Nach(t)kritik

So, 08.03.2020
16.00 Uhr
Kinder

Alle Menschen werden Brüder...

Veranstaltung: 
Künstler: 
Heinrich Klug & Münchner Philharmoniker
Nach(t)kritik von Christine Cless-Wesle
„Beethoven für Kinder“ mit Heinrich Klug & Münchner Philharmoniker
 
 
Gauting - Bravo-Rufe und begeistertes Getrampel: Mit dem Konzert „Beethoven für Kinder“ im gut gefüllten bosco-Saal am Sonntagnachmittag war Heinrich Klug mit Münchner Philharmonikern und hervorragenden Jugend-musiziert- Preisträgern wie Daniel Grenda (Trompete) am Puls der Zeit. Denn im Beethoven-Jahr zum 250. Geburtstag des großen Komponisten lösten kleine Zuhörer*innen nicht nur das Instrumenten-Quiz mit Bravour. Angefeuert von Heinrich Klug, erfüllte zum Finale das gemeinsam angestimmte, beflügelnde Lied „Alle Menschen werden Brüder“ aus der Ode an die Freude den Gautinger Konzertsaal.
„Guten Tag: Viel Vergnügen für unsere Musik“, begrüßt der Wahl-Gautinger Heinrich Klug die Jüngsten im Saal. Ebenso fröhlich-rhythmisch erklingt danach das „Allegro e vivace“ aus der Beethovensinfonie Nr. 1 in C-Dur mit Konzertmeister Iason Keramidis (erste Violine) und Cellistin Alina Anderson.
„Immerzu, immerzu schlägt das Metronom den Takt dazu“: Der frühere Münchner Philharmoniker Heinrich Klug, Initiator der schon legendären Kinderkonzerte, gibt den Takt vor – und lässt das temporeich komponierte „Allegretto scherzando“ aus der Beethoven-Sinfonie in F- Dur mit dem Orchester und den schnellen Holzbläsern reich erstrahlen.
Als Beethoven seine Sinfonie Nummer drei in Es-Dur komponierte, „fing er schon an, nicht mehr so gut zu hören“, erklärt Heinrich Klug. Fasziniert lauscht das Publikum danach dem Satz „Allegro molto“: Die  Bundes-Jugend-musiziert- Preisträger Peer Bohn (Violine), Eva Kristl (Oboe), Felicitas Klaus (Flöte) intonieren danach auf ihren Instrumenten die beschwörende Melodie „Alles wird gut. Mit Musik wird alles gut“, erklärt Klug. Doch im wilden Thema von Cello (Alina Anderson), Viola und Kontrabass kommt auch die Wut des Komponisten über seine Taubheit zum Tragen.
Beethoven „konnte sich nicht mehr mit Leuten unterhalten“, sagt der Dirigent. Doch die Musik blieb im Kopf des Komponisten: Als der in seiner Zeit gefeierte Pianist erlebte, wie Zuhörer nach seinen Improvisationen auf dem Klavier vor Rührung weinten, soll der taube Beethoven in seinem Furor gefordert haben: „Feuer soll meine Musik schlagen“, erzählt Heinrich Klug vorn auf der Bühne.
Danach ist die rhythmische Klage „Ach, wie so schwer ist doch mein Los“ aus der bekannten fünften Beethoven-Schicksals-Sinfonie zu hören. Auf ihrem Horn bläst Maria Teiwes die pochende Fanfarenklage. Das wunderbare Horn verbindet sich vollendet  mit dem hohen Ton der Oboe (Eva Kristl), dem sanften Pizzicati der Streicher, der Piccolo-Flöte und dem Fagott. Trotz des schweren Schicksals, die dem Komponisten durch seine Taubheit droht, dringt die Freude durch diese Sinfonie: Auf seiner Trompete bläst Daniel Grenda das feurige, hoffungsvolle Allegro-Thema „Die Musik, sie ist mein ganzes Glück.“
Es folgt der Auftakt fürs Kind- aber auch erwachsenengerechte  Instrumenten-Quiz: Elke Aufschläger und Matthias Emden entfalten im Duo für Klarinette und Fagott in B-Dur den wunderbaren Klang ihrer Blasinstrumente. Maria Teiwes gibt eine Hörprobe aus der Beethoven- Hornsonate.
Tief beeindruckt applaudiert das Publikum: Mit dem Orchester spielt der erst 15jährige Bundes-Jugend-musiziert-Preisträger Peer Bohn auf seiner kostbaren Violine den ersten Satz aus dem berühmten Beethoven-Violinkonzert in D-Dur ausdrucksstark und virtuos.
Der hoch talentierte Trompeter Daniel Grenda, ebenfalls Bundes-Jugend-musiziert-Preisträger, interpretiert noch vor der Pause die mitreißende Fanfare der „Ode an die Freude“ aus Beethovens berühmtester Sinfonie Nummer neun. Voller Begeisterung stimmen drei Generationen in die Europa-Hymne ein.
Interessiert betrachten die jüngsten Konzertbesucher während der Pause im bosco- Foyer die Instrumente. Daniel Grenda zeigt einem kleinen Mädchen, wie das Ventilsystem seines B-Horns funktioniert. Denn angesichts des grassierenden Corona-Virus dürfen die Kinder nicht blasen, schärft Heinrich Klug zuvor seinem Publikum ein.
Beim anschließenden Quiz müssen die Kinder erraten, welches Instrument gerade hinter der Wand auf der Bühne zu hören ist. Den dunklen Ton des Kontrabass (/Max Bäumler), den melodiösen Part der ersten Violine von Philharmoniker Iason Keramidis erkennen die Kleinen sofort. Aber auch den klaren Klang der Querflöte (Felicitas Klaus).
Mit voller Wucht erklingt nochmals die Klage „Ach wie so schwer ist doch mein Los“ mit dem wunderbaren Horn aus der bekannten fünften Beethoven-Sinfonie.
Bereits gut einstudiert von Heinrich Klug, stimmt das Publikum zum Finale nochmals in die „Ode an die Freude“ ein. Und der Funke springt über: Mit dem hervorragenden Orchester erklingt das von Beethoven reich komponierte, triumphale Lied „Alle Menschen werden Brüder“ ein weiteres Mal, gewissermaßen unsterblich im bosco-Saal. Drei Generationen von Zuhörern trampeln vor Begeisterung – bis zur allerletzten bekräftigenden Zugabe „Alle Menschen werden Brüder.“
 
Christine Cless-Wesle, 09.03.2020

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