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Presse

Fulminante Festival-Premiere

Erschienen in:   Starnberger Merkur

Die Bilanz von „bosco, bambini“, dem ersten Gautinger Minifestival für die ganze Familie, kann sich sehen lassen: Mehr als 1300 Besucher kamen zu den 15 Veranstaltungen. Der Höhepunkt: der doppelte „Karneval der Tiere“ der Kindersinfoniker am Sonntag.

Gauting – Nein, ohne Zugabe wollten die 300 Zuschauer die Kindersinfoniker auf keinen Fall gehen lassen. Eltern und Kinder klatschten, trampelten und johlten am Sonntagmorgen im Bosco so lange, bis die jungen Musiker noch einmal auf die Bühne kamen und das fulminante Finale des „Karnevals der Tiere“ von Camille Saint-Saëns wiederholten. Sie konnten sich offenbar nicht satt hören an dem Stück, in dem Hühner, Esel, ein Elefant, ein Schwan und überhaupt der halbe Zoo seinen musikalischen Auftritt hatte. Und auch der geistreich-pointierte Text von Dirk Schönlebe, temperamentvoll vorgetragen von Sebastian Hofmüller, hatte alle im Saal vertretenen Generationen elektrisiert.

War es der Höhepunkt der Premiere des „bosco, bambini“, dem Minifestival für die ganze Familie, das sich Bosco-Managerin Barbara Schulte und Weltklasse-Geigerin Julia Fischer zusammen ausgedacht haben? Schwer zu sagen, es gab einige. Den Start macht das „Family in Concert“ der international gefeierten Geigerinnen Julia Fischer und Lena Neudauer. Beide sind in Gauting verwurzelt und seit Kindertagen befreundet. Sie musizierten mit den Studentinnen Elena Schönlebe (Violine, Viola, Klavier), Mariclara Ruiz Neudauer (Kontrabass) und Alma Steinmetz (Cello) mitreißend. Mit ansteckender Spiellust begeisterte das Streicherensemble aus zwei Generationen mit Wolfgang Amadeus Mozarts heiterer „Eine kleine Nachtmusik“ gleich zum Auftakt. Mit der temporeich gespielten „Passaglia“ für Violine und Viola nach einem Thema von Georg Friedrich Händel bescherten die beiden berühmten Geigerinnen sodann ihren Gautingern eine „Sternstunde“ mit klassischer Musik. Nach der Pause brillierte Violinvirtuosin Elena Schönlebe (13) auch am Flügel, mit dem höchst anspruchsvollen „Contrapunctus 9“ aus der „Kunst der Fuge“ von Johann Sebastian Bach. Als zum Finale die „Simple Symphony für Streichorchester“ von Benjamin Britten verklungen war, dankten die Gautinger mit begeistertem Beifall.

Hoffnung auf Neuauflage 2027

Etwas schleppend liefen am Samstag die Kinderworkshops an, resümiert Künstlerin Rosemarie Zacher von der Schule der Fantasie. Ausgebucht waren indes die Schule-der-Fantasie-Workshops am Sonntag, wobei sich „wunderbare Synergieeffekte“ mit dem „Karneval der Tiere“ sowie dem Kindertheater „Pony im Koffer“ ergaben. Zacher hofft sehr auf eine Neuauflage von „bosco, bambini“ im nächsten Jahr.

Einen geheimnisvollen Anblick bot eine mongolische Jurte mit bunter Eingangstür, die zwei Tage lang vor dem Bosco stand. Darin erzählten die Gautinger Erzählkünstlerin Carola Bambas und ihre Kollegin Martina Weigert im Stundenrhythmus Märchen für Groß und Klein. „Die Märchenstunden waren durchgehend gut besucht“, so die Gautinger Erzählkünstlerin. „Die Kinder haben gespannt mitgefiebert und mitgesungen.“ Einige seien gleich für die nächste Erzählung geblieben. Und ein paar Erwachsene waren auch ohne Kinder da.

Doch zurück zum „Karneval der Tiere“. Er stand am Sonntag zweimal auf dem Programm, um 11 und um 15 Uhr – beide Male ausverkauft. Julia Fischer sprach ein paar Worte zur Begrüßung, Johannes X. Schachtner dirigierte, Sebastian Hofmüller sprach den von Dirk Schönlebe eigens für diesen Anlass geschriebenen Text, und die Kindersinfoniker musizierten, was das Zeug hielt. Für jeden Tierfreund war etwas dabei, sei es der Königliche Marsch des Löwen (Andante maestoso, wie könnte es anders sein), die Schildkröten (übrigens eine Parodie des Komponisten auf Jacques Offenbachs „Can-Can“), oder der Walzer des Elefanten, von Mariclara Ruiz-Neudauer auf ihrem Kontrabass herzerweichend interpretiert.

„Persönlichkeiten mit langen Ohren“

Was den Text angeht: Nein, die Zuschauer hatten sich nicht verhört. Es ging in der Tat um so aktuelle Themen wie kulturelle Aneignung (als nämlich die Tiere beim Schwarz-Weiß-Fasching alle als Zebra gehen) und um politisch korrekte Bezeichnungen (etwa als die Esel als „Persönlichkeiten mit langen Ohren“ bezeichnet werden) – freilich immer mit dem nötigen Humor. Sogar Jugendsprache fand Eingang. Plötzlich war aus dem Nichts die Rede von „Skibidi“. Viele ältere Besucher hatten nicht die geringste Ahnung von den wandelnden Toiletten, in deren Schüsseln sich singende menschliche Köpfe befinden und die man auf Youtube bewundern kann (wenn man will). Die Kinder hingegen waren elektrisiert.

Auch Sprecher Sebastian Hofmüller war offenbar so frei, in den Text einige aktuelle Bezüge einzubauen. So behauptete er, dass das Aquarium, in dem sich die Fische als Clownfische maskiert hatten, aus „alarmgesicherten Glasschaukästen mit faseroptischem Beleuchtungssystem“ besteht. Exakt dem Material, aus dem sündteure Vitrinen bestehen, die die Gemeinde für die Ausstellung der bajuwarischen Funde aktuell aufstellt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Bosco-Managerin ist glücklich über den Verlauf. Nach der Zählung waren 1350 große und kleine Besucherinnen und Besucher bei „bosco, bambini“ zu Gast. Das entspricht einer Auslastung von 90 Prozent. „Ein wunderbarer Erfolg für unser erstes Familienfestival und eine hervorragende Grundlage für eine Fortsetzung“, sagt sie. Dass es möglich war, an einem Wochenende mehr als 15 Veranstaltungen anzubieten, sei ein Gemeinschaftserfolg, an dem Julia Fischer als Mit-Initiatorin entscheidenden Anteil hatte, aber auch die Kindersinfoniker, das Eltern-Kind-Programm und die Schule der Fantasie sowie das gesamte Team des Theaterforums.

17.03.2026, Christine Cless-Wesle