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Veranstaltungsinfo

Fr, 25.09.2020
20.00 Uhr
Kabarett

24,00 / 12,00
* Regulär / bis 25 Jahre | Restkarten über das Theaterbüro sowie ggf. ab 19:15 Uhr an der Abendkasse erhältlich
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Veranstalter: Theaterforum Gauting e.V.

Django Asül: Offenes Visier

Ganz ohne Scheuklappen und toten Winkel, sondern mit Weitblick und einer gehörigen Portion purer Gaudi präsentiert Django Asül sein aktuelles Programm „Offenes Visier“. Ein Power-Programm für Jederfrau und Jedermann, unheimlich amüsant und unterhaltsam.

Und nein, Django Asül beschäftigt sich in diesem Werk nicht mit Parteien und Politikern, sondern mit den wirklich wichtigen Dingen des Lebens: Solidarität und Nachhaltigkeit. Klingt vielleicht spröde – aber nicht bei Django! Denn er hat begriffen: Die Realität da draußen hat schon lang nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun. Dementsprechend stellt der Kabarettist nicht nur wichtige Fragen, sondern liefert auch Antworten: Wie können wir in Zeiten sozialer Verunsicherung hilfreiche Zeitgenossen sein? Wie kann man fußläufig spannend Urlaub machen und dabei das Klima schonen? Wie muss man heute leben, um später der Demenz zu entkommen? Und wieso trifft Django auf Malta Chinesen, die Griechen sind? Als besonderes Highlight spricht der Niederbayer auch noch über seine erotischen Phantasien. Und warum er regelmäßig karitativ ist – als Immobilienmakler.

Was Django hier abzieht, ist hochkonzentrierte Komik als Hilfe zur Selbsthilfe. Wer da nicht hingeht, dem/der ist wirklich nicht mehr zu helfen.
 

Pressestimmen
Zwei Weißbier und der Klimawandel
Pressestimme von Blanche Mamer
Erschienen in:   Süddeutsche Zeitung - Starnberg

Der Kabarettist Django Asül erklärt von einem Bistrotisch aus, wie ein Niederbayer die Welt sieht

Gerade noch vor der Corona-Krise hatte er sein neues Kabarettprogramm fertig. Dann sei erst einmal durch die Pandemie bedingt Pause gewesen, sagt Django Asül zu seinem aktuellen Programm "Offenes Visier" am Freitag im Gautinger Bosco. "Pause von was?" habe seine siebenjährige Nichte gefragt. "Arbeitest du neuerdings?", sei es von deren zehnjähriger Schwester gekommen. Ganz schön vorlaut die beiden Töchter seiner Schwester, denen er Nachhilfe gibt, oder besser, die ihm Nachhilfe geben und Mathe erklären. Mit dem unerwarteten Effekt, dass die Hausaufgaben immer gleich gemacht werden, noch bevor der Problem-Onkel  kommt.

Fast wie in alten Zeiten, "Kleinkunst wie in den Neunzigerjahren", begrüßt der gebürtige Deggendorfer mit türkischen Wurzeln, der in Hengersberg aufgewachsen ist und 2011, laut Wikipedia, seinen türkischen Pass abgegeben hat, das Gautinger Publikum. Er bewegt sich nur wenig um den Bistrotisch herum, auf dem ein volles Weißbierglas steht und eine zusätzliche Flasche als Reserve. Denn es gibt keine Pause, der Comedian muss also selbst dafür sorgen, dass seine Kehle nicht zu trocken wird. Mit der Dosierung hat er keine Probleme. Seine zwei Weißbier reichen genau für eineinhalb Stunden, mit dem letzten Schluck ist das Programm zu  Ende.

Jedenfalls kennt er sich aus, sei er doch regelmäßig "Punkt halb elf" beim Stammtisch in einer Hengersberger Wirtschaft, wo er mit seinem Freund Hans und den übrigen Saufbrüdern die Komplexität der Welt und Fragen zur Zeit und zur Zukunft erörtert. Die Zukunft sieht er, wie er später erklärt, als "abstrakte Variante der Münchner S-Bahn: kommt sie, kommt sie  nicht?"

