Veranstaltungsinfo

Mi, 13.11.2019
20.00 Uhr
Klassik
29,00 / 15,00 €*
* Regulär / bis 25 Jahre | Wir führen eine Warteliste im Theaterbüro

Trio Kam-Porat: Mozart, Schumann, Brahms, Debussy, Bartók

Sharon Kam gehört zu den weltweit führenden Klarinettistinnen. Ori Kam ist Bratscher des weltberühmten Jerusalem Quartets. Matan Porat ist Pianist und Komponist sowie begeisterter Kammermusiker.
Seit über 20 Jahren gehört Sharon Kam zu den weltweit führenden Klarinettistinnen und arbeitet mit den bedeutendsten Orchestern in den USA, Europa und Japan. Als begeisterte Kammermusikerin arbeitet Sharon Kam mit Künstlern wie Lars Vogt, Christian Tetzlaff, Enrico Pace, Daniel Müller-Schott, Leif Ove Andsnes, Carolin Widmann und dem Jerusalem Quartet. Sie ist häufiger Gast bei Festivals wie Schleswig-Holstein, Heimbach, Rheingau, Verbier, und der Schubertiade. Ihr Engagement für zeitgenössische Musik zeigt sich in zahlreichen Uraufführungen, u.a. Krzysztof Pendereckis Klarinettenkonzert und Quartett sowie Klarinettenkonzerte von Herbert Willi (Salzburger Festspiele), Iván Erőd und Peter Ruzicka (Donaueschingen). Zahlreiche Aufnahmen zeigen, dass Sharon Kam in der Klassik bis zur Moderne und auch im Jazz zu Hause ist.
 
Von der New York Times für seine „faszinierende Bühnenpräsenz“ gelobt, spielte der Bratscher Ori Kam als Solist bereits auf einigen der bedeutendsten Bühnen der Welt. Nach seinem Debut als Sechzehnjähriger mit dem Israel Philharmonic Orchestra unter Zubin Mehta wurde er sofort wieder engagiert. Seitdem spielte er mit allen bedeutenden Orchestern Israels, dem National Symphony Orchestra im Kennedy Center in Washington DC, dem New Jersey Symphony Orchestra im neuen New Yorker Performing Arts Center, der Manhattan Philharmonia, dem Bronxville Symphony Orchestra sowie der Sinfonia Varsovia. Als ein begeisterter Kammermusiker ist Ori Kam Bratscher des weltberühmten Jerusalem Quartets, darüber hinaus war er auch Begründer und künstlerischer Leiter der Israel Chamber Music Society und trat bereits mit Künstlern wie Daniel Barenboim, Isaac Stern, Itzhak Perlman, Pinchas Zukerman, Pierre Boulez, Gil Shaham, Emmanuel Pahud oder Andras Schiff auf. Bis zu seinem Beitritt zum Jerusalem Quartet war er Mitglied der Berliner Philharmoniker; darüber hinaus unterrichtet er bis heute Viola an der Hochschule für Musik in Genf.
 
Von der New York Times für seinen „großartigen Sound und seine Expressivität“ gerühmt, hat der Pianist und Komponist Matan Porat in berühmten Konzertsälen, wie der Berliner Philharmonie, der Carnegie Hall in New York, dem Pariser Auditorium du Louvre und der Salle Gaveau, der Wigmore Hall in London und der Alten Oper Frankfurt, gespielt. Bekannt für seine einzigartigen, narrativen Programme, reicht sein vielseitiges Konzertrepertoire von allen Partiten Bachs über sämtliche Schubert-Sonaten bis hin zu Ligetis Klavierkonzert. Als begeisterter Kammermusiker ist er gern gesehener Gast bei den Festivals in Marlboro, Lockenhaus, dem Musikfest Berlin, Ravinia, Verbier, Delft, beim Heidelberger Frühling und Rheingau Festival. In Tel-Aviv geboren, studierte Matan Porat bei Emanuel Krasovsky, Maria João Pires und Murray Perahia. Seinen Masterabschluss erhielt er an der Juillard School. Er studierte Komposition bei Ruben Seroussi und George Benjamin.

SHARON KAM Klarinette
ORI KAM Viola
MATAN PORAT Klavier
 
Programm
MOZART Trio Es-Dur für Klarinette, Viola und Klavier KV 498 „Kegelstatt Trio“
SCHUMANN „Märchenerzählungen“ op. 132, Vier Stücke für Klarinette, Viola und Klavier
BRAHMS 2 Gesänge op. 91 für Altstimme (Klarinette), Bratsche und Klavier
DEBUSSY „Prélude à l'après-midi d'un faune“ für Orchester, arr. für Flöte und Klavier von Matan Porat
BARTÓK „Kontraste – Tänze für Violine (Bratsche), Klarinette und Klavier“ SZ 111



Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2019

Nach(t)kritik 
Vor ziemlich genau acht Jahren war Sharon Kam zum ersten Mal im bosco zu hören. Damals mit dem American String Quartet und dem Klarinettenquintett von Mozart. Sie hinterließ damals zweifelsohne einen bleibenden Eindruck, nicht zuletzt auch dank ihrer vitalen Bühnenpräsenz und intensiven Hingabe. Die physischen Bewegungen sind geradezu ein Bestandteil ihrer Spieltechnik, die sich dadurch auch besonders beredsam und überzeugend auf den Ausdruck fokussiert. Ihre beiden Mitspieler erwiesen sich als eher introvertiert, jedenfalls zurückhaltend in ihrem körperlich-gestischen Ausdruck. Im März dieses Jahres gastierte Ori Kam, der Bruder der Klarinettistin, ebenfalls im bosco, als Bratscher des international renommierten Jerusalem Quartet mit Streichquartetten von Beethoven und Bartók. Auch dieses Konzert prägte sich nachhaltig ein. Kein Wunder also, dass nun die Karten schon im Vorfeld vergriffen waren.
Neu im bosco war der Pianist und Komponist Matan Porat, der sich mit einem eigenen Arrangement von Debussys Orchesterwerk „Prélude à l’apprès midi d’un Faune“ auch solistisch vorstellte. Eine knifflige Angelegenheit, galt es doch, nicht nur das brillant-virtuose Wogen zu bewältigen, sondern auch die Vielschichtigkeit und den Farbenreichtum des symphonischen Werkes transparent wiederzugeben. Porat dirigierte sein Zehnfingerorchester mit einem großartigen Gespür dafür, den großen Bogen und Detailpräzision in einer überzeugenden Balance zu halten. Das Schlüsselwerk des Impressionismus erklang dabei kein wenig nebulös oder verschwommen. Porat verstand es, die Atmosphäre der dichterischen Vorlage mit rein pianistischen Mitteln erstehen zu lassen.
Die Klarheit der Formensprache war auch im Trio das oberste Gebot, was eine absolute Homogenität erforderte. Aber schon in Mozarts Kegelstatt-Trio fiel die mühelose Kommunikation auf. Die Plastizität der Gestaltung hätte nicht opulenter ausfallen können. Die drei Musiker gingen zudem überaus lustvoll, spielfreudig, aber auch ruhig und ohne zu forcieren an die Materie heran. Diese spieltechnische Unbeschwertheit sollte sich im weiteren Programm allmählich zugunsten suggestiver und bildhafter Schwerpunkte verlagern. Das Repertoire des Trios war wohl auch unter diesem Aspekt zusammengestellt worden, zumal Klarinette und Viola ohnehin eine deutlich sprechende Charakteristik – klanglich nahe der menschlichen Stimme – immanent ist.
Schumanns „Märchenerzählungen“ führen den narrativen Aspekt nicht nur im Titel. Die vier Sätze spiegeln zwar die sich schon deutlich manifestierende geistige Verwirrtheit des Komponisten, so etwa in bis dahin bei Schumann nicht gekannten schroffen Brüchen und widerborstigen Einwürfen, boten aber den Kam-Geschwistern und Porat viel Stoff für eine fesselnde Erzählung, von legendenhafter Rhapsodik über polterndes Rezitieren bis hin zum bildhaft-expressiven Artikulieren sich nahezu überschlagender Ereignisse. Anders als bei Schumann, dessen Hintergrundgeschichten nicht bekannt sind, ließen sich diese bei Brahms in den vertonten Texten nachlesen. Aber es war nicht nötig, um die Stimmungen in den „Zwei Gesängen“ op. 91 nachvollziehen zu können. Das dramatisch unterbrochene Sinnieren in „Gestillte Sehnsucht“ wie das lieblich-melodiöse „Geistliche Wiegenlied“ gaben den Interpreten die Möglichkeit, schönmalerisch in den zartesten Nuancen zu schillern und selentief zu berühren. Die sanften, ja geradezu zärtlichen Klarinette-Viola-Duette bestachen mit Wärme über einem geschmeidigen Tastenzauber.
Die Debussy-Einlage war dann schon unbedingt nötig, um zum großen Bartók-Finale zu kommen. In „Kontraste“ wurde in der Interpretation des Kam-Kam-Porat-Trios das narrative Schumann-Konzept erkennbar. Ein packender Trialog trug hier die Konstruktion, die immer wieder von folkloristischer Verve unterbrochen wurde oder auch solistische Gedankengänge geduldig zuließ. Mit höchster Präzision und agiler Zunge formulierten die drei Mitredner voller Spannung ihre ausdrucksstarken Gesprächsbeiträge. Fielen sich aber auch schon mal ins Wort, sprachen Unisono mit oder warfen scharfzüngige Kommentare ein. Ein packendes Finale, das eigentlich zu stark für eine Zugabe war. Der lässig swingende Slowfox des israelischen Pianisten und Komponisten Ilan Rechtman war wohl die einzige Möglichkeit, sich für den lang anhaltenden frenetischen Applaus mit einer Zugabe zu bedanken
Pressestimmen 
Matan Porat und die Geschwister Sharon und Ori Kam greifen mit ihren Instrumenten imaginativ packende Ereignisse auf

