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Veranstaltungsinfo

Do, 10.06.2021
20.00 Uhr
Literatur

12,00 / 8,00

Regulär / bis 25 Jahre | Karten an der Abendkasse erhältlich

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Veranstalter: Theaterforum Gauting e.V.

boox: »Bücherfest« mit Tanja Weber und Sabine Zaplin

Zum Auftakt der neuen  Veranstaltungsreihe "boox" laden Tanja Weber und Sabine Zaplin ein zum Bücherfest im bosco.

Nach den langen Wochen des Lockdown kehrt das kulturelle Leben zurück: mit einem Fest rund um die Literatur. Sabine Zaplin und Tanja Weber zünden ein literarisches Feuerwerk mit vielen gerade erst erschienenen Romanen, Gästen aus der Gautinger Literaturwelt, Stimmen und Bildern zum Medium Buch und natürlich mit Musik. Dabei sein werden Titus Waldenfels mit musikalischen Abenteuern; Marc Schürhoff, der zu literarischen Reisen einlädt; Tipps aus der Gautinger Gemeindebibliothek für den Urlaub daheim; und das „Literarische Duo“ der beiden Gautinger Autorinnen Tanja Weber und Sabine Zaplin, die über aktuelle Neuerscheinungen diskutieren, streiten, begeistert sein werden.

Nachdem im vergangenen Jahr die „boox“-Trailer auf der bosco-Homepage einen kleinen Vorgeschmack auf die neue Literatur-Reihe geboten haben, wird diese nun mit dem „boox-Bücherfest“ eröffnet – eine Reise in die Welt auf den Vehikeln der Phantasie!

Gastgeberinnen SABINE ZAPLIN & TANJA WEBER

Gäste MARC SCHÜRHOFF, Buchhandlung Kirchheim &
ULRIKE SCHWARZKOPF, Gemeindebibliothek Gauting

Western Swing, Blues & Songs aller Art mit Gitarre, Geige, Banjo, Steel Guitar und Foot Bass spielt TITUS WALDENFELS aus München, der seit 25 Jahren on the road ist, mit Größen wie Embryo, Mal Waldron oder Eugene Chadbourne arbeitete, Monate lang in Texas lebte, Musik für Theaterproduktionen wie den 'Komödienstadel' oder den 'Varreckten Hof' von Georg Ringsgwandl machte und mit seinem umfangreichen Repertoire, seiner mühelosen Performance und direkten Kommunikation jedes Publikum begeistert. Instrumentals mit der Kraft einer Bluesband, der Offenheit einer Jazzcombo und der Direktheit einer Straßenmusikkapelle: Das ist die Musik des Münchner Musikers und Instrumentenbastlers Titus Waldenfels, der neben Gitarre, Geige, Banjo, Mandoline und Steel Guitar mit den Füßen einen einsaitigen Bass spielt.

Musik TITUS WALDENFELS, Gitarre, Geige, Pedal Steel Guitar, Mandoline, Banjo, Foot Bass
 

Einen kleinen Vorgeschmack auf die Veranstaltung bieten die „boox“-Trailer, die auf der Video-Seite unserer Homepage zu sehen sind. Auch hier geht es um Bücher, genauer: jedes Mal um einen Roman, der die beiden leidenschaftlichen Leserinnen in letzter Zeit besonders begeistert hat. Und so kommen sie miteinander ins Gespräch über das, was sie am liebsten tun: Geschichten lesen, Geschichten erleben.
 

Unterstützt  von

Logo Stiftung der Gemeindesparkasse Gauting
 

Pressestimmen
Buchtipps mit Können und Kontroverse
Pressestimme von Christine Cless-Wesle
Erschienen in:   Starnberger Merkur

Erste Ausgabe von „Boox“ im Bosco sorgt für einen vollen Saal

„Ein Gast, zwei Frauen, drei Bücher“ gibt es in der neuen Reihe „Boox“ im Gautinger Bosco. Zum Auftakt des Literaturgesprächs am Donnerstagabend präsentierten die Gautinger Schriftstellerinnen und Moderatorinnen Tanja Weber und Sabine Zaplin den Buchhändler Marc Schürhoff als Gast, der dem Publikum Thomas Steinfelds „Italien: Porträt eines fremden Landes“ wärmstens ans Herz legte.

