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Veranstaltungsinfo

Mi, 10.11.2021
20.00 Uhr
Ausstellung | Vortrag

Eintritt frei

Platzkarten  erforderlich / erhältlich ausschließlich über das Theaterbüro
unter 089 45 23 85 80 oder kartenservice@theaterforum.de

Vortrag zur Ausstellung: »Architektur & Spiritualität« mit Axel Frühauf

Neuer Termin Vortrag - verschoben von Di 16.11.2021. auf Mi 10.11.2021

Der Architekt und Geschäftsführer der meck architekten Axel Frühauf hält im Rahmen der aktuellen Fotoausstellung von Florian Holzherr einen Vortrag über das Thema „Architektur & Spiritualität“.

Beispiele für erfolgreich verwirklichte sakrale Bauwerke von meck architekten in der Region sind das Pfarrzentrum Sankt Nikolaus in Neuried (2008) und das Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer in Poing (2018). Für letzteres wurden Andreas Meck und Axel Frühauf 2020 mit dem Internationalen Preis für Sakralarchitektur ausgezeichnet.

Referent AXEL FRÜHAUF, geschäftsführender Gesellschafter, meck architekten GmbH
 

AXEL FRÜHAUF studierte von 1998 bis 2004 Architektur an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in München und arbeitete bereits direkt nach dem Diplom von 2004 bis 2005 bei meck architekten. 2005 machte er sich mit seinem eigenen Büro in München selbständig und bearbeitete weiterhin als freier Architekt Projekte für meck architekten.
Folgend wurde er 2011 Partner und Geschäftsführer der meck architekten gmbh. 2018 gründeten die Architekten Axel Frühauf und Andreas Meck mit Sebastian Kruppa die meck ingenieure GmbH.
Von 2011 bis 2020 lehrte Axel Frühauf an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften München. Seit 2021 hält er einen Lehrauftrag an der MSA – Münster School of Architecture inne. Ebenfalls 2021 erfolgte seine Berufung in den BDA (Bund Deutscher Architektinnen und Architekten).
 

Eröffnung Do 23.09.2021 | 19:00 | Eintritt frei mit Platzkarte*
Eröffnung So 26.09.2021| 16:00 | Eintritt frei mit Platzkarte*
Rahmenprogramm Vortrag von Florian Holzherr im großen Saal

Begleitveranstaltungen Im Rahmen der Ausstellung finden folgende Veranstaltungen statt:

  • Film »The Shakers – Hands to work. Hearts to God« von Ken Burns
     Di 05.10.2021 | 20:00 | Eintritt frei mit Platzkarte*
  • Vortrag »Architektur & Spiritualiät« mit Axel Frühauf
    Di 16.11.2021 | 20:00 | Eintritt frei mit Platzkarte*
    Mi 10.11.2021 | 20:00 | Eintritt frei mit Platzkarte*
  • Diskussion »Architektur – Identität schaffen. Identität abbilden.«
    Mi 01.12.2021 | 20:00 | Eintritt frei mit Platzkarte*

Führungen Florian Holzherr führt am So, 24.10.2021 und am Sa 20.11.2021 jeweils um 14 Uhr durch die Ausstellung. (Anmeldung erforderlich: telefonisch unter 089/45328580 oder per E-Mail an kartenservice@theaterforum.de.)
Dauer der Ausstellung Bis Do 16.12.2021 zu den Öffnungszeiten des bosco und während der Abendveranstaltungen für Gäste der entsprechenden Veranstaltung

* Platzkarten für die Veranstaltungen sind ab Sa 18.09.2021 ausschließlich über das Theaterbüro erhältlich.

Der Besuch unserer Ausstellungen während der Öffnungszeiten des bosco ist frei. Bitte beachten Sie bei Ihrem Besuch die momentan geltenden Corona-Hinweise.
 

Die Ausstellung sowie das Begleitprogramm finden im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe Architektur im bosco statt.

