Veranstaltungsinfo

Mi, 13.06.2018
20.00 Uhr
Vielklang
22,00 / 10,00 €*
* Vorverkauf ab 25.11.2017

Biboul Darouiche: We the People

Biboul Darouiche begeisterte bereits mit seinem Projekt „Soleil Bantu“ die Zuhörer im bosco. „We the People“ ist sein neues Musikprojekt.
Bibouls Musik ist ein Portrait seiner multikulturellen Geschichte - von seiner Kindheit in Afrika bis hin zu seiner Arbeit als international gefragtem Musiker. Geboren in Kamerun, dann der Orient, Skandinavien und Zentral-Europa: Biboul hat viele Kulturen kennen und lieben gelernt und seine Musik zeigt, dass Tradition und kulturelle Vielfalt, wunderbar in Einklang gebracht werden können. Rhythmen und Melodien der Jahrtausendealten, traditionellen Musik der Bantu, fusionieren mit westlicher Jazz-und Popkultur. Das Zusammenspiel in dieser Polyrhythmie ermöglicht eine riesige Improvisationsvielfalt. Bibouls neues Album Tribal Moon Jam wird im Sommer 2018 erscheinen.
Als Sideman ist Biboul seit 1995 Percussionist von Klaus Doldingers Passport und arbeitete mit Künstlern wie Al di Meola, Pee Wee Ellis, Roy Ayers, Jazz Baltica Ensemble, Big Bands des WDR, NDR und HR und vielen mehr.

BIBOUL DAROUICHE, vocals, calimba, percussion, drums
MICHAEL HORNEK, vocals, keys, percussion
MIKO WATANABE, drums, percussion
FERDINAND KIRNER, guitar
ISAAC REED, bass
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Nach(t)kritik 
Es ist ein kühler regnerischer Abend in Gauting; nach vielen heißen Tagen verlässt die Rezensentin die Wohnung ausnahmsweise wieder mit Jacke. Ungemütlich ist es, aber im Bosco ist der afrikanische Jazzer Biboul Darouiche angekündigt, mit seinem Programm „We the people“. Draußen vor den Panoramafenstern graue Wolken, drinnen strahlt der sympathische Sänger und Instrumentalist und entführt sein Publikum bereits mit den ersten Worten auf eine kontinentale Reise.
Er selbst stammt aus Kamerun, der Vater ist war syrischer Kurde, die Mutter Bantu. Biboul Darouiche ist nach Stationen in Dänemark, und Paris schließlich in Deutschland geblieben. Seine Musiker stellt er als Deutsch, Deutsch-Japanisch, Deutsch-Irisch vor. Das alles erzählt er entspannt zu den freundlichen Klängen einer Kalimba und schnell ist klar, wohin es an diesem Abend musikalisch geht: von Kamerun um die Welt.
Und dann geht mit dem ersten Song auch schon die Sonne auf. Softe afrikanische Rhythmen erzeugen auf der Stelle ein warmes Bauchgefühl, Biboul Darouiche liefert vor den jeweiligen Songs die Geschichte gleich mit. Die Lieder erzählen von seiner Heimat, von den Kindern mit denen er gespielt hat, von den Nöten eines jungen Mannes, der die strengen Regeln der Brautwerbung seines Dorfes nicht akzeptieren will, von einem Mädchen, das in den Wald geht, um Beeren zu sammeln, aber dann eine romantische Begegnung hat, von der sie zu spät in ihr Dorf zurückkehrt – und erzählt, sie habe einen Elefant auf einem Baum gesehen. Biboul Darouiche wechselt zwischen deutsch und englisch, singt in der Sprache seiner Heimat Kamerun, aber einen Song auch auf maghrebinisch.
Je weiter das Programm voranschreitet, desto weiter öffnet sich das musikalische Spektrum. Antonio Jobim, brasilianische Klänge, Samba, Miriam Makeba und immer wieder der Einfluss des europäischen Jazz sind heraus zu hören. Darouiche hat lange Jahre als Percussionist bei Klaus Doldinger gespielt – das kann und will er in seiner Musik nicht verleugnen.
Das Tempo steigert sich nun von Song zu Song, Biboul Darouiche erzählt Storys, die sich aus dem Umfeld der Bantu hinausbewegen, erzählt von seiner eigenen Revolution als junger Mann, der gegen den Willen seiner Eltern Jazz machen will. 
Immer treibender werden die Rhythmen, das letzte Lied vor der Pause ist Fela Kuti gewidmet, dem „Grandfather of african beat“, es wird härter, jazziger, mit treibendem Beat, kaum ein Zuhörer im gut besetzten Bosco, der jetzt noch stillsitzen kann.
 
