Veranstaltungsinfo

Fr, 14.12.2018
20.00 Uhr
Jazz
22,00 / 10,00 €*
* Vorverkauf ab 07.07.2018

David Helbock´s Random/Control: Tour d’Horizon (from Brubeck to Zawinul)

Mehr als zwei Dutzend Instrumente auf der Bühne, aber nur drei Musiker. Ein ganz eigenständiger Bandsound, eine Achterbahnfahrt der Gefühle.
Mehr als zwei Dutzend Instrumente auf der Bühne, aber nur drei Musiker: David Helbock beschränkt sich weitgehend auf solche mit Tasten. Vogelwild die beiden unter anderem am Salzburger Mozarteum ausgebildeten Bläser. Johannes Bär ist fürs Blech zuständig, von Trompete über Bassflügelhorn bis zu hin zu Alphorn und Tuba. Andreas Broger spielt die Holzblasinstrumente: Saxophone, Klarinetten, Flöte. 

Für die aktuelle CD, die im Herbst 18 beim renommierten Label ACT Music erscheinen wird, hat sich David Helbock bei seinen Lieblingsjazzpianisten bedient und immer deren bekanntestes Stück arrangiert. So erklingen spannende, groovige neue Versionen von Watermelon Man (Herbie Hancock) oder Bolivia (Cedar Walton) aber auch ruhige, die Seele ansprechende Stücke wie My Song (Keith Jarrett) und viele andere.

Über die Jahre hat sich ein ganz eigenständiger Bandsound entwickelt und egal was David Helbock als Ausgangsmaterial wählt - ob wie in der Vergangenheit österreichische Volksmusik oder auch viele Eigenkompositionen (David Helbock hatte 2009 ein großes Kompositionsprojekt, wo er für ein Jahr lang jeden Tag ein neues Stück geschrieben hat) und jetzt eben diese „Pianoplayer´s Hits“ - Die Band klingt immer wie Random/Control - eine Achterbahnfahrt der Gefühle - Musik fürs Ohr und Spannendes fürs Auge oder wie Roland Spiegel vom Bayerischen Rundfunk schon vor vielen Jahren treffend formulierte:

"Ich halte diesen Musiker mit dem Strickkäppi für einen der besonders aufregenden des jungen Jazz aus Europa. Wenn David Helbock spielt, erlebt man Neues. Und es ist nie verkopfte Musik – sondern eine, die den Kopf und den Körper mitreißt.“ Roland Spiegel - BR

DAVID HELBOCK piano, inside piano, electronics, toypiano, melodika, percussion
JOHANNES BÄR trumpet, piccolotrumpet, flügelhorn, sousaphone, tuba, alphorn, beatbox, didgeridoo, electronics, percussion
ANDREAS BROGER sopran sax, tenor sax, clarinet, bass clarinet, flute, recorder, flügelhorn, percussion



Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
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2018

Nach(t)kritik 

Es sah phasenweise so aus, als beugte sich ein Mechaniker bei geöffneter Motorklappe über den Vergaser eines havarierten Autos, während ein Zweiter den Ölstand prüfte und ein Dritter die Zündung probierte: Bei „David Halbock´s Random Control“ sind solche Szenen keine Seltenheit – nur dass die drei Musiker gemeinschaftlich einen Konzertflügel bearbeiteten und kein Auto. Die „Drei von der Tankstelle“ waren in diesem Moment David Helbock (sitzend am Piano), Johannes Bär (in den Innereien des Flügels percussiv tätig) sowie Andreas Broger (außen mit Schlagstöckchen aktiv) – eine Kostprobe der Neuinterpretation des Pianoforte als Saiten- und Schlag- und Tasteninstrument in einem, gleichsam als „eierlegende Wollmilchsau“. Um auch nur einigermaßen erklären zu können, was die drei Österreicher da treiben, muss man sich vielleicht dem Begriff „Random Control“ annähern, den das Trio im Namen führt: Soll er so viel bedeuten wie „zufallsgesteuerte Wiedergabe“ oder doch eher „unangekündigte Kontrolle“ im Sinne eines willentlichen Eingriffs in ein vermeintliches musikalisches Chaos? Mit „Random Control“ könnte laut Lexikon auch die Anzeige der Zufallsspannung an einer Strom-Buchse gemeint sein – damit haben Musiker wie Halbock, Broger und Bär ja beruflich auch zu tun.

Wie dem auch sei – das Hör-Ergebnis wie auch das optische Spektakel bei einem Stück wie „Bolivia“ (die Szene mit der Pitstop-artigen „Flügel-Wartung“) ist beeindruckend: Das kompositorische Mastermind Helbock (kürzlich sogar beim Auftritt des Duos Kian Soltani und Aaron Pilsan zitiert) hat sich auch bei der jüngsten CD „Tour d ´horizon – from Brubeck to Zawinul“ seine Lieblingsjazzpianisten vorgenommen, als wäre eine Inspektion fällig. Da wird Dave Brubecks „Take Five“-Thema mit frischen Zündkerzen versorgt – Take Three sozusagen, da erfährt „My Song“ von Keith Jarrett eine Art Batterie-Aufladung, und der „African Marketplace“ eines Abdullah Ibrahim kommt modern statt rein spirituell daher. Gil Evans´ „Blue in Green“ erfährt eine tiefe Verbeugung, „In A Sentimental Mood“ von Duke Ellington nicht minder. Helbock & Co. doppeln die Vorbilder sogar instrumental, geben ihnen die Kraft von bis zu 24 Instrumenten. Da wechselt Broger mitten im Stück von Saxophon zu Klarinette und wieder zurück, da traktiert Bär quasi sein Voice-Mikro wie eine Beatbox, während er die klassische Percussion in Form von Becken und Rasseln auf Ober- und Unterschenkel montiert hat – er hat ja auch sonst alle Hände voll zu tun, wenn er Sousaphon, Flügelhorn, Didgeridoo und sogar ein Alphorn bedient. Helbock erzeugt dazu mittels „Inside Piano“ und elektronischen Echo/Verzerrer/Dubbing-Effekte Klangformen, die dem orthodoxen Klavierkang quasi ein zweites Parallel-Ich verpassen. Mit Hilfe solcher Technik gelingen Stücke, die sich wie aus einem vielstimmigen Dschungel auf einmal zu Latin-Strukturen bündeln und einen den Atem anhalten lassen. Arrangements von beglückender Konsequenz.

Dass diese „Tour d´horizon“ u.a. bei den großen brasilianischen Meistern vorbeiführen würde, war klar: „David Helbock´s Random Control“ gastierte in diesem Jahr physisch auch noch in Italien, Singapur, Norwegen, Belgien, Portugal, Frankreich, der Schweiz, Österreich, Bulgarien, Ägypten, Dänemark. Estland, Lettland, der Ukraine, den Niederlanden – und nun eben in Gauting, das sich auf darauf durchaus etwas einbilden darf. David Helbock trug übrigens als wärmendes Statement eine Strickmütze mit Klaviertasten-Motiv, eine schöne Botschaft „bestrickenden Weltenbummlertums“!