Veranstaltungsinfo

Mi, 03.10.2018
20.00 Uhr
Jazz
22,00 / 10,00 €*
* Vorverkauf ab 07.07.2018

Leroy Jones & Uli Wunner´s Jazz Creole: Music from New Orleans

Leroy Jones zählt zu den interessantesten und kreativsten Trompetern unter den neueren afroamerikanischen Traditionalisten des Jazz.
Anlässlich der diesjährigen Tour im Herbst 2018 feiern die beiden Jazzmusiker ihre 20-jährige musikalische Zusammenarbeit und Freundschaft. Uli Wunner und Leroy Jones lernten sich im Jahre 1997 auf dem Jazzfestival in Ascona näher kennen. Im Jahr darauf wurde die erste gemeinsame Tour organisiert, die sie gemeinsam mit den legendären Storyville Shakers durch Europa führte. Seither organisiert der Klarinettist und Saxofonist Uli Wunner mit dem hochkarätigen Trompeter aus New Orleans regelmäßig Konzerte im In- und Ausland.

Leroy Jones wurde 1958  in der Mutterstadt des Jazz geboren und zählt zu den interessantesten und kreativsten Trompetern unter den neueren afroamerikanischen Traditionalisten des Jazz. Er ist Mitglied der legendären Preservation - Hall- Jazzband und tourt seit vielen Jahren mit seinem eigenen Quintett um die Welt. 2016 wurde er mit dem Award als bester Trompeter der Stadt New Orleans ausgezeichnet.

Uli Wunner hat sich nicht nur als New-Orleans-Jazzer über Europa`s Grenzen hinaus  hohe Anerkennung erworben, auch seine Zusammenarbeit mit Musikern aus Rio de Janeiro fand international reges Interesse. Bei seinen regelmäßigen Aufenthalten in New Orleans  ist Uli bei den Musikern der Stadt gern gesehener Gast.   

Leroy Jones und Uli Wunner werden auf der Tour von einer hochkarätigen Rhythmusgruppe mit Karel Algoed (Bass, Belgien), Harry Kanters (Piano, Holland) und Stephan Treutter (Schlagzeug, Deutschland) begleitet.

LEROY JONES trumpet
ULI WUNNER sax, clarinet
KAREL ALGOED bass
HARRY KANTERS piano
STEPHAN TREUTTER drums



Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Nach(t)kritik 

Es war wieder einmal Zeit. Zeit für diese warme Stimme und diesen unvergleichlich lässigen Trompeten-Sound, die einen die ersten kühleren Herbstabende und die zunehmende Dunkelheit leichter ertragen lassen: Leroy Jones war nach zwei Jahren „back in town“, und mit ihm jene vier Herren aus Freising, Gent und Breda, die mit ihrem wohltuenden Old School-Auftritt schon damals das bosco verzückt hatten – Uli Wunner (Saxophon, Klarinette), Karel Algoed (Kontrabass), Harry Kanters am Piano und Stephan Treutter an den Drums – allesamt imzwischen zwei Jahre älter und doch zeitlos jung mit all den Standards und Klassikern, die sie im Gepäck haben. Jones, der Mann aus New Orleans, der Stadt am Mississippi, die sie „The Southern Queen“ nennen, und die vier Europäer, die sich allesamt in diese Königin des Südens verliebt haben. Kennengelernt hatte sich das alle zwei Jahre zu Tourneen durch Deutschland und die Schweiz verabredete Quintett bei einem Jazzfestival in Ascona, und auch das „war Liebe auf den ersten Blick“, wie Uli Wunner berichtet. Seitdem pflegen sie ihre Passion für die jazzigen und bluesigen New-Orleans-Spielarten also gemeinsam, und es scheint jedesmal eine Art Hochamt daraus zu werden für diese Stadt der spirituellen Unverwüstlichkeit, die doch so viele Stürme über sich hat ergehen lassen müssen. „We´re not from the United States, we´re from the most northern part of the Caribbeans“, sagt Leroy zwischendurch, um klar zu stellen, dass er mit dem Amerika à la Trump nichts am Hut hat. Wer dann seiner Trompete und dieser mantelwarmen, gütigen Stimme lauscht, der kann den Süden geradezu schmecken – „When it´s sleepy time down south“ lässt den Mond aufgehen und breitet eine friedliche Abendruhe aus, die Sehnsüchte weckt. „A night in New Orleans“ ist der Abend passender Weise überschrieben, und so kommen durchaus auch wildere Töne zu ihrem Recht: Seite an Seite stürzen sich Jones und Wunner an ihren Instrumenten die Klangtreppen hinab, und wenn insbesondere Leroy den Solo-Part übernimmt, wirkt das immer wie gerade frisch kreiert, so als finde da ein stets neuer musikalischer Denkvorgang statt. Dabei hat man selten einen so geschmeidigen und gleichzeitig unprätentiösen Trompeter erlebt – und dieser höchst angenehme Geist scheint auch die „Europäer“ erfasst zu haben: Karel Algoed holt aus seinen Bass-Soli verblüffend Melodiöses heraus, während Harry Kanter („Man spielt nicht jeden Tag auf einem Steinway“) mal eben die Stride-Piano-Nummer „Fingerbreaker“ aus den Zwanzigern vom Stapel lässt. Und Uli Wunner ist - vor allem an der Klarinette - ohnehin von derartiger Souveränität, dass er Soli gar nicht braucht, um seine Klasse zu demonstrieren.

