Veranstaltungsinfo

Di, 28.05.2019
20.00 Uhr
Klassik
27,00 / 15,00 €*
* Regulär / Schüler - Wir führen eine Warteliste

Konzert der ARD-Preisträger: Oboe, Viola, Klaviertrio

Dass die ARD-Preisträger während ihrer Festival-Tournee in Gauting zu Gast sind, ist schon feste Tradition. Dieses Mal mit dabei Thomas Hutchinson (2. Preis Oboe 2017), Diyang Mei (1. Preis Viola 2018) und das Trio Marvin (3. Preis Klaviertrio 2018)
THOMAS HUTCHINSON, Neuseeland – 2. Preis Oboe 2017
Der 1992 in Neuseeland geborene Oboist Thomas Hutchinson studierte bei Martin Lee an der School of Music der University of Auckland. Ein Jahr später zog er nach Melbourne, um dort an der Australian National Academy of Music bei Jeffrey Crellin zu studieren. Von 2012 bis 2015 studierte er bei Jacques Tys, David Walter und Frédéric Tardy am Conservatoire national supérieur de musique et de danse de Paris. Seit 2015 besetzt er eine Stelle als Solo-Oboist beim Melbourne Symphony Orchestra. Zwischen 2010 und 2015 trat er zusammen mit dem New Zealand Symphony Orchestra und dem Auckland Philharmonia Orchestra auf. Als Solist konzertierte er bereits mit dem Tasmanian Symphony Orchestra, dem Orchestra Victoria, dem Dubrovnik Symphony Orchestra und der Bach Musica NZ. Die Jury des 66. Internationalen Musikwettbewerbs der ARD verlieh Thomas Hutchinson den zweiten Preis.

DIYANG MEI, China – 1. Preis Viola 2018
Diyang Mei, 1994 in China geboren, studierte von 2005 bis 2014 Viola bei Professor Shaowu Wang an der Middle School des Central Conservatory of Music in Beijing. Seit Oktober 2014 ist er Student der Hochschule für Musik und Theater München bei Professor Hariolf Schlichtig. Er trat als Solist mit verschiedenen Orchestern auf, wie dem Konzerthausorchester Berlin, der Bad Reichenhaller Philharmonie und dem Busan Philharmonic Youth Orchestra. Diyang Mei wurde mit zahlreichen ersten Preisen ausgezeichnet, beispielsweise beim 52. Internationalen
Instrumentalwettbewerb Markneukirchen (2017), beim Max-Rostal-Wettbewerb Berlin (2015), beim 19. Internationalen Brahms-Wettbewerb (2012) und beim „Borletti Buitoni Trust“ London (2018). Beim 67. Internationalen Musikwettbewerb der ARD München erspielte er sich den ersten Preis, den Publikumspreis sowie den Preis für die beste Interpretation der Auftragskomposition.

TRIO MARVIN, Deutschland/Kasachstan/Russland – 3. Preis Klaviertrio 2018
Das Trio Marvin wurde 2016 von der Pianistin Vita Kan, dem Cellisten Marius Urba und der Geigerin Marina Grauman in Leipzig gegründet. Sie sind Mitglieder der European Chamber Music Academy und studieren beim Artemis Quartett an der Universität der Künste Berlin. Alle drei Musiker sind Preisträger internationaler Wettbewerbe und gehen Konzerttätigkeiten im In- und Ausland nach. Als Trio wurden sie mit dem ersten Preis des Felix-Mendelssohn-Bartholdy Hochschulwettbewerbs 2017 (Berlin) ausgezeichnet. Im selben Jahr folgten der zweite Preis, Publikumspreis und Preis der Jugendjury beim Wettbewerb Premio Trio di Trieste. 2018 gewann das Trio den zweiten Preis des Internationalen Wettbewerbs „Franz Schubert und die Musik der Moderne“ (Graz) sowie den ersten Preis und den Grand Prix bei der Melbourne International Chamber Music Competition. Einen dritten Preis erspielte sich das Trio Marvin beim 67. Internationalen Musikwettbewerb der ARD München 2018.

19.00 Konzerteinführung durch den Kulturjournalisten Reinhard Palmer (Entfällt) *

* Da wir im laufenden Jahr mit erheblichen Zuschusskürzungen der öffentlichen Hand rechnen müssen, sind wir gezwungen, rechtzeitig Einsparungen vorzunehmen, um die Liquidität des Vereins nicht zu gefährden. Es werden in allen Bereichen des Theaterforums nach und nach verschiedene Sparmaßnamen umgesetzt werden. In der Klassik-Reihe müssen wir schweren Herzens die Konzert-Einführungen einstellen. Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Theaterforum  Gauting e.V.

