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Veranstaltungsinfo

Di, 06.10.2020
20.00 Uhr
Jazz

22,00 / 10,00
* Regulär / bis 25 Jahre | Restkarten ggf. ab 19:15 an der Abendkasse erhältlich
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Veranstalter: Theaterforum Gauting e.V.

Laura Jurd DINOSAUR: To The Earth

Mit ihrer dritten Albumveröffentlichung „To The Earth“ feiert die britische Jazz Super-Group Dinosaur um Trompeterin Laura Jurd die erste gemeinsame Dekade als Band.

Mit ihrem dritten Studioalbum ›To The Earth‹ feiert die Jazz Super-Group um Trompeterin Laura Jurd und ihrer Band Dinosaur 2020 ihr zehnjähriges Bestehen. Im Mai 2020 über Edition Records veröffentlicht, schlägt die Band mit ›To The Earth‹ akustische Gefilde ein, behält sich dabei jedoch die Harmonie und Spielfreude des Vorgängers ›Wonder Trail‹ bei. Auf den neuen Stücken, allesamt aus der Hand von Bandleaderin und der vielfach-ausgezeichneten Komponisten Laura Jurd, erkunden Dinosaur Lauras unverwechselbare und sich ständig weiterentwickelnde Musik mit einer solchen spielerischen Hingabe und technischen Vielseitigkeit, dass man die Band unlängst zu einer der bemerkenswertesten britischen Jazz-Bands ihrer Generation zählen darf.

Laura Jurd ist nicht nur eine hervorragende Trompeterin, eine begnadete Komponistin und Improvisationskünstlerin, sie hat sich auch einen Ruf als eine der kreativsten Komponisten-Performer des Vereinigten Königreichs erarbeitet. Ihre Arbeit wurde bereits vielfach preisgekrönt, gemeinsam mit Dinosaur gelang es der Super-Group im Jahr 2017 sogar eine Nominierung für den prestigeträchtigen Mercury Prize einzuheimsen. Neben einer Reihe weiterer Projekte mit bspw. BBC Proms, dem National Youth Jazz Orchestra, BBC Concert Orchestra, Ligeti Quartet und der Northern Sinfonia, betätigt sich Laura Jurd auch als leidenschaftliche Lehrerin. So unterrichtet sie u.a. Komposition am Trinity Laban Conservatoire of Music and Dance und Jazz-Trompete an der Goldsmiths University.

Auf den größten Jazz-Festivals waren Laura Jurd Dinosaur bereits weltweit vertreten und demonstrierten ihr unglaubliches Improvisationstalent u.a. mit großartigen Sets beim North Sea, Molde und Montréal.

LAURA JURD trumpet
ELLIOT GALVIN piano
CONOR CHAPLIN double bass
CORRIE DICK drums



Pressestimmen
Oliver Hochkeppel
Pressestimme von Oliver Hochkeppel
Erschienen in:   Süddeutsche Zeitung - Kultur

Trompeterin Laura Jurd mit "Dinosaur" im Gautinger Bosco

"Ich freue mich so, dass wir unser im Mai erschienenes neues Album jetzt erstmals live vorstellen können", sagte die Londoner Trompeterin Laura Jurd zur Begrüßung im Gautinger Bosco. "To The Earth" heißt das dritte Album ihres Quartetts Dinosaur, und es hätte zu normalen Zeiten sicher mindestens soviel Aufsehen erregt wie die beiden Vorgänger, für die es weltweit großes Lob und eine "Mercury Prize"-Nominierung gab. Es klingt "klassischer" und akustischer, was in Gauting ein Glück war, denn nach dem dritten Stück gab die Anlage den Geist auf, und die vier mussten fortan ohne Verstärkung, Keyboard und Elektronik spielen.

Was man sich fast öfter wünschen würde, trennt sich so doch die Spreu vom Weizen, und man merkt, wie gut einer wirklich ist. Jurd, ihr Pianist und Ehemann Elliot Galvin - der mit seinem eigenen Trio in Deutschland noch bekannter ist, seit er den Europäischen Nachwuchspreis in Burghausen gewann und regelmäßig bei den wichtigen Festivals und Clubs zu Gast ist -, Bassist Conor Chaplin und Schlagzeuger Corrie Dick bestanden die Nagelprobe mit Bravour. Eher selbstverständlich war, dass die vier auf alle improvisatorischen Einfälle reagieren und jede Nuance mitgestalten können: Alle um die 30, spielen die vier nun seit zehn Jahren, also ihr halbes Musikerleben, als Dinosaur zusammen.

Dass vor allem Jurd und Galvin zu den größten Talenten der europäischen Jazzszene gerechnet werden, liegt, wie man in Gauting hören konnte, vor allem an ihrer eigenen Sprache. Einer sehr britischen: Einerseits spielt Tradition eine große Rolle, etwa mit getragenen Themen fast wie von Britten oder Elgin und mit von Jurd gerne eingesetzten Dämpfer- oder Growl-Sounds des frühen Jazz. Andererseits schimmert stets ein spezieller Humor voller Ironie hindurch, etwa wenn eine volksliedartige Melodie in Einzeltöne zerlegt und neu zusammengesetzt wird. Nie herrscht außerdem Scheu, grelle Farben und Futuristisches einzusetzen. So bleibt es spannend von der ersten bis zur letzten Note, bei diesem neuen "Swinging London", das man gerne wieder öfter hier erleben würde.

