Veranstaltungsinfo

Mi, 18.04.2018
20.00 Uhr
Klassik
40,00 / 18,00 €*
* Vorverkauf ab 25.11.2017

Quatuor Ebène: Mozart, Beethoven

Mit neuer Besetzung zum 12. Mal in Gauting! Mit Marie Chilemme wird eine Musikerin die Nachfolge von Adrien Boisseau an der Bratsche antreten.
Die vier hauchten der Kammermusik neuen Atem ein, indem sie stets einen direkten und unvoreingenommenen Blick auf die Werke haben und dabei voller Demut und Respekt der Musik entgegentreten, ganz gleich welcher Gattung. Sie wechseln so lustvoll zwischen den Stilen und bleiben doch ganz sie selbst: mit all ihrer Leidenschaft, die sie für jedes aufgeführte Stück empfinden und ungekünstelt und direkt auf die Bühne bringen und somit auch auf das Publikum übertragen.

Einen Begriff für ihren Stil gibt es nicht, sie haben ihren eigenen geschaffen. Ihr traditionelles Repertoire leidet keinesfalls unter der Beschäftigung mit anderen Gattungen; vielmehr erzeugt der freie Umgang mit diversen Stilen eine Spannung, die jedem Aspekt des künstlerischen Wirkens gut tut. Diese Vielschichtigkeit im musikalischen Œuvre wurde von Beginn an begeistert von Publikum und Kritikern aufgenommen.

Nach Studien beim Quatuor Ysaÿe in Paris sowie bei Gábor Takács, Eberhard Feltz und György Kurtág folgte der beispiellose und herausragende Sieg beim ARD Musikwettbewerb 2004. Damit begann der Aufstieg des Quatuor Ebène, der in zahlreichen weiteren Preisen und Auszeichnungen mündete. In den Konzerten des Ensembles ist ein besonderer Elan zu spüren.
Mit ihrem charismatischen Spiel, ihrem frischen Zugang zur Tradition und dem offenen Umgang mit neuen Formen gelingt es den Musikern, einen weiten und jüngeren Zuschauerkreis zu begeistern und dieses regelmäßigen Meisterkursen im Conservatoire Paris zu vermitteln.

Neue Besetzung:
Mit Marie Chilemme wird eine Musikerin die Nachfolge von Adrien Boisseau an der Bratsche antreten. Bei allem Bedauern über dessen Entscheidung, sich aus dem Quartettleben zurückzuziehen, ist Quatuor Ebène überglücklich, in ihr das scheints perfekte Komplementär gefunden zu haben, und ist voller Elan, sich den gemeinsamen, zukünftigen Projekte zu widmen. 

Nach ihrem Diplom am CNSMD in Paris studierte Marie Chilemme außerdem bei Tabea Zimmermann an der Hochschule Hanns Eisler in Berlin und parallel in der Streichquartett-Klasse des Artemis Quartetts an der Universität der Künste. Seit 2015 ist sie darüber hinaus Schülerin von Miguel da Silva an der Chapelle Musicale Reine Elisabeth. Selber gründete sie vor einigen Jahren das Quatuor Cavatine, mit dem sie erfolgreich am Internationalen Kammermusikwettbewerb Hamburg sowie am Internationen Streichquartettwettbewerb in Banff teilgenommen hat.

PIERRE COLOMBET, Violine
GABRIEL LE MAGADURE, Violine
MARIE CHILEMME, Viola
RAPHAËL MERLIN, Violoncello

19.00 Konzerteinführung durch den Kulturjournalisten Reinhard Palmer

Programm:
MOZART Streichquartett d-Moll, KV 421
BEETHOVEN Streichquartett op. 18, Nr. 2
BEETHOVEN Streichquartett op. 59, Nr. 3 "Razumovsky"

Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
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2018