Im ausgebuchten Bosco-Saal (bei reduzierter Platzzahl) bot Titus Waldenfels zunächst ein melodiöses Gitarrensolo. „Der Widerspruch zwischen Stadt und Land“ zog sich bei den anschließenden Besprechungen wie ein roter Faden durch den Abend: Exzellent fand Zaplin den ersten Corona-Roman „Über Menschen“ von Juli Zeh. Dieses Buch über Werbetexterin Dora, die vom Multikulti-Berlin in ein kleines Dorf im brandenburgischen Nirgendwo zieht, habe ihr gefallen, sagte Zaplin. Dora begegnet dort einem AfD-Anhänger, der mit Gesinnungsgenossen zwar das Horst-Wessel-Lied der Nazis singt, aber trotzdem nachbarschaftliche Hilfe leistet. Die Romanfiguren seien mit Humor skizziert, sagte Zaplin. Ihre Kollegin Tanja Weber erkennt im neuen Werk von Juli Zeh eine Wiederholung des „Culture Clashs“ ihres vorangegangenen Bestsellers „Unter Leuten“ mit geradezu „ausgestellten“ Figuren.

Im Vergleich dazu stimme bei Judith Hermann, der gefeierten Autorin von „Sommerhaus später“, jeder Satz. In ihrem aktuellen Roman „Daheim“, der von einem Aufbruch in eine neue Welt am Meer erzählt, habe die Autorin ihren Text grandios aufs Wesentliche „eingedampft“. Wie im Film sehe sie jede Figur, auch die des verletzlich scheuen, in der Gluthitze schwitzenden Schweinebauers mit seinen 8000 Masttieren genau vor sich, schwärmte Weber. Zaplin empfahl wiederum den Roman „Solikante Solo“ von Björn Kern. Auch dieses Buch spiele einerseits im multikulturellen Berlin, andererseits im abgeschiedenen Dorf irgendwo im Oderbruch und vermittle das mitreißende Porträt eines Paares „auf der Suche nach Heimat in einem tief gespaltenen Land“.

Als „Local Hero“ schwärmte Buchhändler Schürhoff von Thomas Steinfelds Italien-Porträt. Auf den Spuren des Regisseurs Pier Paolo Pasolini beschreibe der frühere Italien-Korrespondent und Germanist die Entfremdung dieses ewigen Sehnsuchtslands der Deutschen. Nach einem launigen Publikums-Quiz zu „Literatur in Gauting“ präsentierte Ulrike Schwarzkopf das Angebot der Gemeindebibliothek. Im finalen Block „Über den deutschen Tellerrand hinaus“ empfahl Tanja Weber Götz Alys Dokumentation „Das Prachtboot. Wie Deutsche die Kunstschätze der Südsee raubten“.

Nach(t)kritik
Leselust pur
Nach(t)kritik von Christine Cless-Wesle

Leselust pur: Überbordend von anregender Stofffülle ist das neue Format „boox.“ Live präsentierten die beiden Gautinger Schriftstellerinnen Tanja Weber und Sabine Zaplin nach dem lähmenden Pandemie-Lockdown ihrem Publikum im bosco eine Bücherliste, die es in sich hat: Im Literatur-Gespräch „Ein Gast, zwei Frauen, drei Bücher“ debattierten die Moderatorinnen über Juli Zehs Roman „Über Menschen“ so kontrovers, dass es die wahre Freude war – mit Appetizer zum Lesen.

Endlich wieder live mit Applaus: Zum Auftakt des neuen Bücherfest-Formats „boox“ im nach Corona-Maßstäben fast ausgebuchten bosco beglückt der Münchner Musiker Titus Waldenfels die BesucherInnen mit Bavarian Folk auf der Gitarre.

Auf ihrer Empfehlungsliste für die nach dem langen Lockdown sehnlichst herbeigesehnten Sommerferien hatten die beiden lesefreudigen Moderatorinnen literarische Highlights im Gepäck.

Den aktuellen „Corona“- Roman „Über Menschen“ von Juli Zeh feierte Sabine Zaplin als „exzellentes“ Werk. Dora, die Protagonistin, zieht in diesem Roman im ersten Lockdown vom pulsierenden Berlin ins brandenburgische, ländliche Nirgendwo. Dora entflieht ihrem Freund, dem Klimaaktivisten Robert – und begegnet im Dorf Bracken einem hilfsbereiten AfD-Anhänger, der mit seinen Kumpanen das national sozialistische Horst-Wessel-Lied singt, erzählt Sabine Zaplin.

