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Veranstaltungsinfo

Sa, 29.01.2022
20.00 Uhr
Klassik

29,00 / 15,00

Regulär / bis 25 Jahre
Zusätzliche Tickets verfügbar

Claire Huangci, Klavier: Bach, Mozart und Beethoven/Liszt

Die amerikanische Pianistin Claire Huangci, Gewinnerin des Concours Géza Anda 2018, zieht ihr Publikum durch „glitzernde Virtuosität, gestalterische Souveränität, hellwache Interaktion und feinsinnige Klangdramaturgie“ (Salzburger Nachrichten) in den Bann. Von einem unbändigen Forschergeist beseelt beweist sie ihre Wandlungsfähigkeit mit einem ungewöhnlich breiten Repertoire von Bach und Scarlatti über die deutsche und russische Romantik bis hin zu Bernstein, Gulda oder Corigliano.

In Solorezitalen und als Partnerin internationaler Orchester konzertierte Claire Huangci bereits in bedeutenden Konzertsälen wie der Carnegie Hall New York, der Suntory Hall Tokyo, dem NCPA Beijing, der Philharmonie de Paris, dem Gasteig München, dem Gewandhaus Leipzig, der Elbphilharmonie Hamburg, dem Wiener Konzerthaus, dem Salzburger Festspielhaus und der Franz Liszt Akademie Budapest sowie auf renommierten Festivals wie dem Lucerne Festival, dem Verbier Festival, dem Rheingau Musik Festival oder dem Klavierfestival Ruhr. Orchester wie das Mozarteumorchester Salzburg, das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart, das Tonhalle-Orchester Zürich, das ORF Radio-Symphonieorchester Wien, das China Philharmonic Orchestra und das Vancouver Symphony Orchestra sowie Dirigenten wie Sir Roger Norrington, Eva Ollikainen, Pietari Inkinen, Mario Venzago, Howard Griffiths, Cornelius Meister und Elim Chan zählten dabei zu ihren geschätzten Partnern.

In der Saison 2021/22 reist Claire Huangci neben ihrer Konzerttätigkeit in Europa wieder um den Globus und folgt Einladungen unter anderem in die USA, nach Japan, Kolumbien und Russland. Anfang 2022 präsentiert sie in einem groß angelegten Projekt alle fünf Klavierkonzerte von Prokofjew mit dem Biel Solothurn Orchester. Gemeinsam mit Le Concert Olympique kehrt sie außerdem mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 2 an die Philharmonie Berlin sowie die Elbphilharmonie Hamburg zurück. Weitere Orchesterengagements führen sie zum Württembergischen Staatsorchester Stuttgart, dem Musikkollegium Winterthur, dem Münchener Kammerorchester, dem Nordic Chamber Orchestra und dem Kammerorchester Basel.

Gestartet hatte Claire Huangci ihre internationale Karriere bereits im Alter von neun Jahren mit Konzertauftritten und Wettbewerbserfolgen. Wichtige Impulse erhielt sie von ihren Lehrern Eleanor Sokoloff und Gary Graffman am renommierten Curtis Institute of Music in Philadelphia, bevor sie 2007 zu Arie Vardi nach Hannover wechselte. Besonders als ausdrucksstarke Chopin-Interpretin fiel sie zu Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn auf, nicht zuletzt durch erste Preise bei den Chopin-Wettbewerben in Darmstadt und Miami (2009/2010). Zudem gewann sie als jüngste Teilnehmerin den 2. Preis beim Internationalen ARD-Musikwettbewerb 2011.

Zum Saisonstart 2021/22 erschien Claire Huangcis neues Solo-Album mit Bach-Toccaten, womit sie ihrer vielgelobten Diskografie eine weitere Aufnahme hinzufügt: Nach der Debüt-CD mit Solowerken von Tschaikowsky und Prokofjew und einem Doppelalbum mit Scarlatti-Sonaten (Preis der Deutschen Schallplattenkritik sowie „Editor’s Choice“ des Magazins Gramophone) erschienen zuletzt die kompletten Nocturnes von Chopin und Préludes von Rachmaninow sowie 2020 das erste Kammermusikalbum ihres Trio Machiavelli mit Interpretationen von Ravels Klaviertrio sowie Chaussons Klavierquartett. Auf Aufnahmen von Beethovens Violinkonzert in der Klavierfassung sowie der Fantasie für Klavier und Orchester von Schubert/Kabalewski mit dem RSO Wien folgte im Herbst 2019 ihr Orchester-Album mit der Deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken unter Shiyeon Sung, eine Einspielung der frühen Klavierkonzerte von Chopin und Paderewski.

