Veranstaltungsinfo

Sa, 19.10.2019
20.00 Uhr
Heimspiel
Klassik
22,00 / 10,00 €*
* Regulär / bis 25 Jahre

Lauriane Follonier, Klavier & Jakob Fichert, Klavier: Mozart, Reger, Schachtner, Lutoslawski, Bernstein

Die filigrane Kunst des Spieles auf 176 Tasten exerzieren die deutsch-schweizerische Pianistin Lauriane Follonier und der mittlerweile in England lebende Günther-Klinge-Preis-Gewinner Jakob Fichert bei ihrem Heimspiel auf zwei Flügeln.
Die im Wallis, Schweiz geborene Lauriane Follonier, begann ihren Klavierunterricht bei Barbara Borse. Nach Jahren am Konservatorium von Neuchâtel bei Prof. Marc Pantillon, setzte sie ihr Studium bei Prof. Gitti Pirner an der Hochschule für Musik und Theater in München fort, das sie 2011 mit dem Meisterklassendiplom abschloss. Ergänzend dazu besuchte sie die Liedklassen von Rudi Spring, Prof. Donald Sulzen und Prof. Helmut Deutsch. 2011 war sie beste Liedbegleiterin beim Internationalen Brahms-Wettbewerb in Pörtschach (Österreich), 2013 gewann sie den ersten und den Publikumspreis beim Internationalen Liedwettbewerb in Enschede (Niederlande); daraus resultierten zahlreiche Konzertverpflichtungen, u.a. ein Konzert im Concertgebouw zu Amsterdam. Nach einem Master der „Alten Musik“ bei Prof. Christine Schornsheim tritt sie nun regelmäßig in Konzerten sowohl auf dem modernen Flügel als auch auf dem Hammerklavier auf. Dabei konzertiert sie mit Solist*innen wie der Cellistin Kristin von der Goltz, dem Bariton Peter Schöne oder dem Dirigenten und Komponisten Johannes X. Schachtner und wurde als Kammermusikpartnerin zum Bach-Festival nach Leipzig und zum Festival „Musica antiqua“ in Brügge eingeladen. Als Solistin war sie u. a. mit der Accademia die Monaco zu hören. Diese Zusammenarbeit ist auf der CD „Arien für Nancy Storace“ dokumentiert, die im Jahre 2017 erschien. Des Weiteren gilt ihr besonderes Interesse der zeitgenössischen Musik. So wirkte Lauriane Follonier bei Uraufführungen u.a. von Wolfgang Rihm, Birke J. Bertelsmeier und Peter Michael Hamel mit.

Jakob Fichert, der in Gauting aufwuchs, ist ein Pianist mit internationalem Profil. Neben Konzerttätigkeiten in Großbritannien und in zahlreichen anderen Ländern, hat er für Toccata Classics und Naxos mehrere erfolgreiche CDs aufgenommen. Kammermusik- und Liedrepertoire standen schon immer im Mittelpunkt seiner Karriere. Auf der Konzertbühne und im Tonstudio arbeitete er mit Musikern wie Janet Hilton, Matthias Gredler, Karin de Fleyt, Simon Desbruslais und Lauriane Follonier. Er gewann zahlreiche Preise bei internationalen Wettbewerben als Solist und Kammermusiker und studierte an der Musikhochschule Karlsruhe bei Wolfgang Manz, bevor er am Royal College of Music in London bei Yonty Solomon ein Aufbaustudium absolvierte. 2001 erhielt er seinen Masterabschluss in Kammermusik und hatte anschließend ein RCM Junior Fellowship inne. Fichert ist mittlerweile selbst ein gefragter Pädagoge und gibt regelmäßig Meisterkurse an Musikhochschulen, Universitäten und Musikspezialschulen in Großbritannien, China und Süd-Korea. Er arbeitet als Prüfer für ABRSM und ist Dozent für Hauptfach Klavier am Leeds College of Music und an der University of York. In letzter Zeit konzertierte er mehrfach in China. Für 2020 sind außerdem Tourneen mit Konzerten und Meisterklassen in Südkorea und Chile geplant.

Programm
MOZART Sonate in D-Dur KV 381 für Klavier zu vier Händen
REGER Variationen und Fuge über ein Thema von Mozart op. 132 für zwei Klaviere
J.X.SCHACHTnER Mozart-Quadrille (2006) für zwei Klaviere
LUTOSLAWSKI Variationen über ein Thema von Paganini für zwei Klaviere
BERNSTEIN Symphonische Tänze aus „West Side Story

Die erste Konzerthälfte steht ganz im Zeichen Wolfgang Amadeus Mozarts: Beginnend mit der Sonate in D-Dur für Klavier vierhändig KV 381, einem Jugendwerk, das er vermutlich 1772 mit seiner Schwester Nannerl gespielt hat, wird das Programm mit einem Spätwerk Max Regers aus dem Jahre 1915 fortgesetzt. Die "Variationen und Fuge über ein Thema von Mozart op. 132" - Reger bedient sich hier des bekannten Themas aus Mozarts Klaviersonate in A-Dur KV 331 - gehört zu den anspruchsvollsten und bedeutendsten Werken der Klavierduoliteratur. Zum Abschluss des ersten Teils erklingt die Mozart-Quadrille des Gautinger Komponisten Johannes X. Schachtner.

