Veranstaltungsinfo

Di, 21.01.2020
20.00 Uhr
Klassik
36,00 / 18,00 €*
* Regulär / bis 25 Jahre | Wir führen eine Warteliste im Theaterbüro
Abendprogramm
(PDF, 258,79 KB)


Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.

Belcea Quartet: Streichquartette von Beethoven

Das Belcea Quartet ist gleichermaßen bekannt für seine Interpretationen des klassisch-romantischen Repertoires wie für zahlreiche Uraufführungen.
„Was der vorherrschende Impuls zu sein scheint und was diese Musik antreibt, ist die Sehnsucht des Menschen nach Freiheit sowie das unstillbare Verlangen, seine eigenen Grenzen zu erweitern und dabei die Wahrheit über sich selbst zu erfahren.“

Was das Belcea Quartet im Vorwort zu seiner Gesamtaufnahme der Beethoven Streichquartette schreibt, gilt auch für sein gesamtes künstlerisches Wirken. Die Musiker lassen sich nicht von Grenzen einengen: Kein geographischer Ort und kein Repertoire kann sie einschränken. 1994 am Londoner Royal College of Music gegründet, drängt sich eine Verortung nach Großbritannien auf. Mit der rumänischen Violinistin Corina Belcea und dem polnischen Bratschisten Krzysztof Chorzelski bringen jedoch gleich zwei Gründungsmitglieder eine andere künstlerische Herkunft in das Ensemble ein. Wichtige Impulse bekamen sie zudem von ihren Mentoren, Mitglieder des Alban Berg und des Amadeus Quartetts. Dieses Spektrum wird durch die französischen Musiker Axel Schacher (Violine) und Antoine Lederlin (Violoncello) erweitert. Das Belcea Quartet verbindet seine mannigfaltigen Einflüsse zu einer gemeinsamen musikalischen Sprache. Diese Aufgeschlossenheit spiegelt sich im Repertoire des Belcea Quartets wider. Regelmäßige Uraufführungen gehen gleichermaßen mit einer tiefen Verbundenheit zu Werken der späten Klassik und der Romantik einher. Das Quartett findet stets seine ganz eigene, elegante und feine Interpretation der Werke, die in Konzerthäusern weltweit zu umjubelten Auftritten führt. Zu den Partnern des Quartetts zählen u.a. Piotr Anderszewski, Till Fellner, Matthias Goerne und Antoine Tamestit.
 
CORINA BELCEA Violine
AXEL SCHACHER Violine
KRZYSZTOF CHORZELSKI Viola
ANTOINE LEDERLIN Violoncello

Programm
BEETHOVEN Streichquartett Nr. 4 c-Moll op.18/4
BEETHOVEN Streichquartett Nr. 10 Es-Dur op. 74 „Harfenquartett“
BEETHOVEN Streichquartett Nr. 7 F-Dur op. 59/1 „Rasumowsky“



Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2020

Nach(t)kritik 
Wenn „Allegro ma non tanto“ schon wie „Allegro con fuoco“ daherkommt, dann kann man sich auf etwas gefasst machen. Das Belcea Quartet löste das Versprechen, das es im Grunde schon mit den ersten Tönen gab, auch konsequent ein. Allerdings nicht so, wie man es vielleicht zunächst geahnt hat. Denn das Ensemble hatte für den feurigen Einstieg eine plausible Begründung, wenn man die Berichte über den ungestümen, ungehobelten jungen Beethoven in Betracht zieht. Auf der anderen Seite war da aber auch das Vorbild Haydn, dem es für Beethoven auch in der Feinsinnigkeit etwas entgegen zu setzen galt. Für die vier Musiker um die Primaria Corina Belcea kein Widerspruch oder gar eine Zerreißprobe. Mit dem Streichquartett in Beethovens Schicksalstonart c-Moll op. 18/4 aus dem ersten Streichquartett-Opus des Komponisten skizzierte das Ensemble vielmehr einen impulsiven, ja rabiaten Geist, der eben andererseits voller Sehnsüchte und Empfindsamkeit steckte. Aber auch mutig genug war, sogleich die Gattung des Streichquartetts revolutionieren zu wollen.
Viel hing hier von Belcea selbst ab, denn das Quartett hat nicht nur symphonische Züge, sondern gibt der ersten Stimme einen konzertanten Part an die Hand. Die rumänische Geigerin nahm sich des Angebots zunächst kraft- und temperamentvoll an, konnte sich bald aber auch weit zurücknehmen, wenn es um flötende Zartheit, innig-blühende Freude oder einfühlsam ausgesungene Schönmelodik ging. Dieses weite Ausdrucksspektrum sollte sich generell als die große Stärke des Ensembles erweisen, gekoppelt an eine zielsichere Fähigkeit, schier unglaubliche Wendungen und Brüche in homogener Perfektion zu meistern. Das Ergebnis war ein extremes Kontrastprogramm, in dem wenig vorhersehbar war und hingegen viel Überraschendes lauerte. Das konnte ein Wechsel im Klang sein, ein Aufscheinen eines kostbaren Details, ein virtuoser Ausbruch voller Leidenschaft oder unerwartet entfesselte Klangfluten in Klarheit und Transparenz.
Die große Kunst dabei war die Fähigkeit, dieses Wechselbad der Gefühle unter einem großen Spannungsbogen unterzubringen und ihn entschieden auf der Höhe zu halten, auch wenn im Quartettsatz ein weit zurückgenommener Auflösungseffekt vorgesehen war. Auch das eine Besonderheit des Ensembles: Wo andere Überleitungen lediglich als Mittel zum Zweck sehen, legte das Belcea Quartet viel Sorgfalt in die Durchgestaltung dieser Passagen. Das wirkte schon wie ein Ohrenöffner, fielen einem doch plötzlich Details auf, die sonst als Nachrangig untergehen. Insbesondere im Streichquartett Es-Dur op. 74 (Harfenquartett) spielten diese feinen Zwischentöne eine wichtige Rolle, steht doch das Werk inhaltlich für eine gewisse Unentschiedenheit zwischen dem Bangen vor der kriegerischen Bedrohung durch napoleonische Truppen und der begründeten Hoffnung auf Frieden. Viel Stoff fürs Kontrastspiel bis hin zu düsterer Dramatik gegenüber seligem Schwärmen, aber auch reichlich Momente feinsten Changierens, scheinbar ohne Sicherheit über das Ziel.
Das Rasumowsky-Quartett F-Dur op. 59/1 sollte sich in seiner Klarheit und emotionalen Eindeutigkeit als dankbarer erweisen. Zumindest in der entschiedenen Interpretation des Belcea Quartets. Zeitgenossen Beethovens schimpften es „Flickwerk eines Wahnsinnigen“. Das rhythmisierte Wiederholen eines Tones etwa, musste bei Zeitgenossen auch auf völliges Unverständnis treffen. Beim Belcea Quartet wurde das Motiv zu einem sehr wandelbaren Element zwischen dröhnendem Hämmern und zarten Tröpfeln – mit unzähligen Abstufungen dazwischen. Verwunderlich ist nur, dass die Zeitgenossen nicht vom betörenden Adagio versöhnt worden sind. Belcea konnte hier einmal mehr weit in die Innigkeit abtauchen, natürlich nur deshalb so atemberaubend schön, weil Axel Schacher (Violine), Krzysztof Chorzelski (Viola) und Antoine Lederlin (Violoncello) es verstanden, sich in warmer Klangsubstanz noch viel weiter zurückzunehmen, obgleich in einen bisweilen recht motivreichen Begleitpart. Dass dieses Konzert nicht ohne Zugabe enden konnte, war im Grunde schon recht früh klar. Das Presto aus op. 130 überzeugte noch einmal mit spieltechnischen Finessen und effektvoll gesetzten Pointen. Der Start ins Jahr des 250. Geburtstags Beethovens hätte nicht euphorisierender ausfallen können.