Veranstaltungsinfo

So, 30.06.2019
20.00 Uhr
Klassik
27,00 / 15,00 €*
* Regulär / Schüler | Restkarten ggf. an der Abendkasse verfügbar

Van Baerle Trio: Beethoven und Schubert

Das Van Baerle Trio wurde 2004 von Hannes Minnaar (Klavier), Maria Milstein (Violine) und Gideon den Herder (Violoncello) gegründet.
In der Van Baerle Straße in Amsterdam befand sich sowohl die Musikhochschule der Stadt, an der die drei Musiker studierten, als auch das Concertgebouw Amsterdam, bis heute das musikalische Zuhause des Trios. 2011 gewann das Trio das niederländische Vriendenkrans Wettbewerb im Concertgebouw und ist seitdem dort häufig aufgetreten. 2013/14 wurde das Van Baerle Trio vom Concertgebouw zur internationalen Konzertreihe der European Concert Hall Organisation (ECHO) „Rising Stars“ nominiert und trat in einigen der bedeutendsten Sälen Europas auf. Schon vor dieser Europatournee hatte sich das Van Baerle Trio international einen Namen gemacht: Beim ARD Musikwettbewerb 2013 in München gewann das Trio den 2. Preis (1. wurde nicht vergeben), 2011 wurde das Trio mit dem 1. Preis beim Kammermusikwettbewerb in Lyon ausgezeichnet. Bei beiden Wettbewerben erhielt das Trio zusätzlich den Publikumspreis und mehrere Sonderpreise.
 
MARIA MILSTEIN Violine
GIDEON DEN HERDER Violoncello
HANNES MINAAR Klavier

19.00 Konzerteinführung durch den Kulturjournalisten Reinhard Palmer (Entfällt) *

* Da wir im laufenden Jahr mit erheblichen Zuschusskürzungen der öffentlichen Hand rechnen müssen, sind wir gezwungen, rechtzeitig Einsparungen vorzunehmen, um die Liquidität des Vereins nicht zu gefährden. Es werden in allen Bereichen des Theaterforums nach und nach verschiedene Sparmaßnamen umgesetzt werden. In der Klassik-Reihe müssen wir schweren Herzens die Konzert-Einführungen einstellen. Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ihr Theaterforum  Gauting e.V.
 
Programm
BEETHOVEN  Klaviertrio Es-Dur op. 38
SCHUBERT  Klaviertrio Nr. 1 B-Dur op. 99, D 898




Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Nach(t)kritik 
Glücksgefühl war in den Gesichtern der Musiker während des Konzerts immer wieder abzulesen. Man hat ja auch mit einem Klaviertrio nicht alle Tage die Möglichkeit, so großzügig aus dem Symphonischen zu schöpfen. Diese beiden Werke von Beethoven und Schubert vereinen aber beides: kammermusikalische Feinsinnigkeit und orchestrale Größe. Eine nicht geringe Herausforderung, die das in Amsterdam beheimatete Van Baerle Trio dank der kompromisslosen Hingabe mit spielfreudiger Leichtigkeit bewältigte. Das mitten in den Dreißigern recht junge Ensemble ist trotz großer Auftritte und herausragender Wettbewerbserfolge in gewisser Weise immer noch ein Geheimtipp, was wohl damit zusammenhängt, dass Amsterdam und Holland überhaupt eher abseits der großen Umschlagsrouten für große Namen liegen. Das ist insofern paradox, da doch einer der berühmtesten Konzertsäle, das Koninklijk Concertgebouw, in Amsterdam steht. An der Van Baerlestraat, die dem Ensemble vor 15 Jahren den Namen gab.
Es ist schon ein Glücksfall, dass Beethoven 1807 auf die Idee kam, sein damals acht Jahre altes Septett Es-Dur op. 20 in ein „Grand Trio“ op. 38 umzuwandeln. Im Grunde muss aber das Arrangement als eine neue Schöpfung betrachtet werden, denn von sieben Instrumenten auf drei zu kommen, bedurfte eines gänzlich neuen Klangkonzepts, das je nach Führungspart mit Klarinette oder Violine zusätzlich variiert. Da die Klarinettenstimme direkt aus dem Original verpflanzt wurde, ist die Variante mit Violine eher die stärker abweichende, damit umso eigenwilligere.
Die sechssätzige Anlage sprengt schon alle kammermusikalischen Dimensionen. Dennoch ist die Gefahr von Längen fürs Van Baerle Trio kein Thema. Weil für die drei Musiker, die auch solistisch gut unterwegs sind, jeder Ton ein Ereignis ist, jede Wendung neu und überraschend, jede Farbe ein Fest. Ein solcher Zugriff ist aber nicht per se fesselnd oder gar packend. Dieses Erfolgsrezept des Ensembles funktioniert nur dank ausgereifter Dramaturgien, die das jeweilige Kontrastprogramm zu einem großen Ganzen verbinden, sodass der Spannungsbogen niemals reißt, selbst wenn mal eine Pause im Text vorgesehen ist. Dazu gehört es zudem, unter den weiten Bögen Details spannend herauszuarbeiten und sie kostbar zu verpacken.
Dahingehend sorgte vor allem die Geigerin Maria Milstein, die nicht nur mächtig dramatisieren, sondern – wie im Adagio cantabile betörend – auch in einfühlsamer Zartheit schwelgen konnte, für die empfindsamsten Momente. Und das war schon eine Herausforderung für Gideon den Herder, der am Violoncello die Violinstimme dennoch homogen auszutarieren verstand. Stets klangrund, selbst im Pizzicato.
Das plastische Modellieren des Streicherduos am Flügel adäquat zu beantworten, bedurfte je nach dessen Farbwahl immer wieder neuer spieltechnischer Mittel, um dem unentwegten Changieren der Charakteristik entsprechen zu können. Hannes Minnaar folgte daher keinem festen Schema, ging vielmehr situativ auf die momentanen Befindlichkeiten der Mitspieler ein.
Das sollte in Schuberts unvergleichlichem Klaviertrio B-Dur op. 99, D 898 von 1827 eine noch gewichtigere Rolle spielen. Wie in allen sogenannten Spätwerken des wenige Monate später verstorbenen Komponisten ist der Reichtum an Klangfarben geradezu überbordend. Eine Variante betörender als die andere. Dass es kein bunter Fleckerlteppich wurde, verdankte die Interpretation dem ausgeprägten Sinn des Trios für feinsinnige Nuancen, das mit minuziös erspürten Tönungen die maximalen Effekte zu gewinnen vermochte. Das Werk blühte hier förmlich, mal in vergnügter Buntheit wie im Kopfsatz, mal in warmtoniger Zartheit wie im Andante oder kontrastfreudig frisch im Scherzo. Zu besonderen Raffinesse lief das Van Baerle Trio im Schlussrondo auf, das sich immer wieder neu Erfand, um das Finale immer trickreicher hinauszuschieben. Es steckte etwas Unwillen darin, das Werk zu beenden, wofür sich das Publikum umso dankbarer zeigte. Aber da war noch zum Glück eine Zugabe, die nicht minder überraschte: Beethovens Allegretto ma non troppo aus dem Es-Dur-Trio op. 70/2, ein Satz der „hebt und schmilzt mir die Seele, so oft ich daran denke“, schrieb einst der Publizist Johann Friedrich Reichardt. So dürfte es nun einigen aus dem Gautinger bosco-Publikum ergehen.
Pressestimmen 
Das Van Baerle Trio triumphiert im Bosco

Das war eine echte Überraschung. Nicht, dass die Erwartungen niedrig gewesen wären angesichts der fünfzehnjährigen Erfolgsgeschichte, die das Ensemble schon 2013 zum zweiten Preis im ARD-Wettbewerb geführt hatte. Aber dass es dem Van Baerle Trio aus Amsterdam gelingen würde, das Bosco-Publikum so euphorisch zu stimmen, war alles andere als alltäglich. Zumal die drei Musiker recht zurückhaltend auftraten: Sie verstanden es, weniger sich selbst, als voll und ganz die Musik in den Fokus zu stellen.

