Veranstaltungsinfo

Fr, 15.03.2019
20.00 Uhr
Musik
Vielklang
22,00 / 10,00 €*
* Regulär / Schüler - Karten an der Abendkasse verfügbar

Pam Pam Ida: Die gwohnte Gäng

Pam Pam Ida legen nach. Auf das erfolgreiche Debut-Album „Optimist“ folgte Anfang 2019 die neue Platte „Sauber“. Unter dem Tournamen „Die gwohnte Gäng“ fegen sie damit mal wieder kräftig durch die Poplandschaft.
Und Pam Pam Ida haben alle ihre Instrumente geputzt: Blockflöte, Sambatrommel, Streichquartett. Und natürlich glänzt auch mal ein Saxophonsolo durch den Bandsound.
Der lässt hier und da auch mal die 80er durchblitzen, mal klingt’s nach 2019. Am Ende hört es sich an wie Pam Pam Ida. Nur neu.

Gegensätze sind für sie kein Balanceakt. Pam Pam Ida fühlen sich wohl zwischen den Polen aus Ironie und Ernst, Kunst und Komik. Lustige Geschichten zwischen den Songs, eine Ansprache vom legendären Bassisten Charlie. Und dann ein Song, der einen ganz fest ins Taschentuch schniefen lässt. Gleich danach packt Pam Pam Ida das Publikum ins Schleuderprogramm mit einer Disconummer, die sich gewaschen hat. Achterbahnfahrer und Abenteurer fühlen sich auf ihren Konzerten sehr wohl. Vor allem aber Musikbegeisterte und Tanzmäuse.

ANDREAS ECKERT, Gesang, Gitarre, Klavier, Tenorhorn, Blockflöte
CHRISTIAN WINKLER, Keyboard, Saxophon, Euphonium, Posaune, Akkordeon
THOMAS THUMANN, Gitarre, Synthesizer, Blockflöte, Drumpad, Surdo, Djembe
DANIEL RANDLKOFER, Gitarre
JÜRGEN NEUMEIER, Bass
JULIAN MENZ, Schlagzeug

Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Nach(t)kritik 

Dauerregen auf dem Weg zum bosco, den ganzen Tag immer wieder nass geworden. Den Schirm ausgeschüttelt beim Hineingehen und schon auf der Treppe festgestellt, dass heute ganz andere Leute da sind. Viel Jüngere, paarweise, sogar ganze Familien drängen in den Saal, fest entschlossen, die Schultern tanzen zu lassen. Das werden sie auch, ganz am Ende des Abends, als sie „Pam Pam Ida“ noch einmal zur Zugabe hereingeklatscht haben. Da ist aber längst schon mit ganz anderen Körperteilen getanzt worden, vor der Bühne, neben den Stuhlreihen, zwischen den Tischen. Zusammen mit den sechs Jungs auf der Bühne feiern sie hier eine Party, dem Sturmtief zum Trotz.

Pam Pam Ida machen Popmusik mit Refrains zum Mitsingen wie „Ois anders, wenn du lachst“, mit eingängigen Melodien und detailreich ausgefeilten Instrumentalteilen, dazu umfangreich instrumentiert mit Posaune, Horn, Akkordeon oder Blockflöte neben Gitarre, Klavier, Bass und Schlagzeug. Der Synthesizer sorgt für einen herrlich anachronistischen 80er-Sound, die Arrangements muten zuweilen nahezu klassisch an, ausufernd erzählerisch, dann wieder mitreissend rockig. Eine Nummer, „I fahr an Diesel“, arbeitet mit Reggae-Elementen. „Kaff den Scheiß“ dagegen klingt fast wie gegenwärtiger Elektropop.

Die Geschichte der Band ist eine kleine Radiolegende. Die Jungs stammen fast alle aus dem kleinen Ort Sandersdorf in der Nähe von Eichstätt und haben im November 2015 ein Musikvideo gedreht zu dem Song „Gockl“ (den sie in Gauting auch spielen). Irgendwann hat Bayern-3-Moderator Matthias Mattuschik das Video gesehen und die Band in seine Sendung eingeladen. Pam Pam Ida schafften es auf Mattuschkes „Liebling“-Liste und wurden sogar zum Liebling des Jahres 2015 gewählt. Zwei Jahre später erschien das erste Album, „Optimist“ - ein Liebling zahlreicher Rundfunkredakteure. Jetzt ist das zweite Album da. Es heißt „Sauber“ und beschäftigt sich inhaltlich weniger mit Waschprogrammen als mit all den kleinen dreckigen Alltagsgeschichten, die auf ihre Weise das Klima verschlechtern. Der hemmungslose Konsum beispielsweise, um den es in „Kaff den Scheiß“ geht. Oder die gefühllose Ignoranz der Nachbarin, die den fast tauben Kater überfährt - mit „Tommy“ beginnt das Konzert. „Mit einem Requiem“, erläutert Sänger Andreas Eckert, der mit dem Charme eines Lausbuben, der zugleich auch Lieblings-Schwiegersohn sein könnte, in oft skurrilen Gedankensprüngen durch den Abend führt. Ihm zur Seite stehen Christian Winkler mit diversen Blasinstrumenten und am Keyboard; Thomas Thumann an der Gitarre und an zahlreichen anderen Instrumenten; Gitarrist Daniel Randlkofer; am Bass Jürgen „Charly“ Neumeier und am Schlagzeug Julian Menz.