Nach der Pause setzen sich einige Zuhörer gleich gar nicht mehr auf ihre Plätze, es wird von den ersten Tönen an getanzt. Biboul Darouiche und seine herausragenden Musiker beherrschen Weltmusik im besten Sinn, sie switchen virtuos zwischen Stilmitteln des Jazz, ebenso wie Rock und Pop. In der zweiten Hälfte des Konzerts werden die Beats noch melodiöser, tanzbarer. Immer wieder spendet das begeisterte Publikum Szenenapplaus; fünfzehn Songs spielt die Band insgesamt, das Konzert dauert mit Pause fast drei Stunden. In der Zugabe, „Caramba“, liefert sich Darouiche mit seinem Percussionisten Miko Watanabe ein wüstes Rhythmus-Duell: traditionelle Percussion-Instrumente aus Baumstämmen  treten gegen die Drums an, treiben sich gegenseitig in ein wüstes Stakkato und entlassen das Publikum schließlich in eine regnerische Nacht. In Kopf, Bauch und Füßen aber wirkt die Sonne Afrikas nach.
Pressestimmen 
Unsere Vorstellung von Afrika prägen Bilder von Armut und Elend. Doch wer die Musik des magischen Riesenkontinents hört, die auf der jahrtausendealten Kultur der Bantu basiert, ist überzeugt: Gott war gut gelaunt und großzügig, als er diesen Erdteil erschuf, denn er schenkte ihm üppige Freude und unerschütterliche Hoffnung. In vielen Sprachen der etwa 400 Ethnien bedeutet "Bantu" schlicht "Menschen". Darauf bezog sich der Kameruner Biboul Darouiche, als er das im "Bosco" vorgestellte Projekt seiner Formation Soleil Bantu "We the People" nannte.

Es sind zwar selten alle angekündigten Musiker auf der Bühne, aber auch das ist Afrika: Gelassenheit und Spontanität. Wer mit Darouiche musiziert, gehört zur ersten Garde einer weit abgesteckten musikalischen Landschaft. Afrikanische Musik passt dank ihrer Harmonisierung fast immer mit allen Gattungen der U-Musik zusammen. Jazz, Rock, Soul oder Funk haben schließlich alle ihre Wurzeln weitgehend in afrikanischen Kulturen. Sein Vater sei syrischer Kurde, seine Mutter Bantu, sagte Darouiche. Er selbst durchwanderte viele Länder, bevor er in München eine neue Heimat fand, von der aus er die ganze Welt bereist. Auch als Perkussionist sucht er immer wieder neue Verbindungen: Zum frei wandelbaren und wendigen Hauptthema liefert Darouiche an den Congas oder am Schlagzeugset den afrikanischen Puls, der alles trägt und in Bewegung hält. So hielt es auch einen großen Teil der zahlreichen Besucher nicht mehr auf den Stühlen, nach der Pause mutierte das Konzert zu einer Tanzveranstaltung.

Zur Bantu-Musik gehören aber auch traditionelle Geschichten, die Darouiche in dichter erzählerischer Manier über ekstatischer, fast schon hypnotischer Unterlage ausbreitet. Die elektrisierende Wirkung entsteht vor allem aus der Eindringlichkeit der Wiederholung, einer konsequent über die Schmerzgrenze hinaus geführten Monotonie. Erfuhr sie eine Intensivierung, so stellte sich ein wilder Taumel ein, der schwindlig machte. Die Erzählungen handelten davon, was Menschen auf der ganzen Welt alltäglich bewegt. Er sang von Mädchen, die sich heimlich verlieben; von Jungen, die gegen den Willen der Eltern Musiker werden wollen, oder vom Onkel "Caramba", der in Spanisch-Guinea gewesen war, was mit Latinrhythmik wiedergegeben wurde. Aber Darouiche sprach auch ernste Themen an, wie etwa die Feindseligkeiten in Jerusalem.

Beherrschten in der ersten Konzerthälfte monoton skandierte Titel den musikalischen Charakter, so kam nach der Pause mit karibisch anmutenden Rhythmen und stärkerer melodischer Ausprägung eine seelentiefe Heiterkeit ins Spiel. Die Gitarre rockte nun nicht mehr, sondern sang beschwingte Themen, während sich das Keyboard zum Xylophon, Vibraphon oder Marimba wandelte. Beeindruckend war dabei auch immer wieder der hintergründige Puls an der Krin-Schlitztrommel, die im Grunde ein ausgehöhlter Baumstamm ist. Das faszinierendste blieb aber die rasante Kalimba-Daumenspieltechnik Darouiches, mit der er ostinate, rhythmisch-melodische Figurationen unterlegte - so ganz nebenbei, während er sich seinen gesungenen Geschichten widmete. Euphorischer Schlussjubel und eine Zugabe blieben nicht aus.