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Veranstaltungsinfo

Mi, 11.05.2022
20.00 Uhr
Jazz

24,00 / 12,00

Regulär / bis 25 Jahre

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Veranstalter: Theaterforum Gauting e.V.

Chris Gall & Bernhard Schimpelsberger: Myriad

Ein Konzerterlebnis ganz im Zeichen des Rhythmus, in dem die Poesie des Münchner Pianisten Chris Gall und Vielschichtigkeit des Londoner Perkussionisten Bernhard Schimpelsberger aufeinandertrifft in einer faszinierenden Symbiose aus Weltmusik, Jazz und magischen Klangtexturen.

Seit Jahren miteinander vertraut, kommunizieren der Münchner Chris Gall und der Londoner Bernhard Schimpelsberger in der einzigartigen Duo-Konstellation aus Klavier und Perkussion als alte Freunde in spannenden und facettenreichen Dialogen und präsentieren ihr aktuelles Duo-Album „Myriad“.

Immer auf der Suche nach neuen musikalischen Abenteuern und getragen von einer tiefgründigen wie beseelten Interaktion, bekommt hier der Terminus Weltmusik eine gänzlich eigene, eine individuelle Note. Das Visionäre findet in dieser Fusion aus westlicher und östlicher Kultur ebenso Platz wie das Bodenständige. Die Vitalität des gespielten reißt mit, öffnet immer wieder neue Schubladen, die angereichert sind mit dramaturgischem Kalkül und magischen Klangtexturen.

Während Bernhard Schimpelsberger bereits mit namhaften indischen Künstlern wie Anoushka Shankar und Akram Khan um die Welt tourte, war Chris Gall in den letzten Jahren als Gastmusiker von Quadro Nuevo bei über 300 Konzerten mit auf Tour und veröffentlichte einige vielbeachtete Trio- und Soloalben.

Ihre erste gemeinsame Vinyl Veröffentlichung „Studio Konzert“, erschienen im Jahr 2017, zählt für Schallplatten-Liebhaber schon jetzt zum Kreis der „Must-have-LPs“ und musste gleich im ersten Jahr nachgepresst werden. So darf man auf ihr neues Programm „Myriad“ gespannt sein, ein Konzerterlebnis ganz im Zeichen des Rhythmus, in dem die pianistische Poesie Chris Galls und Vielschichtigkeit von Bernhard Schimpelsbergers Perkussionsspiel aufeinandertrifft.

CHRIS GALL piano
BERNHARD SCHIMPELSBERGER percussion



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Pressestimmen
Reizvolle Fremdgänge
Pressestimme von Reinhard Palmer
Erschienen in:   Süddeutsche Zeitung - Starnberg

Chris Gall und Bernhard Schimpelsberger loten die Grenzen des Jazz in Gauting aus.

Bei diesem Duo kommt der Jazzbegriff schon deutlich an seine Grenzen, denn seine Musik sprengt alle Grenzen. Dass sie im Gautinger Bosco so reichhaltig und vielfältig ausfiel, lag vor allem daran, dass der Pianist Chris Gall und der Schlagwerker Bernhard Schimpelsberger stilistisch auf verschiedene Weise fremdgehen, geschuldet den Eigenheiten der Instrumente. Beim Klavier findet man das reichhaltigste Material in der Ernsten Musik, insbesondere der Neuen Musik, die ja schon ihrerseits mit Jazzelementen arbeitet. Wenn es um Rhythmen geht, stößt man in unserem Kulturkreis auf wenig Herausforderndes, allenfalls in tradierter Form aus anderen Kulturen wie es der Flamenco in Spanien bietet.

Diese Verquickung brachte im „Seguiriya“ die Musiker näher zusammen, ist doch diese folkloristisch grundierte spanische Musik durchaus auch Bestandteil des europäischen Musikguts, auch wenn das Duo hier auf die Überlieferung durch die Zigeuner im indischen Rajasthan zurückgriff. Anders im übrigen Programm von der neusten CD „Myriad“ mit eigenen Kompositionen. Lediglich in „In a Landscape“ bedienten sich die Musiker bei John Cage, um einen um sich kreisenden Minimalismus mit indischer Rhythmik anzureichern.

Indien hat es Schimpelsberger offenbar besonders angetan, vor allem die Indian Beatbox, eine spezielle Art der Schlagwerksimulation. Mit verblüffender Zungengeschicklichkeit erzählte Schimpelsberger Geschichten in dieser rhythmisch abstrahierten Lautsprache, zur Begeisterung des Publikums. Meist griff er aber zu echten Perkussionsinstrumenten, die auf eine überaus sinnliche Art weite Klangräume erkundeten, zumal die Kombination aus exotischen Instrumenten wie Schellen, Becken oder Kalimba und elektronisch abgenommenen Geräuscherzeugen für besonders reizvolle Effekte sorgte.

