Nach(t)kritik

Di, 27.11.2018
Kinder

Aus dem Koffer erzählt

Künstler: 
Buchfink Theater

So einen Ideenkugelschreiber wünscht sich vermutlich jeder aus der schreibenden Zunft. Christoph Buchfink vom Buchfink Theater hat einen. Der hört auf den Namen Hasi und hat oft Lust, sich lieber zu verstecken als dem Geschichtenerzähler die Ideen zu liefern. Doch seit diesem eines Nachmittags ein kleines verletztes Wesen über den Weg gelaufen ist, kann Hasi sich ruhig verstecken, denn die Geschichte des Findeltieres ist wirklich aufregend genug.

Es ist eine Geschichte von Angst und von Mut, von Außenseitern und von Freundschaft, die Buchfink den kleinen Zuschauern an diesem Vormittag im bosco erzählt. Es beginnt mit einem Koffer. „Als Puppenspieler bin ich andauernd unterwegs“, erklärt er und stellt den mitgebrachten Koffer auf der Bühne ab. „Da hat man kein richtiges Zuhause, und darum habe ich meines hier immer dabei.“ Ein richtiges Tiny House ist der Koffer des Puppenspielers, ausgestattet mit dem Nötigsten für ein gemütliches Zuhause, nur viel zu klein für einen Menschen. Doch das kleine Tierchen, das Buchfink zugelaufen ist, passt perfekt in das Bettchen und - zur ganz besonders großen Freude der Kinder - auch auf das kleine Klo. Nur: was ist das für ein Tier? Wo kommt es her? Wie heißt es? Was für eine Geschichte trägt es mit sich herum?

Bis diese Geheimnisse gelüftet sind, müssen die beiden sich erst einmal besser kennnenlernen, über alle Sprachbarrieren und Größenunterschiede hinweg. Christoph Buchfink wechselt in der Produktion „Elisa-Bib oder Keine Stacheln im Koffer“ - inszeniert von Andy Clapp - virtuos immer wieder die Ebenen von Puppenspiel zu Erzählung und wieder zurück. So entsteht ein hinreißendes, sehr poetisches Kindertheater, das einem perfekten erzählerischen Bogen folgt. Dabei wird auch nach Kinderherzenslust geblödelt, wenn Buchfink beispielsweise immer wieder die - imaginäre - Kellertreppe herunterstolpert oder wenn das Thema Pipikakapubs dank des nicht zu übersehenden Klos seine Berechtigung erfährt. Das ist gleichzeitig dezent genug, dass die Poesie nicht darunter leidet. Und wenn sich am Ende herausstellt, dass die große Angst des kleinen Tierchens in seinem Besonders-Sein begründet liegt und es damit aber gleichzeitig zu seiner Mission findet, dann hat hier auf verblüffende Weise die Pädagogik mit ins Spiel gefunden, ohne dass sie aufgefallen wäre - sozusagen incognito. Ein Glücksfall von einem Kindertheaterstück!

Sabine Zaplin, 27.11.2018