Dur, op. 92) bis zum letzten Ton ohne Spannungsabfall in voller Konzentration bewältigt werden konnte, zeugte von großem Ehrgeiz und fast schon professioneller Hingabe der Instrumentalisten. Beides Voraussetzungen, die Keilhack mutiger in der Planung wie am Pult werden lassen. Das Konzert mit Mendelssohns Konzertouvertüre "Das Märchen von der schönen Melusine" (F-Dur, op. 32) zu eröffnen, wäre vor wenigen Jahren keine gute Idee gewesen: Gilt es doch in diesem Fantasiewerk, mit den ersten Tönen sogleich eine warmtonige, märchenhafte Atmosphäre auszubreiten - leise, geheimnisvoll, legendenhaft. Der Vortrag fesselte jedoch sogleich und zog die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. So nahm das Orchester seine Hörer mit auf eine Reise durch fantastische Szenen mit einem straffen dramaturgischen Aufbau.

Spannungsaufbau war denn auch ein großes Thema in diesem Konzert - das zentrale Element, wenn es darum geht, über dem dramaturgischen Auf und Ab einer bewegten Erzählung einen weiten Bogen zu spannen, der aus einer Szenenabfolge erst eine stimmige Geschichte formt. Noch komplexer wird die Angelegenheit, wenn es sich um die abstrakte Form einer Sinfonie handelt, in der Musiker auf keine bildliche Vorstellung zurückgreifen können. Und Beethovens Siebte ist schon ein sehr kontrastreiches, üppig mit rigiden Wendungen ausgestattetes Werk, in dem sich das Gautinger Orchester dennoch nicht verlor. Keilhack konnte den Instrumentalisten das übergreifende Denken gut vermitteln, was den Kontext innerhalb der Sätze, aber auch der Sätze untereinander überzeugend zusammenhielt. Eindruck machte vor allem die präzise Rhythmik im Kopfsatz, die düstere Leidenschaft im Allegretto, die spritzige Leichtigkeit im Scherzo wie die Klarheit in Rhythmus und Pointierung des markanten Schlusssatzes.

Auf eine besondere Herausforderung ließ sich Keilhack mit der Sinfonia Concertante für zwei Violinen und Orchester (h-Moll, op. 88) von Louis Spohr ein. Diese seltene Gegenüberstellung von Solistenensemble und Orchester setzt auf das Dialogisieren der beiden Hauptparts. Die Geigenvirtuosen Ingolf Turban und seine einstige Schülerin Anna Sophie Dauenhauer standen über weite Strecken mit Virtuosität und Einfühlsamkeit im Vordergrund. In der Homogenität im Zugriff und bravourösen Sicherheit des Solistenduos zeigte sich das Werk überaus wirkungsvoll, dass man vielleicht die undankbare Rolle des begleitenden Orchesters aus dem Blick verlor.

Dabei war die Aufgabe gerade deshalb so schwierig, weil der Orchesterpart stark fragmentiert stets nur mit harmonischen Färbungen und Atmosphären im Hintergrund agierte und zuweilen nur stützte, untermalte, sachte umdeutete und es auch zielsicher umsetzte. Umso beeindruckender, dass in den wenigen großen Einsätzen des Orchesters der Klangkörper volle Substanz in dynamischer Plastizität abzurufen vermochte. Die dramaturgische Inszenierung des Werkes entfaltete jedenfalls eine große Kraft, die den Solisten reichlich Spannung zuspielte.

Fulminantes Finale der Premiere von „Gauting in Kultur vereint“. Die Violinisten Professor Ingolf Turban aus Stockdorf und seine ehemalige Studentin Anna Sophie Dauenhauer die Herzen des Publikums im Bosco-Saal im Sturm. Die beiden Solisten begeisterten durch ihr magisches Zusammenspiel. Dirigent Dorian Keilhack befeuerte das Gautinger Orchester zu Höchstleistungen.

„Das Märchen von der schönen Melusine“: Mit der Konzertouvertüre von Felix-Mendelssohn-Bartholdy erweckte das Orchester die märchenhaften Verse von Heinrich Heine zum Konzertauftakt zu musikalischem Leben. Dumpf erklingt das Unheimliche des orchestralen Dramas der oft vertonten romantischen Saga des Fischweibs in der Unterwelt. Wunderbar vermitteln die Streicher die Wellenbewegung des Wassers.

Das zweite romantische Werk an diesem Abend wurde ebenfalls 1833 komponiert – vom gefeierten Geigen-Virtuosen Louis Spohr. Das Concertante für zwei Violinen in h-Moll erfordert Bravourleistungen wie bei Spohrs Zeitgenossen Paganini. Das geradezu traumwandlerisch harmonierende Duo Ingolf Turban und Anna Sophie Dauenhauer begeisterten vom ersten Ton an durch ihre mitreißende Spielfreude. Bezaubernd ließen die beiden Solisten das melodiöse Allegro erstrahlen. Dorian Keilhack bändigt sein Orchester meisterhaft bis hin zum drängenden tänzerischen Crescendo. Innig interpretiert das Geigen-Duo das schwelgerische Andantino. Hier sind zwei fantastische Geigenvirtuosen am Werk, verknüpft durch magischen Gleichklang. Beschwingt, mit grandiosem Tempo bieten Anna Sophie Dauenhauer und ihr ehemaliger Meister das rhythmische, tänzerische Rondo. Bravorufe und brausender Beifall schallen durch den gut gefüllten Saal.

Zum Finale dieses denkwürdigen Konzertes legen Dorian Keilhack und seine Orchestervereinigung den Zuhörern noch ein Geschenk zu Füßen: Verstärkt mit Profi-Bläsern erklingt die berühmte siebte Beethoven-Sinfonie mit packender Wucht. . Dirigent Keilhack entlockt seinem Orchester den dramatisch anschwellenden Tutti-Donner perfekt. Differenziert mündet die Wucht des romantischen Werks im spannungsreichen Piano. Pochend, mit gedämpften Bässen, erklingt der zweite Satz. Nach dem Parcours-Ritt im rhythmischen Rondo bleibt kein Wunsch offen. Ein letztes Mal an diesem Abend applaudiert und trampelt das hingerissene Publikum.