Mit seiner witzig musikantischen Art dient dieses tänzerische Werk auch als Überleitung zum zweiten Teil, der mit Lutoslawskis spektakulär virtuosen Paganini Variationen die Möglichkeiten des Zusammenspiels auf zwei Flügeln auslotet, eher er mit Bernsteins Sinfonischen Tänzen aus der West Side Story schwungvoll und heiter ausklingt.
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
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2019

Nach(t)kritik 
Mozart zu vier Händen zu spielen, ist im Grunde ein Rückblick auf die Ursprünge der Gattung. Ob die Kompositionen, die schon der neunjährige Genius für sich und seine Schwester Nannerl schrieb, tatsächlich die ersten Werke zu vier Händen überhaupt waren, ist in der Musikwissenschaft nicht unumstritten. Fakt ist aber, dass die ersten Belege des vierhändigen Spiels an einem oder zwei Klavieren tatsächlich auf das Duo Mozart bezogen sind. Die Sonate D-Dur KV 381 komponierte Mozart sechzehnjährig, also als ein bereits in der Formensprache gewandter Komponist. Mit seiner kernigen Interpretation ging das Duo Lauriane Follonier und Jakob Fichert in der Heimspiel-Reihe zweifelsohne den richtigen Weg, gehört das Werk doch zugleich zu den kompakteren, sehr effizienten Schöpfungen Mozarts.
Die Salzburger Sonate ist das erste vollwertige Werk Mozarts zu vier Händen, zeigt aber bereits eine erstaunliche Bandbreite an Gestaltungsmitteln, die das Duo Follonier und Fichert auch in der ganzen Fülle nutzte. Mit Bedacht, aber wirkungsvoll. Vor allem anschlagstechnisch, was auch den ganzen Abend über das dominierende Ausdruckselement bleiben sollte, bei höchst sparsamer Anwendung des rechten Pedals. Mit der damit erreichten Klarheit und Entschiedenheit gelang es der Schweizerin und dem Engländer, das weitgespannte Repertoire gut in einem Programm unterzubringen. Und dies mit Werken, die bis in die Gegenwart hineinreichten.
Sowohl Folloniert wie auch Fichert bewegen sich recht ungeniert durch die ganze Musikgeschichte und haben einen fundierten Bezug zur zeitgenössischen Musik, was sich im Programm deutlich spiegelte. Die Überleitung in die neuere Zeit bewerkstelligte das Duo mit Regers Variationen und Fuge über ein Thema von Mozart op. 132a von 1914, eine eigenhändige Bearbeitung seines Orchesterwerks mit einer komplett neuen achten Variation. Der Weg der nach Brahmsscher Art weiterentwickelnden Variationen geriet durch die gemächliche Vorstellung des Kopfsatzthemas aus Mozarts Klaviersonate A-Dur KV 331 umso länger. Hier erlaubte der transparente Vortrag das sich von Variation zu Variation immer weiter entfernende Thema folienartig zu hinterlegen. Bis aus den Variationen letztendlich an Modernität zulegende Charakterstudien wurden und mit einer gehämmerten Fuge in Stein gemeißelt schienen.
Ähnlich und doch ganz anders die Mozart-Quadrille Johannes X. Schachtners von 2006: Auch er spürte analytisch die Potenziale mozartscher Musik auf, scheute aber nicht, sie schon mal rhythmisiert swingen zu lassen und sie auch mutig mit einem kernigen Groove zu untermauern. Schachtner nutzte geradezu den gesamten Tonraum der Flügel, was die Ausdruckskontraste umso mehr hervortreten ließ. Die jazzartige Formensprache nahm schon etwas von den Symphonischen Tänzen aus „West Side Story“ von Leonard Bernstein vorweg. Im Grunde handelt es sich dort um eine Suite aus bekannten Themen des Musicals. Dieses Werk zum fulminanten Finale zu machen, war insofern berechtigt, da die orchestrale Anlage eine starke Wirkung hinterließ, auch wenn die bluesig-jazzige Diktion hier etwas von der Dramaturgie des Abends abwich.
Obgleich relativ kurz, hätten dennoch eher die Variationen über ein Thema von Paganini des polnischen Komponisten Witold Lutosławski einen nachhaltigeren Höhepunkt abgegeben. Gerade die Ernsthaftigkeit sowie die spieltechnische Bravour, die Folloniert und Fichert brillant darboten, machte die Variationsreihe über das schmissig-kernige Thema besonders spannend. Da Warschau bereits von den Deutschen besetzt war, musste die Uraufführung im Café stattfinden. Lutosławski zählte diese Komposition tatsächlich aber auch zu den Kaffeehaus-Musiken, was angesichts der perlenden Leichtigkeit der Ausführung durchaus einleuchtete, ohne der Komposition die tiefgreifende Ernsthaftigkeit abzusprechen. Den eigentlichen Schluss bot aber „Der Schwan“ von Saint-Saëns in der Zugabe, wunderbar im Fluss und klangsatt ausgesungen.
Reinhard Palmer