Veranstaltungsinfo

So, 24.02.2019
20.00 Uhr
Jazz
22,00 / 10,00 €*
* Regulär / Schüler - Karten an der Abendkasse verfügbar

Max.bab: Wild Pitch

1999 lernten sich die vier Musiker auf dem Gautinger Kulturspektakel kennen. Seitdem verbindet sie eine gemeinsame musikalische Lebensgeschichte und Freundschaft, die ihren unverwechselbaren Klang geprägt und verfeinert hat. Nach langer Zeit sind sie wieder im Bosco zu hören. 
Nach gut 6 Jahren Entwicklungspause ist es wieder gelungen, Max.bab legt sein nunmehr achtes Album „Wild Pitch" vor. Und es beinhaltet Max.bab pur, mit allem was die Band seit 20 Jahren auszeichnet: Charakteristische melodische Eigenkompositionen von Jahnel und von Mosch, aus einem gemeinsamen Atem gespielt von vier Musikern, die mittlerweile auch eigenständige Wege gehen können. Die Musik zelebriert den ständigen, fließenden Wechsel aus überschäumender
Spielfreude und intimen, fragilen Passagen. Wer Max.bab kennt, wird sogleich eine große Vertrautheit spüren und wer sie nicht kennt, der erlebt hier vielleicht zum ersten Mal jungen frischen Jazz in perfekter Harmonie.

MAX VON MOSCH sax
BENEDIKT JAHNEL piano
BENNY SCHÄFER bass
ANDI HABERL drums
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2019

Nach(t)kritik 
Kaum zu glauben, dass die vier Jazzer schon seit 20 Jahren als Max.bab beisammen sind. Und musikalisch immer noch eine gemeinsame Sprache finden. Aber es ist auch eine sehr lustvolle Sprache, in der sich auszudrücken, gewiss sehr befriedigend ist. Natürlich hat sich das Quartett mit dem aus Gauting stammenden Max von Mosch (Saxophon), mit Benedikt Jahnel (Piano), Benny Schäfer (Bass) und Andi Haberl (Schlagzeug) in diesem Zeitraum enorm gesteigert und sich in die Elite des deutschen Jazz emporgearbeitet, doch ohne sich dafür irgendwie verbiegen zu müssen. Von Anfang an hielten die vier Musiker am Prinzip des spielfreudigen und lustvollen Musizierens fest, ganz gleich, wer von ihnen das gerade gespielte Stück komponiert hat. Entscheidend waren letztendlich stets der Zugriff und die Dramaturgie, die das Quartett immer entschiedener auf den Punkt zu bringen vermag. So wachsen auch die alten Stücke mit dem Ensemble und können immer wieder neu entdeckt werden. Ob nun der Titelsong der CD „Laws of Motion“, „Emu“ vom ersten Album „Max Bab“ oder vom neuen Album „Wild Pitch“ Songs wie „Red & Gray“, „Ikarus“ oder der Titelsong: Sie folgen keinen Trends, haben damit kein Verfallsdatum.
Was die Sache für die Hörer im bosco besonders spannend machte, war die Ungewissheit, wie sich ein Stück entwickeln würde. Die meisten begannen als Balladen und schmeichelten sich erst einmal in die Ohren ein. Manchmal blieb es auch nach der Intro konsequent dabei und alles lief auf eine lyrische Seelenmassage hinaus, wie etwa im heiter beschwingtem „Star City“ vom Erfolgsalbum „inner orbit“. Aber oft entwickelten sich daraus auch ganz unerwartete Geschichten, reichten bis zum wilden Virtuosentum oder bauten sich geradezu orchestral auf. Letztendlich war mit jeder Thematik alles möglich. Und tatsächlich variierten die Verläufe auch stark, folgten imaginativen Kontexten und Assoziationen. Es war durchaus ein Grundgerüst erkennbar, das zwischen einer ausdrucksstarken Intro und dem meist empfindsamen Ausklang eine ausgedehnte Phase eines klangsatten Höhenflugs vorsah. Aber diese Verlaufsvorlage war kein Dogma. Alleine dieser Grundform zu folgen, fanden die vier Musiker schon viele Varianten und Wege.
Fast jeder musikalische Reifungsprozess führt zu einer gewissen Beruhigung, zu mehr Klarheit und Transparenz. Das gilt zweifelsohne auch für Max.bab. Und je schlichter dabei die Themen, umso ausdrucksstärker setzt sie die Band in Szene. Die einzelnen Instrumente agierten auch nicht durchweg gänzlich frei, folgten vielmehr immer wieder einem ordnenden Prinzip eines behutsamen Arrangements. Die Wirkung ließ sich denn auch enorm steigern, wenn sich Klavier, Bass und Schlagzeug rhythmisch wie motivisch eng zusammen bewegten. Eine solche Unterlage gab sich sehr solide, bisweilen tektonisch, eröffnete damit darüber einen großen Raum, melodisch-thematische Gesänge und geistvolle Soli zu erheben. Und es waren nicht nur die weitschweifenden Höhenflüge von Moschs, die sich in weiten Verläufen in die Höhe schwangen.
Bezeichnend für die vier Musiker ist schließlich auch deren spieltechnisches Können am Instrument. So vermochten Mosch, Jahnel, Schäfer und Haberl immer wieder mit pfiffigen Ideen und besonderen Details zu begeistern. Gerade diese überraschenden Elemente gehören zu den Markenzeichen von Max.bab, etwa wenn nach einem intensivierenden Anlauf der Rückzieher der Melodik in den Kontrabass folgt, die thematische Weiterentwicklung im Schlagzeug stattfindet oder nach einer fulminanten Saxophon-Verdichtung sich das Klavier ins lyrische Sinnieren zurücknimmt. Oder einfach nur das harmonische Baugerüst fortsetzt, zu dem sich jeder Hörer selbst die Melodie hinzudenken kann. Grundsätzlich ist bei Max.bab niemand in eine feste Rolle gezwängt. Und gerade dieses Ausbrechen aus dem Erwarteten erzeugt schon sehr befreiende Effekte. So war es eine überaus inspirierende Musik mit starken Momenten. Den Schlusspunkt setzte in der zweiten Zugabe stimmungsvolle Lyrik des zehn Jahre alten „Quitetude“.
Pressestimmen 
Max.bab hat durch Verzicht auf das Unnötige an Freiheit, Spielfreude und Finesse gewonnen

