Veranstaltungsinfo

Fr, 22.02.2019
20.00 Uhr
Kabarett
22,00 / 10,00 €*
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Wellküren: Abendlandler

Stubenmusik gegen die Idiotisierung des Abendlandes. Mit bayerischen Dreigesang gegen stumpfe Einfalt.
Die selbsternannten Retter des Abendlandes sitzen jetzt im Parlament. Versorgte Wut-Bürger haben sie da reingebrüllt. Auch im Kulturausschuss des Bundestags werden die ab sofort mitentscheiden. Obacht! Deutsche Leid-Kultur! Die Wellküren, Gründerinnen der STUGIDA Bewegung (Stubenmusik gegen die Idiotisierung des Abendlandes), feiern in ihrem Programm das freie Abendland und den Abend an sich. Mit bayerischem Dreigesang gegen stumpfe Einfalt.

Alles echt, kein Fake dabei! Und sogar ein Morgenlandler ist drin. Sie blasen den Leitkultur-Marsch, spielen Mozarts A-Dur Klaviersonate in G-Dur auf Hackbrett, Harfe und Gitarre, haben extra Bass-Ukulele gelernt für ihre Nina-Simone-Hommage „Mei Oida, der schaut auf mi“ im Stubenmusik-Format. Sie analysieren „Männer im Wechsel“ und bekennen überzeugt, dass auch der nicht mehr ganz so junge Mensch noch was empfinden kann!

Abendlandler ist besonders geeignet für Menschen, die auch wenn’s dunkel wird, den Humor nicht verlieren. Nach über 30 Jahren auf der Bühne sind die drei Schwestern darin wahre Expertinnen geworden.

Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2019

Nach(t)kritik 
Wie weiland die sagenhaften Sirenen, die mit ihrem betörenden Gesang einem jedem den Kopf verdrehen, der sie einmal hört, haben die Wellküren ihr Publikum vom ersten Ton an am Haken: Es wird gelacht, gejohlt, gestampft, rhythmisch geklatscht und bei „Auf einem Baum ein Kuckuck saß“ von der ersten Silbe an mitgesungen. Es kostet Moni Well keinen Wimpernschlag und schon hat sie das Publikum auf ihrer Seite. Und das ändert sich auch nicht in den kommenden zweieinhalb Stunden, in denen die Well-Schwestern einen Parforceritt durch musikalische Stile und politische Themen hinlegen – das Publikum folgt willig und aufs Beste unterhalten. Die Aufforderung der drei Künstlerinnen zum gelegentlichen Bravo-Rufen oder Mitklatschen bedarf das Publikum im berstend vollen Bosco nicht – es bereitet den Well-Sisters von Beginn an einen herzlichen Empfang, den diese mit Spiellust und überschäumender Energie quittieren. Es wird ein atemloser Abend ohne Hänger, ohne Langeweile oder Peinlichkeit – Auditorium und Bühnenkünstlerinnen treiben sich gegenseitig von Höhepunkt zu Höhepunkt. 
Bloß gut, dass Bärbi Well, von ihrer Schwester Moni kurz „Diplsozpäd“ genannt, ab und an ein Globuli zur Beruhigung reicht und wenn das nicht hilft, dann gibt es einen Klaps auf den Hinterkopf, sobald Moni, die enthusiastisch Ton und Tempo des Abends vorgibt, von ihrer Energie aus der Kurve getragen wird.
Das Programm beginnt mit einem verbalen Rundumschlag gegen die CSU, aber auch die globale Politik, Putin, Erdogan und Trump bekommen ihr Fett ab, ebenso wie die Lifestyle-Muttis und das Internet ganz allgemein. Subtil ist da eher nichts, die Wortbeiträge zielen auf Allgemeinplätze und die augenzwinkernde Verbrüderung mit dem Publikum. Auf ein Klischee wird gerne mal ein zweites draufgesattelt – aber man verzeiht den Wellküren auch die Plattitüden, denn in ihren über fünfzehn Musiknummern sind sie herrlich zart und subtil. 
Von traditionellen Landler zum Volkslied, vom lieblichen Dreigesang zum Italo-Western – die drei Well-Schwestern, die in leicht veränderter Zusammensetzung unter dem Namen Wellküren bereits seit sage und schreibe 33 Jahren gemeinsam musikalisches Kabarett machen (und nein, natürlich sieht man es ihnen nicht an), müssen weder ihre stimmliche noch instrumentalische Virtuosität beweisen, ihnen geht alles so leicht von der Hand – und aus dem Mund – dass es eine wahre Freud ist. Doch die Virtuosität funktioniert auch ex negativo, wenn zum Beispiel „La Paloma“ nicht sanft gestrichen, sondern durch die Nonnentrompeten schräg zersägt wird. Dekonstruktivismus at it’s best.
Zu schnell kommt die Pause, zu rasch die Zugaben. Tuba, Akkordeon, Saxophon, Zither, Gitarre, Harfe und die legendär liebliche Nonnentrompete – die Instrumente wechseln so rasch wie die Themen.
Katapultierten uns die Wellküren gerade noch mit der Bavaria One in Begleitung Markus Söders ins All – der Mond wird mangels Diesel leider nicht erreicht – befinden wir uns schon im Männerschutzverein Oberschweinbach (MSV Gloria), den Burgi Well in vorauseilendem Gehorsam gegründet hat, um die von der Me too-Debatte arg gebeutelte Männer in Schutz zu nehmen.
Überhaupt die Männer. Egal, ob es die eigenen sind oder die der wenig geliebten CSU – Söder, Seehofer, Dobrindt und Scheuer – alle bekommen ihr Fett weg und zwar immer und immer wieder, allein die Melodie variiert. Erstere werden trotz zurückweichendem Haar, Bauchansatz und Schnarcherei dennoch geliebt, auf letztere könnte man gut und gerne verzichten. Die politische Kaste schließlich wird mit dem Italo-Western-Abgesang „Spiel mir das Lied vom Tod“ verabschiedet, ein wunderbares Stubenmusical, das den auch an persönlichen Geständnissen („I ko ned stricka“ von Bärbi oder „Ich bin ein guter Verlierer“ von Burgi) reichen Abend dramatisch ausklingen lässt.
Das Publikum strömt nach den Zugaben beseelt und beschwingt nach Hause, unter ihnen keine/r, die/der nicht mit wehenden Fahnen Mitglied in der von den Wellküren soeben  gegründeten Vereinigung Stugida werden würde – denn wer könnte sich der „Stubenmusik gegen die Idiotisierung des Abendlandes“ nach so einem Abend schon verweigern?
Pressestimmen 
Die Wellküren bringen ihr Publikum im Gautinger Bosco mit Musik und spitzfindigen Pointen zum Jubeln