Logo Architektur im bosco

Architektur im bosco ist eine breit angelegte Plattform für die Auseinandersetzung mit Fragen der Architektur. Dabei wird der Begriff Architektur weit gefasst, vom einzelnen Objekt über städtebauliche Planung bis hin zu Fragen des menschlichen Zusammenlebens und -arbeitens. In Diskussionen, Vorträgen, Filmen und Exkursionen wird behandelt, welchen funktionalen, ästhetischen und sinnstiftenden Beitrag Architektur für das Leben und Arbeiten in unserer Zeit und in unserer Gesellschaft leistet und welche Rahmenbedingungen sie benötigt, um diesen Auftrag zu erfüllen.
Architektur im bosco geht in seinen Fragestellungen über Gauting hinaus, findet dabei aber immer wieder zurück zur Würmtal-Gemeinde mit ihren vielfältigen und spezifischen planerischen und architektonischen Herausforderungen.
Architektur im bosco wird kuratiert und moderiert von einem Team um den weltweit tätigen Gautinger Architekturfotografen Florian Holzherr und den Kommunikationsexperten Dirk Loesch.
 

Unterstützt von

Logo Stiftung der Gemeindesparkasse Gauting                                           Logo Bayerische Architektenkammer

 

Nach(t)kritik
Von Hergottsbeton und Transzendenz
Nach(t)kritik von Thomas Lochte

„Wir planen und bauen für Menschen. Wir müssen schon zu verstehen versuchen, was sie bewegt – ob man dafür Christ sein muss? Jedenfalls braucht man in unserem Beruf ein Gespür für Spiritualität.“ Axel Frühauf, Architekt und Geschäftsführer der meck architekten, erläuterte für seinen Vortrag „Architektur & Spiritualität“ im Rahmen der ausstellungsbegleitenden Reihe zwei Praxis-Beispiele für erfolgreich verwirklichte sakrale Bauwerke aus der Region – beide im Osten Münchens umgesetzt: das katholische Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer in Poing und das evangelische Gemeindezentrum Markt Schwaben.

Ersteres Sakralbauwerk war schon 2011 aus einem von meck architekten gewonnenen Wettbewerb hervorgegangen, aber erst sieben Jahre später, am 18.Juni 2018, mit der Konsekration offiziell seiner Bestimmung übergeben worden: Von vornherein als Ortsmitte konzipiert, sei das Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer als skulpturaler Baukörper, „wie eine Art Schlussstein“, gedacht und gesetzt worden, so Axel Frühauf rückblickend. In unmittelbarer Nähe zum bestehenden Bürgerhaus und zum Rathaus, zugleich den baulichen Auftakt zu einem Grünzug bildend, mit dem Element eines Bergkristalls als Lichtkörper, verwirklichten seine Schöpfer hier die Assoziation einer „Stadtkrone“ – Symbol für die unbedingte Friedensbotschaft und Botschaft der Völkerverständigung, für die Pater Rupert Mayer vor allem nach den bitteren Erfahrungen des Ersten Weltkrieges stand. „Was wir als Architekten schaffen, kann man auch gebrauchen“, hatte Frühauf zu Beginn seines Vortrages angemerkt und damit zu den Aspekten der liturgischen Praxis übergeleitet – in Poing habe sich „ein Spiel mit Formen“ und sogar Zahlensymbolik entwickelt, die es innerhalb des Bauwerks zu materialisieren galt: Die Vier stehe hierbei für das Göttliche, die Drei für das Irdische. „Im eigentlichen Sinn wird diese Kirche durch eine Raumkrone getragen, was ein sehr beruhigendes Gefühl erzeugen kann“, beschreibt der Architekt Absicht und Wirkung. Diese Raumkrone trage die Dachfaltung, die Modellierung des Raumes fördere das Liturgische, so Frühauf. Es habe dazu einer sehr intensiven Beschäftigung mit dem Prinzip des Goldenen Schnitts bedurft, das bestimmte harmonische Gesetzmäßigkeiten befolgt. Die Anordnung des Gestühls im Inneren des Kirchenraums, sozusagen der Möblierung, sei ihrerseits dem Geist der communio, der Gemeinschaft verpflichtet – es entstand ein weißer Lichtraum auf diese Weise, als Umsetzung der architektonischen Vision ein Raum buchstäblich „zwischen Himmel und Erde, Transzendenz und Immanenz“.