Programm
BACH Toccata D-Dur BWV 912
BACH Toccata c-Moll BWV 911
MOZART Sonate a-Moll KV 310
***
BEETHOVEN/LISZT Sinfonie Nr. 6, F-Dur, „Pastorale“

 

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Nach(t)kritik
Pure Energie
Nach(t)kritik von Klaus Kalchschmid

Auf ihrer großartigen CD mit den Toccaten von Johann Sebastian Bach, aufgenommen im August 2020, veröffentlicht im Herbst letzten Jahres, beginnt Claire Huangci mit der Busoni-Bearbeitung des berühmten BWV 565, also Präludium und Fuge in d-moll für Orgel und endet mit der Toccata in D-Dur. Sie stand bei ihrem Abend im Bosco am Beginn – wie einst auch bei der Einspielung der sieben Bach-Toccaten durch Glenn Gould. An den Kanadier, der fast das Gesamtwerk Bachs für Klavier legendär eingespielt hat, musste man schon in den ersten Sekunden des Konzerts denken. Denn die energiegeladene Verve und das Tempo, mit der die Pianistin sich in die halbe Minute der Introduktion von BWV 912 stürzte und die wirbelnde Energie, mit der sie auch danach die Töne in höchster Geschwindigkeit und Klarheit oft geradezu stanzte, die allgegenwärtige Kontrapunktik mit staunenswerter Klarheit durchleuchtete und glutvoll lebendig machte – das alles erinnerte an die herrliche Prägnanz und den vorwärtsdrängenden Elan Glenn Goulds.

Später bekam die hier so luftige Polyphonie aber auch tänzerischen Charme. Denn Huangcis Bach-Spiel – sie ließ die Toccata c-moll BWV 911 unmittelbar folgen und schuf so ein zwanzigminütiges, nahtlos sich verzahnendes Werk in sechs Sätzen – hat nichts kauzig Versponnenes wie manchmal bei Gould, sondern ist pure Energie. Das war auch in Mozarts großer a-Moll-Sonate KV 310 in jedem Takt zu erleben: Der Stolz und die Erhabenheit, mit der der einleitende, Maestoso überschriebene, Satz in seinen feierlichen Punktierungen anhob, zwang den Hörer, sich auf seinem Platz aufzurichten und auf der sprichwörtlichen Stuhlkante zu sitzen, um auch ja keine Nuance zu verpassen. Der stete Fluss des Ganzen, aber auch die harmonischen Verdichtungen, die Kontraste innerhalb eines kompakten Ganzen wurden bei Huangci zum Ereignis. Faszinierend, wie etwa eine kaum wahrnehmbare Tempo-Beschleunigung und ihre Zurücknahme eine Struktur betonte und zugleich die Oberfläche leuchten ließ.

Umso lyrisch versponnener dann das Andante cantabile con espressione in F-Dur. Auch hier bezauberte die Klarheit des Passagen-Spiels, das Vibrierende der Triller und die Fähigkeit, die Musik scheinbar nur „sprechen“ zu lassen. Dass das ebenso intensive wie genaue Arbeit voraussetzt, vergaß man bei der Überzeugungskraft ihres Spiels in jeder Phrase und in jedem Takt. Das düstere Perpetuum mobile des wieder in a-moll stehenden Presto samt seinem seltsam entrückten Mittelteil in A-Dur, war dann der intensive Höhepunkt der ersten Konzerthälfte.

Wie gerne hätte man eine Fortsetzung des Abends mit Bach und Mozart oder auch Haydn und Schubert gehört, war aber natürlich auch auf Franz Liszts Klavierfassung von Ludwig van Beethovens sechster Symphonie, seiner Pastorale gespannt, die im übrigen auch Glenn Gould 1968 für eine CBC-Übertragung spielte (und heute auf CD vorliegt). Dass Claire Huangci mit ihrer unglaublichen Energie den vierten Satz mit Gewitter und Sturm zum wirbelnden Zentrum des Ganzen machen würde, war klar. Aber was so idyllisch bezeichnet ist mit „Erwachen heiterer Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande“, „Szene am Bach“, „Lustiges Zusammensein auf dem Lande“ oder „Frohe, dankbare Gefühle nach dem Sturm“ als Finale – das hatte bei der 31-jährigen Amerikanerin, Tochter chinesischer Eltern, nichts mit Entspannung zu tun, sondern war noch in den leisen Stellen durchpulst von Beethovenschem Furor. Da scherte es Huangci auch nicht, als der Flügel bei allzu großer Attacke zu klirren begann oder ein dreifaches Forte im Bass klang, als wäre eine Saite gerissen.

Vielleicht hat es die Pianistin selbst gespürt, dass da die Gäule mit ihr ein paarmal durchgegangen sind und bedankte sich – in lupenreinem Deutsch angekündigt – „mit etwas Leichtem“. Das war der erste Satz aus Claude Debussys „Childrens Corner“, der „Doctor Gradus ad Parnassum“. Und da war er dann wieder, der wunderbare, reich und schön akzentuierte Fluss, der Claire Huangcis Spiel so berückend macht.

Galerie
Bilder der Veranstaltung
Sa, 29.01.2022 | © Werner Gruban - Theaterforum Gauting e.V.