Veranstaltungsinfo

So, 07.10.2018
20.00 Uhr
Klassik
32,00 / 15,00 €*
* Wir führen eine Warteliste

Ensemble Berlin: Boccherini, Schulhoff, Mozart, Spohr

Zum 20. Mal zu Gast in Gauting
Am 10.07.1999 startete die Klassik-Reihe von Rainer A. Köhler mit dem ersten Konzert des Ensemble Berlin in Gauting. Das war der Beginn des Klassikforums. Nun spielt das Ensemble Berlin bereits zum 20. Mal in dieser Reihe. Zu diesem Jubiläum wird das Ensemble das Programm aus dem Konzert im Jahr 1999 noch einmal wiederholen.

LUIZ COELHO Violine
WALTER KÜSSNER Viola
ØYVIND GIMSE Cello
ULRICH WOLFF Kontrabass
WALLY HASE Flöte
CHRISTOPH HARTMANN Oboe
ISHAY LANTNER Klarinette
FRANZ DRAXINGER Horn
KASPAR REH Fagott

19.00 Konzerteinführung durch den Kulturjournalisten Reinhard Palmer

Programm
BOCCHERINI Sextett Es-Dur op. 42 Nr. 2 für Oboe, Violine, Viola, Horn, Fagot und Kontrabass
MOZART Duo für Fagott und Violoncello KV 292
SCHULHOFF Concertino für Flöte, Viola und Kontrabass
SPOHR Grand Nonetto F-Dur op. 31 für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn, Fagott, Violine, Viola, Cello und Kontrabass
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Nach(t)kritik 
Der 20. Besuch des Ensembles Berlin ist nicht nur ein beachtliches Jubiläum. Nachdem der erste Auftritt des Kammerensembles der Berliner Philharmoniker das Gründungskonzert des Klassikforums war, ist dieses Ereignis auch eng mit der Geschichte der Konzertreihe verbunden. Grund genug dieses Jubiläum auf eine besondere Weise zu begehen: mit der Wiederholung des Programms vom ersten Konzert. Und das kam noch ohne Bearbeitungen aus.
Alle vier Stücke des Programms waren und sind Raritäten im Konzertbetrieb, obgleich nicht ohne große Namen. Der größte natürlich Mozart, dessen Sonate B-Dur für Fagott und Violoncello KV 292 schon immer viele Fragen aufwarf. Die instrumentale Kombination ist ungewöhnlich und ließ vermuten, dass mit dem Cellopart ein unvollständiges Basso continuo vorläge. Zutreffend ist aber wohl eher, dass es hier um ein Novum in der Musikgeschichte in der Übergangsphase zur Klassik geht. Kaspar Reh am Fagott und Øyvind Gimse am Violoncello machten deutlich, dass es sich hier tatsächlich um ein Werk des sogenannten gelehrten Stils handelt, in dem die Begleitstimme am Cello als eigenständiger Dialogpartner zu betrachten ist.
Auch Erwin Schulhoffs Besetzung im Concertino von 1925 ist schon recht apart, doch ganz im Trend des beginnenden 20. Jahrhunderts. Der aus Prag stammende Komponist hatte Witz und einen unersättlichen Experimentierdrang. Flöte und Piccolo mit Viola und Kontrabass zu kombinieren, bedeutet ja, den gesamten instrumentalen Tonraum mit nur drei Instrumenten abzudecken. Die Kontraste hätten daher nicht extremer sein können. Doch die Verwendung östlicher Folklore lieferte den dafür stimmigen Kontext. Wally Hase (Flöten), Walter Küssner (Viola) und Ulrich Wolff (Kontrabass) gingen aber nicht den strikten Weg des polternden Musikantentums. Gerade in den beiden langsamen, freitonalen Sätzen ging es vielmehr um ein einfühlsam mäanderndes Sinnieren.
Wer Luigi Boccherinis Streichermusik kennt, war beim Sextett Es-Dur für Oboe (Christoph Hartmann), Violine (Simon Bernardini), Viola, Horn (Franz Draxinger), Fagott und Kontrabass gewiss überrascht. Der in Madrid lebende Italiener war selbst Cellist und Kontrabassist, zog denn auch die Streichermusik vor, die galant und geschmeidig daherkommt. Die Gegenüberstellung von Streichern und Bläsern lief auf ein Kontrastprogramm hinaus. Doch Boccherini bemühte sich zumindest passagenweise auch um eine enge Verflechtung der beiden Instrumentalgruppen, was ungewohnt konkret und kraftvoll geschah. In der Tradition des Divertimentos stehend, setzten die sechs Musiker denn auch auf den Unterhaltungswert des dreisätzigen Werkes, das sich einerseits der Melodik, anderseits dem Haydnschen Witz verschrieb.
Das Grand nonetto von Louis Spohr könnte man durchaus in dieser Tradition sehen, doch nun ein Stück romantischer mit entsprechender Klangsinnlichkeit. Mit dem Klarinettisten Ishay Lantner war die Nonettbesetzung komplett. Ein instrumentales Aufgebot, dass noch zur Zeit der Frühklassik im Grunde ein Orchester gewesen wäre. Doch Spohr bemühte sich deutlich um den kammermusikalischen Duktus. Die einzelnen Stimmen wahrten selbst im engsten Geflecht ihre Eigenständigkeit und im Sinne des Auftraggebers Johann Tost – Kaufmann und Geiger –: „dass jedes der Instrumente seinem Charakter und Wesen gemäß“ hervortrete.
So ganz klappte es nicht, denn Spohr war ein großer Geigenvirtuose, Paganini durchaus ebenbürtig, dachte daher wohl auch an seinen eigenen Part, als er die Rollen verteilte. So wurde es stellenweise doch ein kleines Violinkonzert. Das Ensemble Berlin bestach darüber hinaus mit Klarheit und Transparenz, auch mit Witz, zumindest im heiteren Scherzo, erst recht im wienerischen Kehraus des Schlusssatzes. Wunderbar hochromantisch geriet das Adagio: warm, lieblich und klangrund. Vor allem die klangfarbliche Fülle und das heitere Geschehen rissen ordentlich mit – und zu frenetischen Ovationen.
Pressestimmen 
Das Ensemble Berlin wiederholt bei seinem 20. Auftritt im Bosco das Programm des ersten Klassikforum-Konzerts

