Veranstaltungsinfo

Do, 05.03.2020
20.00 Uhr
Kabarett
22,00 / 10,00 €*
* Regulär / bis 25 Jahre


Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.

Reiner Kröhnert: GeTWITTERcloud

Der ungekrönte Meister der politischen Satire mit Indistrektionen aus den Eliten-Zirkeln der Macht.
Was früher noch die Spatzen von den Dächern pfiffen, wird heute in die Cloud getwittert! Polit-Provokationen via Presse waren gestern, der zeitgeist-affine Machtprofi von heute nutzt die Netzwerke und diskreditiert digital, inklusive nachgereichtem Dementi. Und keiner twittert feiner und gemeiner als der mächtigste Mentalminimalist der Welt - Schmollschnute Trump!
 
Die Welt zwischen Wille und Wahn ist jedenfalls dank Twitter und Co. transparenter geworden... und genau hier setzt nun der neueste Geniestreich des virtuosen Polit-Parodisten Reiner Kröhnert an - beim satirischen Aderlass der getwitterten Indiskretionen aus den Elite-Zirkeln der Macht... Und es geht dabei um nichts weniger, als um falsche Wahrheiten und um echte Kriegsgefahr in den Zeiten des ungebremsten Neoliberalismus und der ungezügelten Gier. Denn wie bemerkte schon der französische Politiker Jean Jaurès so treffend: "Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen". Oder, wie Frank Zappa einstmals süffisant bemerkte - "Politik ist nichts anderes als die Unterhaltungsabteilung der Rüstungsindustrie"...

Was will man dem noch hinzufügen? Außer vielleicht Donald Trumps resümierendes Schlusswort in Sachen Iran: "Wenn wir schon Atombomben haben, dann müssen wir sie auch einsetzen!" Der Rest ist Schweigen...
 
In der prä-apokalyptischen Getwittercloud kommen zu Wort - die üblichen Verdächtigen aus Reiner Kröhnerts bewährtem Panoptikum der kleineren und der größeren Übel... und natürlich der "Master of Disaster" himself, better known as the one an only "Twitter-Trump"!

Er ist der ungekrönte Meister der politischen Satire: Reiner Kröhnert, ein deutscher Kabarettist und Parodist, rechnet geschickt mit Größen aus Politik, Show und Wirtschaft ab und schreckt dabei vor nichts zurück. Allein mithilfe seiner Mimik und Gestik sowie seiner Stimme gelingt es ihm, unsere „Angie“ perfekt und urkomisch zu imitieren. Doch nicht nur Frau Merkel bekommt ihr Fett weg, denn Reiner Kröhnert rechnet ungeniert mit sämtlichen öffentlichen Persönlichkeiten ab, in denen er komödiantisches Potential entdeckt. Zahlreiche Preise wie der Gaul von Niedersachsen, der Saarländische Kulturpreis sowie der Leipziger Löwenzahn verdeutlichen die hohe Qualität seines Soloprogramms.

Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2020

Nach(t)kritik 

Man könnte sagen: „Er ist wieder da“. Reiner Kröhnert, aktuell wohl der Großmeister der deutschsprachigen Stimmparodie, gastierte nach ziemlich genau zwei Jahren wieder einmal im „Bosco“. Mitgebracht hatte er wie schon 2018 einige bedeutsame Figuren der Zeitgeschichte sowie einige medial dauerpräsente Gestalten, die geistig nicht unbedingt zu den Erleuchteten zählen, dafür umso heller in der Selbstinszenierung zu strahlen verstehen: Das damals „Kröhnert XXL“ überschriebene Programm heißt inzwischen etwas sperrig „GeTWITTERcloud“ und hat seinen Namenswechsel dem Umstand zu verdanken, dass jetzt auch noch der Trump´sche Donald mitmischt. Der Mann (Kröhnert) mit dem gelben Flokati-Teppich unter dem Baseball-Cap tritt vor und nach der Pause jeweils als eine Art einleitender Entertainer in Erscheinung und verkündet twitternd, dass sowieso alles „Fake News“ sei – mit Ausnahme des Satzes „America First!“ So weit, so donaldesk. Kröhnert hat seine Parade der Parodierten im Vergleich zu 2017 (seither läuft dieses Programm) aber nicht nur um den Wahrnehmungs-getrübten aus dem Weißen Haus bereichert, sondern auch um die eine oder andere Figur ausgedünnt: Franz Beckenbauer kommt – womöglich aus einer gewissen Rücksichtnahme heraus - nicht mehr vor als Gast einer von Michel Friedmann moderierten Talkrunde, die bezeichnender Weise den Titel tragt: „Der Intellekt hat viele Gesichter“. Das ist auch nicht zwingend notwendig, denn Kröhnert gelingt es hier auch ohne den „Kaiser“, in rasend komischer Weise geistige Fallhöhe zu demonstrieren. Da lässt er den (Neuling als Talk-Gast) Wolfgang Schäuble über die „Geischtlosigkeit“ von Debattenbeiträgen im Bundestag schwadronieren und über „Ischt“ im Sinne des Seins, lässt den Gebrauchsphilosophen Rüdiger Safranski verstiegen formulieren, „die emotionale Aufgeregtheit unseres kulturellen Diskurses wäre fast kulminiert“, wenn er doch nur das Gepöbel eines Dieter Bohlen („Noch Fragen, ihr Luschen?“) meint.

