Veranstaltungsinfo

Sa, 02.02.2019
20.00 Uhr
Vielklang
22,00 / 10,00 €*
* Regulär / Schüler

Martina Eisenreich & Andreas Hinterseher: Into the deep

Zwei virtuose Ausnahmemusiker in einer intensiven musikalischen Begegnung, wie sie nur in diesem Duo entstehen kann: Gänsehaut-schöne Filmmusiken und wundersame Klanglandschaften der international erfolgreichen Kino-Komponistin treffen auf phantastisch feurige Reise-Erzählungen des weitgereisten Akkordeonisten der Erfolgsgruppe „Quadro Nuevo“. Dabei zaubert Soundkünstler Wolfgang Lohmeier als Gast Bühnen-Füllende Klangmalereien.
Neben den vielen eigenen Werken für die Leinwand entstehen ganz neue, ergreifende Interpretationen alter Filmmelodien wie Il Postino, Papa can you hear me aus “Yentl“ oder "Du gehst durch all meine Träume" aus dem alten deutschen Kinofilm “Traummusik”. Auch Astor Piazzollas Klassiker Oblivion wurde einst im Film “Henry IV. The Mad King” eingesetzt, und Aram Khachaturians wunderschönes Adagio aus der Oper “Spartacus” ist spätestens mit der britischen Fernsehserie “Die Onedin-Linie” einem sehr breiten Publikum bekannt geworden.

Tauchen Sie ein in das intuitive musikalische Verständnis zwischen den Künstlern, das in einer puren Unmittelbarkeit des Gefühls direkt zu eindringlichen Bildern wird.

MARTINA EISENREICH legt als Komponistin für Kinofilme in Europa und den USA eine ganz eigene, unverwechselbare Tonpoesie vor. Und sie beherrscht auch auf ihrem Instrument, der alten französischen roten Violine, ein ungewohntes
und ergreifendes Gefühlsrepertoire. Ihre kompositorischen Arbeiten wurden unter anderem mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik und dem Rolf Hans Müller Preis ausgezeichnet, eine der wichtigsten und höchst dotierten deutschen Auszeichnungen für Filmmusik.

ANDREAS HINTERSEHER als Akkordeonist und Komponist mit seinem berühmten Ensemble Quadro Nuevo seit vielen Jahren weithin durch die Lande gefahren, mit Leib und Seele ein Vagabund und Weltensammler, ist immer auf der Reise. Seine fliegenden Finger jagen uns durch den Balkan, wunderschöne Valse Musette schicken uns nach Frankreich, während seine Erzählung über einen Morgen in Tunis förmlich den Ruf des Muezzin in den Ohren nachklingen lässt.

Und WOLFGANG LOHMEIER hat als einer der ungewöhnlichsten Soundkünstler in der internationalen Filmmusik-Szene neue Standards gesetzt. Als Solist arbeitete er unter anderem mit Elbtonal Percussion, dem Deutschen Filmorchester Babelsberg, dem Münchner Rundfunkorchester und Quadro Nuevo. Als Produzent schuf er die Klangwelten für bekannte Acts wie Sternschnuppe Kinderlieder, Schariwari, die „Rauhnacht“, oder Schauspieler und Sänger Michael Fitz. Neben Preisen der Hanns-Seidel-Stiftung und der Deutschen Phono Akademie erhielt er unter anderem auch vier mal den Jazz Award.

MARTINA EISENREICH Violine
ANDREAS HINTERSEHER Akkordeon
Als Gast: WOLFGANG LOHMEIER internationales großes blaues Reiseschlagwerk

Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2019

Nach(t)kritik 

„Auf der Suche nach dem Wunderbaren“ lautet der Untertitel des Programms „Into the Deep“, mit dem Violinistin Martina Eisenreich und Akkordeonist Andreas Hinterseher sich erstmals gemeinsam auf die Bühne des bosco begaben. Beide waren jeweils schon ohne den Anderen hier aufgetreten – Hinterseher etwa als Mitglied der Akustik-Jazz-Formation „Quadro Nuevo“, während Eisenreich sich Dank ihrer Vielseitigkeit in Gauting zusammen mit verschiedenen anderen Akteuren auf geigende Weltmusikreisen begeben hatte. Diesmal stellten sie ihre Instrumente als „ganz spezielle Kombination" vor, die "mit Hall wie ein ganzes Orchester klingen" (Eisenreich) - hin und wieder ergänzt von Wolfgang Lohmeier und dessen „internationalem großen blauen Reiseschlagwerk“, einer Art perkussivem Gewürzregal, das gar wundersame Klänge erzeugen kann – doch davon später...

