Nach(t)kritik

So, 18.02.2018
17:00 Uhr
Tee bei Sabine

Künstlerpaar Veronika Klaus & Ulrich Schweiger

Künstler: 
Tee bei Sabine
Sie sind beide in Gauting aufgewachsen: Kennen und schließlich lieben gelernt hat sich das Künstlerpaar Veronika Klaus und Ulrich Schweiger aber erst im Erwachsenenalter in der Ateliergemeinschaft Reismühle. Beim „Tee bei Sabine“ in der gut gefüllten „Bar rosso“  erzählten die Bühnenplastikerin und der bereits mit dem Klinge-Kultur-Preis prämierte Metallbildhauer sehr offen aus ihrem Leben als freischaffende Künstler: Ganz einfach ist dieser Weg im hochpreisigen Würmtal nicht, gestanden die Eltern von zwei Kleinkindern.
„Meine frühe Liebe zum Theater entdeckte ich damals als Jugendliche“, erzählt Veronika Klaus. Mit 16 Jahren schmiss die Gymnasiastin mit Gleichaltrigen nämlich die Bar im TheaterSpielRaum der Gautinger Hauptschule. „Von Theater und Bühnenbild habe ich da sehr viel mitbekommen“, wirft Veronika Klaus den Blick zurück.
Im Bar-Team von Hans-Georg Krause war in jener Zeit auch der heutige Schauspieler Sebastian Hofmüller aktiv. Hofmüller absolvierte damals eine Schreinerlehre an den Münchner Kammerspielen – „und nahm mich mit.“ Gymnasiastin Veronika Klaus war sofort begeistert – und wollte eine Ausbildung als Bühnenplastikerin absolvieren, doch: „Jedermann riet mir ab.“
Denn die Ausbildungsplätze waren schon in den 1990er-Jahren rar und der Verdienst bescheiden.
Die vielseitig begabte Künstlerin aus Gauting hat es trotzdem geschafft: In Münster und Berlin absolvierte Veronika Klaus ihre Ausbildung – und arbeitete zuletzt an einer Bühne in Kiel. Doch der Liebe wegen zog die Gautingerin wieder zurück an die Würm:
Vor fast 13 Jahren bezog die Künstlerin ihr Atelier in der Reismühle. Dort arbeitet Veronika Klaus als Schmuckdesignerin: Ihren Erstling, einen wunderschönen, klar designten Ring, ließ die Goldschmiedin vertrauensvoll im Gautinger Publikum kreisen.
Wie wird man eigentlich Bildhauer? „Das hat schon an der Schule angefangen“, gestand Veronika Klaus` Lebenspartner Ulrich Schweiger, denn: „Mein Banknachbar“ war der heutige Vorsitzende des Gautinger Kunstvereins, Bernd Wiedemann: „Gemeinsam haben wir Mannschgerl gezeichnet“, erinnert sich Ulrich Schweiger an seine Zeit am OvT (Otto-von-Taube)-Gymnasium.
Rom-Reisen mit den Eltern haben den Gautinger vollends  für die Ästhetik von Skulpturen begeistert: Nach fünf Semestern Philosophie – „zu theoretisch“ -  blieb Ulrich Schweiger ganz bei der Kunst und lernte an der staatlichen Schule in Garmisch-Partenkirchen die Holzbildhauerei von der Pike auf.
„Bronze war zu kostspielig“, gesteht der Bildhauer. Deshalb arbeitet Ulrich Schweiger präzise mit Metall: Eine seiner  zweidimensionalen großen Figuren, die den bewegten Freiheitstanz des Menschen verkörpern, steht auch vor dem Gautinger bosco. Und im vergangenen Jahr war der 2012 mit dem Klinge-Kultur-Preis ausgezeichnete Gautinger auf der renommierten Biennale in Venedig präsent: Für die Raum füllende Metall-Figur von Ulrich Schweiger musste sogar ein Werk des weitaus bekannteren Kollegen Markus Lüpertz im Palazzo „Mora“ an den Rand rücken, freut sich der Gautinger über seinen Aufstieg zur großen zeitgenössischen Kunst-Schau in Venedig.
Bleibt nur zu hoffen, dass dieses begeisternde Künstler- und Elternpaar aus der Reismühle neue Aufträge erhält: Im teuren Gauting ist`s für junge Kreative nämlich schwierig geworden, findet Veronika Klaus. Denn es ziehen vor allem junge Familien mit gutem „Double Income“ zu,  die sich die Preise am Ort  leisten können.
„So was wie im Salettl neben dem unsanierten Schloss gibt´s heute nicht mehr“, schaut ihr Partner und Zweifach-Vater  Ulrich Schweiger etwas wehmütig auf seine künstlerischen Anfänge im Gautinger Schlosspark zurück, denn: „Da zahlte ich nur 75 Mark für mein Atelier“, sagt der Bildhauer.  
Zum Finale hatte Moderatorin Sabine Zaplin schließlich eine zündende Idee: Für die in den Medien viel kritisierte abweisende Wand des Baderhof-Komplexes am Gautinger Hauptplatz müssten sich doch Sponsoren für „Kunst am Bau“ finden lassen. Eine bewegte humorvolle Metall-Figur mit überdimensionierten Händen und Füßen aus Ulrich Schweigers Atelier würde der grauen Fassade nämlich sofort Leben einhauchen.      
Christine Cless-Wesle, 18.02.2018
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2018