Seine Nichten und sein Freund Hans sind die Fixpunkte, um die seine aktuelle Comedyshow aufgebaut ist. Im Plauderton handelt er die wichtigen Themen der Zeit ab, touchiert Fragen zu Klimawandel und Rassismus, alles in "g'schertem Niederbairisch". Was sich durch seine Sozialisation durch "niederbayrische Aborigine" erklärt. Auf dem Weg zum Stammtisch treffe er meist seinen Onkel, ebenfalls mit anatolischem Migrationshintergrund, der über die neuesten Eskapaden seines Sprösslings klagt, zum Beispiel so: "Wo andere hat Hirn, mein Sohn hat Wlan". Oder : "Was ist Schtaartupp? Das ist , wenn ich bin blöd und gebe Sohn Geld." Der Neffe von Hans redet auch gerne mit und erklärt die Welt. Fakten seien wichtig, sie müssten mit den Tatsachen übereinstimmen, spricht der Neffe. Und dann komme es auf den Blickwinkel an. Na  denn!

Den Begriff "Afrikaner" findet Asül politisch nicht korrekt, Fremdenfeindlichkeit geht bei ihm so: "Mohr im Hemd ist rassistisch, weil nicht einmal gewährleistet ist, ob jeder Mohr ein Hemd hat." Mit der Verallgemeinerung habe schon die Gloria ihre Probleme gehabt. Und erklärt, Gloria von Thurn und Taxis habe ja mal in einer Fernsehsendung gesagt, dass die Schwarzen zu viel schnackseln. Das sei rassistisch. Gegenüber den Weißen, die ja dann wohl  nicht.

Was TV-Sendungen angeht, ist Asül sehr deutsch geprägt, die Lieblingssendung seiner Kindheit war die Rateshow "Was bin ich?" mit Robert Lembke. Er nennt sie eine Mischung aus "Wer wird Millionär" und den Nürnberger Prozessen, macht einen Schlenker zur damaligen Ratefüchsin Marianne Koch und ihrer Rolle im Italowestern "Für eine Handvoll Dollar" und kommt von da zum "Ossi" Karl May, der sich angemaßt habe, Western zu schreiben. Asüls Gedankensprünge sind abrupt, doch durchaus nachvollziehbar, sein Witz ist prägnant aber nicht so böse wie erwartet. Zum Schluss gibt es dann doch einen kleinen Seitenhieb: "Andere träumen von so einem Abend in Gauting, ich aber lebe meine Träume." Jedoch: "Ich hätte jetzt kein Geld bezahlt, um den Abend mit Ihnen zu verbringen." Das Publikum war nicht beleidigt und geizte nicht mit  Applaus.

Nach(t)kritik
Problem-Onkel
Nach(t)kritik von Thomas Lochte

Die Neuerung bestand für Django Asül diesmal darin, dass er sich seine üblichen zwei Weißbier pro Auftritt gleich selber einschenken durfte – zu Corona-Zeiten muss nämlich ohne Pause (und ohne „Bar rosso“) durchgespielt werden, da ist so ein Getränkevorrat überlebenswichtig. Kurz vor der Weißbier-Not bzw. Pandemie hatte der 48-jährige Hengersberger sein aktuelles Programm „Offenes Visier“ geschrieben, das er nun im Bosco vorstellte – wie er selber sagte, ein Versuch, sich in solidarischem Verhalten zu üben. Nun ist ja ein offenes Visier ungefähr das Gegenteil von pflichtschuldigem Maske-Tragen, sollte man meinen. Asül meint damit wohl, dass er unverstellt und ohne selbst auferlegte Denkverbote ans kabarettistische Werk geht – nun ja: Hat er das nach 25 Jahren auf der Bühne nötig? Man hört die eingerannte offene Tür geradezu in den Angeln ächzen. Vielleicht ist der Beinahe-Fuffzger, der sich zwischendurch „ein ausgeglichenes Wesen“ bescheinigt, ja gerade in einer büßerischen Phase seines Lebens angelangt, die ihn darüber nachdenken lässt, dass er als Schüler einst „ein Kotzbrocken vor dem Herrn“ gewesen ist? Einer, der seiner Lehrerin ungefähr am dritten Schultag bereits bewundernd-schleimerisch zuraunte, wie sie das nur aushalte „mit diesem Gesocks“?