Programm
HENSEL Quartett für Klavier, Violine, Viola und Violoncello As-Dur
KRENEK Triophantasie, op. 63 (für Klavier, Violine und Violoncello)
MOZART Quartett für Oboe, Violine, Viola und Violoncello F-Dur, KV 370
BRITTEN “Phantasy Quartet” für Oboe und Streichtrio, op. 2
SCHUMANN Quartett Es-Dur für Klavier, Violine, Viola und Violoncello, op. 47

Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Nach(t)kritik 

Die bestimmende Qualität der Konzerte mit Preisträgern des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD ist zweifelsohne das stets engagierte, lustvolle und überaus intensive Auftreten der jungen Musiker. Auf der Programmebene aber auch das Konzept, beliebte Werke mit selten gespielten zu kombinieren. Diesen Aspekt bedachten die fünf Interpreten gleich mit drei Raritäten, die für viele Zuhörer sicher Neuentdeckungen waren. Fanny Mendelssohns Klavierquartett As-Dur sprengte mit seinem konzertanten Klavierpart geradezu den kammermusikalischen Rahmen. Vita Kan, Pianistin des Trios Marvin, bekam hier gleich zu Beginn die Gelegenheit, ihre virtuose Geläufigkeit und perlende Klangschönheit zu demonstrieren. Die drei Streicher nahmen sich auch maßvoll zurück, um genügend Raum für das brillante Wirbeln bereitzustellen. Ließen sich aber von diesem dominanten Part nicht beirren und blieben den kammermusikalischen Parametern treu.
Die schönmusikalische Balance der drei warm kolorierten Streicher überraschte etwas, da doch Geigerin Marina Grauman und Cellist Marius Urba aus dem Trio Marvin hier mit dem Bratscher Diyang Mei zusammenfinden mussten. Die Empfindsamkeit und Musikalität der drei Streicher machte einen absolut homogenen Klangkörper möglich, sodass Fanny Mendelssohns Larghetto mit kantabler Streichersensibilität betören konnte. Meis Beherrschung seiner Viola trug dazu nicht wenig bei. In der Solo-Zugabe mit dem Capriccio von Henri Vieuxtemps legitimierte der Chinese überzeugend seinen ersten Platz beim ARD-Wettbewerb 2018.
Mit lyrischer Schönmusikalität seelentief zu berühren, konnte man hier allen fünf Musikern bescheinigen. Das sollte ganz besonders in Schumanns Klavierquartett Es-Dur op. 47, dort vor allem im Andante cantabile deutlich werden. Dieses organische Ineinanderfließen der Stimmen verlieh nicht nur diesem Satz eine absolut schlüssige, plastisch sensibel durchgebildete Form. Auch das muss man hier für den ganzen Abend hervorheben. Das gilt ebenso für Thomas Hutchinson an der Oboe, der sich nahtlos ins Streicherensemble fügte, um zwei schon sehr verschiedene Quartette mitzugestalten. Die vitalen Allegro-Sätze Mozarts sprühten geradezu vor Lebensfreude, erklangen hier aber auch in galanter Geschmeidigkeit, die das ganze Werk zu einer überaus wohlfeilen Einheit zusammenklammerte und das kantable Adagio kostbar einfasste. Der 19jährige Benjamin Britten legte sein „Phantasy Quartet“ für Oboe und Streichtrio op. 2 indes nicht gerade ohne Reibungen an. Ganz im Gegenteil: Kantige, ja geradezu ruppige Momente waren ein wichtiges Mittel, der Komposition Kraft zu verleihen. Das Überraschende darin war zweifelsohne die instrumentale Gewichtung, die der Oboe im Grunde nur die Rolle des lyrischen Kontrastmittels zugestand. Im Fokus stand der einmal mehr schönmusikalisch durchgebildete Klangkörper der drei Streicher, die auch schon mal wunderbare Gesänge anstimmten.Was hier aber vor allem fesselte, war der narrative Ansatz, der die Gattung der altenglischen Phantasie dafür nutzte, Geschichten in musikalischen Bildern zu erzählen. Die suggestive Wirkung stemmten die Musiker auch mit fesselnder Rhetorik, die anders charakterisiert bereits bei Ernst Křenek zum Einsatz gelangt war. In dessen Triophantasie op. 63 war das Trio Marvin unter sich und bewies, dass sich Homogenität noch weiter steigern lässt. Spielfreudig zauberte hier das 2016 gegründete Ensemble eine musikalische Abenteuerreise von großer Kraft her. Selbst wer den Komponisten gut kannte, war hier sicher von der romantischen Schönheit überrascht. Křenek hatte in dieser Zeit Schuberts Musik eingehend studiert und brachte sie in seiner Komposition in Einklang mit seiner harmonischen Befreiung von der Tonalität. Insbesondere in den lyrischen langsamen Abschnitten kreierte das Trio Marvin hier eine ausgeprägte Atmosphäre, in der die klangliche Arbeit des Ensembles absolut überzeugte.

