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Veranstaltungsinfo

Mi, 04.05.2022
20.00 Uhr
Klassik

31,00 / 15,00

Regulär / bis 25 Jahre
 

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Veranstalter: Theaterforum Gauting e.V.

Konzert der ARD-Preisträger*innen: Violine, Violoncello, Horn, Klavierduo

Auch im Jahr 2022 werden die Preisträger*innen des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD in Gauting für ein Konzert zu Gast sein.

Jährlich werden im Rahmen der Tournee Preisträger*innen und andere herausragende Teilnehmende verschiedener Wettbewerbsjahrgänge eingeladen gemeinsam aufzutreten. In diesem Jahr ist folgende Besetzung geplant:

ALEXANDRA TIRSU, 3. Preis Violine + Publikumspreis 2021
Die moldawisch-rumänische Violinistin Alexandra Tirsu, geboren im Jahr 1992, absolvierte ihr Grundstudium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien bei Pavel Vernikov. Derzeit studiert sie in Sion bei Janine Jansen. Alexandra Tirsu spielt auf einer Francesco Goffriller Violine, die ihr von der Goh Family Foundation zur Verfügung gestellt wurde. Zu den jüngsten Höhepunkten ihrer Karriere gehören Auftritte im Wiener Konzerthaus, in der Elbphilharmonie Hamburg, im Amsterdamer Concertgebouw, im Bukarester Athenäum und in der Beijing Concert Hall sowie bei Festivals wie dem Verbier Festival, den Crans Montana Classics und dem Sion Festival. Sie wirkte mit Künstlern wie Michael Guttman, Jing Zhao, Dmitri Jurowski, Ivry Gitlis und Uto Ughi zusammen. Da sie die Geigenmusik einem breiteren Publikum näherbringen möchte, arbeitet sie regelmäßig mit dem gefeierten Musik-Comedy-Duo Igudesman & Joo zusammen. Seit ihrer Kindheit hat die Geigerin an verschiedenen nationalen und internationalen Musikwettbewerben teilgenommen und wurde dabei vielfach ausgezeichnet. Als Preisträgerin der Osaka International Music Competition und der Seoul International Music Competition hat sie mit ihren Auftritten in Medien, wie dem Classical Music Magazine, international große Anerkennung erfahren. Beim 70. Internationalen Musikwettbewerb der ARD München 2021 erspielte sich Alexandra Tirsu den 3. Preis und den Publikumspreis.

FRIEDRICH THIELE, 2. Preis Violoncello 2019
Der 1996 in Deutschland geborene Friedrich Thiele ist seit 2016 Student in der Klasse von Wolfgang Emanuel Schmidt in Weimar. Seine künstlerische Laufbahn begann in der Kinderklasse der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden bei Gunda Altmann und setzte sich am gleichnamigen Landesgymnasium fort. Hier erhielt er Unterricht von Ulf Prelle, Solo-Cellist der Dresdner Philharmonie. 2010 errang er beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in der Solowertung Violoncello den 1. Preis und einen Sonderpreis der Deutschen Stiftung Musikleben. Durch Erfolge beim Deutschen Musikwettbewerb 2019 in Nürnberg (Preis des Deutschen Musikwettbewerbs, Sonderpreis der Deutschen Stiftung Musikleben), beim Wettbewerb „Ton und Erklärung“ in München 2017 (1. Preis) sowie beim TONALi-Wettbewerb 2015 in Hamburg (3. Preis und Publikumspreis), startete Friedrich Thiele eine internationale Karriere. Er hatte unter anderem Engagements mit dem Orquesta Sinfónica Simón Bolívar in Caracas und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Im Januar 2019 spielte er die Rokoko-Variationen von Tschaikowski mit der Kammerakademie Potsdam in der Elbphilharmonie Hamburg. Beim 68. Internationalen Musikwettbewerb der ARD München 2019 erhielt er den 2. Preis, den Publikumspreis und den Sonderpreis für die beste Interpretation der Auftragskomposition.