Nach(t)kritik
Sanft äsende Giganten
Nach(t)kritik von Thomas Lochte

Die Kritiker umkreisen „Laura Jurd Dinosaur“ wie ein nur schwer zu fassendes exotisches Wesen: Die vierköpfige Formation aus England hat im Mai ihr drittes Album „To The Earth“ vorgelegt, war dann aber wegen der Pandemie erst mal daran gehindert, es live zu performen. „Es ist unser erstes Konzert nach vielen, vielen Monaten“, sagt eine spürbar hochgestimmte Jurd im Bosco, als würde sie ihr Publikum am liebsten erst einmal umarmen. Die in Medstad, Hampshire, aufgewachsene Laura erlernte mit vier Jahren das Klavierspiel, wandte sich später dem Trompetenspiel zu und fiel schon als 16-Jährige mit eigenen Kompositionen auf. Noch während ihres Studiums am Londoner Trinity College of Music gründete sie 2010 das Quartett „Dinosaur“, mit dem sie seither auch mehrfach in Deutschland gastierte. Die heute 30-jährige, unter anderem als „Intrumentalist of the year“ ausgezeichnete Laura hat ihre durchweg hochkarätigen Mitstreiter Elliot Galvin (Klavier), Conor Chaplin (Kontrabass) und Corrie Dick (Schlagzeug) also quasi in der College-Cafeteria kennengelernt – eine unschätzbare Basis für die Art von musikalisch blindem Verständnis, das nun auch die Gautinger erleben durften.

Das Konzept von „To The Earth“ ist geprägt von improvisatorischen Bausteinen prinzipiell gleichberechtigter Elemente, denen Laura Jurds Trompeten-Part allerdings eine überwölbende, geradezu „mütterlich wärmende“ Note verleiht: Selten bekommt man ein derart abwechslungsreiches Auskosten der technischen Möglichkeiten dieses Instruments zu hören wie hier – wäre man in der Philosophie oder Architektur unterwegs, man spräche wohl von musikalischem Dekonstruktivismus: „Dinosaurier 2.0“. Auch von „eng verzahnter hochdynamischer Improvisationsmusik“ war schon die Rede, wenn das Phänomen „Laura Jurd“ beschrieben werden sollte: Man muss als Zuhörer jeden Moment auf alles gefasst sein – auf das Aufbrechen von harmonischem Einverständnis, auf das Laufenlassen des Einzelnen, auf das jähe Zur-Ordnung-Rufen. Elliot Galvins Phantasie etwa scheinen keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, dem Lead-Instrument Trompete ein zartes „Aber“ entgegen zu setzen. Dabei stemmt er sich bisweilen derart in seinen Klavierhocker, dass er fast links weg zu rutschen droht. Beugt er sich über die Saiten, könnte man sagen: Er holt buchstäblich alles aus seinem Instrument heraus. Bassist Conor Chaplin hat seinerseits öfters eine „fett“ gezupfte Schlusspointe für sich, und Drummer Corrin Dick fühlt trotz Team-Spirit ein selbstbewusstes rhythmisches Eigenleben, gibt auch mal das Ordnung stiftende „Metronom“. All das kommt ohne große Lautmalerei aus, die erdverbundenen „Dinosaurier“ treten eher leichtfüßig auf, sie äsen sozusagen vegetarisch.

Als es zwischendurch Probleme mit der Sound-Anlage gibt, setzen Laura & Co. ihren Auftritt einfach unverstärkt fort: „Ab jetzt ist es ein echt akustisches Konzert, also genau der Klang, wie wir ihn eben machen“, kommentiert Laura pragmatisch. Es folgt eine Art von erdgeschichtlicher Tierkunde, ein musikalisches Kreuchen und Fleuchen mit indischem Einschlag – wer will, kann sich an dieser Stelle eine heilige Kuh vorstellen oder einen Elefanten im Dschungel. Dass Laura Jurd auch Komposition unterrichtet (am Trinity Laban Conservatory for Music and Dance in London), merkt man ihren eigenen assoziationsstarken Arbeiten unbedingt an. Und bei allem „Eigenbau“ und allem lustvollen Improvisieren mit lockeren Zügeln wird doch auch die Musiktradition nicht vergessen: Der „Banning Street Blues“ gegen Ende des To-The-Earth-Abends überrascht noch einmal auf ironische Weise mit Latin-Anklängen und einem lässigen Schwung, wie man ihn unmittelbar zuvor im „Dschungel“ eher nicht erwartet hätte. Laura Jurd Dinosaur – eine vitale Metapher für Vielschichtigkeit. Im Bosco hatte man erst den Atem angehalten, dann entlud sich die positive Spannung in begeistertem Applaus, der sich sogar noch Zugaben verdiente. Die britischen Dinos kommen bestimmt gerne wieder.

Galerie
Bilder der Veranstaltung
Mo., 05.10.2020 | © Werner Gruban - Theaterforum Gauting e.V.