Martina Eisenreich lockt die Zuschauer allein schon durch ihre prächtigen roten Haare ein Stück weit Richtung Irland, während ihr glitzerndes schwarzes Kleid jenes Magie-Versprechen optisch vorwegnimmt, das dann musikalisch meist eingelöst wird. Doch diesmal lagen die Akzente ein Stück weit anders: Andreas Hintersehers Möglichkeiten am Akkordeon brachten argentinischen Tango und wunderbaren Musette-Walzer ins Spiel, wie man sie vor allem im Paris der 30er- und 40er Jahre des 20.Jahrhunderts „bei großen Bällen zu Tausenden tanzte“. Mit der typischen, buchstäblich hinreißenden Präsenz dieses Akkordeons musste die ihrerseits dominanzgewohnte Eisenreich-Violine erst mal Schritt halten – was zumeist auch einigermaßen balanciert gelang. Tango-Stücke wie „Der Tag, an dem du mich lieben wirst“ oder Astur Piazzollas „Oblivion“ transportieren große Sehnsucht und noch größere Melancholie, da besteht durchaus die Chance, dass bei zwei tragenden Instrumenten in Summe allzu dick aufgetragen wird. Das Publikum störte sich anscheinend nicht an dieser „Gefahr“ des allzu Gefälligen, sondern folgte den vorgegebenen Pfaden mit lemminghafter Begeisterung: Die Filmmusik zu „Il postino“ wurde von Eisenreich/Hinterseher aber auch zum Seufzen schön dargeboten, inklusive der flamboyanten Inhaltsangabe, so dass man spätestens ab diesem Zeitpunkt bereit war, nur noch zu schmachten und zu schmelzen. Geradezu unwirklich gut umgesetzt war dann in der Eigenkomposition „Tunis“ ein schaukelnder Dromedar-Ritt im Nebel, den die Musiker angeblich schon imaginiert hatten, ehe sie in den Maghreb eincheckten – die Höckertiere hießen übrigens „Helmut“ und „Shakira“. In diesem Sattel zeigte sich die schon mal als „Teufelsgeigerin“ apostrophierte Eisenreich erstmals wirklich von ihrer magischen Saite.

Damit der romantische Paarhufer aber nicht durchging mit den beiden Hauptakteuren, hatten sie geschickter Weise den „Dritten im Bunde“, Schlagwerker Wolfgang Lohmeier mitgebracht. Dieser, u.a. ausgerüstet mit einem als Mini-Harfe dienenden Eierschneider (vulgo: „Ei-Phon“) und einem laut Martina „mit regionalem Mineralwasser gefüllten“ Gegenstand, der als „Wasserfon“ vorgestellt wurde, half kräftig mit, Eisenreichs Komposition für den Film „Nimmermeer“ über die Rampe zu schicken: Ein „düsterer Film“, wie die erfolgreiche Filmkomponistin (u.a. ist sie für den „Tatort“ tätig) selber einräumte – nun ja, mit der Romantik war´s kurzfristig erst mal vorbei im bosco. Doch mit einer fetzigen Mixtur aus „Balkan & Western“-Klängen und „Minutemen“-Soundtrack sowie dem Titelmotiv aus dem Barbara-Streisand-Evergreen „Yentl“ (komponiert vom erst kürzlich verstorbenen Michel Legrand und für Violine wie geschaffen) kehrten Akkordeon und Violine sogleich wieder auf den „sicheren“ Boden emotionaler Klaviatur zurück - „Into the Deep“ meint nicht nur musikalische Versenkung und Innerlichkeit, sondern gewiss auch tiefe Gefühle. Ergebnis: Anhaltender Applaus und viele, leicht suizidale Seufzer.