Direkt zum Inhalt

Veranstaltungsinfo

Sa, 19.06.2021
17.30 Uhr
Jazz

22,00 / 10,00

Regulär / bis 25 Jahre  | Karten an der Abendkasse verfügbar

< Zurück zur Übersicht > Termin im Kalender eintragen
Veranstalter: Theaterforum Gauting e.V.

David & Danino Weiss Quartett feat. Wolfgang Lackerschmid: The New Gipsy Sound

Das David & Danino Weiss Quartett präsentiert gemeinsam mit Vibraphonist Wolfgang Lackerschmid ihr aktuelles Album „The New Gipsy Sound“.  Eine Verbeugung vor der Sinti-Tradition mit allen Mitteln des Jazz in instrumentaler Vollendung.

Der Gipsy Swing, auch Jazz Manouche oder Hot Jazz genannt, ist bis heute gewissermaßen eine Familienangelegenheit – was auch eine andere gerne verwendete Bezeichnung andeutet: Sinti Swing. Schon immer pflegten die Sinti als mobile Volksgruppe ihre eigene Kultur. Zu ihrem musikalischen Stammvater wurde Django Reinhardt, der mit dem Gitarrenswing seines „Hot Club de France“ den einzigen originär europäischen Stil des frühen Jazz kreierte. Seinem Vorbild eiferten und eifern viele Sinti nach; der Gipsy Swing wird dabei in den Familien von Generation zu Generation ganz ohne Noten tradiert – die meisten Sinti Swinger sind Autodidakten und Intuitivmusiker.
Eine der größten und produktivsten Familien ist die Weiss-Familie. Zahlreiche herausragende Hot-Jazz-Musiker entstammen ihr, der vielleicht bekannteste ist der 2012 gestorbene Gitarrist Traubeli Weiss. Von ihm, ihrem Onkel, lernten auch David und sein Cousin Danino Weiss, und doch schlugen sie wie viele Sinti-Musiker ihrer Generation, also den heute 20- bis 30-Jährigen, neue Wege ein. Schon allein, weil sie sich nicht für Gitarre oder Geige entschieden, die klassischen Lead-Instrumente des Gipsy Swing, sondern David für das Akkordeon und Danino fürs Klavier. Auf diesen Instrumenten wurden sie von vorneherein mit einer breiteren Palette des Jazz groß.
Ihre Begleiter sind keine Sinti, sondern Peter Cudek, einer der versiertesten und variabelsten Bassisten der süddeutschen Szene, und Guido May, ein international renommierter Schlagzeuger, der vor allem im schweren Groove seine Heimat hat und seit vielen Jahren als Drummer von Pee Wee Ellis am Erbe von James Brown mitstrickt.
The New Gipsy Sound“ ist eine Fusion der Gipsy-Tradition mit neuen Melodien und Grooves. Der Sound des David & Danino Weiss Quartetts zaubert Gipsy-Swing-Fans ebenso ein Lächeln auf die Lippen wie Classic-Jazz-Liebhabern oder den Freunden jazziger Chansons. Eine Verbeugung vor der Sinti-Tradition mit allen Mitteln des Jazz in instrumentaler Vollendung – das ist „The New Gipsy Sound“.

DAVID WEISS accordion
DANINO WEISS piano
ALEXANDER HAAS bass
GUIDO MAY drums

Wolfgang Lackerschmid, 1956 in Tegernsee geboren, ist seit den siebziger Jahren gleichermaßen als Vibraphon-Virtuose und Komponist erfolgreich. Er spielte live und auf über 100 Tonträgern unter anderem mit Jazzlegenden wie Chet Baker, Attila Zoller, Lee Konitz, Albert Mangelsdorff, Larry Coryell, Buster Williams, Paquito D´Rivera, Jacques Loussier oder seit 1978 auch bei verschiedenen "Vibraphon Summits". Als musikalischer Leiter und Produzent bringt er, als einer der kreativen Mitgestalter der internationalen Musikszene, immer wieder innovative Projekte zur erfolgreichen Umsetzung.
Seine Kompositionen verbinden den klassischen Duktus des Schlagwerk- und Kompositionsstudiums mit den Erfahrungen eines Musikers, dessen Schaffen sich geographisch über Amerika, Asien und viele Teile Europas erstreckt und musikalisch durch deren ethnische und kulturelle Unterschiede geprägt ist.  Wolfgang Lackerschmids Jazzkompositionen sind weltweit zum Bestandteil des Repertoires zahlreicher namhafter Kollegen geworden.



