Veranstaltungsinfo

Do, 24.10.2019
20.00 Uhr
Klassik
27,00 / 15,00 €*
* Regulär / bis 25 Jahre

Trio Karénine: Fauré, Debussy, Tailleferre, Ravel

Gegründet 2009 in Paris benannte sich das Trio Karénine nach Tolstois berühmter Romanheldin – die Leidenschaft und Modernität Anna Kareninas sind dem jungen Ensemble, das besonders für sein lebendiges Spiel und seine musikalische Authentizität geschätzt wird, Ansporn und Inspiration.
Das Trio Karénine ist mehrfacher Preisträger des 62. Internationalen Musikwettbewerbs des ARD München – bei nicht vergebenem 1. Preis gewann es den 2. Preis sowie drei Sonderpreise, darunter den Sonderpreis für die beste Interpretation des Klaviertrios „Space Jump“ von Fazil Say. Des Weiteren gewann das Trio den Ersten Preis des Internationalen Kammermusikwettbewerbs Charles Hennen in Heerlen, Niederlande, wurde mit einem Stipendium der Fondation Banque Populaire ausgezeichnet und ist Preisträger unter anderem des Internationalen Kammermusikwettbewerb Joseph Haydn, und der „Fondation Oulmont“. 2015 wurde das Trio Karénine außerdem mit dem Nordmetall-Ensemblepreis der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet.
 
Das Klaviertrio gastierte bereits in vielen renommierten Konzertsälen Europas: in der Wigmore Hall London, im Salle Pleyel und dem Auditorium du Louvre in Paris, dem Musée des Beaux-Arts in Montréal, Palazetto Bru Zane in Venezia, dem Herkulessaal und Prinzregententheater München, der Laeiszhalle Hamburg sowie im Schönbrunn Theater Wien, im Konzertsaal von Pekings Verbotener Stadt und zuletzt in Konzerthaus Berlin. Mit Beethovens „Tripelkonzert“ war das Ensemble außerdem zu Gast bei der Neuen Philharmonie Westfalen, dem Polnischen Kammerorchester und dem Orchestre de Caen. Das Trio Karénine ist regelmäßig bei Festivals zu hören, wie den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, dem La Roque d’Anthéron Festival, den »Folle Journée« in Nantes, Tokyo und Warschau, dem Rencontres Musicales in Evian, die Flâneries Musicales in Reims, dem Festival »Croisements« in China, sowie dem Radio France-Festival in Montpellier.
 
Die Mitglieder des Trio Karénine sind Absolventen des Conservatoire National Superieur de Musique Paris/Lyon und vervollständigten ihre Studien individuell in den international renommierten Klassen der Musikhochschulen Leipzig, Wien und Berlin. Seit seiner Gründung erhält das Trio außerdem wichtige musikalische Impulse durch das Quator Ysaÿe am Conservatoire de Paris. Das Trio wird unterstützt von der Académie Musicale de Villecroze und der Management-Organisation Adami.
 
FANNY ROBILLIARD Violine
LOUIS RODDE Violoncello
PALOMA KOUIDER Klavier

Programm
FAURÉ Klaviertrio d-Moll op. 120
DEBUSSY Klaviertrio G-Dur
TAILLEFERRE Klaviertrio
RAVEL Klaviertrio a-Moll



Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
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2019

Nach(t)kritik 
Am Ende hatte man schon das Gefühl, dass es dem Trio Karénine gelungen ist, beim bosco-Publikum eine Lanze für die französischen Komponisten gebrochen zu haben. Nach wie vor steht das Konzertpublikum hierzulande meist etwas reserviert gegenüber dieser klangmalerischen Musik. Obgleich es hier noch nicht einmal um Impressionismus ging, zeigte sich das Repertoire überaus farbig, voller Atmosphäre, erzählerisch, ereignisreich, immer wieder zu überraschenden Wendungen bereit.
Dass der finale Höhepunkt Ravels Klaviertrio a-Moll von 1914 im Programm zufiel, hatte schon seine Berechtigung. Nicht nur, weil es zweifelsohne einen Meilenstein in der Entwicklung der französischen Schule darstellt, sondern weil auch das Trio Karénine hier eine herausragend packende Interpretation vorlegte. Die drei Musiker agierten immer sehr konzentriert und miteinander kommunizierend stark auf die Ensemblehomogenität fokussiert. Doch bei Ravel wurde Hingabe nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar. Diese Körperlichkeit tat der Musik gut, erst recht in der Zugabe mit dem wuchtig-schwungvollen Schlusssatz aus Dvořáks Dumky-Trio, das schon bemüht werden musste, um Ravels Kraft standhalten zu können.
Das Programm war sehr schlüssig aufgestellt. Unmittelbar vor Ravel musste den geradezu dessen enge Freundin Germaine Tailleferre zum Zuge kommen – die einzige Frau im Programm wie auch in der Groupe des Six, die sich vom Nebulösen des Impressionismus abwandte, hingegen formal der Unterhaltungsmusik zusprach. Ihr Klaviertrio vernachlässigte dennoch die klangmalerischen Wirkungen nicht, auch wenn sie dort konkreter definiert und in einer klar umrissenen Formensprache umgesetzt erklangen. Alle Komponisten des Abends waren auch Pianisten, die entsprechend dem Klavier eine recht dominante Rolle zuschrieben. Doch Tailleferre bedachte das Instrument mit einem von Paloma Kouider bravourös dargebotenen virtuos-brillanten Part mit perlenden Arpeggien und Läufen, denen sie klare, eindringlich schlichte Themen der Streicher gegenüberstellte. Letzteres nicht selten unisono geführt, wie es bei allen vier Komponisten im Programm als Stilmittel genutzt wurde. Fanny Robilliard (Violine) und Louis Rodde (Violoncello) verstanden es aber, solche Passagen immer wieder neu auszubalancieren und die Klangcharakteristik feinsinnig zu variieren.
Im ersten Konzertteil dominierte eher das blühende Kolorit mit schönmalerischen, ja bisweilen sogar ätherischen Stimmungen. Natürlich in Debussys Klaviertrio G-Dur von 1879 deutlicher als im d-Moll-Klaviertrio op. 120 von Fauré, auch wenn der damals erst 17jährige Debussy zu seinem späteren Stil noch gar nicht gefunden hatte und hier die Romantik in französischer Sprache neu erfand. Und auch diesen Unterschied vermochte das Ensemble adäquat zu erfassen: Nicht impressionistisch, vielmehr jugendlich schwärmerisch florierte es darin. Als beherrschend erwiesen sich jedoch andere Eigenschaften, die in den Satzbezeichnungen mit appassionato und espressivo auf sich aufmerksam machten.
Auch in den anderen Werken sorgten Höhenflüge in klangsinnlicher Fülle immer wieder für effektvolle Steigerungen, vom Trio Karénine geschickt eingeleitet und geduldig ausgespielt, worin es den Musikern gelang, die Kulminationspunkte der straffen Dramaturgien in euphorisierenden Momente zu verwandeln. Besonders intensiv beim reifen Fauré, dessen Trio von 1922/23 wohl deshalb so voller Energie und Seelentiefe ist, weil der fast ertaubte Komponist darin der inneren Stimme folgen musste. Und die ist stets tiefgründiger als alles Gehörte.