Veranstaltungsinfo

So, 23.09.2018
11.00 Uhr
Sonstiges
Eintritt frei

SPD Ortsverband Gauting: 125 Jahre SPD Gauting

Festliche Sonntagsmatinée für alle
Der Gautinger Ortsverein der SPD wird in diesem Jahr 125 Jahre alt und lädt alle Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde zu einem Festakt im Saal des bosco ein. Im Programm wird sowohl die wechselvolle Geschichte des Gautinger Ortsvereins wie auch der Werdegang der bayerischen Sozialdemokratie beleuchtet. Als Experte für Letzteres ist Markus Rinderspacher mit dabei, der Vorsitzende der SPD-Fraktion im bayerischen Landtag. Außerdem wird Ludwig Hoegner auftreten, der Urenkel von Wilhelm Hoegner, des Vaters der bayerischen Verfassung. Er wird aus den Schriften seines Urgroßvaters lesen und sie, mitunter humorvoll, aus heutiger Sicht kommentieren. Musikalisch begleitet wird die Matinée begleitet wird die matinée von Ludwig Seuss, piano, und Thilo Kreitmeier, sax.

 
Veranstalter: 
SPD Ortsverband Gauting
Pressestimmen 
Der SPD-Ortsverein Gauting feiert sein 125-jähriges Bestehen und lädt dazu den Urenkel von Wilhelm Hoegner ein. „Mir macht es Spaß, für die SPD Politik zu machen“, sagt die Kreisvorsitzende Julia Ney – trotz aller schlechten Umfragewerte.

Feste feiert man, Geburtstage sowieso, finden die Gautinger Sozialdemokraten. Selbst wenn man grad nicht so viel Grund zur Freude hat, oder gerade weil man zeigen will, dass man weder am Feiern die Lust verloren hat, noch daran, für die SPD einzustehen: Also hat der SPD-Ortsverein Gauting sein 125-Jähriges mit viel Aufwand und Prominenz aus München im Bosco gefeiert. Mit seinem roten Anstrich und der Bar Rosso gibt das Kulturhaus das passende Ambiente. Stolz ist man in Gauting auf die antike, leuchtend rote Fahne, die trotz ihres Alters von 125 Jahre erstaunlich frisch wirkt und so gut wie nichts von ihrem Glanz verloren hat. Die Jahreszahl 1893 ist in goldenen Lettern eingestickt, jedoch kein genaues Datum. Da es auch keine Protokolle mehr gibt, weiß man nicht, wann genau sich die Arbeiter und Handwerker in dem kleinen Ort an der Würm zusammenschlossen, sagt der frühere Ortsvorsitzende Dieter Appel. Auf der Rückseite der Fahne prangt der Wahlspruch „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ und das Symbol der verschlungenen Hände.

In seinem Rückblick auf die wechselvolle Geschichte der Gautinger SPD erzählt Appel auch, wie „dieses historisch wertvolle Stück Tuch“ die Zeit überlebte: Bereits 1894, als im Vereinslokal Würmbad ein Feuer ausbrach, stürzte sich der Genosse Peter Liebhard in die Flammen und rettete die Fahne. Und 1933, als die SA das Vereinslokal stürmte, um die Sozi-Fahne zu rauben, band sich Karoline Engelhardt den roten Stoff unter den Rock und entwischte damit. Den Krieg überstand das Symbol der verbotenen Partei unter der Matratze von Benedikt Fischer, dem späteren Zweiten Bürgermeister Gautings. Zusammen mit seinem Bruder Xaver Fischer war er einer der führenden Köpfe der SPD und einer der wichtigsten sozialdemokratischen Kommunalpolitiker.

Einer der wichtigsten bayerischen Genossen war ohne Zweifel der bayerische Ministerpräsident Wilhelm Hoegner, der als Vater der Bayerischen Verfassung gilt. Sein Urenkel Ludwig, ging zusammen mit dem Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Markus Rinderspacher, auf die Geschichte der bayerischen SPD ein. Rinderspacher gab einen sehr interessanten Einblick auf die historischen Ereignisse um Kurt Eisner, Erhard Auer und Johannes Tim, während Hoegner aus den Schriften seines Urgroßvaters vorlas und vor allem auf jene Punkte in der Verfassung des Freistaates Bayern (der bis zur letzten Lesung noch eine Republik sein sollte) einging, die heute von der Regierungspartei ignoriert werden oder wieder strittig sind.

„Hier stehen wir Männer für das Gestern, drei Frauen für Gegenwart und Zukunft“, scherzte Appel, als er die Redner vorstellte. „Wenn ich nach dieser Woche sage, dass es mir Spaß macht, für die SPD Politik zu machen, dann glaubt mir das keiner“, sagte Kreisvorsitzende Julia Ney. Doch sie habe Freude am Gestalten, und die Sozialdemokratie werde gebraucht. Sissi Fuchsenberger, Lehrerin, Gemeinderätin in Berg und Kandidatin für den Bezirkstag, erinnerte daran, dass Kurt Eisner das Lehrerinnengesetz abgeschafft hatte, das diesen das Heiraten verboten hatte. „Meine Kinder haben mich dazu gebracht, mich zu engagieren.“ Gut finde sie, dass die SPD die Quotenregelung hat, was „den Männern bestimmt nicht leicht gefallen ist“. Hauptkommissarin Christiane Kern, die für den Landtag kandidiert, meinte, sie verbaue sich sicher Aufstiegsmöglichkeiten durch ihre SPD-Arbeit, doch es sei ihr wichtig, für gleiche Karrierechancen für Frauen zu kämpfen und sich für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, auch bei der Polizei, einzusetzen.

Ludwig Hoegner (links) liest im Bosco aus den Schriften seines Urgroßvaters, des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner. Markus Rinderspacher gibt Einblicke in die historischen Ereignisse um Kurt Eisner. Im Hintergrund hängt die Fahne des SPD-Ortsvereins Gauting