Direkt zum Inhalt

Veranstaltungsinfo

Mi, 23.03.2022
20.00 Uhr
Klassik

29,00 / 15,00

Regulär / bis 25 Jahre

< Zurück zur Übersicht > Termin im Kalender eintragen
Veranstalter: Theaterforum Gauting e.V.

Horszowski Trio: Smetana, Carter und Schostakowitsch

Von der New York Times als „eindrucksvoll, geschmeidig und überzeugend“ gepriesen, beweisen die Mitglieder des Horszowski Trios stets aufs Neue, zu welcher aufregenden Ausdrucksfreiheit das über langjähriges Zusammenspiel gewachsene tiefe Vertrauen beflügelt.

Der zweimalige für den Grammy nominierte Geiger Jesse Mills trat bereits im Kindesalter mit dem Mitbegründer und früheren Cellisten des Trios, Raman Ramakrishnan, an der Kinhaven Music School vor über zwanzig Jahren auf. In New York City trafen sie die Pianistin Rieko Aizawa, die im Kennedy Center und in der Carnegie Hall ihr Debüt gegeben hatte. Seit 2020 ist der in Berlin geborene und langjährige Freund des Trios, Ole Akahoshi, Cellist des Horszowski Trios.

In den vier Jahren nach ihrem Debüt an der Rockefeller University in New York im Dezember 2011 wurde das Horszowski Trio für fast 200 Konzerte in den USA sowie für Tourneen durch Japan und Indien eingeladen. Sein erfolgreicher Aufstieg in der Kammermusikwelt brachte gleichermaßen das Lob von Kritikern und Publikum. Der „New Yorker“ hat das Trio als „die überzeugendste amerikanische Kammermusikformation“ bezeichnet. Im Herbst 2018 kehrten die Künstler für eine weitere Tournee nach Asien zurück und gaben jüngst ihr Europa-Debüt in der Londoner Wigmore Hall.

Rieko Aizawa war die letzte Schülerin des legendären Pianisten Mieczysław Horszowski (1892-1993) am Curtis Institute. Das Trio ist inspiriert von Horszowskis Musikalität, Integrität und Menschlichkeit. Wie Horszowski präsentiert das Trio ein Repertoire, das Tradition und Moderne umfasst. Als Ensemble-in-Residence der Electric Earth Concerts hat das Trio 2014 das Werk von Eric Moe „Welcome to Phase Space“ uraufgeführt. Zudem haben sie „For Daniel“ von Joan Tower für einen Teil des Festalbums zum 75. Geburtstag des Komponisten aufgenommen. Der Geiger des Trios, Jesse Mills, selbst auch Komponist und Arrangeur, hat das Werk „Painted Shadow“ für das Trio geschrieben, das im Januar 2015 bei Bargemusic in Brooklyn, NY, in Auftrag gegeben und uraufgeführt wurde.

Darüber hinaus interpretiert das Trio Werke von Komponisten, mit denen Horszowski persönlichen Kontakt hatte, wie u.a. Ravel, Saint-Saëns, Fauré, Martinu, Villa-Lobos und Granados. Seine erste Aufnahme, ein Album mit Werken von Fauré, Saint-Saëns und D'Indy - in Erinnerung an Mieczysław Horszowski - wurde 2014 bei Bridge Records veröffentlicht. Die Grammophon nannte das Trio „eine hochkarätige Formation“ und schwärmte: „vorbildliche Leistung.... Ich sehne mich danach, mehr vom Horszowski Trio zu hören.“

JESSE MILLS Violine
OLE AKAHOSHI Violoncello
RIEKO AIZAWA Klavier

Programm

SMETANA Klaviertrio g-Moll op. 15
CARTER Epigramme für Klaviertrio
SCHOSTAKOWITSCH Klaviertrio Nr. 2 e-Moll op. 67

Medienpartnerschaft:

Logo Medienpartner BR KLASSIK

Nach(t)kritik
Auf den Punkt gebracht
Nach(t)kritik von Paul Schäufele

Das Epigramm ist eine schwierige Form. Kurz, in Versen und mit Bezug zu einem bestimmten Gegenstand, verlangt es nach souveräner Beherrschung der künstlerischen Mittel. Ein Epigramm zu schreiben, bedeutet, die Dinge auf den Punkt zu bringen. So gesehen ist das Spiel des New Yorker "Horszowski Trios" epigrammatisch: technisch makellos, überraschend, pointiert. Das gilt nicht nur für die ingeniösen Epigrams des US-Amerikaners Elliott Carter, die in der Mitte des Programms stehen.

