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Veranstaltungsinfo

So, 14.11.2021
20.00 Uhr
Heimspiel | Klassik

22,00 / 12,00

Regulär / bis 25 Jahre

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Veranstalter: Theaterforum Gauting e.V.

Louis Vandory, Heinrich Klug & Helena Lüft: Musik zur Zarenzeit

Das Klaviertrio um den Gautinger Cellisten Heinrich Klug spielt im Rahmen der Heimspiel-Reihe Werke aus der Zarenzeit.

Wenn Heinrich Klug, der seit bald 50 Jahren in Buchendorf lebende langjährige Solocellist der Münchner Philharmoniker zum „Heimspiel“ lädt, liegt es nicht fern, dass er Kammermusikpartner*innen mitbringt, die bei den Konzerten der Münchner Philharmoniker für Kinder mitgewirkt haben. Louis Vandory und Helena Lüft sind preisgekrönte junge Talente, die vielfach dabei waren und inzwischen vor einer vielversprechenden Karriere stehen.

Rubinstein, Tschaikowsky, Arensky, Glasounov, Tscherepnin, Davidoff und viele andere bedeutende Komponisten lebten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in St. Petersburg. In Peterhof und den zahlreichen Adelspalästen war virtuose Musik sehr beliebt und es gibt eine große Anzahl herrlicher Stücke aus dieser Zeit. Heinrich Klug ist auf die Suche gegangen und bietet zusammen mit der jungen Klaviervirtuosin Helena Lüft und Violinist Louis Vandory einen bunten Strauß poetischer, romantischer Musik, die in der Zarenzeit zu einer ganz besonders reizvollen Blüte gelangte, „Salonmusik“ in seiner edelsten Form. Freuen Sie sich auf ein Bad der Gefühle, wie die Menschen zur Zarenzeit es liebten.

Pressestimmen
Bravouröses Heimspiel
Pressestimme von Reinhard Palmer
Erschienen in:   Süddeutsche Zeitung - Starnberg

Altmeister Heinrich Klug führt mit den Jungstars Louis Vandory und Helena Lüft im Gautinger Bosco Musik der Zarenzeit auf.

 Mit seinen Kinderkonzerten, die er 1977 als Solocellist der Münchner Philharmoniker ins Leben rief, hat Heinrich Klug über die Jahrzehnte unzählige musikalisch begabte, früh preisgekrönte Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zu Professionalität begleitet. Immer wieder auch gibt er Kammermusikkonzerte mit jungen Instrumentalisten, die er schon seit ihrer Kindheit kennt. Sein Heimspiel im Gautinger Bosco konnte der Buchendorfer daher mit zwei hochbegabten Nachwuchskünstlern bestreiten, die auf dem besten Weg sind, sich in der Klassikszene ganz oben zu etablieren. Der Geiger Louis Vandory, Noch-Meisterschüler von Julia Fischer, ist mit erst 22 Jahren schon ein gefragter Kammermusikpartner renommierter Musiker und als Solist mit der Dresdner Philharmonie, den Münchner Symphonikern und dem Prager Kammerorchester erfolgreich aufgetreten. Weit gezogene Spannungsbögen und sensibel differenzierte Klanggestaltung verleihen seinem Spiel selbst in den zartesten Rücknahmen eine außergewöhnliche Ausdruckskraft.

Wie Fischer ist auch der Pianist Adrian Oetiker in Gauting daheim. Die erst 16-jährige Helena Lüft ist seine Jungstudentin, zugleich Schülerin einer 11. Gymnasialklasse. Ihre Sicherheit sowohl im Auftreten als auch am Instrument ist erstaunlich. Dank ihrer großartigen Fingertechnik erstaunte sie vor allem mit großer Flexibilität und Ausdrucksvielfalt in der spieltechnischen Differenzierung. Das ist im Klaviertrio von entscheidender Bedeutung, hat das Klavier doch gegenüber den beiden Streichern den Hauptanteil daran, die drei Stimmen zur Ensemble-Homogenität zu verbinden. Da gehört viel Einfühlsamkeit dazu. Gerade darin zeigte sich Lüft in der Reife ihrem Alter weit voraus.

Wer Heinrich Klug engagiert, bekommt auch einen redefreudigen Moderator. Nachdem das Programm zum Thema „Musik zur Zarenzeit“ aus vielen kleineren Stücken bestand, war das salonmäßige Konzept mit Plauderei durchaus stimmig. Zumal die meisten Komponisten der russischen Schule von Sankt Petersburg aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Konzertbesuchern nicht immer so geläufig sind. Vor allem der im Zentrum stehende Klaviervirtuose Anton Rubinstein, der 1892 in Dresden-Kleinzschachwitz einst gegenüber von Klugs Geburtshaus gewohnt hatte.