Oft schien es, sie freuten sich wie die Zuhörer über die wunderbaren Einfälle von Beethoven und Schubert. Hingabe und tiefe Konzentration ließen das Trio eins mit der Musik werden. Dabei sind die beiden in den Ausmaßen geradezu monumentalen Grand Trios mächtige Herausforderungen, die neben kammermusikalischen Feinsinnigkeit sinfonische Größe und Weite verlangen. Bei Beethoven rührte das Orchestrale vom Ausgangsmaterial her, das im Septett Es-Dur op. 20 auf einen breiten Klangreichtum mit Bläsern und Streichern ausgelegt war. In der Reduktion aufs Klaviertrio op. 38 oblag der komplette Streichersatz Hannes Minnaar am Flügel, der ihn entsprechend differenziert ausgestaltete und eine solide Basis für das feine Changieren in den Stimmungen bot. Das Violoncello hatte viele verschiedene Funktionen, die Gideon den Herder mit Fingerspitzengefühl in adäquaten Färbungen behutsam einbrachte. Nebenbei kam ihm auch die Vermittlerrolle zwischen Streicherduo und Klavier zu. Den führenden Klarinettenpart des Septetts ließ Beethoven nahezu unverändert stehen, bot ihn aber der Geige an. Maria Milstein verstand es bravourös, diese Stimme in violinistische Qualitäten zu übersetzen, nur so war eine entschiedene Ausdruckskraft möglich. Ihre große Stärke aber ist es, berührende Kantilenen von seelentiefer Empfindsamkeit wiederzugeben, vor allem mit einem tief unter die Haut gehenden Adagio cantabile. Der Variationssatz an vierter Stelle gab dem Trio wiederum die Möglichkeit, Ausdrucksvielfalt zu demonstrieren, die in allen nur erdenklichen Konstellationen oft für überraschende Wendungen sorgte. Ausgeprägter fielen die Charakterunterschiede zwischen den sechs Sätzen aus: effektvoll auf dem Weg zum Finale zwischen heiter ausgelassenem Scherzo und einem orchestral aufgebauten Presto-Schluss.

Während man die Motive hinter dem Gelegenheitsarrangement Beethovens nur vermuten kann, war die Absicht bei Schubert klar: Herausragende Interpreten hatten ihn dazu angeregt, in der Spätphase Klaviertrios in Angriff zu nehmen. Als der Geiger Ignaz Schuppanzigh ein erstklassiges Klaviertrio gegründet hatte, ließ sich Schubert die Chance nicht entgehen, großartige Interpretationen seiner Werke zu erleben. Im Bosco versprach schon der Einstieg in den Kopfsatz tief beseelte Musik, den Farbenreichtum griff das Trio großzügig auf. Feinstes Changieren zwischen aussagestarken Wendungen und Stimmungsumbrüchen erzeugte betörende Klangerlebnisse. Das Ensemble tarierte permanent nach, erspürte und ertastete schönfarbige Konstellationen, schuf Übergänge, lotete Kontrastwirkungen aus, überraschte mit leidenschaftlichen Ausbrüchen und straffen Verdichtungen. Vor allem aber behielt es dabei die Gesamtidee im Blick und folgte einer klaren Dramaturgie. Auch hier kam es auf die Verbindung feinsinniger Kammermusik mit klangsatter Symphonik an, die das Van Baerle Trio flexibel hielt und nicht als einander wesensfremd formulierte. Es zog keine Grenzen, vielmehr stellte es beide Zugriffe als Varianten derselben Idee vor. Diese Konstellation sollte in der Zugabe das "Allegro ma non troppo" aus dem Klaviertrio Es-Dur op. 70/2 Beethoven klanglich nah an Schubert heranrücken. Ein hinreißender Beitrag, der einen Kreis im Programm schloss und das Publikum für seine Begeisterungsfähigkeit großzügig belohnte.