Veranstaltungsinfo

Mi, 11.12.2019
20.00 Uhr
Klassik
32,00 / 15,00 €*
* Regulär / bis 25 Jahre | Wir führen eine Warteliste im Theaterbüro

Quatuor Modigliani & Anneleen Lenaerts, Harfe: Debussy, Fauré, Korngold, Kreisler, Rota

Das Quatuor Modigliani hat sich als eines der meistgefragten Quartette seiner Generation etabliert. Anneleen Lenaerts gehört zu den führenden Harfenistinnen und ist seit 2010 die Soloharfenistin der Wiener Philharmoniker
Das in Paris lebende Quatuor Modigliani feiert in dieser Saison sein 15-jähriges Bestehen und blickt auf eine beeindruckende Karriere zurück. Weltweit hat sich das Ensemble als eines der meistgefragten Quartette seiner Generation etabliert, das in den ehrwürdigsten Konzertsälen und Streichquartettserien auftritt. Eine besondere Auszeichnung war es für das Quatuor Modigliani im März 2017 als erstes Streichquartett im Großen Saal der Elbphilharmonie zu spielen. Seit jeher öffnet das Quartett gern seine Formation für größere Kammermusikwerke, wobei wunderbare Künstler-Freundschaften mit Nicholas Angelich, Daniel Müller-Schott, Yefim Bronfman, Sabine Meyer, Beatrice Rana, Renaud Capuçon u.a. entstanden sind. Im Sommer 2014 hat das Quartett die künstlerische Leitung des nach dreizehn Jahren wieder eröffneten berühmten Evian Festivals am Genfer See übernommen, das sein Renommee seinem damaligen Leiter, Mstislav Rostropowitsch verdankt. Heute zählt das Festival wieder zu den musikalischen Höhepunkten des europäischen Festivalsommers. Das Quatuor Modigliani veröffentlicht seit 2008 auf dem französischen Label Mirare und hat seitdem acht Alben eingespielt.
 
AMAURY COEYTAUX Violine
LOÏC RIO Violine
LAURENT MARFAING Viola
FRANÇOIS KIEFFER Violoncello
 
Anneleen Lenaerts gehört zu den führenden Harfenistinnen. Seit 2010 ist die Belgierin nicht nur die Soloharfenistin der Wiener Philharmoniker, auch als Solistin konnte sie Erfolge sammeln, erst vor kurzem veröffentlichte sie bei Warner Classics 'Harp Concertos', ihr drittes Soloalbum. Lenaerts gewann eine eindrucksvolle Anzahl von Preisen bei internationalen Harfenwettbewerben. Zwischen 1997 und 2010 erlangte sie nicht weniger als 23 hochkarätige Preise, darunter der weltweit bedeutendste Harfenwettbewerg „Grand Prix International Lily Laskine“ in 2005 und der ARD-Musikwettbewerb in München, bei dem sie sowohl Preisträgerin der Jurywertung wie auch Gewinnerin des Publikumspreises wurde. Als Solistin hat Anneleen Lenaerts u.a. mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Mozarteumorchester Salzburg, Philadelphia Chamber Orchestra, Polish National Radio Symphony Orchestra, Collegium Musicum Basel, Brussels Phiharmonic und dem Orchestre national de Belgique konzertiert. Anneleen Lenaerts erhielt ihren ersten Harfenunterricht bei Lieve Robbroeckx, es folgten zahlreiche Meisterkurse bei renommierten Professoren. Ihr Studium absolvierte sie an den Hochschulen von Brüssel und Paris, wo sie 2008 ihr Master Diplom mit der höchsten Auszeichnung erhielt. Sie rundete ihr Harfenstudium bei Isabelle Perrin mit dem „Cours de Perfectionnement“ an der „Ecole Normale de Musique de Paris“ ab. Neben der Harfe studierte Anneleen Harmonielehre, Kontrapunkt und Fuge an der Hochschule in Brüssel.

