Veranstaltungsinfo

Do, 20.02.2020
19.30 Uhr
Diskussion
Eintritt frei

Süddeutsche Zeitung Starnberg: Wer hat die besten Ideen für die Zukunft des Fünfseenlands?

Dem Landkreis Starnberg steht eine spannende Wahl bevor: Nach dem Rückzug von Landrat Karl Roth entscheiden die Bürger über das höchste politische Amt.

Lernen Sie mit der SZ die fünf Kandidaten kennen!

Stefan Frey, CSU; Christiane Kern, SPD; Martina Neubauer, Grüne; Cédric Muth, FDP; Matthias Vilsmayer, Freie Wähler

Moderiert wird die Veranstaltung von Astrid Becker, Stellv. Leiterin der Starnberger SZ und David Costanzo, Leiter der Starnberger SZ.

Einlass ist ab 19:00 Uhr

Es ist keine Anmeldung für die Veranstaltung nötig.
 

Veranstalter: 
Süddeutsche Zeitung Starnberg
Pressestimmen 
Bei der SZ-Podiumsdiskussion im Gautinger Bosco beziehen fünf Landratskandidaten Position: Es geht um Gewerbegebiete, um das Thema Wohnen, um Verkehr, um die Energiewende – und ums Geld. In vielen Punkten sind sich die Bewerber weitgehend einig

Was Cédric Muth (FDP) von Christiane Kern (SPD) weiß? „Ich habe Frau Kern als sehr bodenständige, herzliche, geerdete und sympathische Mitbewerberin kennen gelernt.“ Die wiederum äußert sich über Stefan Frey (CSU) so: „Stefan Frey ist quasi ein Kollege von mir. Wir haben den gleichen Dienstherrn, sitzen sogar im gleichen Haus des Innenministeriums. Sonst sind wir total verschieden. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt immer schon in Starnberg. Ich bin a Zuagroaste, hab’ keine Kinder und bin ledig.“ Frey ist an der Reihe und soll sich über Matthias Vilsmayer (Freie Wähler) äußern: „Vilsmayer ist 47 Jahre alt, IT-Unternehmer aus Gilching, schon lange im Kreistag und ein starker kompetenter Mitbewerber.“ Vilsmayer darf sagen, was er von Martina Neubauer (Grüne) – beide sitzen im Kreistag – hält. „Liebe Martina, ich schätze dich sehr. Du bist sehr engagiert, gut vorbereitet, hast viele Wortbeiträge. Wir sind nicht immer einer Meinung, aber wir tragen das immer sachlich aus. Manchmal finde ich dich aber zu parteipolitisch.“ Zu guter Letzt darf sich Neubauer über Muth äußern: „Wir kennen uns noch nicht so lange. Unsere erste Begegnung war bei der Verleihung des Wirtschaftspreises. Ich habe erst realisiert, dass du ein Mitbwerber bist, als wir alle gemeinsam auf der Couch saßen für ein Foto. Schön, dass du dabei bist.“

Freundlich, geradezu freundschaftlich präsentierten sich die fünf Landratskandidatinnen und -kandidaten bei der SZ-Podiumsdiskussion am Donnerstagabend im Gautinger Bosco. Knapp 200 Zuhörer waren gekommen, um sich ein Bild der Bewerber zu machen, die um die Nachfolge von Landrat Karl Roth (CSU) kämpfen. Überwiegend waren sich die Fünf einig. Nur manchmal klang ein bisschen Wahlkampf durch.

Gewerbe

Die geplante Ausweisung von großen Gewerbegebieten in Gauting und Schorn ist gerade ein heftig diskutiertes Thema. Ob sie sinnvoll seien, müsse man sich genau ansehen, sagte Neubauer. Im Landkreis herrsche Vollbeschäftigung, mit neuen Gewerbeflächen „ziehen wir uns nur die Probleme von außen an“, sprich: Es müssten auch Wohnungen gebaut und die Infrastruktur ertüchtigt werden. Wichtiger sei, den eigenen Mittelstand zu stärken. Das wollen auch die Mitbewerber. Frey kann sowohl die Gautinger – die Steuereinnahmen brauchen – als auch die Gilchinger – die ihren Bannwald erhalten wollen – verstehen. Er hat jüngst einen Kompromissvorschlag gemacht, der nun in den Gemeinderäten behandelt werden soll. Vilsmayer sieht es als Notwendigkeit an, dass Gewerbe überall maßvoll entwickelt wird. Kern plädierte für eine landkreisweite Gewerbegebietsplanung gibt. Sie sei ein Fan von interkommunalen Gewerbegebieten.