Natürlich bringt ein solcher Abend auch die Klassiker wie „Why not take all of me“, „Indiana“ „Hindustan“ oder „Pennies from heaven“ und, als Zugabe, Louis Armstrongs Evergreen „What a wonderful world“, er bringt aber auch eine Komposition von Jones´ finnischer Frau, die New Orleans als „Paradise On Earth“ feiert, sowie ein Stück aus Jones´ eigener Feder – den „Sea Jam Shuffle“. Die ganze Vielseitigkeit eines als Traditionalist geltenden Weltklasse-Trompeters von 60 Jahren  ist hier zu hören: Allein das über eine halbe Minute dauernde, bis fast zur Atemlosigkeit exerzierte Tremolo war das Eintrittsgeld wert. Doch es ging ja gar nicht um „Zirkusnummern“, sondern um diese warme Brise aus dem Süden, die Herz und Knochen wärmte. Jazz an einem Herbstabend - und die Welt ein Stück weit in Ordnung. Es war wieder mal Zeit.

Pressestimmen 
Der Name ist nicht nur Programm, sondern gibt auch ein gewisses Lebensgefühl wieder. Klarinettist und Safophonist Uli Wunner ist Kopf der Formation "Jazz Creole", die mit ihrer Musik an die Ursprünge des New-Orleans-Jazz erinnern will. Das ist insofern von Bedeutung, als damit ein besonderer Zugriff auf die klassische Literatur einhergeht. Und der erzeugte im voll besetzten Bosco-Saal im Rahmen des Jazzforums nicht nur eine gepflegte Konzertatmosphäre, sondern auch reichlich gute Laune.Einmal mehr - wie etwa beim Tango, der in den Vororten von Buenos Aires entstand - waren es Einwanderer, die in Amerika in ethnischen Mix aus Nachfahren afrikanischer Sklaven sowie Einwanderern aus Frankreich und Spanien Musikgattungen hervorbrachten, die die Welt eroberten. Dass Stargast Leroy Jones die Stadt New Orleans nicht in den USA, sondern im Norden der Karibik verortet, mag durchaus auch als politischer Wunsch zu verstehen sein. Zugleich verwies der Trompeter und Sänger darauf, dass die musikalische Entwicklung seiner Heimatstadt parallel und unter gleichen Umständen verlief wie in der Karibik, wo Calypso, Beguine, Merengue, Salsa, Mambo, Milonga und viele mehr entstanden.

Eine interessante Koinzidenz, die den musikalischen Ansatz von Band und Jones untermauert, der mit Leichtigkeit, heiterer Beschwingtheit und Einfühlsamkeit besticht - gerade in Titeln, mit denen schon Louis Armstrong seinen Ruhm zementierte wie "When You're Smiling" oder "Indiana". Auch wenn hier die Wurzeln andere sind: New Orleans kann zwar bluesig schwer sein, aber ebenso sonnig, unbeschwert und leidenschaftlich wie die Karibik. Äußerlich mag der Unterschied schwer festzumachen sein, doch Wunner, Karel Algoed (Kontrabass), Harry Kanters (Klavier) und Stephan Treutter (Schlagzeug) strahlten vor allem in den Soli reinste Lebensfreude aus. Und wenn es virtuos wirbelte und das Schlagwerk schlank, doch unerbittlich zusammen mit dem Walking Bass vorantrieb - etwa in "I found a new Baby" oder "Pennies from Heaven" - dann blitzte südländisches Temperament durch.

Jones ließ dem immer wieder freien Lauf, folgte schlank, transparent und homogen der Handschrift der Combo. Doch anders als im Gesang raute er das Klangbild seines Flügelhorns mit auffallend kleinem Mundstück an, überblies immer wieder und ließ die Töne sich überschlagen. Bisweilen kamen sie auch nicht ganz sauber: Jones ließ dem Zufall eine Chance, brachte überraschende Spannungen und Dissonanzen hervor, um sie sogleich auflösend überaus inspiriert zu verarbeiten.

Auch Wunner konnte bisweilen härter und rauer, zog aber plastisch geformte Mäander von blühend-sonniger Klangnote mit gefühlvoll ausklingenden Phrasenendungen vor. In einer weicheren Variante dann auch am Saxofon, etwa im Standard "All of me". Lyrischer ging der Niederländer Harry Kanters am Flügel vor, er suchte mit perlenden Läufen immer wieder ein leuchtendes Leggiero, in dem er teils fingerakrobatische Figurationen erfand. Nur solistisch mit dem "Finger Breaker" von Jelly Roll Morton entlockte Kanters dem Flügel auch sperrigere Klänge, insbesondere im rasanten Oktavbass. Ansonsten konnte er mit der filigranen Einfühlsamkeit Wunners als dialogisierender Gegenpart wirken, wenn dieser nicht gerade Jones' kraftvolles Spiel mit zarten Girlanden umflorte.

Die Musiker vermieden jedenfalls Überlagerungen, die dem schlanken Duktus allzu viel Masse einbringen würden. Diese Klarheit reichte nicht nur bis in den singenden Bass des Belgiers Algoed hinein, sondern auch bis zum Schlagzeug, wo Treutter selbst in den großen Soli nicht etwa auf Volumen, sondern auf feinsinnige Akzente setzte. So blieb das Klangbild erfrischend, klar und wohltuend. Dem Publikum jedenfalls gefiel es außerordentlich.