Programm
DEBUSSY Streichquartett g-Moll op. 10
FAURÉ Impromptu für Harfe solo D-Dur op. 86
DEBUSSY „Danses sacrée et profane“ für Harfe, 2 Violinen, Viola und Violoncello
KORNGOLD Intermezzo. Allegretto con moto aus Streichquartett Nr. 2 Es-Dur op. 26
KREISLER Scherzo. Allegro vivo con spirito aus Streichquartett a-Moll
ROTA „Sarabanda et Toccata“ für Harfe solo (1945)
ROTA Film-Suiten (Der Pate, Romeo und Julia, Dolce Vita) für Harfe und Streicher



Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2019

Nach(t)kritik 
Vor drei Jahren war das Quatuor Modigliani schon einmal im bosco dagewesen. Damals hatte gerade der Primarius der Gründungsbesetzung das Ensemble verlassen und die Lettin Elina Buksha sprang ein, bevor Amaury Coeytaux die Stelle einnahm. Das Ensemble überzeugte mit Werken von Schubert, Mozart und Mendelssohn. Längst ist das Ensemble wieder eine homogene Einheit und setzt seine Erfolgsgeschichte fort. Die Leihgabe meisterhafter Instrumente aus dem 17. und 18. Jahrhundert sorgt für ein vollmundig samtenes Kolorit, mit dem jede Interpretation eine klare Handschrift des Quatuor Modigliani trägt.
Im ersten, konsistenten Konzertteil spielte gerade der farbliche Aspekt eine große Rolle, wie immer, wenn es um französische Komponisten – erst recht des Impressionismus – geht. Zweifelsohne beherrschen Franzosen selbst diese Besonderheit am besten. Auch das Quatuor Modigliani demonstrierte hier meisterlich, wie Debussys Musik zu spielen ist. Es geht eben nicht um einzelne Stimmen die ausbalanciert werden. Bei Debussy dachten die Musiker immer in der Klangsubstanz, die sich wie eine eigentümlich luftig-plastische Materie permanent verformt und dabei feinsinnig die Farben changieren lässt. Wie das Vorbild von César Franck hat auch Debussys frühes Streichquartett g-Moll einen eingewobenen thematischen Faden, der unterschwellig für Konsistenz sorgt. Aber das Ensemble des Abends machte deutlich, dass der Ausdruck im Vordergrund zu stehen hat, der aus der Gesamtheit der Zutaten hervorgeht.
Harfe ist im Grunde das impressionistische Instrument schlechthin. Faurés Studentenprüfungsstück Impromptu Des-Dur op. 86 für Harfe solo gab der Belgierin Anneleen Lenaerts daher die Möglichkeit, ihr prachtvolles Instrument sehr wirkungsvoll einzubringen. Lenaerts folgte hier dem gleichen Prinzip, überzeugte aber nicht nur mit der Formung der Klangfülle, sondern vor allem mit einer konsistenten Phrasierung, mit der sie einen weiten Spannungsbogen aufzog. Seine zwei Tänze komponierte Debussy im gleichen Jahr 1904. „Danse sacrée“ und „Danse profane“ hängen untrennbar miteinander verbunden wie zwei Seiten einer Medaille. Das Spiel mit exotischen Harmonien verlieh dem Streicher unterlegten Werk etwas Entrücktes, ja Visionäres, ohne dabei an Klarheit zu verlieren. Auch hier überzeugten die Musiker mit warmtoniger Leuchtkraft.
In der zweiten Programmhälfte hatte man indes Mühe, das Konzept zu erkennen. Wenn da nicht Werke des 20. Jahrhunderts zum Vortrag gelangt wären, könnte man von einem Salon des 19. Jahrhunderts sprechen, wo eben einzelne Sätze gespielt wurden und bisweilen auch Unterhaltsames zu hören war. Sätze aus dem Kontext zu nehmen, hat aber immer etwas Fragmentierendes an sich, was gerade bei Kreisler in dessen Scherzo des a-Moll-Streichquartetts die Charakteristik in gewisser Weise verfälschte, zumal Korngolds Intermezzo aus dem Es-Dur-Streichquartett zuvor so wienerisch vergnügt daherkam. In dem Kontext verlor das Scherzo seine erzwungene Heiterkeit. Das Quatuor Modigliani verstand es natürlich, dennoch mit beiden Einzelsätzen anzusprechen, vor allem mit reizvollen Details und fesselnder Beredsamkeit. Lenaerts Interpretation von „Sarabanda et Toccata“ von Nino Rota schloss sich von der Diktion her aber eher an die erste Programmhälfte an, denn an die beiden Streichersätze. Am Kulminationspunkt des Programms dann Filmmusik-Suiten zu spielen, war selbst bei der meisterlichen Ausführung definitiv kein glücklicher Griff. Wer sich an die Bilder der Filme dabei zu erinnern vermochte, konnte vermutlich den eingängigen Melodien mehr Gehalt abgewinnen. Die Zugabe mit Rotas „The Taming of the Shrew“ zeigte sich etwas anspruchsvoller, konnte dann aber auch nicht mehr viel ausrichten.