Einmal mehr sorgte das Ensemble Berlin für Begeisterung im Gautinger Bosco. Kam jemandem das Programm bekannt vor? Das kann daran gelegen haben, dass sie oder er bereits vor 19 Jahren beim Gründungskonzert des Klassikforums dabei gewesen war. Aus Anlass des 20. Besuchs wiederholte das neunköpfige Kammerensembles das ausschließlich aus Originalkompositionen bestehende Programm.Im Zentrum stand natürlich der Auftritt in Komplettbesetzung mit dem Grand Nonetto op. 31 von Spohr. Eine Komposition, die schon nah an ein orchestrales Werk heranreicht, aber doch vordringlich auf die kammermusikalischen Finessen setzt. Laut Auftrag hatte Spohr den Eigenheiten der einzelnen Instrumente sein Augenmerk zu schenken, was er akribisch umsetzte. Die imitatorischen Aneinanderreihungen der Themen und Motive ermöglichten es, die Instrumente einzeln sprechen zu lassen, um mit den unterschiedlichen Charakteren der sonst drohenden Einförmigkeit entgegenzuwirken. Die Musiker setzten das sorgfältig um, dennoch tat es gut, immer wieder auch die orchestrale Homogenität des gesamten Klangkörpers zu erleben, ganz besonders im schönmelodischen Adagio.

Besonders reizvoll erklang das Scherzo, das auch einen erfrischenden wienerischen Ländler beinhaltet. Wie schon im Kopfsatz bedachte Spohr, der große Geigenvirtuose vom Format eines Paganini, die Violine mit einem bisweilen geradezu konzertanten Part, den allerdings Primarius Simon Bernardini mit kammermusikalischer Zurückhaltung in die Schranken verwies. Das tat dem Zusammenhalt des Klangkörpers gut und sorgte für edle Färbung. Auch die spritzige Leichtigkeit des Vivace-Finales profitierte von dieser blühenden Schlankheit und weckte mit ihrer wohlbemessenen Beherztheit Euphorie.

Auch die anderen drei Werke des Abends waren Raritäten von qualitativ hohem Rang. Ihr Seltenheitswert im Konzertbetrieb liegt vor allem an den besonderen Besetzungen, für die es in der Regel kaum feste Ensembles gibt.

Bisweilen aufgeführt wird die Sonate B-Dur für Fagott und Violoncello KV 292 von Mozart, der seine Zeitgenossen und die Nachwelt mit der instrumentalen Kargheit irritiert hat. Heute spricht die Musikwissenschaft vom stilistischen Übergang zur Frühklassik, entsprechend mit Gleichwertigkeit der Stimmen behandelt von Kaspar Reh (Fagott) und Øyvind Gimse (Violoncello), die aus der instrumentalen Askese starken Ausdruck gewannen.

Boccherini hatte sein Sextett op. 42/2 zwölf Jahre später im fernen Madrid komponiert. Ob ihn die Neuentwicklung erreicht hatte, ist schwer nachzuvollziehen, zumal diese Mischbesetzung aus Oboe (Christoph Harmann), Violine, Viola (Walter Küssner), Horn (Franz Draxinger), Fagott und Kontrabass (Ulrich Wolff) zu den Ausnahmen im Streicherwerk des Komponisten gehört.

Die sechs Musiker jedenfalls präsentierten ein Werk, das mit dem berühmten Menuett des Komponisten wenig zu tun hat. Die galante Geschmeidigkeit wich einer körperhaft-plastischen Festigkeit, von der führenden Oboe und der Violine mit einfühlsamem Gesang versehen. Die beherzten schnellen Sätze zeigten aber Witz und Verve. Freilich nicht so reichhaltig wie es Erwin Schulhoff in seinem Concertino von 1925 erlaubte. Das Klangbild mit Flöte und Piccolo (Wally Hase) sowie Viola und Kontrabass hat schon etwas Skurriles an sich. Der Tonraum ist dadurch extrem weit angelegt, wodurch der Zusammenhalt im Ensemble nur mit extremer Einfühlsamkeit zu meistern war, auch wenn selbst dann noch eine gewisse klangliche Befremdung bestehen blieb.

Dankbar nahm das Trio die reichhaltigen musikantischen Elemente auf, doch nicht um "karpathorussisch" (so Schulhoff) zu poltern, sondern daraus vielmehr einen kraftvollen Puls zu gewinnen, vor dem sich die melodischen Elemente deutlich abheben konnten. Die langsamen, lyrisch-sinnierend interpretierten Sätze wiesen Schulhoff als einen freitonalen Experimentierer aus. Auch die Verwendung alter Kirchentonarten im Schluss-Rondino macht Schulhoff zum Vorreiter der Neuen Musik. Aber es ging in dem Konzert vor allem um die instrumentale Klangfarbigkeit, deren Besonderheiten sich letztendlich in Spohrs Nonett - dort ergänzt mit der Klarinette von Ishay Lantner - zu einem wahren Feuerwerk summierten. Lang anhaltender begeisterter Applaus und Spohrs Scherzo als Wiederholungszugabe.