Medienpartnerschaft:

Logo Medienpartner BR KLASSIK

Gefördert von:

               Logo Neustart Kultur                               Logo Initiative Musik                             
 

Nach(t)kritik
Das Lächeln einer Sommernacht
Nach(t)kritik von Sabine Zaplin

Man hätte diesen heissen Sommerabend kaum besser verbringen können als im angenehm kühlen Saal des bosco bei dem Konzert mit dem David & Danino Weiss Quartett und ihrem Stargast Wolfgang Lackerschmid. Die Hitze, welche die fünf Musiker entstehen ließen, genügte vollkommen und trat in eine produktive Konkurenz mit jener, die sich draußen vor den Fenstern zu bedrohlichen Wolken auftürmte.

„The New Gipsy Sound“ versprechen die beiden Jazzmusiker David und Danino, Vertreter der jüngeren Generation der berühmten Musikfamilie Weiss. Und nun könnte man an dieser Stelle eine lange Betrachtung darüber anstellen, ob das Wort „Gipsy“ überhaupt noch opportun ist und wie sich die musikalische Tradition einer berühmten Sinti-Familie in der Gegenwart korrekt bezeichnen ließe. Aber glücklicherweise ist Musik eine eigene Sprache, die Debatten mit ihren ganz eigenen Mitteln führt. Und so entsteht an diesem Abend im von unbändiger Spiellust geprägten Miteinander der fünf Musiker ein musikalisches Fest aus Jazzklassikern, Neuinterpretationen von Gipsymusik aus dem stilistischen Umfeld von Musikern wie Django Reinhardt und Einflüssen aus Latin oder Swing.

Das erste Set war vor allem der Samba gewidmet und ließ kaum einen Fuß still im Saal. Hier zeichnete Wolfgang Lackerschmid verantwortlich, der am Vibraphon wahre Feuerwerke entfachte. Einige Stücke aus seiner Feder fanden Eingang in den Teil vor der Pause, „Four notes“ beispielsweise, das auf vier Noten aufbaut und auf diesen eine ganze Geschichte aus Sommerleichtigkeit, Genussfreude, Freundschaft und Abenteuer aufbaut. Nach Tanz auf der Straße oder lange Nächte am Meer klingen auch die anderen Stücke des ersten Sets. Dabei sind Guido May an den Drums und Alexander Haas am Bass als eigene Erzählerstimmen prägend und schaffen gemeinsam mit Danino Weiss am Piano, David Weiss am Akkordeon und Wolfgang Lackerschmid am Vibraphon.

Den Abschluss des ersten Sets stellt ein verführerisch schönes Arrangement von „Rote Rosen“, jenem Chanson, den Hildegard Knef in die Welt hinaustrug, und damit war der Übergang gegeben zum eher romantisch geprägten zweiten Set. Hier brillierten die fünf Musiker nun mit musikalischen Geschichten von Lagerfeuer, Liebe und Melancholie - neu und hochspannend interpretierter Gipsy Sound.

David und Danino Weiss haben immer wieder einen regen musikalischen Austausch mit ihrem Onkel Traubeli Weiss, Gitarrist und Bandleader, gepflegt und von dessen umfangreichem Wissen viel mit ins eigene musikalische Reisegepäck gesteckt. Auf dieser Basis haben die beiden aufgebaut und sind dann ihrer Wege gezogen. Mit den Reisegefährten, die mit ihnen das Quartett bilden, mit Drummer Guido May und Bassist Alex Haas, haben sie eine phantastische Reise begonnen, die hoffentlich noch lange andauert. Und wenn unterwegs Gäste wie Wolfgang Lackerschmid dazustoßen, dann werden Traumziele erreicht.

„Sourire“, heißt die Zugabe am Ende des Konzerts, gewidmet hat David Weiss sie seiner Tochter, weil diese eben immer lächele. Und lächelnd beseelt von diesem großartigen Konzert verließ das Publikum den Saal, immer noch schwebend.