Das Klavier Galls beanspruchte eher den diesseitigen Raum, auch wenn bisweilen ein stilles Flimmern wie in „Pinhole Observer“ schon was Ätherisches an sich haben konnte. Sonst rollte Gall meist einen Klangteppich aus, eine gewollt repetitiv-monotone Unterlage, aus der sich einzeln hervorgehobene Töne zu Motiven, Themen, ja Melodien zusammenschlossen. Das Ganze schwoll langsam an, wodurch die meditative Komponente bis zum letzten Ton erhalten blieb. Bisweilen griff der Klaviervirtuose auch in die Saiten, um experimentelle Klänge zu erzeugen, wie etwa im teils groovenden „Poem on a Typewriter“. Jedes Mittel schien recht, solange es einem schlüssigen Klangbild möglichst sinnenfreudig zuträglich wirkte. Zwei Zugaben folgten, darunter Galls beliebtes „Yorke’s Guitar“ von seinem Soloalbum.

Nach(t)kritik
Takka-Takka-Tikki-Ta!
Nach(t)kritik von Thomas Lochte

Vogelgezwitscher, erzeugt auf einer winzigen Flöte, dazu ein sanft einsetzendes Piano, das wiederum ein vielgestaltiges Schlagwerk hervorlockt und gemeinsam zu pochendem Leben erwacht: „Myriad“ lautet das Titelstück der jüngsten CD des ungewöhnlichen Duos Chris Gall und Bernhard Schimpelsberger – zweier Musiker, die sich hier ausschließlich dem Dialog von Klavier und Percussion widmen. Überwiegend Eigenkompositionen bevölkern dieses im Studio des Bayerischen Rundfunks aufgenommene Werk, das nach zwei Jahren des coronabedingten Wartens nun endlich auch im bosco präsentiert werden konnte. Formale Bestandteile sind ein neoklassischer Klavier-part, den Chris Gall mal monotonal, mal mit romantischer Motivik einbringt, sowie das mit spektakulärem „Besteck“ erarbeitete perkussive Gegengewicht Bernhard Schimpelsbergers: Der sagt zwischendurch, es gehe ihm „um die Inspiration durch andere Kulturen“ und spannt den Bogen von der hochkomplexen indischen Rhythmussprache Konnakol zum spanischen Flamenco. Der Öster-reicher Schimpelsberger hat sowohl in Indien gelebt als auch in Spanien und weiß zu erzählen, dass „Zigeuner aus Rajastan“ diese ihre rasende Vokalistik nach Europa brachten. Wie zum Beweis enthält das Programm des Abends das Stück „Segeriyua“, einen spanischen Walzer im doppelten Dreivierteltakt und dennoch monotonem Anschlag bei dauergetretenem Pedal.

Für das „Myriad“-Projekt bedeutet diese kulturelle Würzmischung einen spannenden Austausch zwischen Tastenanschlag (Chris) und „Takka-tikki-ta“ (Bernhard), ein mäanderndes Spiel der Kräfte, das trotz des mitunter wilden Geschehens zu jedem Zeitpunkt den Regeln der Kompositionslehre unterworfen bleibt. Gall/Schimpelsberger sind offensichtlich stark am Räderwerk der musikalischen Mechanik interessiert und erzeugen entsprechende Entwürfe wie „The Wheel“ – Pate gestanden sein dürfte dabei kein Geringerer als John Cage, den das Duo mit „In A Landscape“ (1940) zitiert: „Cage hat Spaß daran gehabt, das Publikum zu verstören – manchmal mit mehrminütigen Pausen“, erzählt Chris Gall. Die Bearbeitung des Originals reagiert publikumsfreundlich mit einem „Eindampfen“ von neun auf fünf Minuten Länge, die Noten ineinander verschachtelt. Dann aber wird es erneut spektakulär im Sinne des Wortes: Schimpelsberger Percussion-Versuchslabor, von der Beleuchtung (Markus Sternagel) ganz wunderbar in Szene gesetzt, bringt ein wellenformiges Holzinstrument zum Vorschein, das „La Ola“ heißt, in einer Stuttgarter Manufaktur kreiert wurde und sich laut ihrem Anwender „noch im Prototyp-Stadium“ befindet. Das Ergebnis ist jedenfalls ein sehr abwechslungsreicher Trommel-Output irgendwo zwischen Bongo und Cajon. Doch das sollte nur der Auftakt sein für weiter Atemberaubendes: „Inner Perspectives“ beschäftigt sich musikalisch mit dem reinen, „kindlichen Zustand“ der Seele, den man als schöpferischer Mensch so gerne zurückhaben möchte und doch nur schwer erlangt. Wo ist sie nur, die ersehnte Unschuld?

An dieser Stelle des Abends streuten Gall/Schimpelsberger jeweils bravouröse Soli ein – Gall ein pianistisches Parforcestück, das sein Leib- und Magen-Komposition zu sein scheint, Schimpelsberger ein Wunderwerk aus Konnakol und Schlagwerk-Labor: „Drückt das Leben aus“, meint der Wahl-Inder lakonisch kommentierend, als wäre das alles ganz alltäglich. Zum Ende hin dann noch Galls schöne Studie für Klavier namens „Poem On A Typewriter“ sowie die Hommage „Yorke´s Guitar“, der er schon zusammen mit Mulo Francel zu einiger Popularität verholfen hat. Das geradezu angefixte, enthusiastische bosco-Publikum ließ die beiden „Myriad“-Helden nicht ohne zwei Zugaben von der Bühne. Das allerletzte Wort hatte aber wieder der zwitschernde Vogel.                                                                                                       

Galerie
Bilder der Veranstaltung
Mi, 11.05.2022 | © Werner Gruban - Theaterforum Gauting e.V.