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Erst einmal den Maibaum aufstellen
Die vier Bürgermeisterkandidaten in Gauting sind sich in vielem einig. Das wird bei einer Podiumsdiskussion im Bosco mit 300 Zuhörern deutlich. Da kommt es auf die kleinen Unterschiede an, zum Beispiel beim Programm für den ersten Tag im Amt.
Ginge es nur um politische Inhalte, hätten es die gut 16000 Gautinger Wählerinnen und Wähler diesmal besonders schwer. Unterschiede in den Positionen und Schwerpunkten der vier Bürgermeisterkandidaten sind kaum auszumachen, von echten Kontroversen ganz zu schweigen. Das wird bei einer Podiumsdiskussion am Sonntag im Kulturhaus Bosco wieder deutlich. Unübersehbar ist, wie groß das Interesse in der Würmtal-Gemeinde an der bevorstehenden Kommunalwahl ist, bei der auch acht Listen mit Gemeinderatskandidaten zur Wahl stehen.
Eine Viertelstunde vor Veranstaltungsbeginn ist der große Saal voll, mehr als 300 Besucher sind gekommen, vor allem die ältere Generation ist gut vertreten. Thomas Hilkert, Vorsitzender des Theaterforums, das für das Programm im Haus zuständig ist, muss am Eingang den Türsteher machen und Besucher zurückweisen, die aber zu Hause in einem Livestream via Bildschirm die Diskussion verfolgen können. Andere lassen sich so leicht nicht abwimmeln, umrunden das Haus und kommen zum zweiten Eingang herein.
Da inhaltliche Kontroversen nicht auffallen, wird es bei der Wahl weniger um das Was als um das Wie gehen. Welcher Person also die Gautinger am ehesten zutrauen, die Probleme in der Gemeinde zu lösen und als Nachfolger der jetzigen Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) eine Rathausverwaltung mit fast 160 Mitarbeitern zu leiten: Dem weitaus jüngsten in der Runde, dem 38-jährigen Maximilian Platzer, studierter Politikwissenschaftler, der schon als Fünfzehnjähriger der Jungen Union beigetreten ist und jetzt in einer Unternehmensberatung an der Schnittstelle von Politik, Verwaltung und Wirtschaft arbeitet, wie er bei seiner Vorstellung sagt? Oder dem 54-jährigen Harald Ruhbaum, Gewerbeverbandsvorsitzender und ehemaliger Feuerwehrkommandant, dem das Brauchtum wichtig ist. Dann wäre da noch der 57-jährige Jazzmusiker Stefan Berchtold, der in Stockdorf aufgewachsen ist, in Unterbrunn wohnt und sich in der Kulturszene der Gemeinde bestens auskennt. Oder der 60-jährige Matthias Ilg aus Königswiesen, der älteste im Kreis der Kandidaten, studierter Physiker, der auf einem Bauernhof aufgewachsen ist und im Rathaus Dinge schneller umsetzen will.
Alle vier Kandidaten sitzen schon im Gemeinderat und bringen zum Teil lange Erfahrungen in der Kommunalpolitik mit. Und sie wissen alle sehr gut, wo in Gauting der Schuh drückt. Die knappen Kassen sind ein Dauerthema, Verbände und Vereine bekommen das zu spüren, denn sie müssen Kürzungen bei ihren Zuschüssen hinnehmen. Die Sanierung von Straßen wird aufgeschoben, in Teilen von Stockdorf etwa ist das unübersehbar. Darum soll die Kommune künftig mehr Steuern einnehmen, neue Gewerbegebiete sollen ausgewiesen werden. Das erklären alle Bewerber um den Chefposten im Rathaus zum Ziel. Ein Thema, das auch am Sonntag den größten Raum einnimmt, vor Verkehr und Kinderbetreuung etwa.
Der sogenannte Handwerkerhof im Westen des Ortes läuft schon; allerdings sind dorthin vor allem Betriebe aus der Gemeinde umgezogen, also keine neuen Steuerzahler. Ganz in der Nähe, zwischen Ammerseestraße und dem Gelände der Asklepios-Klinik, soll das nächste Gewerbegebiet entstehen, ein weiteres in der Nähe des Sonderflughafens Oberpfaffenhofen an der Gemeindegrenze zu Gilching. Als CSU-Kandidat Platzer ankündigt, er werde sich für die „schnelle Realisierung unserer Gewerbegebiete“ einsetzen, erklärt Grünen-Kandidat Ilg: „Ich kann mich dem Max nur anschließen.“ Man duzt sich, man ergänzt sich. Später signalisiert Platzer bei einem anderen Thema „volle Zustimmung zu meinen Vorrednern.“
Da sind es dann Stilfragen, in denen Unterschiede am ehesten zutage kommen. Die Antworten auf die theoretische Frage nach der ersten Amtshandlung zum Beispiel. Platzer scherzt, er wolle zum Maibaumaufstellen gehen, da der erste Arbeitstag auf den Maifeiertag fällt. Ilg will einen Beschwerdebrief an die Bahn schreiben, Berchtold einen Kuchen mitbringen und sich bei den Mitarbeitern vorstellen. Und Ruhbaum würde gleich mal den Gewerbepark vorantreiben.
Für eine Zuhörerin im Bosco ist schon vor dem ersten Satz auf der Bühne klar, wie die Wahl im März ausgeht: „Der links wird’s, der von der CSU“, erklärt sie bestimmt ihrer Sitznachbarin. Eine Probeabstimmung im Saal, bei der Platzer deutlich vorne liegt, bestätigt diese Einschätzung. Bei vier Kandidaten ist aber nicht damit zu rechnen, dass einer von ihnen gleich im ersten Wahlgang auf mehr als die Hälfte der Stimmen kommt. So dürfte in Gauting wohl erst in einer Stichwahl am 22. März die Entscheidung fallen. Einstweilen herrscht Harmonie. Da können sich die Konkurrenten nach einem etwa dreistündigen Gespräch, das man nicht Schlagabtausch nennen kann, in guter Stimmung gemeinsam mit dem Moderator in einer nahe gelegenen Pizzabude zum Plausch danach treffen.