Das Repertoire des Pianisten war so groß, dass er Unmengen an musikalischen Ideen abgespeichert hatte und in seinen zahlreichen Kompositionen kaum noch etwas Neues erfand. Eklektizismus kennzeichnet seine Werke; Rubinstein trug in den Stücken das Beste seiner Vorbilder zusammen. In den Duos für Violine, respektive Violoncello und Klavier, etwa in „Mélodie“ op. 3/1+2, „Salonstück“ op. 11/1 oder „Einsamkeit“ op. 11/4, ist das deutlich nachvollziehbar. Mit Paganini vergleichbar schrieb Rubinstein aber auch Bravourstücke für Klavier, mit denen er selbst brillieren konnte. Lüft nahm die Herausforderung an und begeisterte in der Polonaise „Souvenir de Dresde“ op. 116 wie im „Valse caprice“ mit Virtuosität bei gestalterischer Klarheit. In den Werken weiterer Komponisten der Zarenzeit hatten es die Musiker leichter, Homogenität herzustellen. Das „Trio pathétique“ von Michail Glinka hätte man allerdings gerne am Stück gehört, war es doch in dieser Interpretation insgesamt ein gut ausbalanciertes Werk zwischen schmissiger Dramatik, zarter Romantik, und Ausdruckstiefe.

Verschattete Melancholie wie wuchtige Fülle kennzeichnen ebenso die russische Schule, die der rote Faden im Programm war. „Chant triste“ op. 56/3 von Anton Arensky übersetzte Klug in ein stilles, sinnierendes Leiden am Cello über einem leisen Pochen am Klavier, das Lüft zu großer Intensität steigerte. Ähnlich leidenschaftlich empfahl sich Rubinstein-Schüler Pjotr Tschaikowski, in „Mélodie“ op. 42/3 mit einem empfindsam parlierenden Vandory, der in dessen „Scherzo“ op. 42/2 erregt dahinwirbelte. Auch Sergei Rachmaninow durfte nicht fehlen. Er gab Lüft noch einmal die Möglichkeit, mit weit gespannter, sentimentaler Melodik über einer Tremolo-Begleitung mit ihrem bravourösen Spiel zu begeistern. Ein spannender wie abwechslungsreicher Konzertabend mit Wiederholungszugabe.

Nach(t)kritik
Hommage an die 'russische Seele'…
Nach(t)kritik von Christine Cless-Wesle

Ein unbeschreibliches Glück, dass Heinrich Klug, langjähriger Konzertmeister der Münchner Philharmoniker, seit knapp einem halben Jahrhundert in Buchendorf lebt: Beim „Heimspiel“ begeisterte der Cellist und Jung-Talent-Förderer mit „Musik zur Zarenzeit.“ Denn beim romantischen Kammerkonzert mit Louis Vandory (22), Violin-Meisterschüler der in Gauting aufgewachsenen Weltklasse-Geigerin Professorin Julia Fischer, und der hochtalentierten, erst 15 Jahre jungen Pianistin Helena Lüft, blieb kein Wunsch offen. Als Helena Lüft die höchst anspruchsvolle „Valse caprice“ für Klavier des berühmten russischen Komponisten Anton Rubinstein, virtuos, in Atem beraubendem Tempo hinlegt, dankt das Publikum mit Bravo-Rufen.

„Musik zur Zarenzeit“: Beschwingt, mit dem heiteren „Allegro molto“ des russischen Komponisten Anton Arensky eröffnet das Trio den Abend im coronabedingt wieder weiträumig bestuhlten bosco-Saal. Wie bei seinen bekannten Kinderkonzerten der Münchner Philharmoniker führt Heinrich Klug locker durch die russische Musik der Romantik. Als der tänzerische Satz mit effektvollen Trillern und schnellen Läufen der jungen Pianistin virtuos verklingt, folgt sofort begeisterter Beifall.