Pressestimmen 
Preisträger des ARD-Musikwettbewerbs spielen im Gautinger Bosco Raritäten und gängige Stücke so lustvoll und energisch, als würden sie seit Jahren ein festes Ensemble bilden

Es hat seine Berechtigung, dass der Bayerische Rundfunk die Konzertreihe der ARD-Wettbewerbs-Preisträger trotz verschiedener Spielorte als Festival bezeichnet. Zum einen begründet sich das mit den innerhalb eines Konzerts wechselnden Besetzungen, zum anderen mit dem Repertoire, das eben nicht zum Standard der etablierten Konzertreihen gehört. Im Gautinger Bosco nahmen Raritäten sogar den größeren Teil des Abends ein. Marina Grauman (Violine; Russland), Marius Urba (Violoncello; Litauen) und Vita Kan (Klavier; Russland) errangen als Trio Marvin im vergangenen Jahr den dritten Preis. Der Neuseeländer Thomas Hutchinson hatte sich 2017 an der Oboe einen zweiten Preis erspielt, der Chinese Diyang Mei 2018 siegte mit der höchsten Platzierung im Fach Viola und bekam sowohl den Publikumspreis als auch den Preis für die beste Interpretation der Auftragskomposition. Letzteres war für die Musiker Grund genug, die Zugabe Mei alleine zu überlassen, wobei nicht nur er glänzte: Auch das Capriccio von Henri Vieuxtemps, mit dem Mei tief zu berühren vermochte, erwies sich als intensiv und geistvoll.

Die solistische Zugabe war deshalb sehr fordernd, weil sie unmittelbar auf Schumanns Quartett Es-Dur op. 47 folgte. Dessen große Qualität ist die geschmeidige Verflechtung der Stimmen über die Satzgrenzen hinweg: Eines geht aus dem anderen nahtlos hervor. Verve und Leidenschaft verwandelten sich in Lyrik und Zartheit. Ausbrüche und Wendungen wahrten ihre Überraschungs- und Kontrastwirkung, doch nicht auf Kosten der dramaturgischen Entwicklung oder des dichten Spannungsaufbaus.

Selbst mit so geläufigem Repertoire schienen die Interpreten der Festival-Idee gerecht werden zu wollen. Das gelang mit Interpretationen, die lustvoll und intensiv, aber auch empfindsam daherkamen und so Geist und Seele auf einen Nenner brachten. Was auch für das in München entstandene Quartett für Oboe und Streichtrio F-Dur KV 370 von Mozart galt, dessen langsamer Mittelsatz mit melodischer Schönheit, aber auch wohliger Klangbalance zur Ruhe fand. Die blühend kolorierten Allegro-Rahmensätze dieses Werkes gehörten zu den vitalsten im Programm, zumal die Oboe als entrückt schwebendes Glanzlicht fungierte. Anders als in Brittens "Phantasy Quartet" op. 2, wo die Streicher dominierten und mit rhythmischem Groove für Spannung sorgten, während die Oboe gezielt als Farbe hinzukam oder melancholisch sinnierend die ruppige Streichertextur kontrastierte.

Dass in Gauting das einsätzige Werk so intensiv ausfiel, lag vor allem am musizierfreudigen, und beredten Zugriff, dessen Rhetorik immer wieder mit expressiven Verdichtungen für Nachdruck sorgte. Diese Art der dramaturgischen Intensivierung beherrschen alle fünf jungen Musiker herausragend, so energisch und entschieden, als stellten sie ein festes eingespieltes Ensemble. Zwar hatte die Oboe einen exponierten Part, der nicht gar so nahtlos im Ensemble aufzugehen hatte. Doch Meis Viola erwies sich als entscheidend für die Homogenität im Zusammenspiel. Sein Einfühlungsvermögen und seine spieltechnische Präzision, auf der anderen Seite das kommunikationsfreudige Agieren des Trios Marvin machten es möglich, die Bratsche mühelos zu integrieren.

Das wurde schon eingangs mit Fanny Mendelssohns Klavierquartett As-Dur deutlich, in dem das Streichertrio ein eng verflochtenes Quasi-Kammerorchester zu mimen hat, während Kan mit ebenmäßig perlender Pianistik ihren virtuosen Part zum Leuchten brachte. Im Larghetto zeigte sich, dass die lange unterschätzte, damals erst 17-jährige Komponistin auch kammermusikalische Feinsinnigkeit beherrschte, was die Streicher zu empfindsam-kantabler Ästhetik anspornte. Die schlug dann auch die Brücke zu Ernst Křeneks Triophantasie op. 63, in der das Trio Marvin ein einziges Mal unter sich blieb. Křenek war ein mutiger Neuerer, aber aus der Tradition heraus. Seine Schubert-Studien brachten romantische Wärme in die Triophantasie, die mit den Exkursionen in die Atonalität absolut stimmig zusammengingen. Einmal mehr ein ereignisreicher Abend, der das Publikum begeisterte.