Veranstaltungsinfo

Fr, 18.01.2019
20.00 Uhr
Kabarett
22,00 / 10,00 €*
* Regulär / Schüler

Severin Groebner: Der Abendgang des Unterlands

Severin Groebner präsentiert uns das Programm zur Stunde: „Der Abendgang des Unterlands“. Groebner ist Wiener und damit der richtige Mann für diese Zeiten.  Denn wer kennt sich mit apokalyptischen Stimmungsaufhellern besser aus als ein Wiener?
Viele Menschen sind heute verunsichert. Nichts ist mehr wie es war. Es herrscht allgemeine Orientierungslosigkeit.

Da steht man morgens auf und schon laufen ungefiltert Tweets, Posts, Links, Fotos und Fake-News über den Ticker. Im Bus erzählt der Realitätsflüchtling von nebenan einem was über Wirtschaftsflüchtlinge aus der Schweiz. Im Fernsehen erklärt einem der Bundesbeauftragte für Einbildung, soziale Gerechtigkeit bedeute, daß alle gleich viele Freunde bei Facebook haben. Danach fällt auch noch der Livestream aus und man wird nie erfahren, ob nun die Römer, die Geissens oder Bayern München den 30jährigen Krieg gewonnen haben. Zu allem Überfluss können wir unsere teuren neuen Badelatschen dann auch noch in die Tonne kicken, weil die Sintflut wegen verspäteter Übergabe aus dem Ausland an der Grenze abgewiesen wurde. Im Internet erfährt man von geheim gehaltenen Papierfliegern, die belegen sollen, daß Völkerrecht gar nicht das Regelwerk beim Völkerball ist und auch der Barkeeper der Titanic soll seinen Kummer nicht nur in Alkohol ertränkt haben. „Was“ fragt man sich während man verwirrt zu Bett geht, „macht das Abendland eigentlich am Morgen danach?“
 
Severin Groebner präsentiert uns das Programm zur Stunde: „Der Abendgang des Unterlands“. Groebner ist Wiener und damit der richtige Mann für diese Zeiten. 
Denn wer kennt sich mit apokalyptischen Stimmungsaufhellern besser aus als ein Wiener? Eben!
 
Kommen und sehen Sie das Service & Survivalprogramm für den okzidentalen Orientierungslosen. Ein echter Happycalypso - Für die richtige Portion Übermut beim Untergang.

Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Nach(t)kritik 
Severin Groebner hat ein Problem. Er ist ein weißer heterosexueller Mann. Und aus der Mode gekommen. Lesbische Schwarzafrikanerinnen und Transgender-Indios haben die Macht an sich gerissen. Sogar Amerika wird von einer „umoperierten Kampflesbe mit Fönfrisur“ regiert. Was soll einer wie Groebner da anderes machen, als sich ein Best-of der Verschwörungstheoerien zusammenzustricken und den Untergang des Abendlandes zu prophezeien. Pardon, den „Abendgang des Unterlands“. So jedenfalls heißt sein aktuelles Kabarettprogramm, mit dem er seit 2017 auftritt und das am Freitagabend nun auch seine „Gauting-Premiere“ feiern durfte. 

Es war ein Abend, der zunächst viele Fragen aufwarf. Erstens, warum der Mann im Schlafanzug auf der Bühne stand. Zweitens, warum sein Mikrofon nicht funktionierte und drittens, ob die daraus resultierende wunderbare Slapstick-Nummer zum Programm gehörte oder „nur“ eine spontane Notlösung war. Und viertens schließlich, warum so viele Besucher nach der Pause nicht mehr da waren. Und dann natürlich noch die ganz große Frage, ob die Welt morgen – also wenn Sie das hier lesen: heute – wirklich untergeht. Schließlich steht das im Internet. Sogar mit der genauen Uhrzeit: 9.48 Uhr.

Es war aber auch ein Abend, der in der zweiten Hälfte auf fast philosophische Weise viele Fragen beantwortete. Auch die ganz große: Werden wir das überleben? Wer bis zum Schluß geblieben war, der konnte beruhigt nach Hause gehen: Vielleicht geht ja gar nicht die Welt unter, sondern nur unser eigenes Weltbild, weil sich eben mal wieder – oder immer noch – alles langsam verändert. 

Bis zu dieser Erkenntnis war es ein zwar sehr langer, aber auch ein kluger Kabarettabend. Groebner als gebürtiger Wiener ist mit dem Jenseitigen und Abseitigen bestens vertraut. Als Reisebegleiter und Animateur auf einem furiosen Ritt durch die Weltgeschichte in Richtung Apokalypse hat er seine Cigar Box-Gitarre dabei und singt zwischendurch Schnulzen wie „Auf dem Kinderspielplatz sitzt ein Terrorist“. Und gleich darauf verspricht dieser österreichische „Weltuntergangsmeister“: So schlimm wird es auch diesmal nicht werden.

Als Zeitzeuge erscheint Zeus, derzeit „Göttervater a.D.“, der mit seinem Team aus Spezialisten seinen eigenen Niedergang erlebte, als die „judäischen Billiganbieter“ den Markt eroberten und „unendliche viele Freiminuten“, also ein Leben nach dem Tod, versprachen. Und so schlägt sich Apollo jetzt als Optiker durch, Hermes hat einen Postversand aufgezogen und Nike macht in Turnschuhen. Gemeinsam stapft man auch über die „Müllhalde der Geschichte“, wo die „historischen Ballaststoffe“ neben der vermeintlich guten alten Zeit herumliegen. 

Und wer nicht sicher ist, ob er noch die Blumen gießen und die Heizung ausschalten soll, bevor die Welt untergeht: Dafür gibt es ein Youtube-Tutorial. Dann aber schnell in den Bunker, Raviolidosen und Survival-Ausrüstung mitnehmen. Da sitzt man dann und hofft, „dass die eigene heile Welt noch eine kleine Weile hält“. Oder dass der Weltuntergang zumindest nicht in Form eines extrem aggressiven Magen-Darm-Virus kommt. Am Ende vor dem Ende noch ein allerletztes Lied: „Es ist wurscht, du wirst sterben.“