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Veranstaltungsinfo

Di, 07.02.2023
20.00 Uhr
Klassik

29,00 / 15,00

Regulär / bis 25 Jahre

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Veranstalter: Theaterforum Gauting e.V.

Tamaki Kawakubo, Violine & Yu Kosuge, Klavier: Kreisler, Mozart, Ravel, Schumann und Brahms

Seit vielen Jahren bilden Tamaki Kawakubo und Yu Kosuge ein kongeniales Duo. Die beiden Sony-Classical-Künstlerinnen musizieren intensiv miteinander und kreieren so einzigartige Interpretationen virtuoser Literatur.

Die Geigerin Tamaki Kawakubo gehört zu den bemerkenswertesten Künstlerinnen und den festen Größen der Konzertbühnen im Fach Violine. Ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten hat sie in zahlreichen Wettbewerben unter Beweis gestellt. Im Alter von nur fünf Jahren begann Tamaki Kawakubo ihre Violinstudien in Los Angeles an der Colburn School of Performing Arts. Bereits in jungen Jahren gewann sie erste Preise bei den bedeutendsten Wettbewerben in den USA, wie beispielsweise dem Avery Fisher Career Grant 1997. Ihr internationaler Durchbruch gelang ihr als Gewinnerin des Grand Prize des Pablo Sarasate Wettbewerbs 2001 und als Silbermedaillen-Gewinnerin des Tschaikowski Wettbewerbs 2002 in Moskau.
Ihre herausragenden virtuosen Fähigkeiten, ihre einfühlsame Tongebung und ausgeprägte musikalische Ausstrahlung begeistern das Konzertpublikum rund um den Globus. Sie gastiert regelmäßig mit führenden Orchestern, wie dem Los Angeles Philharmonic Orchestra, St. Peterburg Philharmonic Orchestra oder dem Berliner Symphonieorchester zusammen mit international renommierten Dirigenten wie Christoph Eschenbach, Esa-Pekka Salonen, Kent Nagano, Vladimir Fedoseyev oder Fabio Luisi.

Mit ihrer herausragenden Technik, ihrem feinsinnigen Anschlag und einem durchdringenden Verständnis für Musik, gehört Yu Kosuge zu den weltweit meistgeschätzten Pianistinnen ihrer Generation. Yu Kosuge gab schon in früher Kindheit Solokonzerte und konzertierte mit großen Orchestern. Im Alter von neun Jahren debütierte sie mit dem Tokyo New City Orchestra. 1993 zog sie nach Europa, um ihr Studium in Hannover und Salzburg fortzusetzen. Förderung und Inspiration erhielt sie insbesondere von András Schiff.
Yu Kosuge eroberte die führenden asiatischen, europäischen und amerikanischen Konzertsäle im Sturm. Außerdem widmet sie sich regelmäßig der Kammermusik und konzertiert u.a. mit Mitgliedern der Berliner Philharmoniker. Neben regelmäßigen Auftritten in Asien und mit allen großen japanischen Orchestern tritt Yu Kosuge mit vielen der führenden europäischen Orchestern auf, darunter die Berliner Symphoniker, hr-Sinfonieorchester, Camerata Salzburg, St. Petersburg Symphony Orchestra, Orchestre Philharmonique de Radio France und Finnish Radio Symphony Orchestra.
Im März 2017 gewann Yu Kosuge den Suntory Music Award, der an Personen oder Organisationen verliehen wird, die einen herausragenden Beitrag zur Entwicklung der westlichen Musik in Japan geleistet haben.

