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Veranstaltungsinfo

Fr, 12.10.2018
20:00 Uhr
Schauspiel

30,00 / 15,00

Vorverkauf ab 07.07.2018

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Veranstalter: Theaterforum Gauting e.V.

Die Badische Landesbühne: „Es wird schon nicht so schlimm!“ von Hans Schweikart

Am realen Schicksal des deutsch-jüdischen Schauspieler Ehepaares Gottschalk, das sich 1941 gemeinsam das Leben nahm, werden die Motive aufgezeigt, die viele Künstler während der Zeit des Nationalsozialismus zur „inneren Emigration“ bewogen haben.
Der Schauspieler Gregor Maurer und seine Kollegin Lilly Hollmann werden 1933 ein Paar, sie heiraten und bekommen ein Kind. Doch die jüdische Schauspielerin darf schon bald nicht mehr auftreten, ihr Mann dagegen macht Karriere am Theater und beim Film. Den Nationalsozialisten ist die Ehe des erfolgreichen Schauspielers ein Dorn im Auge und sie stellen ihn vor eine grausame Wahl: Entweder er lässt sich von seiner Frau scheiden oder seine Familie wird deportiert und er selbst an die Front geschickt.
 
Hans Schweikart war als Filmregisseur dem Druck der nationalsozialistischen Kulturpolitik ausgesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er lange Zeit Intendant der Münchner Kammerspiele. Seine Erzählung Es wird schon nicht so schlimm! beruht auf dem Schicksal des Schauspielers Joachim Gottschalk und seiner jüdischen Frau Meta, die sich 1941 gemeinsam das Leben nahmen. Die Novelle war Vorlage für den Film Ehe im Schatten, einem der größten Kinoerfolge der Nachkriegszeit. Der Text galt lange als verschollen, bevor er 2014 von Carsten Ramm wiederentdeckt und als Buch herausgegeben wurde. Die Badische Landesbühne zeigt die Uraufführung der Bühnenfassung.

Regie CARSTEN RAMM
Mit CORNELIA HEILMANN, NADINE PAPE, COLIN HAUSBERG, MARKUS HENNES,
TOBIAS KARN, RENÉ LAIER
Bühnenbild TILO SCHWARZ
Kostüme KERSTIN OELKER

Uraufführung Premiere: 18. November 2017

Dauer 1,20 Std
Einführung 19:15 Uhr

Unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ Gastspielförderung Theater, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, sowie den Kultur- und Kunstministerien der Länder.




Nach(t)kritik
Am Ende eines langen Sommers
Nach(t)kritik von Sabine Zaplin

„Heute wissen wir es“ - so beginnt der Theaterabend, der die Geschichte einer Vernichtung erzählt. Heute wissen wir, die Zuschauer, die Nachgeborenen, auch die Schauspieler auf der Bühne, dass die wunderbare Wärme des Sommers und das strahlende Licht und das Gefühl von Unverletzbarkeit nur der trügerische Auftakt einer Verwandlung war, an deren Ende nichts, aber auch gar nichts mehr war wie zuvor. „Es wird schon nicht so schlimm!“, heißt das auf einer Erzählung von Hans Schweikart beruhende Theaterstück um zwei Schauspieler - sie Jüdin, er nicht jüdisch - , die sich, berauscht und leicht verwirrt von den Ferien am See, der eigenen Jugend, einem temperamentvollen anderen Mann (sie) und wütender Eifersucht (er) irgendwann in einer Ehe wiederfinden, die vor den neu geltenden Gesetzen keinen Bestand hat und an der sie in immer zaghafter werdendem Trotz festhalten, bis die grausam verwandelte Zeit sie zermalmt.

Carsten Ramm, langjähriger Intendant der Landesbühne Bruchsal, hat Schweikarts jahrzehntelang als verschollen geltendes Manuskript wiederentdeckt, vor vier Jahren als Buch veröffentlicht und im vergangenen Jahr mit den Schauspielern Colin Hausberg, Cornelia Heilmann, Markus Hennes, Tobias Kann, René Baier und Nadine Pape als Theaterstück herausgebracht. Es ist ein konzentriertes, stark episch geprägtes Kammerspiel, in dem die Schauspieler sich die Geschichte ihrer vorangegangenen Kollegen erzählend aneignen und dabei mal in die Rollen hineinsteigen, mal die Protagonisten aus der Distanz betrachten. Erinnerungsarbeit als Rollenspiel, als Spurensuche im eigenen Arbeitsumfeld.

Es ist zum einen dieses „Theater auf dem Theater“-Spiel, das die Geschichte so nah an die Gegenwart heranrückt und plausibel werden lässt, wo die Weggabelungen sich abzeichnen, die entweder in Richtung Rückgrat oder in Richtung Kopf-Einziehen weiterführen. Wenn der schon im harmlosen Urlaub am See auftauchende temperamentvolle Verlegersohn den Weg in Richtung Karriere nicht zuletzt deshalb einschlägt, um der Geliebten näher zu sein, die er später als Verantwortlicher im Umfeld des Propagandaministeriums ins Verderben schicken muss - und selbst dann noch behauptet, nur das Beste zu wollen, dann hätte es allein in seinem Fall gleich mehrere Möglichkeiten gegeben, anders abzubiegen.

Es ist aber vor allem eine Geschichte davon, wie erschreckend schnell sich ein Land verändern kann. Während die einen, noch trunken vom vergangenen Jahrhundertsommer, das nicht zu überhörende widerliche Gebrüll der selbst ernannten Alternative als nicht ernst zu nehmen ignorieren, spielen die anderen mit dem Feuer und lassen sich aus Protestgründen vor den falschen Karren spannen. „Es wird schon nicht so schlimm“ - dieser Satz steht wieder mal im Raum. Und es wird Zeit, mal wieder Erich Kästner zu lesen. „Ihr kommt daher und lasst die Seele kochen./Die Seele kocht, und die Vernunft erfriert./Ihr liebt das Leben erst, wenn ihr marschiert,/weil dann gesungen wird und nicht gesprochen.“ Das schrieb er im Jahr 1932. Heute wissen wir, wie es weiterging.