Wohnen

Die freien Flächen im Landkreis sind knapp, die Preise hoch. Die Folge: Es fehlt an günstigem Wohnraum. Dieses Dilemma wollen die Kandidaten mit verschiedenen Modellen lösen: mehr Geld für den Verband Wohnen (Neubauer), Einheimischenmodell (Vilsmayer), sozialer Wohnungsbau (Frey), Tiny-Häuser (Muth), Sozial gerechte Bodennutzung (Kern und Neubauer). Übereinstimmung gab es darüber, dass in Geschosswohnungsbau und in Genossenschaften investiert werden müsse.

Finanzen

An der Rekordverschuldung des Landkreises in Höhe von bald 180 Millionen Euro wollte keiner der Kandidaten mäkeln. Das neue Gymnasium in Herrsching, der Kauf der Schindlbeck-Klinik und die Erweiterung des Landratsamtes seien Investitionen in die Zukunft, lautete die übereinstimmende Meinung. „Da haben alle was davon“, sagte Kern. Die Kreisumlage werde steigen, daran ließ Frey keinen Zweifel. „Aber wer A sagt, muss auch B sagen.“

Verkehr

Was den Landkreis lebenswert macht, sind seine Seen und die schöne Landschaft – die wiederum Segen und Fluch zugleich sind. Der große Ansturm von Ausflüglern vor allem in den westlichen Gemeinden beschäftigt auch die Landratskandidaten. Jeder habe das Recht, an die schönen Seen zu fahren, meinte Neubauer. Aber es brauche eine anderes Mobilitätskonzept, wie Badebusse, Radwege, Rad-Verleihsysteme an den S-Bahnhöfen und höhere Parkgebühren. Die öffentlichen Verkehrsmittel müssten weiter ausgebaut werden, forderte Vilsmayer. Muth schlug ein Schiffstaxi am Starnberger See vor. Beim barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe müsse „Druck auf den Freistaat“ gemacht werden, sagte Frey. Einen 20-minütigen Takt bei der S6, den zweigleisigen Ausbau der S8, ein Halt in Weichselbaum, Express-S-Bahnen und einen Regionalzughalt in Gauting, „darüber müssen wir massiv in die Verhandlungen reingehen“, sagte Neubauer. Ohne zweite Stammstrecke gehe gar nichts, meinte Frey. Der Widerstand dagegen in München müsse endlich aufhören.

Windkraft

Eitel Sonnenschein herrscht offenbar über die vier Windräder in Berg. „Ich freue mich immer, wenn ich sie sehe“ (Vilsmayer, Muth, Neubauer). Die Konzentrationsflächen im Landkreis müssten weiterentwickelt werden, sagte Muth. Berg sei ein Erfolgsmodell. „Das Ding rechnet sich.“ Vilsmayer will Windräder nur als Bürgermodell. Nötig sei ein Energiemix, um das Ziel des Landkreises, die Energiewende bis 2035 zu schaffen, erreicht werden könne. Dafür plädierte auch Kern: Solar- und Windenergie, Erdwärme und Blockheizkraftwerke.
Die fünf Bewerber um das Amt des Landrats auf dem SZ-Podium positionieren sich klar gegen Hetze und Ausgrenzung. AfD-Anhängern, die die Veranstaltung stören, erteilt Gautings Bürgermeisterin Hausverbot

Mit einer Gedenkminute für die Mordopfer des rassistischen Terrors in Hanau hat die Podiumsdiskussion der Starnberger SZ am Donnerstagabend im Gautinger Bosco begonnen. Die fünf Landratskandidatinnen und -kandidaten Stefan Frey (CSU), Martina Neubauer (Grüne), Cédric Muth (FDP), Christiane Kern (SPD) und Matthias Vilsmayer (Freie Wähler) sollten an diesem Abend über ihre Ziele, ihre Ideen und Standpunkte Auskunft geben. Aber auch sie zeigten sich tief betroffen von dem Anschlag.