Denn schon in Bedřich Smetanas g-Moll-Klaviertrio treffen Jesse Mills (Geige), Rieko Aizawa (Klavier) und Ole Akahoshi (Cello) den richtigen Ton für das dramatische Werk, das gemeinhin als Smetanas Auseinandersetzung mit dem Tod seiner Tochter gilt. Doch dieses breit akzeptierte Deutungsmuster ist auch eine schwere Hypothek für das Werk. Oft leidet es unter emotionaler Überfrachtung. Davon ist hier keine Spur zu hören, denn das Horszowski Trio spielt geradeaus, ohne romantische Schnörkel, dafür mit wohldosierten Freiheiten, die dadurch umso bewegender wirken. Das gilt etwa, wenn Ole Akahoshi das Seitenthema des ersten Satzes mit geradezu kindlicher Einfachheit intoniert, um die Phrase dann geschmackvoll minimal retardierend abzuschließen. Diese diskreten Freiheiten im Tempo und die ausdifferenzierte Mikro-Dynamik auch im virtuosen Finale geben dem Stück eine Tiefendimension, die man nicht alle Tage hört. 

Vielleicht kommt ein Teil der musikalischen Spannung auch, weil diese drei hochdekorierten Musiker auf ihre Weise vollendete Künstler sind, sich aber deutlich voneinander unterscheiden. Mills ist, bei aller Zurückhaltung nach Außen, der klanglich extrovertierteste, mit heftigem Vibrato und großem Ton; Aizawas Anschlagskultur ist weich und dennoch in den entscheidenden Momenten bestimmt; Akahoshis Cello-Spiel orientiert sich an den Idealen seines Lehrers Pierre Fournier, von ihm hat er die klare Eleganz geerbt. All das schießt auf schlicht grandiose Weise zusammen, in der großen wie in der kleinen Form. So auch in der Auswahl aus Carters Epigrammen, dem letzten Werk, das der amerikanische Komponist vor seinem Tod 2012 vollenden konnte. Lichte Miniaturen sind es, die das Trio mal melancholisch, mal mit hintergründigem Humor interpretiert.

Es ist ein anderer Humor, der auch in Dmitri Schostakowitschs zweitem Klaviertrio hörbar ist. In dem 1944 entstandenen Werk blitzt vor allem im Scherzo-Satz, vom Horszowski Trio mit atemraubendem Tempo aufgespielt, grimmige Komik auf. Dominant sind jedoch andere Affekte in diesem Werk, das wie das Smetana-Trio einen Todesfall zum Anlass hat, in diesem Fall den des Schostakowitsch-Freundes Iwan Sollertinski. Wut und Schmerz angesichts dieses Verlusts und des unbarmherzig fortschreitenden Krieges prägen das Werk, worauf Jesse Mills mit Bezug zur Gegenwart hinweist. Das Trio lehnt sich mit vollem Gewicht in die Dissonanzen, verliert dabei aber nie die kühle Übersicht, die es braucht, um sich in den Polyphonien und ineinander verschränkten Rhythmen nicht zu verlieren. Die Unerbittlichkeit der Geschichte übersetzen die drei Musiker in strenge musikalische Bewegungen. Das Finale, berühmt für seine an jüdische Volksweisen erinnernden Melodien, nehmen sie bewusst langsamer als die meisten anderen Interpreten. Aus dem taumelnden Tanz über dem Abgrund wird so ein intensiver Danse macabre in Zeitlupe, der sich nach und nach in Ausdrucks-Höhen schraubt.

Dafür gibt es zurecht lauten Beifall, für den sich das Trio mit dem langsamen Satz aus Felix Mendelssohn Bartholdys Klaviertrio in d-Moll bedankt, einer traumhaft lyrischen Meditation, für die (wie für alle anderen Werke des Abends) gilt: Dieses Trio trifft den Kern der Sache, egal was es in die Finger bekommt. 

Galerie
Bilder der Veranstaltung
Mi, 23.03.2022 | © Werner Gruban - Theaterforum Gauting e.V.