YUN ZENG, 2. Preis Horn 2021
Der aus China stammende Yun Zeng, geboren 1999, begann im Alter von sechs Jahren bei seinem Vater Jie Zeng, dem Solohornisten des Sichuan Symphony Orchestra, Horn zu lernen. Im Jahr 2011 wurde er in die Middle School des Central Conservatory of Music in Peking aufgenommen und studierte bei Wen Quan. 2017 setzte er sein Grundstudium am Central Conservatory of Music fort. Im Studienjahr 2019/20 machte er ein Auslandssemester an der Haute école de musique de Genève bei Bruno Schneider.
Als Solist hat Yun Zeng einige der berühmtesten Werke für Horn unter anderem mit dem Mariinsky Orchestra, dem Orchestra di Padova e del Veneto, dem Central Conservatory of Music Symphony Orchestra, dem China National Center for the Performing Arts Orchestra, dem Guiyang Symphony Orchestra (als Artist in Residence in der Saison 2020/21), dem Suzhou Symphony Orchestra und dem Xi'an Symphony Orchestra gespielt.
Der 21-jährige Hornist wurde mit Preisen bei internationalen Wettbewerben ausgezeichnet, darunter der 1. Preis bei der 4. Lieksa International French Horn Competition (2016), der 1. Preis bei der 28. Competition „Città di Porcia“ (2017) und der 2. Preis der 70. Prague Spring International Music Competition (2018). Zudem gewann er die Goldmedaille bei der 16. International Tchaikovsky Competition (2019). Beim 70. Internationalen Musikwettbewerb der ARD München 2021 erhielt er den 2. Preis und den Sonderpreis für die beste Interpretation der Auftragskomposition.  

MELNIKOVA-MOROZOVA DUO, 2. Preis Klavierduo 2021
Im Jahr 2019 wurde das Melnikova-Morozova Duo von Nika Melnikova und Olesia Morozova gegründet. Nika Melnikova wurde im Jahr 1991, Olesia Morozova im Jahr 1989 in Russland geboren. Die Pianistinnen sind Absolventinnen des Staatlichen Konservatoriums Sankt Petersburg. Dort arbeiteten sie mit Elena Semischina und Genrietta Serova zusammen. Das Melnikova-Morozova Duo nahm an der Marktoberdorfer Sommerakademie 2019 teil. Die beiden Künstlerinnen hatten Unterricht bei Willem Brons am Conservatorium van Amsterdam, bei Lev Vinocour und bei Eugene Sinaiski. Im vergangenen Jahr gab das Duo mehrere Online-Konzerte mit Repertoire für Klavier zu vier Händen und für zwei Klaviere. Die Pianistinnen sind jeweils Preisträgerinnen verschiedener internationaler Klavier- und Kammermusikwettbewerbe. Der 70. Internationale Musikwettbewerb der ARD München 2021, bei dem sie mit dem 2. Preis ausgezeichnet wurden, war ihr erster gemeinsamer Wettbewerb als Klavierduo.

ALEXANDRA TIRSU Violine
FRIEDRICH THIELE Violoncello
YUN ZENG Horn
MELNIKOVA-MOROZOVA Klavierduo

Programm
RAVEL Ma Mère l’Oye, 5 Kinderstücke für Klavier zu 4 Händen
BEETHOVEN Trio für Violine, Violoncello und Klavier Nr. 7 B-Dur, WoO 39
MUNKTELL Kleines Trio für Violine, Violoncello und Klavier
SCHUMANN Adagio und Allegro für Horn und Klavier op. 70
***Pause***
DEBUSSY Sonate für Violoncello und Klavier d-Moll, L 135
BRAHMS Trio für Horn, Violine und Klavier Es-Dur op. 40

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Nach(t)kritik
Lauter Gewinner
Nach(t)kritik von Paul Schäufele

Nun soll Ungarns größter Komponist Béla Bartók, der auch ein Jahrhundertpianist war, einmal gesagt haben, dass Wettbewerbe für Pferde seien, nicht für Künstler. Darüber ließe sich heute zumindest streiten. Denn der ARD-Wettbewerb bietet aufstrebenden Jungmusikerinnen und -musikern Jahr für Jahr die Gelegenheit, sich einer interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren. Dabei bekommen zurecht nicht nur die Erstplatzierten Beachtung und Respekt. Eine exquisite Auswahl an Prämierten diverser Kategorien zeigt im bosco, welche Masse an Talent und schwindelerregender Musikalität in der jungen Musikergeneration vorhanden ist.

Das weiß, wer einmal in den Genuss gekommen ist, das Sankt Petersburger Klavier-Duo aus Nika Melnikova und Olesia Morozova zu hören. Als ihnen im vergangenen Sommer der zweite Preis des Münchner Wettbewerbs zugesprochen wurde, ging ein Raunen durch den Herkulessaal. Und ja, auch wenn man ihnen in Gauting bei Maurice Ravels "Ma mère l’oye" zuhört, so sorgfältig gestaltet, farbenreich, präzise, mit Sinn für den Zauber und den poetischen Humor dieser Miniaturen, denkt man unweigerlich: Besser geht es eigentlich nicht. 