Zu Django Asüls Stärken als Kabarettist zählte immer dieser grobschlächtige Darwinismus seiner Figuren, die entweder zu den Stammtischrunden zweier Hengersberger Cafés gehören oder anatolischen Migrationshintergrund aufweisen (oder beides). Da wird dann mit geradezu Trump´scher Abstrusität die komplexe Welt erklärt und genau dadurch auch das Ausmaß der globalen Verwirrung – bei Asül funktioniert das so zuverlässig wie sein Eintreffen „Punkt 10:30 Uhr“ in der Stammtischrunde. Aus der alles einebnenden Grundtonart solcher Caféhockerwortbeiträge ergibt sich ein immerwährend philosophierender Mahlstrom ohne groß pointierendes Auf und Ab – und doch haben viele dieser Sätze nachhallende Qualität, etwa wenn er die Lieblingsfernsehsendung seiner Jugend so beschreibt: „´Was bin ich?´ - eine Mischung aus ´Wer wird Millionär?´ und Nürnberger Prozessen“. Oder sein wie nebenbei geliefertes Statement zum öffentlichen Personennahverkehr: „Die Zukunft – eine abstrakte Variante der Münchner S-Bahn“ - kommt sie, kommt sie nicht? Asül sagt von sich, er sei „sozialisiert von niederbayerischen Aborigines“. Das wäre dann einer wie der „Hans“ aus seinem Café, der das bemerkenswerte Hobby hat, auf Prominenten-Beerdigungen zu gehen. Prägend aber auch sein anatolischer Onkel, dem er immer auf dem Hengersberger Marktplatz über den Weg läuft (auf dem Weg zum Stammcafé, versteht sich): „Schtart-Upp ist, wenn ich bin so blöd, dass ich gebe meine Sohn Geld. Wo andere hat Hirn, meine Sohn hat W-lan!“ Erkenntnisgewinn beim Onkel drückt sich übrigens meist mit einem gepressten „Aha!“ aus. Diese wohlfeile Verarschung des noch nicht wirklich in der Moderne angekommenen Türken gehörte schon immer zu Asüls Repertoire, auch wenn er sie heute etwas weniger einstreut als früher. Sie passt ganz gut zum Weißbier-Plauderton am Stehpult und schafft es doch, nicht allzu bierzelttauglich zu werden, wie es beim unsäglichen „Kollegen“ Harry G. und dessen kaum verhohlener Fremdenfeindlichkeit passiert. Bei Django Asül kommt die politische Unkorrektheit subtiler daher, indem er zum Beispiel feststellt: „Mohr im Hemd ist rassistisch, weil nicht einmal garantiert ist, dass jeder Mohr ein Hemd hat.“ Tätää! Benennt durchaus die Wahrheit, riskiert aber auch ein paar rechte Schenkelklopfer.

Was das alles mit dem Solidaritätsgedanken und dem „offenen Visier“ zu tun hat? Nicht allzu viel. Asül umspielt die Sache lieber, streift die Idee des „ehrenamtlichen Immobilienmaklers, Zielgruppe mittleres Segment“, denkt als bekennender Besserverdiener über eine mögliche „Kausalität zwischen Geld und Lebensdauer“ nach. Versucht der hochintelligenten Nichte so lange Nachhilfe zu geben, bis er selber zum Problem-Onkel wird, dem Mathe erklärt werden muss. In der Zugabe wird Asül später noch auf die prekäre Lage weniger erfolgreicher Kolleg/Innen hinweisen und darauf, dass der Staat „zuverlässig alle Hilfe an ihnen vorbei gelenkt“ habe. Im Großen und Ganzen ist bei ihm selbst diesmal doch eher Zufriedenheit als Reibung an der Welt zu spüren, aber das macht nichts, die Dinge sind nun mal so, wie sie sind, und Asül beschreibt die Umkehrung der Werte trocken-treffend: „Clans in Berlin? Das ist doch das einzige Gebilde, das dort funktioniert!“

Zum Auftritt im Bosco unter reduzierten Bedingungen merkt er diesmal auch noch was an: „Andere träumen von so einem Abend in Gauting – ich aber lebe meine Träume!“ Und: „Ich hätt´ jetzt kein Geld bezahlt, um den Abend mit Ihnen zu verbringen.“ A bisserl Abstand zum Volk muss schon sein, gerade in Corona-Zeiten.

Galerie
Bilder der Veranstaltung
Do., 24.09.2020 | © Werner Gruban - Theaterforum Gauting e.V.