Für die Kabarett-Gruppe Wellküren steht fest: "Mia san umgeb'n von Wahnsinnig'n." In einer Welt, in der es besonders dunkel wird, in der Rechtspopulisten die Macht ergreifen, Mauern gebaut und Menschen ausgegrenzt werden, ist es für das Trio umso wichtiger, niemals den Humor zu verlieren. So gründeten die Wellküren-Schwestern, Moni, Bärbi und Burgi Well, ihre "Stugida"-Bewegung - dahinter verbirgt sich in der Langfassung die "Stubenmusik gegen die Idiotisierung des Abendlandes" - und verpackten diese in das Programm "Abendlandler", für das sie am Freitag im ausverkauften Bosco großen Jubel einholten.

Das Dreigesang-Trio, das seit 33 Jahren auf der Bühne steht, schafft, was nur wenige Kabarettisten können: Ihre Pointen sind bissig, frech, zeitgemäß und zugleich unterhaltsam. Dabei kritisieren sie in bairischer Mundart Gesellschaft und Politik, ihre traditionelle Volksmusik wird als ironisches Stilmittel eingesetzt.

Emanzipation geht auch in Bayern. Moni regt sich darüber auf, dass in alten bairischen Volksliederbüchern Frauen ausschließlich übers Fensterln und die Liebe definiert werden. Und sie denkt sich: "Wos mach ma denn mit 50, do kimmt jo koana mehr?" So revolutionieren die Wellküren ihre Lieder eben selbst: Statt übers Fensterln singen die Damen über Markus Söder, der sich besser als Biene verkleiden sollte, und Alice Weidel, die ihrer Meinung nach so viele Haare auf den Zähnen hat, dass jeder einzelne eine Frisur trägt. Die Kabarettistinnen drücken ihren Unmut über die bayerische Asylpolitik aus. Mit scharfsinniger Ironie unter dem Motto "den schick ma wieda hoam", blasen die Damen den Politikern den Marsch.

Die Instrumente der Schwestern sind so vielfältig wie ihr Programm: Mit Hackbrett, Sopransaxophon, Harfe, Tuba, Gitarre, Posaune und Ukulele lassen die Schwestern das Publikum unter anderem zu Mozarts A-Dur Klaviersonate in einer speziellen G-Dur Version lauschen. Neben ihrer Nina-Simone-Hommage "Mei Oida, der schaut auf mi" im Stubenmusikformat dürfen auch die Nonnentrompeten nicht fehlen. Der Name rührt daher, weil dieses Instrument früher hauptsächlich von Klosterfrauen gespielt wurde.

Wenn das Trio sich nicht gerade über die Weltpolitik oder die CSU aufregt, erzählen die drei Schwestern von Alltagssituationen und ihrem Leben in der Großfamilie. Monis größtes Problem in ihrer Kindheit war: "I hob immer g'redt und koana hod zuag'hert".

Natürlich ist das jetzt nicht mehr der Fall. Nun kann sie mit ihren Schwestern über Männer schimpfen, die denken, dass sie Fußball spielen, wenn sie am Wochenende vorm Fernseher sitzen, um Bundesliga zu schauen. Auch ihre Witze über Herren, deren Nasen und Ohren im Alter immer größer werden, kamen gut an. Bei dem Lied über die "Maratonga Bar", in der Überlebende auf Hinterbliebene mit verschrumpelten Tattoos treffen und sich nur noch über Krankenhäuser, Friedhöfe und Doktoren unterhalten, bogen sich die Zuschauer vor Lachen. Zwischendurch ging die politische Schärfe zwar etwas unter, aber eines blieb bestehen: der Humor.

Zum Abschluss zeigte das Trio dann noch einmal seine gesamte Sprachgewalt: In ihrem "Stubenmusical" erzählten sie von einem imaginären Bayern, wie es ist, wie es war und wie es einmal sein könnte. In drei Akten, begleitet von der Melodie aus dem Film "Spiel mir das Lied vom Tod", beschreiben die Wellküren ein Bayern, in dem die CSU noch die absolute Mehrheit hatte, das Bier noch dunkel und die Buam geschmeidig waren. Doch dann kommt es zum Niedergang unter Markus Söder und Horst Seehofer, die mit der Angst ihrer Untertanen spielen und dabei ihre Macht verlieren. Auch die von Putin beigesteuerte Kalaschnikow kann Seehofer in seinem Kampf gegen Berlin nicht beistehen. In all ihrer Verzweiflung fliehen die beiden Politiker ins Weltall, um neue Wählergalaxien zu erobern - bis ihnen der Diesel ausgeht. Mit dieser kosmischen Aussicht lassen die Schwestern ihr Publikum nach Hause gehen: Die Fantasie der Wellküren hat eindeutig galaktische Züge angenommen.