Aus Nagelflu oder „Herrgottsbeton“ besteht der Sockel, über dem sich der kristalline, skulpturale Lichtkörper der Kirche erhebt. Von Bedeutung – und damals wohl auch wettbewerbsentscheidend – war die gewählte Zuordnung des Kirchenplatzes hin zur Straße und damit zum öffentlichen Raum. Andere Wettbewerbskonzepte hatten eine Orientierung des Baus zum nahen Park gewählt. „Die Kirche sollte ihre Kraft aus der eigenen Form schöpfen“, betont Frühauf ergänzend, nicht aus ihrer schieren Höhe. Im Falle „Seliger Pater Rupert Mayer“ in Poing griff der Entwurf auch viele Wegebeziehungen auf und erzeugte so einen „offenen, einladenden Raum“. Es wurde auf zahllose bestimmende Details geachtet, wie etwa einen „Material-Kanon mit klarer qualitativer Staffelung“: Das Tauf-Fenster öffnet sich direkt zum Wasser, 15.000 weiße Keramikkacheln, abgesehen von den Randkacheln alle gleich, erzeugen durch mannigfach-differenzierende Lichtbrechung den beschriebenen Lichtkörper-Effekt, im Raum zum Teil auch durch diffuses Licht eine Atmosphäre der Transzendenz. Die Kirche steht auf leicht (um 3 bis 4 Prozent) abfallenden Gelände, geneigt Richtung Wasser, was zur Dramaturgie ihres Inneren beiträgt, zu seiner Erhabenheit, was wiederum „zu Stille und Einkehr“ führe. Um unerwünschte akustische Effekte wie das „Platten-Echo“ zu vermeiden, ist die Kirche mit schräg gestellten Wänden versehen; die drei Salbungsstellen wurden dort situiert, „wo das Raumkreuz sich im Fundament abstellt“, so Frühauf. An einer der Wände steht der thematische Schriftzug zu lesen: „Ich bin die Brücke“. Das mit rein architektonischen Gestaltungsmitteln erzeugte „Ewige Licht“, von mystischer Qualität.

Das zweite angeführte Beispiel für die dynamische Beziehung zwischen Architektur und Spiritualität ist das 2016 fertiggestellte Evangelische Gemeindezentrum Markt Schwaben: Hier galt es, die aus den fünfziger Jahren stammende, seinerzeit in Randlage errichtete und mittlerweile städtebaulich „zugewucherte“ Philippuskirche quasi zu (er)lösen, indem man sie baulich vom mit ihr verschmolzenen Gemeindehaus trennte. Für mec architekten bedeutete dies laut Axel Frühauf „zugleich die Chance, Neues zu schaffen, als auch Altbewährtes wiederherzustellen“. Die Lösung von Sakristei und Gemeindehaus samt Ausrichtung der Baukörper zur nahen Erdinger Straße, mit den Raumkanten der Bauten als Leitplanken für einen neu zu schaffenden Kirchplatz, mit erhöhten Räumen bei gleichzeitiger Neubetonung des markanten Kirchendachs von „Philippus“ und doch zurückhaltender Baumasse – all dies habe „viele nächtliche Sitzungen“ erfordert, um in Gemeinde und Kirchen-gemeinde Überzeugungsarbeit zu leisten: Man habe es mit vielen unterschiedlichen Vorstellungen von sakraler Architektur zu tun, zuweilen auch mit dominanten Pfarrern, so die Erfahrung während der Verwirklichung mancher Projekte. „Kirche baut ab“, merkt Frühauf zwischendurch kritisch an und meint damit wohl nicht nur Personal, sondern auch das finanzielle Engagement der Kirchen in eine ihrem Auftrag entsprechende Architektur und stilistisch angemessene Repräsentanz. Doch auch in Markt Schwaben gelang in nachhaltiger Bauweise (Lärchenholz, und als Natursteinboden Jura-Kalk, der günstige „Bauträgerstein“!) letztlich das, was er so umschreibt: „Gute Proportionen, sie kosten kein Geld, sondern Gehirnschmalz“. Auch am Entwickeln liebenswerter Details wie schmiedeeisernen Handläufen habe man so durchaus seine (Architekten-)Freude gehabt, sagt Frühauf mit noch heute spürbarer Befriedigung. „Am Ende des Tages wurde es eine ehrliche Haut für dieses kleine Haus.“ Ein Haus, das Offenheit ausstrahlt. Anders gesagt, positiven Geist.