Im Publikum erwiesen sich nicht wenige als absolut textsicher, spätestens nach der Pause hielt es die meisten nicht mehr auf den Stühlen. Hier waren echte Fans am Werk, und viele unter den optimistisch Mitgekommenen verließen als neue Fans den Saal.

Und beim Heimgehen ist es draußen mindestens fünf Grad wärmer als noch vormittags.

Pressestimmen 
Die Band "Pam Pam Ida" im Bosco Gauting

Das kann schnell mal passieren, wenn man sich auf die S-Bahn verlässt: Man schafft es entnervt erst in der Pause zum Konzert, wegen Oberleitungsschadens. Und dann das: eine vom Rundfunk gepuschte Partyband. Ungewöhnlich im Bosco. Das Kulturzentrum in Gauting ist dennoch bestens besucht, viele neue Gesichter sind im Publikum zu sehen. Und die Leute sind bereits in Hochstimmung, in freudiger Erwartung der zweiten Konzerthälfte. Schon ist es so weit, Nebelschwaden machen Scheinwerferlicht sichtbar und das breite Instrumentarium, zu dem sich allmählich die sechs Mannen zuordnen.

Pam Pam Ida formierte sich 2015 und hat schon erstaunliche Erfolge vorzuweisen, vor allem offensichtlich auch eine treue Fangemeinde, die jeden Song mitzusingen vermag und jedem Kommando von der Bühne bereitwillig Folge leistet. Den Off-Beat muss man hier zum Mitklatschen allerdings nicht beherrschen.

Für den Erfolg beim Publikum ist wohl vor allem Frontmann Andreas Eckert verantwortlich, der nicht nur mit bayerischem Gesang, sondern mit Entertainer-Qualitäten punktet, wenn er mit seinen humorigen Erzählungen Übergänge zwischen den Titeln erdichtet.

Was außerdem beeindruckt, ist die Vielseitigkeit der meisten Bandmitglieder, die da immer wieder die Instrumente wechseln. Vor allem Christian Winkler steht Eckert nah, um am Saxophon, an der Posaune und vor allem am Keyboard für den dialogisierenden Part zu sorgen. Oder er spielt im Hornduo mit, dem viel Hall die alpenländische Atmosphäre gibt.

Auch wenn er sich im Hintergrund hält, ist Thomas Thumann (Synthesizer, Flöte, Drumpad, Gitarre) der Mann fürs Besondere. Seine kleinen, scheinbar nur ergänzenden Elemente haben - etwa mit exotischem Schlagwerk gewürzt - die grundlegenden Charakteristika in der Hand, die jedem Titel sein eigenes Gepräge geben.

Die Band selbst ordnet sich stilistisch dem Pop zu, ganz so eindeutig ist die Sache allerdings nicht. Schon der voluminöse und ordentlich donnernde Bass von Jürgen Neumeier signalisierte andere Absichten und lieferte zusammen mit dem Schlagzeug von Julian Menz, der auch im Background mitsang, reichlich Anfeuerung zum Tanzen. Klarheit schafft Daniel Randlkofer an der Gitarre, der mit wunderbaren Soli die gute alte Hardrock-Ära wiederbelebte. Mit der Blockflöte schaffte es Eckert dann aber auch, eine Spur Irish Folk aufzurufen.

Bayerisch blieben in dem vielfältigen Stilmix von Pam Pam Ida nicht nur die Texte. Mit Blechbläsern oder schon auch mal mit dem Akkordeon kam immer wieder auch echter Alpensound zustande, inklusive Jodlern. Dann passte auch das etwas hemdsärmeliges Polemisieren auf der Bühne über die Missstände unserer Zeit, die aber auch schnell wieder abgehakt waren: "Lasst die Schultern tanzen!" in der zweiten Zugabe nach frenetischem Jubel - die Ist-doch-egal-Geste? Na ja, Hauptsache, alle haben ihren Spaß und der Saal tobt.