Veranstaltungsinfo

Sa, 12.12.2015
16.00 Uhr
Kinder
8,00 €

Margrit Gysin und Irene Beeli: Auguste

Auguste: Frei nach Friedrich Wolf; Die Weihnachtsgans Auguste
GEÄNDERTE VORSTELLUNGSZEIT!
Zwei Frauen erzählen und spielen mit Nadel und Faden in Erinnerung an ihre Kindheit. Da war alles anders: Da war Märchenzeit: Und hinten beim Stall Gänsezeit. Es weihnacht, es schneit Federn, weltein und weltaus. Das Kind verbrüdert sich mit dem Tier und öffnet die Tür…
 
Eine weihnachtliche Geschichte für alle ab 4 Jahren
 
Spielerinnen: Margrit Gysin und Irene Beeli
Regie: Andrea Gronemeyer

Margrit Gysin ist Absolventin der Theaterschule J. Lecoq Paris, ausgebildete Kindergärtnerin, Heilpädagogin und Puppenspieltherapeutin. Seit 1976 ist sie freischaffende Figurentheaterspielerin und gibt seit 1980 Unterricht in Theaterpädagogik, Figurenspiel und Kreativität an Seminaren, Kunst- und Fachhochschulen im In- und Ausland. Ausserdem ist sie Leiterin der Weiterbildung Figurenspiel an der Zürcher Hochschule der Künste.

Andrea Gronemeyer ist Direktorin am Schnawwl, das Kinder- und Jugendtheater am Nationaltheater Mannheim. Ihr steht dort ein eigenes Schauspielensemble und eine eigene Spielstätte für ein junges Publikum zur Verfügung; jährlich werden aus einem Repertoire von zehn Stücken etwa 330 Vorstellungen gespielt, auch auf Gastspielreisen im In- und Ausland.

WAS MIR BEI MEINER ARBEIT WICHTIG IST:
"Das Figurentheater ist für mich Verkörperungskunst. Märchen und Geschichten stecken voller Bilder. die emotional und seelisch berühren, Sie fördern Lebendigkeit und Kreativität. Im Alleingang spiele ich für Kinder und Erwachsene. Theater spielen heisst für mich: Geschichten erzählen.

Durch das Spiel bin ich immer wieder mit dem Neuen, dem Kindlichen, der Kreativität verbunden. Ich stehe in einem stetigen Prozess und erhalte dadurch viele Energien. In meinem Spiel geht es mir um das Geheimnis oder das Geheimnisvolle im Leben. Während eines längeren Gestaltungsprozesses erhalten die Figuren Form, Ausdruck und Charakter. Ich verarbeite Textilien und Naturmaterialien. In der Verbindung der Materialien liegt Spannung und immer wieder der lebendige Bezug zur Natur. Figurentheater spielen heisst, Material beleben, durch Stimme, Bewegung und Emotionalität.
Alle meine Figuren sind Teile von mir. Ich habe diese Figuren interessanterweise als Archetypen auch in den Märchen gefunden.
Ich schreibe Stücke über Themen, die mich interessieren: Andersartigkeit, Solidarität, Menschenwürde, Sinnfragen. Es reizt mich, aus unspektakulären Kleinigkeiten Geschichten entstehen zu lassen."

Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2015

Nach(t)kritik 
Erst kam die Unterdecke auf den Tisch. Dann folgte die mit den Stickereien, die, an deren Faltkante schon winzige Tiere genagt haben müssen, so löcherig war sie dort. Auf die bestickte Decke wurde die Oberdecke gelegt, die dunkelblaue. Und ehe Marie und Theres, die beiden einstigen Dienstmädchen im Hause des Kammersängers Löwenhaupt und seiner Familie, die beide zusammen die Marie-Theres sind und zusammen 125 Jahre alt sind – ehe die Marie-Theres also die schöne Weihnachtsdecke auflegt, erinnert sie sich an die Geschichte, als der Herr Löwenhaupt sich einmal an Weihnachten einen Wunsch erfüllen wollte.
„Weißt du noch?“ sagt die Theres und nimmt ein Stück Kreide, „da wollte er zu den Bauern aufs Land und eine Gans kaufen.“ Sie zeichnet den Weg auf die blaue Tischdecke, den der Herr Löwenhaupt ging: erst die vielen Stufen im Mietshaus hinunter auf die Straße, dann um die Ecke und noch um eine Ecke und ein langes Stück Weg, bis es in Serpentinen den Weg hinauf ging zu den Bauersleuten, wo die Gänse schon schnatternd im Hof herumliefen. Und auf einmal sind alle mitten in der Geschichte: der Herr Löwenhaupt und die Gänse sowieso, aber auch das Puppenspielerinnenpaar Marie-Theres und alle Zuschauer, klein wie groß. Alle sind sie da auf dem Hof, bei den Gänsen, und später in der Wohnung der Löwenhaupts, wo die drei Kinder durchsetzen, dass die Gans zum Spielkameraden wird und nicht zum Weihnachtsbraten. Auguste, so nennen sie ihre Familiengans.
„Die Weihnachtsgans Auguste“ ist eine alte Geschichte von Friedrich Wolf. Margrit Gysin und Irene Beeli, die beiden Schweizer Figurentheaterfrauen, haben diese Geschichte inhaliert und sich zu eigen gemacht: sie ist zu ihrer Geschichte geworden. In dem Moment, wo sie die Dienstmagdschürzen anziehen, die Arbeitsschürze zuerst und darüber dann die weiße gestärkte Festtagsschürze, haben sie sich „Die Weihnachtsgans Auguste“ angezogen. Und Schicht um Schicht, Decke um Decke tauchen sie in das Geschehen im Hause Löwenhaupt ein. Figurentheater und Schauspiel, Erzählung und Dialog greifen ineinander und verweben sich zu einem Netz, das alle trägt, Spielerinnen wie Publikum.
Es liegt ein besonderer Zauber über dieser Kindertheater-Vorstellung. Ein Zauber wie die in die Luft geworfenen Schneeflocken, an die später die wirbelnden Daunenfedern der armen gerupften Gans erinnern. Der Zauber des Kammertons, den die beiden Spielerinnen durchweg sprechen und der Kinder aus der lärmenden Gegenwart hinein ins Phantasiereich Theater holt. Es gibt nicht viele Oasen in dieser Gegenwart – Margrit Gysin und ihr Theater sind eine. Einen besseren Weg hinein in die Weihnachtszeit kann es nicht geben.