Doch ihre Kollegin Tanja Weber hat den von Zaplin als „humorvoll“ gelobten Roman „Über Menschen“ nach den ersten 50 Seiten wieder weggelegt. Anders als in Juli Zehs vor einem Jahrzehnt verfasstem Werk „Unter Leuten“ stelle die Autorin ihre Figuren in „Über Menschen“ lediglich aus, bemängelt Tanja Weber.

Im Gegensatz dazu erzähle Judith Hermann in ihrem Roman „Daheim“ von Figuren, die die Leserin „zu einer Haltung“ nötigten. Denn die Autorin des gefeierten Bestsellers „Sommerhaus später“ habe ihren Text in „Daheim“ grandios auf 80 Seiten „heruntergedampft“.

Da sitze jeder Satz beschreibt Tanja Weber die von Judith Hermann verfasste Geschichte jenes Augenblicks, „in dem das Leben sich teilt, eine alte Welt verlorengeht und eine neue entsteht.“

Wie Juli Zehs „Über Menschen“ beginnt auch Björn Kerns „Solikante Solo“ im Multikulti-Berlin. Ein Eltern-Paar mit Kleinkind muss seine teure Großstadt-Wohnung per Airbnb vermieten – und landet in einem verfallenden Nest im brandenburgischen Oder- Durchbruch, empfiehlt Schriftstellerin Sabine Zaplin das mitreißende Portrait „eines Paares auf der Suche nach Heimat in einem tief gespaltenen Land.“

Nach einem melodiösen Gitarren-Solo von Titus Waldenfels betritt Marc Schürhoff als erster Gast die bosco-Bühne: Der Gautinger Buchhändler, bekennender Anhänger des Sehnsuchtslandes „bella Italia“, legt dem Publikum zwei Werke ans Herz. Ganz oben auf der Empfehlungsliste des italophilen Gautingers steht „Italien. Portrait eines fremden Landes“ des langjährigen Italien-Korrespondenten und Germanisten Thomas Steinfeld. „Meine italienische Reise“ im Original-Cinque-Cento mit dem Deutsch-Italiener Marco Maurer „von Sizilien bis in den hohen Norden“ empfiehlt Schürhoff als weitere Reise-Lektüre. Aber auch den nach Asien entführenden Roman „Dschungel“ von Marek Friedemann. Denn gerade im Lockdown war die Sehnsucht der Gautinger/innen groß, sich zumindest auf geistige Reisen zu begeben. Der Inhaber der renommierten Gautinger Buchhandlung Kirchheim habe auch keine Mühen gescheut -  und seine Gautinger Kundschaft per Fahrrad bergauf strampelnd ständig mit Lektüre versorgt, verrät Schriftstellerin Tanja Weber.

Doch der Buchhändler war nicht der Einzige, der örtliche Vielleser*innen mit geistigen Reisen verwöhnte: Als zweiter Gast betritt Ulrike Schwarzkopf, die stellvertretende Leiterin der Gemeindebibliothek die bosco-Bühne. Mit ihren Kolleginnen hat die Bibliothekarin „fast 4 000 aktive Leserinnen und Leser im Lockdown regelmäßig mit Medien versorgt. Auch einen ebook-Reader „zum Ausleihen“ und Spiele hatte Ulrike Schwarzkopf dabei.

Auf ein launiges Publikums-Quiz zu „Literatur in Gauting“, wie den bis heute aktuellen Erzählband „Schwimmbad-Sommer“ von Fridolin Schley folgt zum Finale der fesselnde boox-Block „über den deutschen Tellerrand hinaus.“

Ein „Must-Have“ für historisch Interessierte ist laut Tanja Weber „Das Prachtboot. Wie Deutsche die Kunstschätze der Südsee raubten.“ Das packende, hervorragend recherchierte Sachbuch des in Gräfelfing aufgewachsenen Historikers Götz Aly dokumentiere die Gewalt, Zerstörungswut und Gier der deutschen Kolonial-Zeit.

Götz Aly beschreibt, wie deutsche Händler, Abenteurer und Ethnologen auf der kleinen Insel Luf in der Südsee auf Raubzug gingen. Beim damaligen Massaker haben „nur 50 von fast 1 000 Inselbewohnern überlebt“, erzählt Tanja Weber. 1902 rissen schließlich Hamburger Kaufleute „das letzte, von den Überlebenden kunstvoll geschaffene hochseetüchtige Auslegerboot an sich.“ Das weltweit einmalige Prachtstück „ist für das Entrée des neuen Berliner Humboldt Forums vorgesehen“ – vorwiegend zum Bestaunen, beschreibt Götz Aly den Skandal deutscher Raubkunst der Kolonialzeit.