Kröhnert spricht und mimt all diese Gestalten im steten Wechsel, wobei er Dank seiner 1,97 Meter und einer auch sonst irgendwie „Größe“ ausstrahlenden Schlaksigkeit locker von Friedmann zu Safranski zu Boris Becker und zurück pendelt. Wenn Safranski salbungsvoll auf den Topos des Krieges zu reden kommt, versteht das „Bobbele“ wieder nur Bahnhof und konzediert: „Krieg heißt für mich keine Schulden mehr!“ Um die unterschiedlichen „Flughöhen“ seiner ganzen A-, B- und C-Prominenten zu veranschaulichen, gibt Kröhnert auch einem Mario Basler – verdient sich Safranskis Ritterschlag, etwas „Baslereskes“ gesagt zu haben - und einer Daniela Katzenberger das pfälzerische Wort („Ihr seid alle so süü-üß, ha isch könnt´ euch als knuddeln!“). Man kann als Zuhörer solcher Komplettmissverständnisse und Peinlichkeiten einfach nicht genug kriegen.

Zu den weiteren Bausteinen in Reiner Kröhnerts Programm zählen damals wie heute die Dialoge zwischen Erich Honecker (Fistelstimme) und Adolf Hitler (schnarrend wie eh und je), die sich in ihrer ganz persönlichen „Vorhölle“ anscheinend eine Zelle teilen müssen und darüber austauschen, wer denn in der Geschichte der Menschheit die größeren Spuren hinterlassen hat. Hier wird Kröhnert ziemlich politisch und lässt die Despoten sogar Gemeinsamkeiten entdecken. Dass an anderer Stelle auch noch Edmund Stoiber als "Sammler seltener Hotel-Seifen", MP Winfried Kretschmann, Alt-Kanzler Gerhard Schröder und Martin Schulz auftauchen, lässt das Programm mittlerweile ein wenig angestaubt wirken, denn man weiß ja längst um die Zielsetzung der Sozialdemokratie: „Einstelligkeit ist möglich!“ Kröhnert, einst sogar am Staatsschauspiel Stuttgart und anderen Bühnen tätig, brilliert natürlich auch hier. Und wenn er dann den ewigen Lüstling Klaus Kinski in einem gespenstischen Monolog wiederauferstehen lässt (nur sachte begleitet von Kinski-Versteher Werner Herzog), dann ist das große Kunst – wenn auch nur für diejenigen im Publikum, denen „Aguirre, der Zorn Gottes“ oder Kinskis Selbstbeweihräucherungswerk „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“ noch Begriffe sind.

Am Ende des grandiosen Imitationsparcours wartet als Zugabe logischer Weise noch „Mutti“ sprich Angela Merkel, die Unabgedankte (Kröhnert mit bemerkenswert gut sitzender Perücke), und sagt, dass ihre Mission noch nicht ganz erfüllt sei:„Solange die SPD noch zuckt“, habe sie noch eine Aufgabe. Auch Reiner Kröhnert bekommt in diesem Sinne hoffentlich noch viel zu tun. Das „Bosco“-Publikum zollte dem Meister der Sprachparodie für seine Leistung lang anhaltenden, respektvollen Applaus, wie schon 2018. Er war wieder da . . .