Gauting – „Boden – Lebensraum und Lebensgrundlage“: Das ist der Titel des neuen Themenschwerpunktes im Gautinger Bosco. Zum Auftakt diskutierten Martin Held von der Evangelischen Akademie Tutzing, die Gautinger Architektin Svenia Rosette, Werner Gruban, ehemaliger Sachgebietsleiter Klimaschutz in München, und Anette Stautner von der Ortsgruppe Bund Naturschutz am Sonntag mit Moderator Stefan Berchtold.
Martin Held erläuterte das Grundproblem: Durch übermäßige Nutzung und Versiegelung verkämen kostbare Böden, die Wasser aufnehmen, die Ernährung sicherstellen und Pflanzenwachstum ermöglichen, nur noch zu Flächen mit Mehrwert. Wie Moderator Stefan Berchtold ergänzte, seien deshalb auf kommunaler Ebene Akteure wie das „Umweltnetzwerk“ gefragt, die sich für die nachhaltige Entwicklung einsetzen.
Der Gemeinderat für MfG/Piraten benannte aber auch das Dilemma, vor dem Gauting steht. „Es gibt einen Zielkonflikt mit den Gewerbesteuereinnahmen“, sagte er vor etwa 30 Interessierten. Mangels ausreichend Gewerbegebieten verfüge die Gemeinde nur über acht Millionen an Einnahmen aus der Gewerbesteuer, Gräfelfing hingegen über satte 100 Millionen. Er machte aber auch Flächen aus, wo eine Entsiegelung durchaus möglich sei, etwa den Bosco-Parkplatz oder die Hubert-Deschler-Straße.
Ärztin Dr. Anette Stautner vom Gautinger Bund Naturschutz ist in dem von Martin Held geforderten Sinn aktiv: Mit weiteren Ehrenamtlichen befreit sie Biotope in und um Gauting von Neophyten. Ihre Hauptaufgabe sieht sie jedoch in der Erhaltung von Biodiversität und Artenvielfalt. Damit aussterbende Wildbienen künftig von Biotop zu Biotop fliegen, empfahl sie torffreies Gärtnern, Beetpatenschaften im öffentlichen Raum und so viele Naturgärten wie möglich.
Was die Versiegelung wertvoller Böden angeht, jammere man in Gauting auf hohem Niveau, erklärte Architektin Svenia Rosette vom Bereich Städtebau der Regierung Schwaben. Denn laut Gautinger Flächennutzungsplan (FNP) von 1990 seien mehr als 50 Prozent am Ort Wald und 27 Prozent Landwirtschaft. Nur 6,6 Prozent der Flächen entfielen auf Wohnbau, großteils für Einfamilienhäuser mit Gärten, 48 Prozent auf Verkehr, aber nur 0,8 Prozent auf Gewerbe. Die Zeit für den Transformationsprozess nach Wetterextremen wie Überschwemmungen „wird denkbar knapp“, warnte indes Werner Gruban, ehemaliger Referent für Klimaschutz und Umwelt in München.