Programm
Kreisler: Präludium und Allegro (im Stile von Gaetano Pugnani)
Mozart: Sonate für Violine und Klavier e-Moll, KV 304
Ravel: Sonate für Violine und Klavier
C. Schumann: 3 Romanzen für Violine und Klavier, op. 22
Brahms: Sonate für Violine und Klavier in d-Moll, op. 108


 

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Nach(t)kritik
Opulente Geige
Nach(t)kritik von Klaus Kalchschmid

Der wahrlich gelungene Abend der beiden Japanerinnen  Tamaki Kawakubo und Yu Kosuge begann mit Fritz Kreisler (1875-1962) und endete mit ihm: Sein an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert komponiertes „Präludium und Allegro im Stile von Gaetano Pugnani“ ist dem einst berühmten italienischen Geiger gewidmet, der von 1731 bis 1798 lebte, für sein kraftvolles Spiel („arco magno“) bekannt war und die Spieltechnik seines Instruments revolutionierte. Dieses mehr nach Kreisler als nach Pugnani klingende Stück war eine Art Entrée, aber wohl auch als Statement von Tamaki Kawakubo selbst als Hommage an die beiden berühmten Kollegen; als Zugabe gab es am Ende nur noch ein feines, zartes, kurzes Echo –  und wenn die Erinnerung nicht täuscht, handelte es sich um Kreislers „Schön Rosmarin“!

Dazwischen kontrastierten im ersten Teil Mozart und Ravel, während nach der Pause Clara Schumanns Romanzen von 1853 ihre Fortsetzung fanden in der gewichtigen, letzten Violinsonate von Johannes Brahms, 33 Jahre später entstanden. Nur zwei Sätze umfasst Wolfgang Amadé Mozarts e-Moll-Sonate, doch die haben es in sich: Alle paar Takte ändern sich Ausdruck und Geste, das „Tempo di Menuetto“ macht nur Sinn, wenn man es, wie die Geigerin Tamaki Kawakubo und ihre Pianistin Yu Kosuge, entspannt und relativ langsam nimmt und so den eigentümlichen Variationen Raum und Zeit zur Entfaltung gibt. Die beiden Japanerinnen artikulierten stilsicher und sehr natürlich, romantisierten nichts und so durfte man sich über große Anmut und Schönheit des Klangs freuen. Bei Maurice Ravels Sonate für Violine und Klavier herrschte ebenfalls eine feine Balance zwischen den beiden Instrumenten und der „Blues“ betitelte Mittelsatz entfaltete zwischen zupackend kernigem Pizzicato und locker geschmeidigem Jazz großen Reiz, bevor das „Perpetuum mobile“ des Finale zwar, wie es sich gehört, nie zur Ruhe kam, aber auch nie überhetzt klang.

Ebenfalls noble Zurückhaltung gab es bei den „Drei Romanzen“ op. 22 Clara Schumanns von 1853, also dem Jahr, als der 23-jährige Johannes Brahms die Familie kennenlernte und fortan enger Freund des Haus – und zeitweiliger Kinderbetreuer – wurde. Auch hier herrschte feine Anmut und die Vortragsbezeichnung „Mit zartem Vortrage“ galt für alle drei Stücke, auch für das „leidenschaftlich schnell“ zu spielende letzte. Bei der dritten Violinsonate in d-Moll op. 108 des nun 53-jährigen Brahms gaben Tamaki Kawakubo und Yu Kosuge ihre bis dahin immer wieder vorherrschende Zurückhaltung auf. Nun dominierte der große, fast breite Klang, was dem komplexen, in jeder Hinsicht reichen Kopfsatz zusätzlich Gewicht gab, den langsamen Satz mit allerlei Portamenti aber allzu sehr befrachtete. Wer so einen schönen Geigenton besitzt wie Tamaki Kawakubo, der könnte dieses Andantino einfach ganz natürlich und schlicht fließen lassen. In den noch folgenden beiden Sätzen („Un poco presto e con sentimento“ und „Presto agitato“) herrschte dann wieder die perfekte Balance zwischen Expression, struktureller Durchdringung und der gelegentlichen Zelebrierung eben dieses berückend schönen Tons.

Dabei war Yu Kosuge am Flügel eine immer äußerst plastisch und klug mitgestaltende Partnerin; sie wusste stets genau, wann sie dominieren und die Führung übernehmen durfte, aber auch, wann sie zurücktreten musste. Jedes Detail und jede Phrase besaßen Farbe und einen feinen Körper, dabei herrschte stets etwas wie entspannte Spannung, also eine Harmonie mit der Geige, die mit dem Begriff vom perfekten Violinduo nicht hinreichend getroffen ist.