Veranstaltungsinfo

Di, 11.02.2020
20.00 Uhr
Klassik
27,00 / 15,00 €*
* Regulär / bis 25 Jahre
Abendprogramm
(PDF, 280,81 KB)


Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.

Sestetto Stradivari: Strauss, Schönberg, Brahms

Das Sestetto Stradivari, bestehend aus Mitgliedern des Orchestra dell’ Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom, spielt ausschlielich auf Instrumenten aus der Hand des berühmten Geigenbaumeisters.
Das Sestetto Stradivari, bestehend aus Mitgliedern des Orchestra dell’ Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom, wurde im Dezember 2001 anlässlich einer Konzerteinladung zur internationalen Ausstellung „L’arte del Violino” in Rom gegründet. Dieser erste erfolgreiche Auftritt, bei dem das Ensemble ausschließlich auf Stradivari Instrumenten spielte, legte den Grundstein für eine erfolgreiche internationale Karriere. Das einzigartige Zusammenspiel des Sextetts ist geprägt von Harmonie und spürbarer musikalischer Leidenschaft. Zwischenzeitlich hat sich das Sestetto Stradivari einen internationalen Namen gemacht. Regelmäßig konzertiert das Ensemble in den großen Konzerthäusern in Europa, den Vereinigten Staaten und Asien. 2014 gastierte das Sextett im Rahmen einer China Tournee u.a. in Shanghai und Peking. Eine Konzertreise durch Spanien folgte im Jahr 2017 mit Konzerten u.a. im Palau de la Musica in Valencia und dem Palau Altea in Alicante. Im Jahr 2018 setzte das Sestetto Stradivari seine internationalen Tourneen mit Konzerten in Südamerika fort. Derzeit ist das Ensemble Residence Artist des „Villa Pennisi in Musica” in Acireale, Catania, einem innovativen Projekt, das sich mit der Vermischung verschiedener Kunstformen wie Musik, Architektur, Klang, Klangtechnik und Social Media Kommunikation beschäftigt. Auch zeitgenössischer Musik nimmt sich das Sestetto Stradivari an und bringt Werke von Komponisten wie Richard Dubugnon, Fabio Massimo Capogrosso, Alessandra Bellino, Yakir Arbib, Ezio Bosso und Matteo Musumeci zur Aufführung.
 
MARLÈNE PRODIGO Violine
DAVID ROMANO Violine
DAVID BURSACK Viola
RAFFAELE MALLOZZI Viola
SARA GENTILE Violoncello
DIEGO ROMANO Violoncello
 
Programm
STRAUSS Sextett für Streicher aus der Oper „Capriccio“ op. 85
SCHÖNBERG Streichsextett op. 4 „Verklärte Nacht“
BRAHMS Streichsextett Nr. 2 G-Dur op. 36



Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2020

Nach(t)kritik 
Ein klassisches Streichsextett ist unter den Streichensembles schon von der Besetzung her ein besonderer Klangkörper: Vier vollmundig-dunkle Instrumente (zwei Bratschen und zwei Celli) stehen hier nur zwei hellen Violinen gegenüber. Ein Verhältnis, das von vorne herein eine besondere Wärme und einen rundkörperlichen Klang anzubieten hat. Im Fall vom Sestetto Stradivari trifft das insofern nicht ganz so ausgeprägt zu, weil die Stradivari-Instrumente mit ihrem brillanten Klang reichlich Silber in den Stimmenmix einbringen. Zudem lag es vielleicht auch an der Mentalität der Italiener, die es nicht so mit der deutsch-österreichischen Patina in der Musik haben, dass hier alles frischer und strahlender erklang.
Deutlich fiel es bei Brahms auf, dessen Streichsextett G-Dur op. 36 nicht den introvertierten Eigenbrötler als Schöpfer verriet. Vielmehr kam das Werk recht konzertant daher, bisweilen aufbrausend, jedenfalls expressiver als man es zu hören gewohnt ist. Eine Wucht war inmitten des verhaltenen Scherzos das tänzerisch wirbelnde Trio. Aber es steht ja auch „Presto giocoso“ darüber, was die sechs Orchestermusiker der Orchestra dell’ Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom wörtlich nahmen und entfesselt davonwirbelten. Aber auch sonst hatten sie allesamt viel Spaß an dem Werk, das sie mit großer Musizierlust zum Leben erweckten. So schwungvoll und vital bekommt man dieses zweite Streichsextett von Brahms selten zu hören, auch wenn das Adagio durchaus seine nostalgische Wärme entfalten durfte.
Ein ganz anderes Thema hatten sich die Musiker in der ersten Konzerthälfte vorgenommen, auch wenn Bezüge zu Brahms zweifelsohne bestehen, lernte doch Richard Strauss in Meiningen sogar Brahms noch persönlich kennen. Nach eigenen Angaben hatte Arnold Schönberg indes das meiste im Eigenstudium gelernt, u.a. beim Studium der brahmsschen Werke. Tatsächlich fehlte es in der Musik nicht an Bezügen. Allerdings ging es hier um eine gänzlich andere Atmosphäre. Zwar behandelten beide Stücke das Thema Liebe, doch auf sehr verschiedene Weise. Strauss vergaß in seiner Oper „Capriccio“ von 1940/41 schlichtweg, dass draußen ein verheerender Krieg tobte und komponierte eine vergnügliche Musik, in der eine verschlüsselte Liebesbotschaft enthalten ist. Eine Koketterie mit einem Fünfton-Motiv, das sich harmonisch raffiniert durch das ganze Stück hindurch windet, verflechtet und immer wieder auch in den Vordergrund drängt. Aber Strauss war auch ein Meister weiter Spannungsbögen und entrückter, melodischer Höhenflüge. Das feierlich getragene Dahinfließen ist bisweilen etwas hochtrabend, dennoch macht es die Musik von Richard Strauss im Grunde aus. Die italienischen Musiker verzichteten aber weitgehend auf die großen Gesten und folgten vielmehr der erzählerischen Diktion, allerdings mit einer überaus schlüssigen Dramaturgie.
Dieser Zugriff brachte das Werk in einen engeren Kontext zu Schönbergs „Verklärte Nacht“ nach dem gleichnamigen Gedicht von Richard Dehmel, auch wenn das Narrative vom Komponisten gar nicht beabsichtigt war. „Meine Komposition unterschied sich vielleicht etwas von anderen illustrativen Kompositionen erstens, indem sie nicht für Orchester, sondern für Kammerbesetzung ist, und zweitens, weil sie nicht irgendeine Handlung oder ein Drama schildert, sondern sich darauf beschränkt, die Natur zu zeichnen und menschliche Gefühle auszudrücken“, schrieb Schönberg später dazu. Davon fehlte es in der Interpretation des ausgesprochen emotional musizierenden Sestetto Stradivari keinesfalls. Das Geheimnisvolle der Musik offenbarte sich in schillernder Weise und entwickelte seine Magie. Ein Mysterium war es indes nicht. Die Klangatmosphäre konnte sich nicht ganz zur absoluten Musik durchringen, ging vielmehr den orchestralen Weg kontrastreicher Wirkungen. Im dritten Satz des Streichsextetts d-Moll „Souvenir de Florence“ op. 70 von Tschaikowsky in der Zugabe hatte es indes seine Berechtigung, was immer wieder dazu animiert, das Werk für ein Streichorchester zu arrangieren. Dem Publikum gefiel das, wenn auch nicht ohne Ausnahmen.