„Es ist schwer, an so einem Tag über Kommunalpolitik zu reden“, fasste es SZ-Redakteurin Karin Kampwerth zusammen, die mit ihrer Kollegin Astrid Becker die Veranstaltung moderierte. Die fünf Kandidaten bezogen klar Stellung zum rechten Terror, zu Hassreden und Bedrohungen. Wie nötig das ist, bewies dann auch der Auftritt von AfD-Anhängern im Bosco. Ihr Bundestagsabgordneter Martin Hebner kritisierte, dass der AfD-Landratskandidat Markus Becher nicht auf dem Podium saß. Redakteurin Astrid Becker erklärte, warum. Die SZ habe erst Ende Januar einer Mitteilung des Landratsamts entnommen, dass die AfD einen Kandidaten habe. Trotzdem habe die Redaktion versucht, den Kandidaten zu erreichen. Becher selbst war aber erst zwei Tage vor der Veranstaltung zu sprechen. Da sei die Podiumsdiskussion längst geplant und organisiert gewesen. Das interessierte weder Hebner noch seine Begleiter. Sie riefen immer wieder dazwischen und wurden dafür vom Plenum ausgebuht. Als Hausherrin verwies die Gautinger Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) die Störer des Saales. Sie gingen, nicht ohne Kössinger noch zu drohen.

„Das bereitet mir Sorgen“, sagte Martina Neubauer. Dieses Verhalten zeige, wie gefährdet die Demokratie sei. Sie streite gern über Inhalte, aber verbale Entgleisungen gingen nicht. Neubauer gehört zu den Gründungsmitgliedern des „Starnberger Dialogs“, ein 2016 ins Leben gerufenes überparteiliches und überkonfessionelles Bündnis, das sich für ein friedliches Zusammenleben in Stadt und Landkreis Starnberg einsetzt: „Wir, die wir an vorderste Front stehen, sind aufgerufen, wertschätzend miteinander umzugehen.“ Im Landkreis ein politisches Klima zu schaffen, „das es jetzt schon gibt“: dass man miteinander und nicht übereinander redet, „dass man den anderen respektiert, achtet und wertschätzt“, forderte Stefan Frey. „Und dann ganz klar: Zivilcourage zeigen.“ In sozialen Medien sei es ganz wichtig, gleich den Opfern zur Seite stehen. Parteiübergreifend müsse gehandelt werden, wie es im Starnberger Dialog zum Beispiel der Fall sei. „Die demokratischen Parteien müssen an einem Strang ziehen und dürfen sich nicht im politischen Kleinklein verheddern.“

Er sei schockiert über die Morde in Hanau, sagte auch Cédric Muth. Für alle Minderheiten sei jeder Anschlag ein Verlust des Vertrauens in dieses Land. „Unsere Aufgabe ist es, ihnen Sicherheit zu geben.“ Auch Kommunalpolitiker müssten diesen Minderheiten zeigen, „dass sie hier richtig sind, dass wir hinter ihnen stehen, dass wir gerne mit ihnen zusammenleben“, sagte Muth. Das sei gerade in Zeiten schwierig, in denen auch Kommunalpolitiker bedroht würden und sogar um ihr Leben fürchten müssten. Muth: „Da müssen wir solidarisch zusammenstehen.“

Christiane Kern war, bevor sie in den Innendienst wechselte, selbst jahrelang als Polizistin auf der Straße bei AfD-Demonstrationen. „Ich sage Ihnen: Die AfD ist kein Opfer, das sind böswillige Menschen, die ihre Parolen auf der Straße verbreiten.“ Sie und ihre Kollegen hätten alles aufgeschrieben und an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. „Wir Polizisten sind definitiv nicht blind auf dem rechten Auge“, sagte sie. In den Kommunen sei es die Pflicht der Politiker, zusammenzustehen. „Ich muss sagen, ich bin richtig stolz auf Sie heute Abend“, richtete sich Kern an die Zuhörer. „Sie haben gezeigt, dass wir sie vertreiben könne, wenn wir zusammenhalten.“

Auch Matthias Vilsmayer zeigte sich schockiert über den Anschlag. Er meinte, es sei gerade auf kommunaler Ebene wichtig, „Bürger mitzunehmen, ihnen ein Angebot zu machen, nicht AfD wählen müssen“. Soziale Themen müssten mit Hochdruck bearbeitet werden, „wir dürfen auch im Landkreis Starnberg keinerlei sozialen Brennstoff schaffen“, sagte er. Vilsmayer verwies auf den „Runden Tisch gegen Rechts“, der in den vergangenen sechs Jahren kein einziges Mal getagt habe und der seine Treffen wieder aufnehmen müsse.