Nach(t)kritik 
Beethoven als Vater des Bebops zu betiteln, wird eingefleischte Jazz-Fans sicher entrüsten. Aber welche Musikgattung von heute wurzelt denn nicht in der Ernsten Musik? Vor allem in der Beethovens. Letztendlich war schon vor Jahrhunderten das Material dafür vorgebildet. Das Fugenthema des Schlusssatzes im Streichquartett op. 59/3 von Beethoven als einen Bebop zu betrachten, um die Miles-Davis-Zugabe zu rechtfertigen, war zwar nicht nötig, aber auch nicht an den Haaren herbeigezogen. Zumindest nicht nach der Interpretation des Werkes vom Quatuor Ebène. Denn die Kraft und vorantreibende Energie des Bebops fand sich in diesem Finale uneingeschränkt wirksam. Zumal die Bratsche nun wieder stimmig besetzt ist und mit dem Instrument von Mathieu Herzog auch das einstige, farbenreiche Klangbild zurückgewann.
Die ungemein agile und selbst mimisch ausdrucksstarke Bratschistin Marie Chilemme scheint einen frischen Wind ins Ensemble gebracht zu haben. Jedenfalls ist die ursprüngliche Musizierlust wieder unverbraucht und tatenfreudig zu spüren. Bisweilen musikalisch mit einem Hüftschwung zu kokettieren oder gar mit frechen Blicken zu flirten, bringt schon besondere Qualitäten ins Spiel, auch wenn Pierre Colombet (Violine), Gabriel le Magadure (Violine) und Raphaël Merlin (Violoncello) recht zurückhaltend darauf reagierten. Aber es ging hier schließlich um ein gewichtiges Kapitel der Musikgeschichte: die Königwerdung des Streichquartetts.
Dass diese Gattung zur Königsdisziplin der Kammermusik avancieren konnte, lag zweifelsohne an der Höhe der Messlatte nach Haydn. Selten musste Mozart mit einer musikalischen Gattung so ringen, wie mit dem Streichquartett, um schließlich sogar Haydn selbst von seiner Meisterschaft darin zu überzeugen. KV 421, das einzige in Moll unter den sechs ersten Streichquartetten, ist schon eine Herausforderung, was das homogene Zusammenspiel im Ensemble betrifft. Aber gerade dies ist die Stärke des Quatuor Ebène, mit höchster Sicherheit den Klang gezielt zu treffen, der im Kontext schlüssig im Werk nahtlos aufgeht. Selbst das extrem zerklüftete Andante fügte sich zu einer überzeugenden Ausdrucksgestalt, die den Unterbrechungen expressive Aussagekraft zugestand. Die volkstümliche Frische, die sich im Siciliano-Thema des Variationssatzes in vergnügter Tanzlaune fortsetzte, stellte das galant-rokokohafte Werk trotz Molltonart in ein freundliches Licht, auch wenn die dramatischen Verdichtungen ihre energiegeladene Wirkung beibehielten.
Die Treffsicherheit im Zugriff beleuchtete aber vor allem die Entwicklung Beethovens adäquat. In seinem Streichquartett op. 18/2 die Vorbildtreue im galanten Grundtenor verständlich zu machen und daraus den ungestümen Beethoven mit seiner eigenen Vorstellung von der Weiterentwicklung der Gattung aufblitzen zu lassen, rief eine enorme Spannung im Ensemble auf den Plan. Keine Frage: Das Quatuor Ebène brennt für die „Revolution“ (Merlin) des Komponisten, der da selbst den Mut besaß, in ein Adagio cantabile eine hastende Allegro-Passage einzupflanzen oder im Schlusssatz ein virtuoses Violinsolo als Überleitung zu nutzen.
Und dann der Wechsel ans Ende der mittleren Periode im Werk Beethovens, wo er den neuen Weg für die späten, ureigenen Streichquartette vorgebildet hatte. Die Einleitung zum Kopfsatz des op. 59 ist wie ein großes Versprechen, das die vier Franzosen mit beseelter Höchstkonzentration ins Extreme wachsen ließen. Doch ganz klar überzeugt davon, dieses Versprechen mehr als nur einzulösen. Von der geballten Energie profitierte schon das kapriziös-elegante Kopfsatzthema, ja selbst die elegische russische Volksmelodie des Andantes. Das freundlichere Menuetto mit dem fanfarenartigen Trio kündete schon davon, was folgen sollte: Ein mitreißendes Perpetuum mobile, dem sich das Publikum nachhaltig nicht entziehen konnte.