Die Vier können es wohl selbst kaum glauben, dass sie schon seit 20 Jahren in der Konstellation von Max.bab musizieren. Man hat noch die Lobeshymnen über die Nachwuchsband in Erinnerung, da mischt das Quartett längst schon an der Spitze des deutschen Jazz auf internationaler Bühne mit. Selbstverständlich sind alle auch mit anderen Formationen weltweit unterwegs. Aber Max.bab ist eine Art Keimzelle des Erfolgs für die Musiker, die noch vor den Studienjahren entstanden ist. Ein Glücksfall, dass es so lange funktioniert, und ein Indiz dafür, dass sich die Enddreißiger nach wie vor menschlich und musikalisch verstehen. Das war in Gauting deutlich zu spüren - nicht nur an der guten Laune, sondern auch an der Vertrautheit und Akzeptanz gegenüber den Eskapaden der Mitspieler. Im Grunde war es nicht nur für den Saxofonisten Max von Mosch ein Heimspiel, denn auch Benedikt Jahnel (Klavier), Benny Schäfer (Bass) und Andi Haberl (Schlagzeug) dürften sich mittlerweile auf der Bosco-Bühne heimisch fühlen.

"Musik ist Liebe" ist auf der Homepage der Formation gerade noch erkennbar. Da wagt man nicht zu widersprechen, wenn man ein Konzert von Max.bab besucht hat. Dass es gelingt, dabei keine eheliche Routine aufkommen zu lassen, liegt schon an der Leidenschaft, mit der alle ans Werk gehen. Als spielfreudig und lustvoll kann man den Zugriff bezeichnen, auch wenn die Musiker in ihren jeweiligen Parts nicht ganz frei loslegen. Der Erfolg der Band basiert schon zum guten Teil am ordnenden Prinzip, das an markanten Stellen auf arrangierte Synergien baut und den freien Improvisationen einen kontrastierenden Bezugsrahmen bietet.

Die kammermusikalische Idee des homogenen Ensemblesatzes stellt im dramaturgischen Bogen immer wieder Klarheit und Transparenz her. Mit der Zeit ist die Band immer mutiger geworden, sie verschlankte Themen auf ein Minimum, was im Bosco ein Mehr an Ausdruck, Eindringlichkeit und Freiraum bedeutete. In den Soli geht es den Musikern nun vor allem um spieltechnische Finessen, die ein konzentriertes Ausdruckspotenzial in sich bergen: kein Toben und Draufdreschen, vielmehr feinsinniges Erzählen, Variieren und Kolorieren. Zwischen Einsatz und Ausbeute legte die Effizienz zu. Am leichtesten ist das am Spiel Haberls abzulesen: Er ließ sich zu keinem Zeitpunkt auf die Standard-Rhythmusmaschine ein und bereicherte das Geschehen geradezu wie ein Liedbegleiter. Das durfte er auch, denn selbst Jahnel übernahm mal am Flügel den Schlagzeugpart, während die Melodie überraschend in Schäfers Tiefen auftauchte.

Max.bab war noch nie um Überraschungen verlegen, deren Platzierung aber erweist sich immer präziser und vor allem aus dem Bauch heraus optimal in Szene gesetzt. Ganz gleich, ob neue Titel vom aktuellen Album wie "Red & Gray", "Ikarus" oder der Titelsong "Wild Pitch", oder schon ältere Eigenkompositionen aus "Inner Orbit", "Lows of Motion" oder dem Debütalbum "Max Bab": Sie alle gewinnen durch die gereifte Interpretation der Band. Die schöpft weniger aus Hinzufügung als vielmehr aus Wegnahme des nicht Notwendigen an Überzeugungskraft. Balladen profitieren vor allem in der Farbigkeit, die entschiedener und reiner ausfällt und so unmittelbarer anspricht. Bei den fulminanteren Titeln ist auf diese Weise jede Interpretation vor jeglichem Klangbrei gefeit. Und wenn Max von Mosch zu weit tragenden Höhenflügen ansetzt und seine Saxofonstimme wunderbar befreit über den wohltönenden Klangteppich seiner Mitspieler legt, geht das schon mächtig unter die Haut. Dass allzu viel Ästhetik auf Dauer nicht gut tut, wissen die Max.bab-Mannen sehr wohl. Die Störungen mit wilder Atonalität blieben aber mit Sorgfalt dosiert und gezielte Eingriffe, die in der Dramaturgie ihren Sinn zugewiesen bekamen und im Kontext aufgingen. Die Begeisterung des Publikums bestätigte einmal mehr den guten Weg, den Max.bab weitergeht - und wurde mit zwei Zugaben honoriert.