Obwohl die drei international renommierten israelischen Musiker auch als Solisten erfolgreich sind, eilt ihnen vor allem ein glänzender Ruf als Kammermusiker voraus. Im ausverkauften Bosco aber präsentierten sie sich am Mittwochabend in einer seltenen Konstellation. Vor acht Jahren beehrte die Starklarinettistin Sharon Kam mit dem American String Quartet zum ersten Mal Gauting, um das Publikum mit Mozarts Klarinettenquintett zu verzaubern. Diesmal kam sie mit ihrem Bruder Ori Kam, der im März diesen Jahres als Bratschist des Jerusalem Quartet auf eben dieser Bühne gestanden hatte. Als Gründer und künstlerischer Leiter der Israel Chamber Music Society erwarb er sich große Verdienste um die Förderung des Genres. Ein Vollblut-Kammermusiker ist auch der Pianist und Komponist Matan Porat, der schon mit den namhaftesten Streichquartetten der Gegenwart musiziert hat.

Eine Triokonstellation hat ihre eigene Dynamik – zumal die Klangwärme und gestalterische Plastizität der Klarinette wie der Viola in starkem Kontrast zum pianistischen Perlen steht. Zweifelsohne war den Komponisten diese Diskrepanz bewusst, am deutlichsten wohl Mozart, der noch mit Cembalo arbeitete. Sein Kegelstatt-Trio KV 498 ist wohl deshalb auch so stark auf Melodiebildung fokussiert und fordert selbst an brillanten Stellen gänzlich unaufgeregtes Agieren, um die Vorzüge dieser farbenreichen Besetzung voll auszukosten. Das Trio hielt sich auch geschickt daran und arbeitete die filigranen Details zu wahren Kostbarkeiten heraus, die das Gefüge trotz der Eigenständigkeit der Stimmen immer wieder zu einer runden Einheit verbanden. Gerade die klangliche Nähe von Klarinette und Bratsche zur menschlichen Stimme prädestinierte das Geschwister-Duo für regelrechte Gesangseinlagen, wie sie bei Brahms auch explizit vorgesehen sind: In seinen „Zwei Gesängen“ op. 91 ist die Führungsrolle einer Altstimme zugedacht, was Kam an der Klarinette zum Anlass nahm, besonders einfühlsam und sensibel zu formen. So kam es zu betörend schönmelodischen Duetten in wohlig-warmer Grundstimmung. Porat nahm sich dabei mit viel Fingerspitzengefühl in einen atmosphärisch tragenden Begleitpart weit zurück. Bei solchen Rollenwechseln bewies der Pianist sein großes Gestaltungsspektrum, das er mit Debussys Orchesterwerk „Prélude à l’après midi d’un Faune“ in einem eigenen Solo-Arrangement dann auch beeindruckend in den Fokus stellte. Dabei gelang es ihm, die literarischen Vorlage des französischen Symbolisten Stéphane Malarmé mit rein pianistischen Mitteln in orchestraler Farbigkeit nachzuzeichnen: klar und gänzlich ohne jegliche dem Impressionismus zu Unrecht angedichtete Verschleierung.

Dieses Werk passte ideal zum eigentlichen Thema des Abends: der musikalischen Narration, die das Kam-Kam-Porat-Trio in allen Werken des Konzerts aufdeckte. Schumann hat das in seinen „Märchenerzählungen“ op. 132 explizit zum Thema gemacht, was die Musiker mit geschickter Rhetorik und überaus fesselnder Diktion aufgriffen. Dass Schumann nie verriet, was die Inhalte seiner Geschichten sind, hinderte das absolut homogene Trio nicht daran, von imaginativ packenden Ereignissen zu berichten und so bildhafte Szenarien zu entwerfen. Wie schon bei Mozart glänzten sie auch bei Schumann immer wieder mit fein strukturierten Preziosen, die gerade in Märchen mit besonderem Reiz schillern konnten. Die enorme Expressivität des Trios war auch bis zu einem gewissen Grad der Tatsache geschuldet, dass Schumann bei der Entstehung der vier Märchenerzählungen schon psychisch schwer angeschlagen war und so Emotionen viel stärker als zuvor empfand – was er auch mit ruppigen, nervösen, jedenfalls in gewisser Weise irritierenden Elementen hineinkomponierte.

Hätte Schumann im 20. Jahrhundert gelebt, wäre dabei wahrscheinlich so etwas ähnliches entstanden wie Bartóks „Kontraste“, das der in die USA emigrierte Komponist für Benny Goodman schrieb. Mit dem Stück zogen die drei Musiker alle Register, bis hin zum musikantischen Poltern in den folkloristischen Passagen. Die melancholisch sinnierenden Zäsuren in den solistischen Auftritten gaben dem jeweiligen Instrument den dankbar aufgegriffenen Freiraum für individuelle Gestaltung. Der packende Vortrag unter einem weiten Spannungsbogen riss das Publikum mit. Ein lässiger Slowfox von Ilan Rechtman belohnte schließlich die frenetischen Ovationen.