Doch nicht nur Original-Besetzungen des Wettbewerbs treten hier auf. Dieses Programm würfelt auch reizvolle Kombinationen zusammen. So kommen für zwei kleinere Werke für Klaviertrio zur Pianistin Nika Melnikova die Geigerin Alexandra Tirsu und Friedrich Thiele mit seinem Cello auf die Bühne. Der heiter schlichte B-Dur-Triosatz Beethovens (WoO 39) verrät nicht allzu viel über das Können der drei, zeigt jedoch bereits die klanglichen Dispositionen und die Fähigkeit zur wortlosen Kommunikation untereinander – was umso mehr überrascht, da die Musiker für ihre Tournee zum ersten Mal zu kammermusikalischen Besetzungen zusammengefunden haben. Wirklich zum Tragen kommt all das erst im "Kleinen Trio" der Schwedin Helena Munktell. Pulsierende, federnde Rhythmen im ersten Satz, große kantable Linien im zweiten und wilder Tanz im Finale. Das Trio schafft es aufs Schönste, die wenig bekannte Komposition zum Leben zu erwecken. Das liegt auch an der komplementären Anlage dieser Geige und dieses Cellos. Denn wo Tirsus schöner, körperhafter Ton nach Außen strebt, sucht Thiele auf dem Cello den Weg nach Innen, intoniert sensibel und überlegt. Nach der Pause wird er diesen Ton solistisch zeigen. Er scheint für ein Werk wie Claude Debussys Cello-Sonate wie gemacht. Hell, schwebend, flexibel, so verfolgt Thiele die barockisierenden Klangfiguren, macht deutlich, was Debussy gemeint haben könnte, als er im zweiten Satz "ironique" in die Cello-Stimme geschrieben hat, um dann im rasanten Finale ganz aus sich herauszukommen.

Fehlt nur noch einer: Yun Zeng, der vor seinem Erfolg in München schon durch einen Gewinn der Goldmedaille beim Tschaikowski-Wettbewerb 2019 Aufsehen erregte. Wie es dazu kam, zeigt seine beispielhafte Interpretation von Robert Schumanns „Adagio und Allegro für Horn und Klavier“ (Opus 70). Yun Zeng sieht das Stück wie aus einem Guss, als Erzählung einer klanglichen Befreiung. Dumpf fängt das an, gewinnt an Wärme, Strahlkraft, bis dann im fabelhaft schnellen Allegro-Teil der Klang vollständig durchleuchtet wird, samt knuspriger Artikulation und vitaler Phrasierung.

Das geht auch in Johannes Brahms’ Trio für Horn, Violine und Klavier nicht verloren. Nur, dass ihm hier als ebenbürtige Partner Alexandra Tirsu und Olesia Morozova sekundieren. Den harmonisch wie melodisch trüben Kopfsatz gestalten die drei als ein allmähliches Auflichten und überbrücken dabei die Tücken, die sich aus einer Besetzung ergeben, bei der eine Geige neben einem Horn sitzt. Vor allem der melancholische Adagio-Satz lässt erkennen, wie genau hier aufeinander geachtet wird, ehe ein ausgelassen jubelndes Finale den Kehraus macht.

An Applaus wird nicht gespart aus den erfreulich gut besetzten Reihen. Wobei man schon ins Grübeln kam, wie wohl aus einer Besetzung mit zwei Pianistinnen, einer Geigerin, einem Cellisten und einem Hornisten eine Zugabe zu basteln sei. Man darf sich ruhig der Kreativität dieses Ad-Hoc-Ensembles anvertrauen, denn aus Johan Halvorsens freier Bearbeitung einer Händel’schen Passacaglia – eigentlich das beliebteste Zugabenstück für ein Duo aus Geige und Bratsche – macht das Preisträger-Quintett ein sympathisches Stück musikalischer Komik, sodass festzuhalten bleibt: Gewonnen haben am Ende alle, vor allem die Zuhörerinnen und Zuhörer, die zwei Stunden lang feinste Kammermusik von fünf originellen Musiker-Persönlichkeiten erleben durften.

Galerie
Bilder der Veranstaltung
Mi, 04.05.2022 | © Werner Gruban - Theaterforum Gauting e.V.