Sowohl Helena Lüft, seit 2020 Jungstudentin von Professor Adrian Oetiker an der Hochschule für Musik, als auch Louis Vandory, derzeit Schüler von Professorin Julia Fischer, waren bereits bei seinen Kinderkonzerten der Münchner Philharmoniker mit dabei, verrät Konzertmeister und Solo-Cellist Heinrich Klug. Aber auch die heutige Professorin Julia Fischer selbst – „vor 25 Jahren.“

Mit Kostproben wie dem Ohrwurm der elegischen „Mélodie“ opus 3 Nummer 1 und Nummer 2 von Anton Rubinstein entführen der Cellist und die Pianistin zunächst in die romantische Salonmusik der Zarenzeit Ende des 19.Jahrhunderts.
„Der Tonsetzer“ und berühmte Pianist Anton Rubinstein war Workaholic – und gab mit dem Geiger Henryk Wienawski bei einer Sechs-Monats-Tournee durch die USA innerhalb sechs Monate 216 Mammut-Konzerte, erzählt Heinrich Klug. Obwohl der Zar dem reichen Gründer des Konservatoriums St. Petersburg und Beethoven-Verehrer eine Leibrente und den Adelstitel bot, zog der Russe nach Deutschland. In Dresden wurden fünf Klavierkonzerte von Rubinstein aufgeführt, aber auch seine Opern.
Und hier schließt sich der Kreis: Anton Rubinstein lebte auch in Heinrich Klugs Geburtsstadt Dresden, in Kleinzschachwitz. So kam´s, dass der Cellist mit der vielversprechenden Pianistin Helena Lüft, die bei seinen Kinderkonzerten einst das „Nannerl“, also Mozarts Schwester gab, zuvor beim Rubinstein-Konzert mit Klug in Dresden brillierte.

Die Gautinger Zuhörer kamen deshalb in den Genuss von Kostproben aus dem Rubinstein-Konzert in Dresden: Im traumwandlerisch hingelegten Duo mit dem Violin-Virtuosen Louis Vandory zum Klavier erklingt zunächst das innig interpretierte, effektvoll komponierte „Salonstück“ mit den tänzerischen Elementen,
Der als „Beethoven Nummer zwei“ gefeierte, aufbrausende, charismatische Anton Rubinstein litt unter Depressionen, erklärt Heinrich Klug: Das, was so landläufig als die „russische Seele“ kursiert, bringen der Cellist und die junge Pianistin in der Komposition “Einsamkeit“ tief berührend zum Ausdruck: Das dunkel-melancholische Thema des Cellos mündet ins gedämpft dahinschreitende Klagelied der Pianistin. In zwei kurz angetippten Akkorden endet die Klage im Pianissimo.
Als Kontrast bieten Pianistin und Cellist danach das rhythmische Duo „Aus der Ritterzeit“ mit effektvoll komponierten, dahinjagenden Läufen: „Ein Ritter, der sich vor dem hübschen Burgfräulein aus dem Staub macht?“ scherzt Heinrich Klug.
Ein Höhepunkt dieses ersten Konzertteils mit Kompositionen von Anton Rubinstein wird die von Helena Lüft grandios hingelegte höchst anspruchsvolle „Valse caprice“ für Klavier:
Im Wechsel mit kraftvollen Akkorden entwickelt die junge Pianistin eine ungeheure Dynamik mit scheinbar mühelos gespielten Läufen. Mit Bravo-Rufen und Applaus danken die etwa 70 Zuhörerinnen und Zuhörer für eine Sternstunde klassischer Musik. Und Heinrich Klug fürchtet, dass Komponist Rubinstein seine „Valse caprice“ bei seine Mammutkonzerten lange nicht so gekonnt spielte – wie Helena Lüft.
In der „Romanze“, die Rubinstein eigentlich nur für Klavier komponiert hatte, begeistert das Trio mit einer Erstaufführung: Im Liebesduo mit der Pianistin erklingt zum Cello die geradezu betörende Geige des Virtuosen Louis Vandory.

Zum Dahinschmelzen ist im zweiten Part das romantische Largo aus dem Trio pathétique von Michael Glinka. Ein gekonntes temporeiches Zusammenspiel bieten Violinvirtuose Louis Vandory und Helena Lüft in der „Mélodie“ opus 42 von Peter Tschaikowski. Großer Applaus.
Eine hinreißend innige Cellostimme ist in der melancholischen Komposition „Chant triste“ des ebenfalls depressiven Russen Anton Arensky zu hören.
Die tänzerische Gavotte von Wilhelm Fitzenhagen löst diese Tristesse wieder auf.
Als die junge Pianistin Sergei Rachmaninoffs „Prelude“ mit den abstürzenden Läufen und der dunklen Wucht der Akkorde das Letzte aus dem Flügel holt, applaudiert das Publikum hingerissen.
Als beruhigende Zugabe und Hommage an die „russische Seele“ folgt zum Finale nochmals die wunderschöne Romanze für Violine, Cello, Klavier von Anton Rubinstein aus dem ersten Part.

Ja, ein Segen für Gautings Klassikfans, dass Philharmoniker und Talentförderer Heinrich Klug in Buchendorf lebt. 

Galerie
Bilder der Veranstaltung
So, 14.11.2021 | © Werner Gruban - Theaterforum Gauting e.V.